Posts mit dem Label Vampire werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Vampire werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

24. August 2017

Die Überfahrt - Mats Strandberg

Produktinfos:

Ausgabe: 2017 bei TOR (Fischer)
Seiten: 512
* * * * *
Der Autor:

Mats Strandberg aus Schweden, Jahrgang 1976, arbeitet als Journalist bei Schwedens größter Abendzeitung. Weitere Werke sind die Engelfors-Trilogie (Zirkel, Feuer, Schlüssel) und der Roman "Halbes Leben".

Inhalt:

Seit etlichen Jahren fährt die schwedische Ostsee-Fähre "Baltic Charisma" dieselbe Route von Stockholm nach Finnland. An Board ist stets eine bunte Mischung aus allen Altersklassen - Familien mit Kindern, junge Leute in Partystimmung, Senioren. Es fließt reichlich Alkohol, man will sich hier amüsieren und die Alltagssorgen vergessen.

Zu den Passagieren gehört diesmal die ältere, alleinstehende Marianne, die ihrem tristen Alltag entfliehen will und den etwa gleichaltrigen Göran kennenlernt. Ebenfalls an Bord ist der zwölfjährige Albin mit seiner Familie, in der einige Spannungen herrschen. Calle wiederum gehörte vor acht Jahren selbst zum Bordpersonal. Heute möchte er seinem Lebensgefährten Vincent einen Heiratsantrag machen. Die junge Madde will mit ihrer besten Freundin Zandra feiern und die Sorge um ihren drohenden Jobverlust verdrängen.

In der Karaokebar moderiert der ehemalige Schlagerstar Dan Applegren, der sich mit dem verhassten Job mühsam über Wasser hält. Niemand ahnt, dass sich diesmal auch zwei besondere Passagiere an Bord befinden - eine geheimnisvolle Frau und ein kleiner Junge. Mit ihnen kommt das Grauen an Bord - und es scheint kein Entrinnen zu geben ...

Bewertung:

"Die Überfahrt" von Mats Strandberg braucht eine Weile, bis es sich zu einem Horrorroman entwickelt - dann jedoch schlägt der Horror umso erbarmungsloser zu.

Zunächst befasst sich die Handlung vor allem mit dem Porträt des Schiffes und seinen Gästen, einem bunten Potpourri aus allen Altersklassen und Herkünften. Viele von ihnen vereint allerdings, dass sie gescheiterte Existenzen sind, die auf der "Baltic Charisma" ihrem trostlosen oder problematischen Alltag entfliehen möchten; sie sind ein bisschen wie das Schiff selbst, das mittlerweile in die Jahre gekommen ist, bei dem niemand genau weiß, wie lange es überhaupt noch fahren wird. Der Alkohol fließt in Strömen, in den Bars und Discotheken wird getanzt und geflirtet, Hemmungen werden fallengelassen. Offiziell wollen sich alle amüsieren, und doch liegt beständig der Geruch von Verzweiflung in der Luft. Auf der "Baltic Charisma" versammeln sich auf jener Überfahrt unzählige Probleme und Konflikte, Hoffnungen und Wünsche, die auch ohne den später auftretenden übernatürlichen Aspekt der Handlung bereits eine düstere Atmosphäre verleihen.

Besonders berührend sind die Geschichten von Marianne und Albin. Marianne ist eine ältere, einsame Frau, die sich von der Fahrt ein wenig Aufmunterung und Abwechslung verspricht. Sie lernt den etwa gleichaltrigen Göran kennen, der hier mit seinen Freunden feiert. Auch wenn Göran gewiss kein Traummann auf den ersten Blick ist, fühlt sich Marianne zu ihm hingezogen, er macht ihr Komplimente - und die scheue Frau hofft, dass sich zwischen ihnen etwas entwickeln könnte, was vielleicht über diese Nacht hinaus Bestand hat. Sie ist eine liebenswerte Figur, deren Schmerz und Einsamkeit eindringlich dargestellt werden und mit der man unwillkürlich mitfühlt.

Gut gelungen ist auch die Darstellung des kleinen Albin. Das lang ersehnte Wiedersehen mit seiner Cousine Lo fällt anders als als erhofft, denn Lo ist ein schnippischer Teenager geworden, zeigt sich genervt von der ganzen Reise und erinnert kaum noch an seine damals beste Freundin, mit der er so viele Abenteuer erlebte. Während er dem Wiedersehen entgegenfieberte, ist Lo offenbar nur sehr widerwillig mitgekommen. Sie rollt ständig abwertend die Augen, kommentiert alles sarkastisch mit "Nice", kaut gelangweilt Kaugummi und interessiert sich in erster Linie für Mode und Make-up - enttäuschend und einschüchternd für Albin, der in der aufreizenden jungen Dame kaum noch seine Kinderfreundin wiedererkennt. Dazu belasten Albin die Sorgen um seine geliebte Mutter, die im Rollstuhl sitzt, und um den immer öfter alkoholisierten Vater, bei dem sich ein schwerwiegendes psychisches Problem herauskristallisiert. Albins Kummer ist sehr gut nachvollziehbar, in kürzester Zeit wächst einem der Junge ans Herz. Umso schöner ist es dann, als Lo schließlich doch langsam auftaut und Albin zaghaft die alte Vertrautheit zwischen ihnen erahnt.

Mitreißend ist zudem die Geschichte um Calle, der seinem Lebensgefährten Vincent einen Heiratsantrag macht - der ganz anders endet, als er sich gedacht hatte. Absolut kein Sympathieträger, aber dennoch eine gut dargestellte Figur ist der abgehalfterte Schlagerstar Dan Applegren. Vor zwanzig Jahren hatte er seinen großen Hit, scheiterte allerdings selbst damit beim Grand-Prix-Vorentscheid. Heute kann er vom damaligen Ruhm nur noch träumen; den verhassten Moderationsjob in der Karaokebar erträgt er nur dank Koks und williger Groupies.

Lange Zeit geht es abwechselnd um die Probleme, Sorgen und Gedanken dieser und noch ein paar weiterer Passagiere. Recht spät kommt der Horror in Form moderner Vampire ins Spiel, die die Überfahrt in einen grausigen Alptraum verwandeln und die Opfer zu zombieähnlichen Wesen machen. Auch nach den ersten Vorkommnissen ahnen die Passagiere noch nicht, was wirklich vor sich geht. Für Spannung ist dadurch gesorgt, dass man um das Leben der sympathischen Charaktere bangt und hofft, dass sie dem Grauen entrinnen können, dass sie vielleicht mit einem Rettungsboot fliehen können oder mit dem Schiff rechtzeitig die Küste erreichen.

Während die beklemmende und düstere Atmosphäre hervorragend eingefangen wird und die Charaktere überzeugen, sind die Schilderungen der brutalen Übergriffe und des Blutdurstes der Vampire etwas zu ausufernd geraten. Die drastischen Szenen nehmend phasenweise etwas überhand und sind ein wenig zu plakativ geraten; zudem lesen sie sich auf Dauer recht ermüdend, weil repetetiv. Grundsätzlich ist "Die Überfahrt" ein Roman, der sich Zeit für die Handlungsentfaltung nimmt und damit auch Geduld beim Leser einfordert.

Fazit:

"Die Überfahrt" von Mats Strandberg ist ein atmosphärisch sehr dichter Horrorroman mit überwiegend sehr gelungenen Charakteren, der gut unterhält und berührt - sieht man davon ab, dass der Horror erst spät ins Spiel kommt und dann teilweise ein bisschen zu brutal geschildert wird.

29. Dezember 2014

Der kleine Vampir feiert Weihnachten - Angela Sommer-Bodenburg

Produktinfos:

Ausgabe: 2000
Seiten: 128
Amazon
* * * * *
Die Autorin:

Angela Sommer-Bodenburg wurde 1948 bei Hamburg geboren und lebt seit 1992 in Kalifornien. Bisher sind über 40 Bücher von ihr erschienen, darunter Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und Bilderbücher. Ihre Werke wurden in 27 Sprachen übersetzt. Weitere Gruselbücher von ihr neben der Reihe um den kleinen Vampir sind z.B. "Die Moorgeister" und "Wenn du dich gruseln willst". Eine weitere sehr erfolgreiche Buchserie ist die Reihe um den sprechenden Bernhardiner "Schokolowski".

Inhalt:

Es ist Adventszeit und Anton vermisst seine vampirischen Freunde Rüdiger und Anna, die er seit einer Weile nicht mehr gesehen hat. Antons Mutter schlägt ihm daraufhin vor, dass er die beiden zu Weihnachten einladen soll. Sie mag Rüdiger und Anna zwar nicht besonders gut leiden, hat aber Mitleid, da sie ahnt, dass die beiden zuhause kaum Weihnachten feiern werden.

Anna ist begeistert über die Einladung und auch Rüdiger nimmt das Angebot gerne an, Heiligabend bei den Bohnsacks zu verbringen. Anton und seine Mutter besorgen einige Geschenke für die beiden. An Heiligabend haben sich Rüdiger und Anna wie üblich, wenn sie Anton offiziell besuchen, als Menschen verkleidet und sich mit brauner Schminke etwas Farbe verliehen.

Der Weihnachtsabend stellt sowohl die Vampire als auch die Bohnsacks vor einige Herausforderungen - schließlich haben Rüdiger und Anton seit mehr als 150 Jahren kein Weihnachtsfest mehr gefeiert und am Essen teilnehmen können sie natürlich auch nicht. Schließlich steht auch noch Lumpi vor der Tür, der ältere und unberechenbare Bruder der beiden ...

Hark! The Herald Vampires Sing ...

Bereits ein paar Mal ist es vorgekommen, dass Antons Eltern seine besten Freunde Rüdiger und Anna trafen und sich über das vampirhafte Aussehen der beiden Kinder wunderten - schließlich ahnen bzw glauben sie nach wie vor nicht, dass es sich bei den beiden tatsächlich um Vampire handelt. Schon das war stets kein leichtes Unterfangen und Anton hatte des Öfteren Sorge, dass seine Eltern aus den teils verräterischen Verhaltensweisen und Aussagen seiner Freunde die richtigen Schlüsse ziehen.

Ein gemeinsames Weihnachtsfest mit Rüdiger und Anna bedeutet indessen eine besondere Herausforderung, schließlich sind die Vampire dies gar nicht mehr gewohnt. So steht Anton dem Heiligen Abend mit einer Mischung aus Vorfreude und Besorgnis gegenüber - natürlich verbringt er diesen Tag gerne mit seinen besten Freunden, doch er ahnt schon, dass es kein allzu entspanntes Fest werden wird. Da fängt bereits mit den Weihnachtseinkäufen an: Antons Mutter hat wieder einmal ganz andere Vorstellungen davon, was Rüdiger und Anna gefallen könnte. Reiterhofbücher, Spiegel oder einen Fotoapparat will sie verschenken, doch zu ihrem Befremden hält Anton Kerzen, Vampirbücher und eine Taschenlampe für viel geeigneter. Natürlich sind den beiden Vampirkindern auch die Gepflogenheiten zu Heiligabend fremd. Während sich Anna bei der Bescherung recht schüchtern verhält, benimmt sich Rüdiger mal wieder umso dreister.

Ein Problem stellt wie üblich das Thema Essen dar. Zu Beginn ihrer Freundschaft hat sich Anna, damals noch "die Zahnlose" genannt, zumindest noch von Milch ernährt und konnte so in Gegenwart von Antons Eltern Käsehäppchen zu sich nehmen. Inzwischen trinkt auch Anna ausschließlich Blut; bei Antons Familie steht allerdings traditionellerweise zu Weihnachten "Ente à la Bohnsack" auf dem Tisch - die Vampirkinder müssen sich hier elegant aus der Affäre ziehen.

Die Handlung ist größtenteils humorvoll; immer wieder ergeben sich aus dem ungeschickten Verhalten der Vampire und den verblüfften Reaktionen von Antons Eltern darauf witzige Situationen. Anton selbst wird ein ums andere Mal in peinliche Lagen gebracht, da Anna ihm wieder einmal recht unverblümt ihre Gefühle demonstriert - zu Antons Verlegenheit in Gegenwart seiner Eltern. Eine gewisse Spannung kommt ebenfalls auf, schließlich ist nicht abzusehen, wie dieser Besuch der Vampire bei Anton ausgehen wird und ob sie sich nicht vielleicht doch mal gegenüber Herrn und Frau Bohnsack verraten. Des Weiteren stimmt das Buch positiv auf Weihnachten ein. Bei Bohnsacks herrschen viele Traditionen, ohne dass das Fest zu steif gestaltet würde: Anton schreibt einen Wunschzettel und bastelt Geschenke für seine Eltern, es gibt einen geschmückten Tannenbaum mit Kerzen, vor der Bescherung klingelt ein Glöckchen und im Anschluss an das Weihnachtsessen vergnügt sich die Familie mit Brettspielen.

Zudem hat Lumpi, der ältere und meist unangenehme Bruder von Rüdiger und Anna hier mehrere Auftritte. Er hat offiziell die Erlaubnis vom Familienrat erhalten, sich mit Geiermeiers Gehilfen Schnuppermaul anzufreunden, um so mehr über die Vorhaben des Vampirjägers zu erfahren. Da er an Schnuppermauls und Geiermeiers Weihnachtsfeier teilnehmen wird, ist Lumpi ausnahmsweise in Weihnachtsstimmung - und schenkt Anton einen scheußlichen Plastik-Tannenbaum, der anschließend gestohlen gemeldet wird und der Anton vor seinen Eltern in die Bredouille bringt; nicht zu vergessen Lumpis spontaner Besuch bei Antons Eltern.

Obwohl der Band im Großen und Ganzen überzeugt, stört mal wieder Antons stoffeliges und begriffsstutziges Verhalten, das hier besonders ausgeprägt ist. Es ist sehr erfreulich, dass Antons Mutter sich so um Rüdiger und Anna sorgt und sie zu Weihnachten einlädt, schließlich findet sie die beiden Kinder mit ihrem "Vampirtick" ziemlich befremdlich. Anton aber bedankt sich gar nicht bei seiner Mutter für dieses Entgegenkommen, reagiert nur mit einem knappen "Ja" auf die Frage, ob er seine Freunde einladen wird. Nicht zum ersten Mal bedauert man als Leser, dass Hauptfigur Anton keine besonders interessante Gestalt ist. Er verhält sich überwiegend passiv, lässt sich von Rüdiger und Lumpi herumkommandieren und reagiert ausweichend-diplomatisch auf Annas liebevolle Kommentare - viel mehr an Reaktionen zeigt Anton nicht. Das macht ihn ein bisschen zu unspektakulär und nicht gerade zur perfekten Identifikationsfigur für junge Leser.

Fazit:

Gelungener Band aus der Reihe um den kleinen Vampir, der diesmal das Weihnachtsfest in den Mittelpunkt stellt. Unterhaltsame und amüsante Lektüre, nur Antons Verhalten fällt zwischendurch immer mal wieder etwas störend auf.

13. November 2014

Brennen muss Salem - Stephen King

Produktinfos:

Ausgabe: 1997
Seiten: 576
Amazon
* * * * *
Der Autor:

Stephen King, Jahrgang 1947, zählt zu den erfolgreichsten Autoren der Welt und schreibt überwiegend Horror und Thriller. 1973 veröffentlichte der ehemalige Lehrer mit "Carrie" seinen ersten Roman, der sofort ein Bestseller wurde. Alle folgenden Bücher wurden ebenfalls Welterfolge, viele davon sind von namhaften Regisseuren verfilmt wurden. Zu den bekanntesten Werken zählen unter anderem: Es, Christine, Shining, Misery und The Stand. Stephen King lebt zurückgezogen mit seiner Familie in Bangor, Maine.

Inhalt:

Die Kleinstadt Jerusalems Lot, kurz Salems Lot genannt, in Maine: Seit Hubert Marsten seine Frau ermordet und sich anschließend erhängt hat, gilt das Marsten-Haus als Spukort. Als Junge verschafft sich Ben Mears aufgrund einer Mutprobe Zutritt zum Haus und glaubt, den gehängten Hubert Marsten gesehen zu haben.

Fünfundzwanzig Jahre später kehrt Ben Mears, inzwischen ein recht erfolgreicher Schriftsteller, nach Salems Lot zurück. Er möchte das immer noch verrufene Marsten-Haus mieten und ein Buch über dessen Vergangenheit schreiben. Doch zu seiner Überraschung wurde das Haus kurz zuvor verkauft. Die neuen Eigentümer sind die Antiquitätenhändler Kurt Barlow und Richard Straker. Während sich Barlow offenbar noch im Ausland befindet, stellt sich Straker im Ort vor. Trotz seiner leicht zynischen und herablassenden Art nimmt der ältere Mann viele Einwohner mit seinem höflichen Charme und seinem eleganten Auftreten für sich ein.

Während sich Ben Mears in seiner alten Heimat langsam wieder einlebt und mit der jungen, liebenswerten Susan Norton ausgeht, geschehen seltsame Dinge: Zuerst verschwindet der kleine Ralph Glicks und sein älterer Bruder Danny bleibt verstört zurück. Wenig später stirbt Danny unter mysteriösen Umständen an starker Blutarmut. Kurz darauf stirbt zudem ein Mann, der ähnliche Symptome wie Danny aufweist. Ben, der alte Englischlehrer Matt Burke, Pater Callahan, der Arzt Jimmy Cody, der kleine Mark und Susan sind die Einzigen, die ahnen, was hinter diesen Todesfällen steckt. Trotz aller Gefahren wollen sie sich dem Bösen entgegen stellen ...

Bewertung:


Bereits in seinem zweiten veröffentlichten Roman zeigt Stephen King, wenn auch noch nicht in Vollkommenheit, seine Stärken, die ihn zu einem der erfolgreichsten Autoren des 20. und 21. Jahrhunderts gemacht haben - eine spannende Handlung, die sich an zunächst unscheinbaren Ort abspielt, böse übernatürliche Mächte, eine Gruppe sympathischer Charaktere, die sich tapfer entgegen stellt und bei aller Dramatik und Melancholie auch stets ein Sinn für kleine humorvolle Momente. Es ist, wie so häufig bei King, insbesondere auch die Geschichte einer kleinen Stadt, ihrer Stärken und Schwächen, ihrer typischen Vertreter und ihrem Untergang.

Vampire zählen zu den beliebtesten Horrorgestalten und King greift hier vorwiegend auf traditionelle Vorstellungen zurück. Seine Vampire ernähren sich von Blut, welches verjüngende Effekte auslöst, sie meiden das Sonnenlicht und das christliche Kreuz, besitzen hypnotisierende Fähigkeiten, können durch einen Pflock ins Herz vernichtet werden und müssen von ihrem Opfer herein gebeten werden, um in ein Haus zu gelangen. Der Erzähler unternimmt auch keine großartigen Versuche, zu verschleiern, dass es auf eine Vampirgeschichte hinauslaufen wird; einzig das verrufene Marsten-Haus lässt zunächst eher an Geisterstorys wie "Spuk in Hill House" denken. Doch sobald die ersten seltsamen Dinge in Salems Lot vor sich gehen, liegen die vampirischen Hintergründe auf der Hand.

"Brennen muss Salem" hat seine unheimlichen Momente, obgleich es in diesem Bereich nicht ganz an besonders gruselige Werke wie "Friedhof der Kuscheltiere" oder "Shining" heran reicht. Das liegt sicher auch am grundsätzlich eher niedrigen Gruselfaktor der Gattung Vampire, deren erste moderne Vertreter wie John Polidoris Lord Ruthven oder Sheridan le Fanus Carmilla bereits durch erotische Anziehungskraft statt durch Monstrosität auffallen. King hält sich in seiner Darstellung des Obervampirs eng an dem Vorbild Dracula nebst weiteren Reminiszenzen; ja selbst die Truppe um Ben Mears stellt einmal fest, wie sehr sie der kranke, aber energische Matt Burke an einen gewissen Van Helsing erinnert. Den weiteren Vampiren allerdings geht dieser elegante Charme gänzlich ab; ihnen entströmt der Grabgeruch und ihre bleichen Gesichter und ihre roten Augen sind nur mehr furchterregend statt attraktiv.

In seinem Schreibratgeber "On Writing" rät Stephen King unter anderem zum Prinzip "Kill your darlings". Gemeint ist damit die Bereitschaft, sich von liebgewonnenen Sätzen/Szenen/Charakteren zu trennen, wenn dem Werk damit aus objektiver Sicht gedient ist. "Kill your darlings" ist bei King aus inhaltlicher Sicht insofern oft Programm, als dass bei ihm häufig sympathische Charaktere ihr Leben lassen müssen - auch in "Brennen muss Salem" wird der Leser schmerzhaft damit konfrontiert. Stephen King ist wahrlich ein Meister darin, dem Leser gewisse Figuren ans Herz wachsen zu lassen, ehe er sie einem wieder entreißt und in "Brennen muss Salem" erleiden mehrere liebenswerte Charaktere dieses Schicksal. Natürlich wird auch in diesem Werk nicht auf intertextuelle Bezüge innerhalb des King-Universums verzichtet - beispielsweise einer der Figuren wird man im Dark-Tower-Zyklus wieder begegnen. Zudem gibt es in der Kurzgeschichtensammlung "Nachtschicht" zwei Werke, die mit "Brennen muss Salem" zusammenhängen: "Briefe aus Jerusalem" kann als Vorgängergeschichte für den Roman gelesen werden, während "Einen auf den Weg" kurz nach den Ereignissen des Romans in Salem's Lot spielt.

Zu den kleinen Schwächen des Romans gehört die zu unrealistische Gestaltung des kleinen Mark Petrie. Grundsätzlich hat Stephen King den Hang, seine Kinderfiguren zu reif, zu altklug und dazu gerne auch spirituell begabt zu konstruieren - man denke da etwa an Danny aus "Shining", Trisha aus "Das Mädchen" oder David aus "Desperation". Auch Mark ist kein typischer Zwölfjähriger, sondern ein überschlauer, cleverer Junge, der in Sachen Tapferkeit und Entschlusskraft den meisten Erwachsenen voraus ist. Mark ist ohne Frage sympathisch, aber es fällt schwer, sich einen Knirps vorzustellen, der alleine loszieht, um einen Vampir zu vernichten und all die schrecklichen Dinge so gut zu verkraften, wie es ihm gelingt.

Zu konstruiert handelt auch eine andere Figur, die sich viel zu unvorsichtig verhält und allzu leicht in die Hände des Obervampirs fällt. Es ist beinah ärgerlich, zu verfolgen, wie leichtsinnig sich diese Person verhält und es wirkt viel zu simpel und zu phantasielos, wie ihr Schicksal inszeniert ist. Grundsätzlich fällt auf, dass Charaktere nicht unbedingt zu den facettenreichsten aus Kings Œuvre zählen und man spürt durchaus, dass der Autor hier noch zu Beginn seiner Karriere stand. Sympathisch sind sie zwar, aber sie bleiben kaum nachhaltig im Gedächtnis nach Abschluss der Lektüre. Vor allem Protagonist Ben Mears wirkt unterm Strich ein bisschen zu blass; seine traurige Vergangenheit - der Tod seiner Ehefrau bei einem Motorradunfall - rührt zwar an, erreicht aber nicht die Tiefe, die die Schicksale anderer Kingscher Charaktere präsentieren.

Fazit:


Unterm Strich ein lesenswerter Vampirroman, der zu Stephen Kings Frühwerken zählt. "Brennen muss Salem" erreicht zwar noch nicht die Klasse von Kings besten Büchern, versteht aber dennoch auf spannende Weise zu unterhalten.

1. Oktober 2013

Der kleine Vampir und die große Verschwörung - Angela Sommer-Bodenburg

Produktinfos:

Ausgabe: 2000
Seiten: 128
Amazon
* * * * *
Die Autorin:

Angela Sommer-Bodenburg wurde 1948 bei Hamburg geboren und lebt seit 1992 in Kalifornien. Bisher sind über 40 Bücher von ihr erschienen, darunter Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und Bilderbücher. Ihre Werke wurden in 27 Sprachen übersetzt. Weitere Gruselbücher von ihr neben der Reihe um den kleinen Vampir sind z.B. "Die Moorgeister" und "Wenn du dich gruseln willst". Eine weitere sehr erfolgreiche Buchserie ist die Reihe um den sprechenden Bernhardiner "Schokolowski".

Hintergrund:

Der achtjährige Anton ist ein Vampirfan und liebt gruselige Bücher. Sein bester Freund ist Rüdiger, ein echter kleiner Vampir, der eines Abends auf seinem Fensterbrett saß. Da Rüdiger selbst noch ein Kind ist, freundeten sich die beiden rasch an. Auch Rüdigers kleine Schwester Anna steht Anton sehr nah. Antons Eltern jedoch glauben nicht an Vampire, daher müssen sie sich in ihrer Gegenwart als Menschen ausgeben und ihre nächtlichen Ausflüge mit Anton geheim halten.

Inhalt:

Anton hat eine gute Möglichkeit gefunden, um endlich mehr über den geheimnisvollen Igno von Rant herauszufinden - den angeblichen Vampir, der in Annas und Rüdigers Familie einheiraten will. In dem auffallend neuen Sarg, den Anton in dessen Villa entdeckt hat, steht der Name des Sargtischlers. Anton schiebt bei jenem Johann Holzrock ein Schulreferat vor und erfährt von einem Käufers namens Doktor Gans - dessen markantes Auto vor Igno von Rants Villa geparkt hat. Tatsächlich sieht Anton tags darauf Doktor Gans bei der Villa Reinblick und spekuliert, dass er der menschliche Gehilfe von Igno von Rant ist.

Damit die Verlobungszeremonie fehlerfrei gelingt, legen Tante Dorothee und Igno von Rant eine Probe ab. Wieder spürt Anton, der heimlich mit Anna die Zeremonie beobachtet, Misstrauen gegenüber Igno von Rant - doch weder die verliebte Tante Dorothee noch Anna, die "Onkel Igno" wegen seiner freigiebigen Geschenke immer noch für nett und harmlos hält, sind misstrauisch.

Erst als Anton Anna suggeriert, dass ihre Cousine Olga seine Bedenken teilt, reagiert Anna aus Eifersucht - und macht bei ihren Nachforschungen eine interessante Entdeckung, der Anton nachgehen muss und die ihn zu einer großen Verschwörung führt ...

Vampirische Verschwörungen

Im 13. Band der Kleine-Vampir-Serie und dem fünften, der sich um Igno von Rant dreht, wird jene Fortsetzungsgeschichte um Igno von Rant zu Ende geführt und sein Geheimnis endlich gelüftet. Vor allem gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse, wenn Anton äußerst prekäre Entdeckungen macht. Für Spannung ist daher gesorgt, gleich in mehrfacher Hinsicht: Natürlich geht es vor allem darum, zu klären, was es mit Igno von Rant auf sich hat, der beim Psychologen Herrn Schwartenfeger ein Programm zur Heilung der "Sonnenphobie" absolvierte, ausgerechnet die füllige und leicht reizbare Tante Dorothee heiraten will, nachts nicht gut sehen kann und lieber zu Fuß geht als zu fliegen. Anton ist von Anfang an misstrauisch und grübelt hin und her, was Igno von Rant mit seiner Einheiratung in die Familie Schlotterstein bezwecken könnte und ob er vielleicht sogar ein verkleideter Mensch sein könnte.

Weiterhin brisant ist, dass Rüdiger wieder auf seine Cousine Olga von Seifenschwein trifft, das so hübsche wie arrogante transsilvanische Vampirmädchen, das ihn erneut ausnutzt. Olga sorgt wiederum bei Anna für Eifersucht, weil sie sich etwas zu sehr für Anton interessiert, sich sogar bei seinen Eltern zeigt, die lustigerweise angetan sind von dem scheinbar so höflichen und adretten Mädchen. Anton hat seinerseits alle Mühe, sie sich im wahrsten Sinn des Wortes vom Hals zu halten. Es ist geschickt inszeniert, wie sich am Ende alles zusammenfügt, wie Antons vorherige Beobachtungen nun einiges in neuem Licht erscheinen lassen und auf welche Weise er seine Erkenntnisse gewinnt.

Trotzdem ist das Ende in gewisser Weise enttäuschend, denn Antons bahnbrechende Erkenntnisse werden nicht angemessen thematisiert. Die Folgen dieser Enthüllungen werden kaum angesprochen, gewisse Personen tauchen überhaupt nicht mehr auf - dabei wären gerade die Reaktionen von Herrn Schwartenfeger oder Tante Dorothee sehr interessant gewesen. Da auch im nachfolgenden Band nur unzureichend auf diese Thematik eingegangen wird, bleiben also ein paar Fragen offen und der Leser muss sich einiges zusammenreimen - und das, obwohl die Ereignisse genug Stoff für ein dramatisches Finale geliefert hätten. Zurück bleibt am Ende der unschöne Eindruck, die Fertigstellung des Buches sei in aller Eile erfolgt und ist es letztlich unverständlich, dass ein so liebloser Schluss den 'Höhepunkt' der Geschichte bilden soll, die sich über fünf Bände erstreckte.

Fazit:

Ein unterhaltsamer Band aus der Reihe, der das Hauptthema der Bände 9-13 abschließt und teils recht spannend ist - allerdings schöpft das Ende bei Weitem nicht das Potential aus und verläuft angesichts der Möglichkeiten etwas enttäuschend.

17. Mai 2013

Der kleine Vampir und der rätselhafte Sarg - Angela Sommer-Bodenburg

Produktinfos:

Ausgabe: 2000
Seiten: 128
Amazon
* * * * *

Die Autorin:

Angela Sommer-Bodenburg wurde 1948 bei Hamburg geboren und lebt seit 1992 in Kalifornien. Bisher sind über 40 Bücher von ihr erschienen, darunter Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und Bilderbücher. Ihre Werke wurden in 27 Sprachen übersetzt. Weitere Gruselbücher von ihr neben der Reihe um den kleinen Vampir sind z.B. "Die Moorgeister" und "Wenn du dich gruseln willst". Eine weitere sehr erfolgreiche Buchserie ist die Reihe um den sprechenden Bernhardiner "Schokolowski".

Hintergrund:

Der achtjährige Anton ist ein Vampirfan und liebt gruselige Bücher. Sein bester Freund ist Rüdiger, ein echter kleiner Vampir, der eines Abends auf seinem Fensterbrett saß. Da Rüdiger selbst noch ein Kind ist, freundeten sich die beiden rasch an. Auch Rüdigers kleine Schwester Anna steht Anton sehr nah. Antons Eltern jedoch glauben nicht an Vampire, daher müssen sie sich in ihrer Gegenwart als Menschen ausgeben und ihre nächtlichen Ausflüge mit Anton geheim halten.

Inhalt:

Wie befürchtet werden bei Anton Windpocken diagnostiziert. Anton ist darüber alles andere als froh, denn schließlich will er eigentlich so viel wie möglich über den merkwürdigen Igno von Rant herausfinden - den geheimnisvollen Vampir, der mit Rüdigers und Annas Tante Dorothee angebändelt hat und der bei Antons Psychologen Herrn Schwartenfeger eine Lichttherapie absolviert hat.

Anton will unbedingt herausfinden, warum Igno von Rant angeblich nachtblind ist - nach Antons Meinung hat er womöglich Schaden durch die Therapie genommen oder er ist womöglich gar kein echter Vampir. Leider sind ihm Rüdiger und diesmal auch Anna keine große Hilfe. Rüdiger geht mittlerweile alleine zu Herrn Schwartenfeger, wo auch eher das Programm absolviert und Anna findet "Onkel Igno" mittlerweile sehr nett.

Anton setzt seine Hoffnung dagegen auf Olga, die hochnäsige Cousine der beiden, die wieder im Lande ist: Olga verspricht ihm, über Igno von Rant zu recherchieren. Zudem wagt Anton nach seiner Genesung einen heimlichen Abstecher in die "Villa Reinblick", in der Igno von Rant seinen Sarg untergebracht hat ...

Bewertung:


Band Nummer 12 der Kleiner-Vampir-Reihe ist das vierte Buch, das sich um den geheimnisvollen Igno von Rant dreht und allmählich spitzen sich die Ereignisse zu. Eine Tagung des Familienrats der von Schlottersteins steht bevor, auf der beschlossen werden soll, ob Igno von Rant im Rahmen einer "Ehe auf Probe" für eine Weile in die Gruft zieht, damit er und Tante Dorothee sehen können, ob sie sich auch im allnächtlichen Einerlei verstehen. Anton allerdings hat immer mehr Zweifel an Igno von Rant. Vor allem ein erheblicher Widerspruch in dessen Aussage ist ihm aufgefallen: Anna hat ihm berichtet, dass Igno von Rant seine Nachtblindheit dadurch erklärt hat, dass er schon als Kind nächtelang im Sarg gelesen und sich dadurch die Augen verdorben habe. Anna hält dies für glaubwürdig und bezweifelt Antons Vermutung, dass Igno von Rant sich die Augen durch die Lichttherapie verdorben haben könnte - ja, sie glaubt nicht einmal, dass es sich bei "Onkel Igno" wirklich um diesen Patienten handelt und hält Anton für eifersüchtig.

Anton jedoch hat wegen seiner Krankheit nun viel Zeit, um nachzudenken. Dabei fällt ihm auf, dass an Igno von Rants Erklärung zur Nachtblindheit etwas nicht stimmen kann: Wenn er bereits als Kind "nächtelang" im Sarg mit der Taschenlampe gelesen hat, muss er als Kind Vampir geworden sein - dann allerdings wäre er seither äußerlich nicht gealtert. So ist es schließlich auch bei Rüdiger, Anna und Lumpi, die als Kinder bzw Jugendlicher zu Vampiren wurden und und schon seit 150 Jahren unverändert aussehen. Da liegt es natürlich nah, anzunehmen, dass sich Igno von Rant vielleicht einfach verplappert hat. Plötzlich gilt Antons Sorge nicht mehr nur der möglicherweise verhängnisvollen Lichttherapie - sondern er befürchtet, dass Igno von Rant vielleicht gar kein echter Vampir ist.

Ausnahmsweise ist er ganz froh über den unerwarteten Besuch von Olga, die ihm sonst nicht gerade geheuer ist, zumal sie zwar hübsch, aber auch berechnend ist. Im Gegensatz zu Anna und Rüdiger ist Olga, die Igno von Rant noch nicht kennt, empfänglich für Antons Theorie. Sie bezweifelt zwar, dass sich Tante Dorothee von einem Menschen täuschen lassen würde, aber sie ist zumindest überzeugt, dass mit ihm irgendetwas nicht stimmt. Da sie Tante Dorothee sehr nah steht, ist sie gerne bereit, Näheres herauszufinden. Und als schließlich Anna von Olgas Besuch und ihren angekündigten Nachforschungen erfährt, ist sie selbst auf einmal eifrig dabei zu recherchieren, da sie der vermeintlichen Rivalin keinen Triumph gönnt.

Für Spannung ist also allemal in diesem Band gesorgt, wegen der Enthüllungen über Igno von Rant, Antons Herumstöbern in der verfallenen Villa, Olgas überraschendem Besuch und dem angespannten Verhältnis zu Anna. Negativ fällt aber auf, dass keiner der Vampire von selbst den Widerspruch in Igno von Rants Aussage bemerkt. Anton stößt erst darauf, als er in Ruhe über alles nachdenkt, das ist bei ihm auch nachvollziehbar - dass sich aber weder Tante Dorothee noch Anna über diese Aussage wundern, ist nicht verständlich. Zudem verhält sich Rüdiger in diesem Band noch egoistischer als sonst und bei seiner Unleidlichkeit wird sehr dick aufgetragen; in diesem Band ist es wirklich nicht leicht zu verstehen, weshalb Anton überhaupt mit ihm befreundet ist.

Fazit:


Grundsätzlicher sehr lesenswerter Band, der vor allem durch eine spannende Handlung überzeugt, die nahtlos an die drei vorangegangenen Bände anknüpft. Eine seltsame Unlogik gibt es allerdings, dazu ist die Darstellung des kleinen Vampirs in diesem band ziemlich unsympathisch geraten.

12. Mai 2013

Der kleine Vampir und die Klassenfahrt - Angela Sommer-Bodenburg

Produktinfos:

Ausgabe: 2000
Seiten: 128
Amazon
* * * * *

Die Autorin:

Angela Sommer-Bodenburg wurde 1948 bei Hamburg geboren und lebt seit 1992 in Kalifornien. Bisher sind über 40 Bücher von ihr erschienen, darunter Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und Bilderbücher. Ihre Werke wurden in 27 Sprachen übersetzt. Weitere Gruselbücher von ihr neben der Reihe um den kleinen Vampir sind z.B. "Die Moorgeister" und "Wenn du dich gruseln willst". Eine weitere sehr erfolgreiche Buchserie ist die Reihe um den sprechenden Bernhardiner "Schokolowski".

Hintergrund:

Der achtjährige Anton ist ein Vampirfan und liebt gruselige Bücher. Sein bester Freund ist Rüdiger, ein echter kleiner Vampir, der eines Abends auf seinem Fensterbrett saß. Da Rüdiger selbst noch ein Kind ist, freundeten sich die beiden rasch an. Auch Rüdigers kleine Schwester Anna steht Anton sehr nah. Antons Eltern jedoch glauben nicht an Vampire, daher müssen sie sich in ihrer Gegenwart als Menschen ausgeben und ihre nächtlichen Ausflüge mit Anton geheim halten.

Inhalt:

Antons Klasse macht eine Klassenfahrt, leider ausgerechnet mit dem strengen und recht faden Lehrer Herrn Fliegenschneider. Anton hat keine Lust auf diese Fahrt, schließlich bedeutet es, ein paar Tage von seinen Vampirfreunden Rüdiger und Anna getrennt zu sein. Doch es kommt anders - Rüdiger und Anna wollen ihn nachts im Schullandheim besuchen.

Antons hat zudem eine neue Mitschülerin namens Viola. Fast alle Jungs aus der Klasse sind begeistert von dem hübschen Mädchen. Anton allerdings erinnert Viola charakterlich wie optisch an die arrogante Olga, Rüdigers und Annas Cousine. Tatsächlich sieht die blonde, blauäugige Viola Olga sehr ähnlich.

Das bemerkt auch Rüdiger, der Olga immer noch hinterher trauert. Er überredet Anton, ihn mit Viola nachts bekannt zu machen. Anton erklärt Viola, dass Rüdiger ein Schauspieler sei und gerade in einem Vampirfilm mitspiele, damit sie sich nicht über sein Aussehen wundert. Viola ist begeistert von dem angeblichen Schauspieler und Rüdiger ist hingerissen. Allerdings ahnt Anton, dass Viola Rüdiger nur ausnutzt. Zudem besteht ständig die Gefahr, dass die nächtlichen Treffen von Lehrer oder Mitschülern bemerkt werden oder Rüdigers Tarnung auffliegt ...

Bewertung:

Die vergangenen fünf Bände konzentrierten sich auf das Geheimnis von Tante Dorothees Verehrer Igno von Rant und Rüdigers Lichttherapie, die ihm dabei helfen sollte, das Sonnenlicht zu vertragen.

Mit dieser Thematik ist jetzt abgeschlossen und dieser Band greift nur zu Beginn sehr kurz die vergangenen Ereignisse auf - Olga und Tante Dorothee haben fürs Erste die Schlottersteinsche Gruft verlassen und Rüdiger ist doppelt deprimiert - einmal, weil seine angebetete Olga wieder einmal das Interesse an ihm verloren hat und sich lieber zu "Hugo dem Haarigen" begibt und zum anderen, weil er noch unter den letzten Geschehnissen um Igno von Rant und die Lichttherapie zu leiden hat. Die Abstecher zum Schullandheim sollen ihn auf andere Gedanken bringen und das tun sie auch - wenn auch anders als gedacht. Statt Olga verdreht ihm nun Viola den Kopf, die in Sachen Hochnäsigkeit und Selbstverliebtheit dem Vampirmädchen kaum nachsteht.

Für Anton bedeutet die Klassenfahrt also einiges an Aufregung und Stress: Er muss die nächtlichen Ausflüge mit den Vampiren verbergen, Viola dazu bringen, Rüdiger kennen zu lernen und stets darauf achten, dass sich Rüdiger ihr gegenüber nicht verplappert und aus seiner Schauspiel-Rolle fällt. Dazu kommt noch die wieder mal eifersüchtige Anna, die nicht gerade erfreut ist, dass die hübsche Viola offenbar Interesse an Anton zeigt. Spannung gibt es also zu Genüge, vor allem hinsichtlich der Frage, was aus der Bekanntschaft zwischen Viola und Rüdiger wird und ob Anton seine Vampirfreunde vom Rest der Klasse inklusive Herrn Fliegenschneider verbergen kann. Auch abseits der vampirischen Handlung ist die Geschichte recht unterhaltsam mit dem typischen Klassenfahrtflair: Anstrengende Wanderungen, ein spießiger Lehrer, maulende Schüler, kleine Flirtereien und als Höhepunkt die ersehnte Abschlussparty, die, oh Wunder, unter dem Motto "Vampire" begangen wird.

Zu den besten Bände der Reihe zählt das Buch allerdings nicht. Zum einen wirkt die Geschichte um Rüdiger und Viola zu sehr wie ein Aufguss der Olga-Geschichte - Viola erinnert zu sehr an Olga und Rüdiger ist ihr genauso verfallen wie dem Vampirmädchen, das wirkt ein bisschen einfallslos. Zum anderen ist es etwas enttäuschend, dass der Band so gut wie gar nicht an die vorherigen anknüpft und nur wenig darüber enthüllt, was seit dem recht plötzlichen Ende des vorangegangenen Bandes geschah. Anton gelingt es darüber hinaus ein bisschen zu leicht, sich nachts aus dem Schlafsaal nach draußen zu schleichen und mit seinen Vampirfreunden davonzufliegen - schon in den Bänden, die zuhause spielen, fällt immer wieder störend auf, wie viel Glück Anton dabei hat, dass seine nächtlichen Aktivitäten von den Eltern unentdeckt bleiben. Etwas übertrieben ist auch das Gerede über "Beziehungen" innerhalb Antons Klasse, wenn man bedenkt, dass es sich hier immerhin um Grundschüler handelt. Nicht so ganz klar wird außerdem, was Rüdiger eigentlich mit seiner Bekanntschaft zu Viola bezwecken will - dass er ihr nicht ewig vortäuschen kann, ein berühmter Schauspieler zu sein, der gerade an einem Vampirfilm mitwirkt, dürfte ihm bewusst sein.

Fazit:

Recht unterhaltsamer, wenn auch nicht herausragender Band aus der Kleiner-Vampir-Reihe, der vor allem durch Spannung überzeugt, auch wenn die Geschichte um Viola ein bisschen wie ein Aufguss der altbekannten Olga-Thematik wirkt. Lesenswert, auch wenn es bessere Bände in der Reihe gibt.

26. April 2013

Der kleine Vampir und der Lichtapparat - Angela Sommer-Bodenburg

Produktinfos:

Ausgabe: 2000
Seiten: 128
Amazon
* * * * *

Die Autorin:

Angela Sommer-Bodenburg wurde 1948 bei Hamburg geboren und lebt seit 1992 in Kalifornien. Bisher sind über 40 Bücher von ihr erschienen, darunter Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und Bilderbücher. Ihre Werke wurden in 27 Sprachen übersetzt. Weitere Gruselbücher von ihr neben der Reihe um den kleinen Vampir sind z.B. "Die Moorgeister" und "Wenn du dich gruseln willst". Eine weitere sehr erfolgreiche Buchserie ist die Reihe um den sprechenden Bernhardiner "Schokolowski".

Hintergrund:

Der achtjährige Anton ist ein Vampirfan und liebt gruselige Bücher. Sein bester Freund ist Rüdiger, ein echter kleiner Vampir, der eines Abends auf seinem Fensterbrett saß. Da Rüdiger selbst noch ein Kind ist, freundeten sich die beiden rasch an. Auch Rüdigers kleine Schwester Anna steht Anton sehr nah. Antons Eltern jedoch glauben nicht an Vampire, daher müssen sie sich in ihrer Gegenwart als Menschen ausgeben und ihre nächtlichen Ausflüge mit Anton geheim halten.

Inhalt:

Der kleine Vampir hat sich nach der Probestunde endgültig entschlossen, die Lichttherapie von Antons Psychologen Herrn Schwartenfeger durchzuführen, die Vampire gegen das Sonnenlicht immun machen soll. Zu Antons und Annas Leidwesen redet Rüdiger allerdings fast nur noch von Cousine Olga, die bald wiederkehren will und für die er die Therapie machen möchte.

Auch Anton interessiert sich natürlich sehr für die Therapie - zu seinem Unwillen aber verhält sich Rüdiger derzeit noch unkameradschaftlicher als zuvor. Schließlich will Rüdiger sogar alleine zu den Sitzungen gehen und Anton fühlt sich ausgeschlossen.

Seine Aufmerksamkeit gehört dann jedoch einer anderen Neuigkeit: Rüdigers und Annas Tante Dorothee hat seit Kurzem einen Verehrer, dessen Beschreibung genau auf Igno von Rant passt, den geheimnisvollen angeblichen Vampir, der als Erster Herrn Schwartenfegers Lichttherapie absolvierte. Anna und Anton beobachten das Liebespaar heimlich - und Tante Dorothees Verehrer ist tatsächlich Igno von Rant. Anton ist sehr misstrauisch ihm gegenüber und immer noch nicht ganz sicher, ob er wirklich ein Vampir ist und was er von den Schlottersteins will - und zu seinem Entsetzen lässt sich aber ausgerechnet Anna von "Onkel Igno" einwickeln ...

Ein Vampir erlebt sonnige Zeiten

Die in den beiden vorherigen Bänden angerissene Handlung wird hier nahtlos weitergeführt und die Ereignisse spitzen sich langsam zu. Nachdem "In der Höhle des Löwen" einen kleinen qualitativen Rückschritt bedeutete, kann dieser Band wieder recht gut überzeugen.

Für Spannung ist in doppelter Hinsicht gesorgt: Zum einen macht Rüdiger bei der Lichttherapie große Fortschritte und sowohl der Leser als auch Anna und Anton sind neugierig, wie weit das noch führen wird. Rüdiger besucht sogar alleine die Therapiestunden, ein außergewöhnliches Risiko, das er aber offenbar gerne eingeht. Inzwischen werden nicht nur die üblichen Entspannungsübungen gemacht, sondern Rüdiger bekommt auch Lieder über die Sonne vorgespielt, trägt Sonnenbrille sowie einen gelben Trainingsanzug und muss mit gelber Knete basteln.

Zum anderen wird der geheimnisvolle Igno von Rant wieder in den Vordergrund gerückt. Alles deutet darauf hin, dass es sich bei ihm tatsächlich um einen echten Vampir handelt, bei der die Lichttherapie ein voller Erfolg ist - denn laut Herrn Schwartenfeger konnte er die Praxis bereits vor Sonnenuntergang besuchen. Für den kleinen Vampir wäre es immens wichtig, dass Igno von Rant ein echter Vampir ist, da er dann sicher könnte, dass die Therapie funktioniert. Aber Anton bleibt misstrauisch. Ihn irritiert beispielsweise die angebliche Nachtblindheit, die dafür sorgt, dass Igno von Rant nachts eine Taschenlampe braucht, statt wie ein richtiger Vampir blendend zu sehen. Für Anton gibt es da zwei besorgniserregende Erklärungen: Entweder ist Igno von Rant doch kein Vampir, oder aber diese Nachtblindheit ist eine Folge aus der Lichttherapie, was alarmierend für Rüdiger wäre. Zudem mag Anton den arrogant und schmierig wirkenden Mann nicht und beobachtet recht besorgt aus seinem Versteck, wie Anna ihren "Onkel" in dessen Villa begleitet.

Besonderen Reiz bringt Annas Verhalten in die Handlung: Anna ist normalerweise sehr clever und hält immer zu Anton. Doch nachdem "Onkel Igno" ihr einige schöne Kleider gegeben und seine Verlobte Tante Dorothee überredet hat, diese extravaganten Kleider zu dulden, ist sie plötzlich begeistert von ihm. Statt dass sie Antons Sorge teilt, lacht sie darüber, benimmt sich ungewohnt albern und unterstellt Anton glattweg Eifersucht. Anna ist überzeugt davon, dass "Onkel Igno" nicht der Patient aus der Praxis sein kann und Anton sich täuschen muss. Anton ist entsprechend verzweifelt - mit Rüdiger hat er sich zerstritten und die sonst so vernünftige Anna hat plötzlich für seine Befürchtungen kein Ohr mehr. Also sieht sich Anton gezwungen, allein dem merkwürdigen Igno von Rant auf den Grund zu gehen - ein riskantes Unterfangen, schließlich darf er dabei weder von ihm noch von Tante Dorothee bemerkt werden.

Zwischendrin gibt es die üblichen Problemchen mit seinen Eltern, Anton muss wie stets seine nächtlichen Aktivitäten mit den Vampiren geheim halten. Ein anderes Mal vergisst er den gelben Trainingsanzug bei Herrn Schwartenfeger und muss eine gute Ausrede für seine Mutter erfinden, warum er seinen neuen Anzug nicht tragen kann. Wie auch in anderen Bänden ist allerdings überzogen, wie sehr sich Anton drauf verlassen kann, dass seine Eltern am Wochenende ausgehen, dabei sehr lange wegbleiben und er stets Gelegenheit hat, nachts mit den Vampire unterwegs zu sein, das wirkt ein bisschen konstruiert.

Fazit:

Kein überragender, aber doch guter Band der Reihe um den "kleinen Vampir", der in direktem Zusammenhang mit den beiden vorhergegangenen Bänden steht. Für Spannung ist gesorgt, es kommt Neugierde auf den nächsten Band auf.

18. April 2013

Der kleine Vampir in der Höhle des Löwen - Angela Sommer-Bodenburg

Produktinfos:

Ausgabe: 2000
Seiten: 128
Amazon
* * * * *

Die Autorin:

Angela Sommer-Bodenburg wurde 1948 bei Hamburg geboren und lebt seit 1992 in Kalifornien. Bisher sind über 40 Bücher von ihr erschienen, darunter Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und Bilderbücher. Ihre Werke wurden in 27 Sprachen übersetzt. Weitere Gruselbücher von ihr neben der Reihe um den kleinen Vampir sind z.B. "Die Moorgeister" und "Wenn du dich gruseln willst". Eine weitere sehr erfolgreiche Buchserie ist die Reihe um den sprechenden Bernhardiner "Schokolowski".
Hintergrund:

Der achtjährige Anton ist ein Vampirfan und liebt gruselige Bücher. Sein bester Freund ist Rüdiger, ein echter kleiner Vampir, der eines Abends auf seinem Fensterbrett saß. Da Rüdiger selbst noch ein Kind ist, freundeten sich die beiden rasch an. Auch Rüdigers kleine Schwester Anna steht Anton sehr nah. Antons Eltern jedoch glauben nicht an Vampire, daher müssen sie sich in ihrer Gegenwart als Menschen ausgeben und ihre nächtlichen Ausflüge mit Anton geheim halten.

Inhalt:


Anna hat eine Überraschung für Anton: Sie sind zusammen mit Rüdiger und Lumpi auf eine Faschingsparty bei Friedhofsgärtner Schnuppermaul eingeladen. Lumpi hat sich, scheinbar als Vampir verkleidet, mit Schnuppermaul angefreundet und ihm vorgeschlagen, selbst mal eine solche Party zu veranstalten. Der vampirjagende Friedhofswärter Geiermeier liegt derzeit im Krankenhaus, Schnuppermaul allerdings glaubt nicht an Vampire und freut sich auf Gesellschaft.

Die Party verläuft etwas anders als geplant und vor allem für Anton recht aufregend. Noch aufregender wird es aber, als sich Rüdiger entschließt, an der Lichttherapie teilzunehmen, die Antons Psychologe Herr Schwartenfeger für Vampire entwickelt hat. Herr Schwartenfeger ist überzeugt, dass er Vampire von ihrer Sonnenphobie heilen kann - bei seinem geheimnisvollen Patienten Igno von Rant zeigen sich schon erste Erfolge.

Rüdiger hat gehört, dass seine große Liebe, seine arrogante Cousine Olga, in die Gruft der Schlottersteins zurückkehren will. Rüdiger will sie beeindrucken, indem er das Programm absolviert. Er und Anton sehen der ersten Probestunde bei Herrn Schwartenfeger mit großer Spannung entgegen ...

In der Löwenhöhle gibt es rote Gummibärchen


Mit "In der Höhle des Löwen" knüpft die Handlung direkt an den vorangegangenen Band an, in dem das Licht-Programm von Herrn Schwartenfeger, der angebliche Vampir Igno von Rant, der inzwischen an die Sonne gehen kann und Antons Party bereits angesprochen wurden. Fraglos ist dieser Band ziemlich unterhaltsam, doch er weist auch einige Schwächen auf - zunächst aber zu den positiven Aspekten:

Erster Höhepunkt der Handlung ist die Faschingsparty bei Friedhofsgärtner Schnuppermaul, die auch für den Titel des Buches verantwortlich ist - denn die Vampire begeben sich direkt in das Haus von Friedhofswärter Geiermeier, in die "Höhle des Löwen" also, auch wenn Geiermeier gerade außer Gefecht gesetzt im Krankenhaus liegt. Anton ist nicht gerade wohl bei dieser Party und das mit recht - Lumpi ist schließlich stets unberechenbar, zumal er eigentlich ohnehin noch wegen eines früheren Zwischenfalls schlecht auf Anton zu sprechen ist und es ist sehr riskant für die Vampire, sich mit Schnuppermaul einzulassen. Schnuppermaul ist zwar ein naiver, freundlicher Zeitgenosse, der im Gegensatz zu seinem Chef Geiermeier nicht an Vampire glaubt und sich recht einsam fühlt. Die scheinbar verkleideten Vampire sind ihm als Gäste willkommen und er hat sich große Mühe gegeben, das Haus gruselig zu dekorieren. Natürlich fehlt es auch nicht an Speisen und Getränken und Schnuppermaul hat ganz stilecht darauf geachtet, dass es nur rote Dinge zu essen und trinken gibt, von Gummibärchen über Blutwurst bis hin zu Tomaten und Götterspeise. Anton hat beständig Angst, dass sich einer der Vampire verraten könnte und dass selbst der naive Schnuppermaul merken könnte, wen er da so treuherzig eingeladen hat. Witzig ist es dabei aber auch zwischendurch, etwa wenn zu Schnuppermauls Entsetzen der übermütige Lumpi die Musik auf höchste Lautstärke dreht und dazu "Ich küsse Ihre Hand, Monsieur" grölt.

Dementsprechend verläuft Antons eigene Party, zu der ihn seine Eltern ermutigt haben und zu denen seine nicht-vampirischen Freunde kommen, natürlich viel unspannender - aber es ist ganz schön, dass hier Antons menschliche Freunde mal eine kleine Rolle spielen und er auch ohne Rüdiger und Anna Spaß hat. Reizvoll ist das Zusammentreffen von Rüdiger und Herrn Schwartenfeger sowie die erste Probestunde. Ob das Programm tatsächlich seine Wirkung entfaltet, wird in diesem Band zwar noch nicht aufgelöst, aber es liegt viel Spannung in dieser Möglichkeit - das Dasein der Vampire könnte sich grundlegend ändern und es ist interessant zu beobachten, wie Rüdiger auf das Programm reagiert.

Leider hapert es in diesem Band an einigen Stellen mit der Logik. Absurd ist zunächst, dass Schnuppermaul nicht nur den zumindest recht erwachsen wirkenden Lumpi, sondern auch Anna, Rüdiger und Anton siezt - Anna und Rüdiger sind wohlbemerkt damals etwa im Grundschulalter zu Vampiren geworden und seither weder gewachsen noch optisch gealter. Dass das kein Scherz von Schnuppermaul ist, stellt sich heraus, als er allein mit Anton ist und erst nach einer Weile im Gespräch überrascht registriert, dass er es mit einem Jungen und nicht mit einem Erwachsenen zu tun hat. Anton mag zwar als Vampir geschminkt sein, trotzdem muss er unverkennbar durch Größe und Stimme als Grundschüler zu identifizieren sein - und es ist schon fast albern, wenn Schnuppermaul im Zeitlupentempo zu dieser Erkenntnis kommt. Zudem gibt es widersprüchliche Darstellungen bei Anton und Herrn Schwartenfeger. Anton sagt dem Psychologen zunächst, er habe Freunde - Anna und Rüdiger -, die sich gerne als Vampire verkleiden, aber keine Vampire seien, was auch dem Wissensstand von Antons Eltern entspricht. Anton erklärt Herrn Schwartenfeger, seine Freunde könnten möglicherweise Kontakt zu echten Vampiren aufnehmen, die dann für das Programm in Frage kämen. Als Rüdiger dann aber mit Anton beim Psychologen erscheint, ist plötzlich nicht mehr die Rede davon, dass Rüdiger lediglich der "Freund eines Freundes" ist, sondern er erscheint als direkter Freund von Anton.

Im Gegenzug ist etwas undurchsichtig, wie Herr Schwartenfeger nun zu Vampiren steht. Einerseits glaubt er offenbar an sie, schließlich soll sein Programm gezielt für Vampire gedacht sein. Andererseits scheint er es für einen Scherz zu halten, als Rüdiger und Anton erwähnen, dass sie zu ihm geflogen sind. Auch Anspielungen auf Rüdigers "Essgewohnheiten" entgehen ihm völlig. Letztlich denken weder er noch Anton wirklich realistisch über die Konsequenzen eines möglichen Erfolges der Lichttherapie nach, sie glauben offenbar, dass die Vampire sich dann unbehelligt unter Menschen bewegen könnten, Anton denkt beispielsweise an Zahnarztbesuche. Allerdings übersehen sie dabei, dass die Vampire dann immer noch wegen ihrer Zähne und ihres fehlenden Spiegelbildes sehr leicht zu identifizieren wären und es ein utopischer Gedanke ist, sie könnten sich völlig ungehindert unter den Menschen bewegen.

Fazit:


Eine durchaus spannende Handlung, die allerdings in logischer Hinsicht nicht immer überzeugt und nicht wirklich gut durchdacht ist, sodass sich bei der Lektüre einige Fragen stellen. Generell kein schlechter Band, aber sicher kein Highlight innerhalb der Buchreihe.

5. Oktober 2012

Der kleine Vampir im Jammertal - Angela Sommer-Bodenburg

Produktinfos:

Ausgabe: 1986
Seiten: 144
Amazon
* * * * *

Die Autorin:

Angela Sommer-Bodenburg wurde 1948 bei Hamburg geboren und lebt seit 1992 in Kalifornien. Bisher sind über 40 Bücher von ihr erschienen, darunter Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und Bilderbücher. Ihre Werke wurden in 27 Sprachen übersetzt. Weitere Gruselbücher von ihr neben der Reihe um den kleinen Vampir sind z.B. "Die Moorgeister" und "Wenn du dich gruseln willst". Eine weitere, sehr erfolgreiche Buchserie ist die Reihe um den sprechenden Bernhardiner "Schokolowski".

Hintergrund:

Der achtjährige Anton ist ein Vampirfan und liebt gruselige Bücher. Sein bester Freund ist Rüdiger, ein echter kleiner Vampir, der eines Abends auf seinem Fensterbrett saß. Da Rüdiger selbst noch ein Kind ist, freundeten sich die beiden rasch an. Auch Rüdigers kleine Schwester Anna steht Anton sehr nah. Antons Eltern jedoch glauben nicht an Vampire, daher müssen sie sich in ihrer Gegenwart als Menschen ausgeben und ihre nächtlichen Ausflüge mit Anton geheim halten.

Inhalt:


Anton fühlt sich einsam, seit Rüdiger und Anna mit ihrer Familie ins Jammertal gezogen sind und er sie jetzt nicht mehr so oft sehen kann. Auch das Weihnachtsfest kann ihn nicht ablenken. Zu allem Überfluss schenken ihm seine Eltern nichts von seinem Wunschzettel, sondern ein Zelt, Taschenlampe, Schlafsack, Fahrtenmesser - und einen Gutschein für einen Aktiv-Urlaub. Seine Laune bessert sich jedoch schlagartig, weil er den Urlaubsort auswählen darf. Anton wählt natürlich das Jammertal.

Kurz vor der Abreise beschließt Antons Mutter, auf den Abenteuerurlaub lieber zu verzichten. Anton ist das recht, da sein Vater viel weniger misstrauisch ist. Die beiden lassen sich im Jammertal in einer Höhle nieder. Ganz in der Nähe liegt die Burgruine, die das neue Zuhause der Familie Schlotterstein geworden ist.

Während Anton tagsüber mit seinem Vater Wanderungen unternimmt, trifft er sich nachts mit Anna und Rüdiger. Doch der Urlaub verläuft noch aufregender, als gedacht: Nicht nur, dass Anton seine nächtlichen Ausflüge verbergen muss - sein Vater kommt auch noch auf die Idee, die Burgruine besichtigen zu wollen, in der die Vampirsärge stehen ...

Grusel-Ferien

Nicht nur Anton, auch die Fans des kleinen Vampirs haben vermutlich aufgeatmet, als sich herausstellte, dass der Umzug ins Jammertal nicht das Ende der gemeinsamen Abenteuer darstellt. Im vorigen Band hatte der Friedhofswärter Geiermeier beschlossen, den Friedhof zu verschönern, sodass die Vampire befürchten mussten, dass bei den Bauarbeiten ihre unterirdische Gruft entdeckt würde - ein neues Zuhause musste her und das fanden sie in der Burgruine im Jammertal, die Anton bereits von einem Vampirfest her kannte. Der Schauplatzwechsel für diesen Band ist zwar ungewöhnlich, bringt aber neue Aspekte hinein, die für eine angenehme Abwechslung sorgten.

~ Spannende Handlung ~


Die Geschichten mit Anton und Rüdiger ähneln sich natürlich immer ein wenig; üblicherweise müssen die Vampirkinder ihre Treffen vor dem Rest der den Menschen feindlich gesonnene Familie verheimlichen und Anton wiederum die Treffen vor seinen Eltern. Antons sehr misstrauische Mutter spielt zwar diesmal kaum mit, aber dafür ist es deutlich schwieriger als sonst für ihn, sich mit Rüdiger und Anna zu treffen - denn er verbringt quasi den ganzen Tag an der Seite seines Vaters. Jedes Mal, wenn sich Anton nachts davonschleicht, geht er ein großes Risiko ein und darf nicht zu lange wegbleiben, schließlich könnte der Vater jederzeit aufwachen und sein Fehlen bemerken.

Der nächste Punkt ist die Gefahr durch die Vampire. In der offenen Höhle sind Anton und sein Vater natürlich nicht gegen die Blutsauger geschützt, die nicht weit entfernt ihr Zuhause in der Ruine haben. Anton hat bereits früher einmal eine unheimliche Begegnung mit der gefährlichen Tante Dorothee gehabt, die beinah schlimm geendet hätte. Er erinnert sich an diese Situation und fürchtete zu Recht, dass es riskant sein könnte, so nah bei den Vampiren ein Lager aufzuschlagen - was er seinem ahnungslosen Vater natürlich nicht erzählen darf. Seine nächste Sorge liegt in der Gefahr, dass sein neugieriger Vater auf den Wanderungen den Vampiren zu nahe kommt oder sie sogar aufstöbert. Da es im Jammertal nicht viele Sehenswürdigkeiten gibt, will Herr Bohnsack natürlich vor allem die Ruine erforschen. Anton muss sich einiges einfallen lassen, um zu verhindern, dass hierbei die Särge der Vampire entdeckt werden ...

~ Amüsante Szenen ~


Trotz aller Dramatik und Spannung gibt es mal wieder viel zu lachen in diesem Band. Süß wie immer ist das Verhältnis zwischen Anton und Anna. Anna ist bekanntlich in Anton verliebt, was dieser mit gemischten Gefühlen sieht - einerseits mag er Anna auch sehr, andererseits fühlt er sich für Liebeleien noch zu jung und eine Beziehung zu einer Vampirin kann er sich erst recht nicht vorstellen. Anna überrascht ihn am Weihnachtsabend mit einem Besuch, zu dem sie sich entsprechend fein gemacht hat - zumindest nach ihrer Absicht, während Anton ihren Aufzug mit hohen Stiefeletten und Schleierhut eher gewöhnungsbedürftig findet. Bei ihrem Parfümgeschenk ahnt er Schreckliches, da er früher bereits sehr schlechte Erfahrungen mit Annas Kreationen gemacht hat - aber wenigstens wird er diesmal angenehm überrascht.

Witzig sind auch Antons bemühte Versuche, seinen Vater von gewissen Aktionen abzubringen. Ein Lagerfeuer, das die Vampire anlocken könnte, verhindert er mit der Erklärung, man müsse erst eine aufwändige Bodenprüfung durchführen, die den Vater so sehr ermüdet, dass er sein Vorhaben lieber aufgibt.

~ Kindgerechter Grusel ~

Wie die anderen Bände auch ist das Buch für Kinder ab dem Grundschulalter zu empfehlen. Es sind zwar einige unheimliche Szenen enthalten, aber nie mehr, als Kinder in dem Alter als angenehm empfinden. Die Beziehung zwischen Anton und Rüdiger erinnert Kinder daran, dass man Freundschaften pflegen muss und der Egoismus des Vampirs manchmal zu weit geht und sich Anton zu recht ärgert. Der Urlaub im Jammertal kann Kindern wiederum einen eigenen Aktiv-Urlaub schmackhaft machen. Zwar werden sie wohl keine Abenteuer mit Vampiren erleben, aber dass Zelten, Übernachtungen im Freien und Wanderungen trotzdem Spaß machen können, wird hier schön demonstriert.

Fazit:

Ein sehr gelungener Band der Serie, der sich ideal für Grundschulkinder eignet. Die Geschichte ist spannend, humorvoll und nicht zu gruselig geraten. Einziger Nachteil ist, dass man die vorherigen Bände vom kleinen Vampir gelesen haben sollte, um die Hintergründe zu kennen.

29. September 2012

Der kleine Vampir in Gefahr - Angela Sommer-Bodenburg

Produktinfos:

Ausgabe: 1985
Seiten: 128
Amazon
* * * * *

Die Autorin:

Angela Sommer-Bodenburg wurde 1948 bei Hamburg geboren und lebt seit 1992 in Kalifornien. Bisher sind über 40 Bücher von ihr erschienen, darunter Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und Bilderbücher. Ihre Werke wurden in 27 Sprachen übersetzt. Weitere Gruselbücher von ihr neben der Reihe um den kleinen Vampir sind z.B. "Die Moorgeister" und "Wenn du dich gruseln willst". Eine weitere, sehr erfolgreiche Buchserie ist die Reihe um den sprechenden Bernhardiner "Schokolowski".

Hintergrund:

Der achtjährige Anton ist ein Vampirfan und liebt gruselige Bücher. Sein bester Freund ist Rüdiger, ein echter kleiner Vampir, der eines Abends auf seinem Fensterbrett saß. Da Rüdiger selbst noch ein Kind ist, freundeten sich die beiden rasch an. Auch Rüdigers kleine Schwester Anna steht Anton sehr nah. Antons Eltern jedoch glauben nicht an Vampire, daher müssen sie sich in ihrer Gegenwart als Menschen ausgeben und ihre nächtlichen Ausflüge mit Anton geheim halten.

Inhalt:

Auf Antons Geburtstagsfeier am vergangenen Wochenende hat sein Vater ein Foto von ihm und Rüdigers Schwester Anna gemacht. Da Vampire kein Spiegelbild haben, können sie auch nicht fotografiert werden. Auf dem Bild sieht man bloß das Buch, das Anna in der Hand hält - sie selbst ist nicht abgebildet. Zum ersten Mal sind Antons Eltern misstrauisch. Früher haben sie nie an Vampire geglaubt, aber das Foto ändert alles. Sie verbieten Anton nicht nur den Kontakt zu seinen besten Freunden Anna und Rüdiger, sondern schicken ihn auch noch zu der Ärztin Frau Dr. Dösig, die untersuchen soll, ob ihm Blut abgezapft wurde. Auch wenn die Ärztin natürlich keine Indizien findet, gerät Anton in Panik. Gemeinsam mit Rüdiger belauscht er heimlich ein Gespräch zwischen den Eltern und der Ärztin und er erfährt, wie ernst es ihnen mit ihren Befürchtungen ist.

Doch das ist nicht das einzige Problem: Friedhofswärter Geiermeier, der seit langem schon Jagd auf die Vampire macht, plant, den wilden Teil des Friedhofs zu verschönern und in einen Park zu verwandeln. Dabei würde er zwangsläufig auf die unterirdische Gruft stoßen, in der die Familie Schlotterstein ihr Zuhause hat und die Geiermeier seit Jahren vergeblich sucht. Mit jedem weiteren Tag nähern sich die Planierraupen dem geheimen Einstieg, der unbedingt verborgen bleiben muss.

Zu allem Überfluss ist auch noch Anna krank. Das Blitzlicht des Fotoapparates hat ihren empfindlichen Augen geschadet, die seitdem ständig jucken und gerötet sind. Angeblich sollen Teufelstränen die Heilung bringen - doch Anton hat keine Ahnung, woher er diese Tropfen beschaffen soll. Kann er seiner Freundin Anna trotzdem helfen? Gelingt es ihm, die Eltern davon zu überzeugen, dass seine Freunde keine Vampire sind? Und findet sich eine Möglichkeit, dass die Vampire unentdeckt bleiben? Für Anton, Rüdiger und Anna brechen schwierige Zeiten an ...

Vampirjagd und Teufelstränen

Scherereien mit seinen Vampirfreunden sind nichts Neues für Anton und auch die kleinen Leser, die die bisherigen Bände verfolgt haben, kennen schon etliche gefährliche Situationen, die er meistern musste. Doch in diesem Band werden seine Eltern zum ersten Mal ernsthaft misstrauisch und halten es neuerdings für möglich, dass Rüdiger und Anna tatsächlich Vampire sind.

Diese Entwicklung sorgt für eine ganz neue Spannung in Antons Leben. Dazu kommt die parallele Bedrohung durch Geiermeier, der nicht mehr nur Jagd mit Knoblauch und Holzpflöcken macht, sondern durch die Bauarbeiten früher oder später definitiv auf die unterirdische Gruft der Familie von Schlotterstein stoßen wird. Es geht also im Gegensatz zu früheren Bänden nicht nur darum, dass Anton seine Freunde vor seinen Eltern verbergen und die nächtlichen Unternehmungen geheim halten muss, sondern die Existenz der Vampire ist ernsthaft bedroht. Besonders für Leser im Kindesalter dürfte nicht vorauszusehen sein, wie dieser Band endet. Alles scheint möglich, selbst Anton weiß kaum noch, wie er seine Freunde schützen kann. Natürlich weiß man von Beginn an, dass es nicht zum Schlimmsten kommen wird, dennoch bleibt die Geschichte bis zur Auflösung konsequent aufregend. Eine weitere kleine Entwicklung in der Reihe ist Annas Verzicht auf Milch. Bei einem seiner Besuche in der Gruft erfährt Anton bestürzt, dass nun auch sie sich von Blut ernährt, was den Jungen erst einmal gehörig verwirrt ... schließlich trug Anna nicht umsonst bis dato den Beinamen "die Zahnlose" und erschien weder Anton noch dem Leser wie eine vollwertige Vampirin. Wie üblich kommt es zu emotionalen Situationen zwischen den beiden, denn auch als Voll-Vampirin schwärmt Anna natürlich nach wie vor für ihren Anton, der sich ebenfalls nach wie vor zu ihr hingezogen fühlt und gleichzeitig stets einen gewissen Restabstand zu dem Vampirmädchen bewahrt.

In diesem Band wird zum ersten Mal der Psychologe Herr Schwartenfeger erwähnt, den Anton in der angehängten Serie "Anton und der kleine Vampir" regelmäßig aufsuchen wird, da seine Eltern hoffen, dass er dort von seinem Vampirtick geheilt wird. Wenn man die Bücher in der chronologischen Reihenfolge liest, ahnt man allerdings hier noch nicht, dass Herr Schwartenfeger in späteren Bänden eine sehr bedeutende Rolle einnehmen und Anton in seinem Vampirglauben eher noch unterstützen wird.

~ Kindgerechter Grusel ~

Selbstverständlich darf auch der typische Grusel, der bei Kindern diese Serie so beliebt macht, nicht fehlen. Vor allem die Begegnungen mit Rüdigers älterem Bruder Lumpi sorgen dafür, dass Anton und mit ihm dem Leser diverse Schauer über den Rücken jagen. Bei einer nächtlichen Begegnung scheint Lumpi kurz davor zu sein, Anton zu beißen und sein Versprechen, ihm nichts anzutun, gegenüber den Geschwistern zu vergessen - auch wenn man nicht ernstlich erwartet, dass Anton gebissen wird, spürt man seine Angst. Noch ein weiteres Mal darf man um ihn zittern, als er kurz vor Ende beinah den Weg von Tante Dorothee kreuzt. Natürlich ist es für Kinder immer aufregend zu lesen, wenn Anton sich den Vampirumhang überzieht und damit in die Nacht hinausfliegt. Nicht gruselig, aber doch aufregend sind die Stellen mit Friedhofswärter Geiermeier, der sehr misstrauisch auf Antons Friedhofsbesuche reagiert - kein Wunder, ein Grundschüler, der sich nachmittags an solch einem Ort herumtreibt, fällt auf. Lustig ist dagegen Geiermeiers Kollege Schnuppermaul, ein junger Friedhofsgärtner aus Stuttgart, der durch seine naive Art auffällt und darauf bedacht ist, sich die Fingernägel nicht schmutzig zu machen. Geiermeier sieht in ihm nicht gerade eine nützliche Hilfe, da die beiden charakterlich völlig verschieden sind und sich während der Vampirjagd ständig miteinander streiten ... unter anderem über ihre Hygienevorstellungen, wobei der reinliche Schnuppermaul entsetzt hören muss, dass Geiermeier sich trotz Schuppen nur alle paar Wochen die Haare wäscht.

~ Plädoyer für Freundschaft ~

Ein paar moralisch-lehrreiche Untertöne fließen auch mit ein. Schließlich geht es bei Antons Einsatz für die Vampire im Grunde darum, zu zeigen, dass man Freunden auch und gerade in Notlagen zur Seite stehen soll. Anton gibt sich nicht nur Mühe, der kranken Anna zu einem Mittel für ihre Augen zu verhelfen, sondern er ist auch bemüht, ihre Gruft vor den Bauarbeiten zu schützen, auch wenn ihn dieses Unterfangen überfordert. Bei der Vorstellung, seine Freunde womöglich auf Dauer zu verlieren, kommen Anton sogar die Tränen. So schwierig die Freundschaft zum eigennützigen Rüdiger auch manchmal ist, die beiden Vampirkinder sind Antons beste Freunde und er ist bereit, sich sowohl mit Geiermeier als auch mit seinen misstrauischen Eltern, die die Freundschaft unterbinden wollen, anzulegen, um Rüdiger und Anna zu schützen.
Das Buch eignet sich ideal für Kinder im Grundschulalter. Die Sprache ist so einfach und der gesamte Band so kurz gehalten, dass bereits Leseanfänger der ersten beiden Klassen hier zur Lektüre greifen können. Am besten werden wohl Kinder von acht, neun Jahren bedient, da sie sich im gleichen Alter wie Anton befinden und die meisten schon ein Interesse an gruseligen Geschichten entwickelt haben.

~ Kleine Ungereimtheit ~

Eine unlogische Stelle trübt den ansonsten sehr positiven Gesamteindruck. Störend ist nämlich die fehlende Erklärung, weshalb Antons Eltern in späteren Bänden offenbar wieder ihre Meinung geändert haben und Anna und Rüdiger nicht mehr für richtige Vampire halten. Das seltsame Foto, auf dem Anna nicht zu sehen ist, kommt nicht mehr zur Sprache, obwohl gerade Antons Mutter es zunächst als Beweis für ihr Vampirdasein gesehen hatte. Das stört umso mehr, wenn man bedenkt, wie sehr das Foto am Anfang der Geschichte thematisiert wird, sodass man sich ein wenig betrogen fühlt, dass es am Ende nicht mehr wichtig zu sein scheint. Hier wäre es besser gewesen, wenn die Autorin sich eine plausible Erklärung hätte einfallen lassen.

Fazit:

Ein besonders spannender Band aus der Reihe, der mit kindgerechtem Grusel und nebenbei auch mit einem kleinen Lernfaktor aufwarten kann. Störend fällt lediglich auf, dass es zwei kleine Logikmankos gibt, wobei der eine am Ende des Buches zum Tragen kommt, der andere aber erst in einem der späteren Bände.

Der kleine Vampir und die große Liebe - Angela Sommer-Bodenburg

Produktinfos:

Ausgabe: 1985
Seiten: 128
Amazon
* * * * *

Die Autorin:

Angela Sommer-Bodenburg wurde 1948 bei Hamburg geboren und lebt seit 1992 in Kalifornien. Bisher sind über 40 Bücher von ihr erschienen, darunter Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und Bilderbücher. Ihre Werke wurden in 27 Sprachen übersetzt. Weitere Gruselbücher von ihr neben der Reihe um den kleinen Vampir sind z.B. "Die Moorgeister" und "Wenn du dich gruseln willst". Eine weitere, sehr erfolgreiche Buchserie ist die Reihe um den sprechenden Bernhardiner "Schokolowski".

Hintergrund der Reihe:

Der achtjährige Anton ist ein Vampirfan und liebt gruselige Bücher. Sein bester Freund ist Rüdiger, ein echter kleiner Vampir, der eines Abends auf seinem Fensterbrett saß. Da Rüdiger selbst noch ein Kind ist, freundeten sich die beiden rasch an. Auch Rüdigers kleine Schwester Anna steht Anton sehr nah. Antons Eltern jedoch glauben nicht an Vampire, daher müssen sie sich in ihrer Gegenwart als Menschen ausgeben und ihre nächtlichen Ausflüge mit Anton geheim halten.

Inhalt:

Als Antons abends nach Hause kommt, kündigen seine Eltern geheimnisvoll einen Besucher für ihn an, der in seinem Zimmer wartet. Er glaubt, dass es Rüdiger oder Anna sein muss, zu seiner Überraschung aber ist es ein fremdes Mädchen - ein Vampirmädchen. Olga Fräulein von Seifenschwein ist eine Cousine von Rüdiger und Anna und wohnt seit kurzem in der Gruft der Familie von Schlotterstein. Nachdem Rüdiger ihr von seinem besten Freund Anton erzählt hatte, war sie sehr neugierig.

Die blonde Olga ist sehr hübsch, Anton merkt aber schnell, dass sie auch arrogant ist. Sie hält sich für etwas Besseres, weil sie und ihre Eltern auf einem Schloss in Transsilvanien gewohnt haben - bis diese Vampirjägern aus dem Dorf zum Opfer fielen. Olga konnte entkommen und flüchtete sich zu Tante Dorothee und dem Rest der Schlottersteins. Anton ahnt, dass Olgas Auftauchen für einige Probleme sorgen wird und er behält Recht:

Zum einen ist Rüdiger sehr verliebt in sie und alles dreht sich nur noch um Olga. Leider erwidert das hinterhältige Vampirmädchen seine Gefühle nicht, sondern nutzt Rüdiger wohlweislich aus. Dafür flirtet sie unverhohlen mit Anton, was Anna wiederum eifersüchtig macht. Zudem fühlt sich Anton in Olgas Anwesenheit doppelt unwohl, weil er ihr nicht wirklich vertraut, denn sie scheint vor allem an seinem Hals interessiert zu sein. Höhepunkt der Schwierigkeiten ist aber eine Party, die auf Olgas Wunsch bei Anton veranstaltet wird ...

Gestatten, Olga Fräulein von Seifenschwein

Ja ja, die erste Liebe, sie ist oft nicht einfach und davon bleiben auch Vampire nicht verschont. Der fünfte Band aus der Reihe des kleinen Vampirs gehört sicherlich zu den besten der Serie und man erlebt vor allem Rüdiger hier so gefühlsvoll wie selten.

Mit Olga wird eine neue Figur eingeführt, die zwar danach nicht mehr regelmäßig dabei ist, aber immer wieder erwähnt wird und auch später erneut auftaucht - es ist also ein wichtiger Band mit entscheidenden Ereignissen und er sollte zum Verständnis der späteren Bände nicht in der Sammlung fehlen. Der Band ist sowohl kindgerecht lehrreich als auch humorvoll als auch spannend und dramatisch. Zum einen ist es sehr angemessen, auf welche Weise hier mit dem Thema Liebe umgegangen wird. Rüdiger verliebt sich in Olga, obwohl diese im Grunde überhaupt nicht zu ihm passt. Selten passte das Sprichwort "Liebe macht blind" besser als in diesem Fall, denn der kleine Vampir blendet alle negativen Eigenschaften seiner Angebeteten aus - obwohl diese wirklich zahlreich vorhanden sind - und hebt sie auf ein Podest. Olga zuliebe lässt er sich schlecht behandeln, opfert sich für sie auf und redet sich all ihre Verhaltensweisen schön. Anton und Anna stempelt er beide als eifersüchtig ab und die zwei wissen kaum noch, wie sie ihren Freund bzw Bruder von seiner Verblendung heilen können. Am Ende allerdings sieht Rüdiger, dass er einem Trugbild aufgesessen ist und jetzt ist er wirklich dankbar für Antons Freundschaft. Anton wiederum zeigt Rüdiger, dass er in seinem Liebeskummer für ihn da ist. Das Buch zeigt sehr schön, dass zur Liebe weitaus mehr gehört als Äußerlichkeiten und eine Schwärmerei nicht gleich mit tiefen Gefühlen verwechselt werden sollte - und dass man sich nicht einem anderen zuliebe verbiegen sollte, so wie Rüdiger sich für Olga viel zu viel gefallen lässt.

Olga ist ein interessanter Charakter, zwar nicht gerade sympathisch, aber sie sorgt für eine Menge Spannung. Anna durchschaut ihre Spiele sofort: Olga ist nicht gerade geschickt im Jagen und verlässt sich darauf, dass Rüdiger ihr dabei hilft, regelmäßig zu Beute zu kommen. Dazu spielt sie immer, wenn sie es gerade braucht, die Mitleidskarte aus, indem, sie an das schreckliche Ende ihrer Eltern erinnert. Tatsächlich ist es bewegend sich vorzustellen, dass ihre Eltern durch die aufgehetzten Dorfbewohner mit einem Pfahl im Herzen endgültig getötet wurden und sie selbst beinah ebenfalls zum Opfer wurde. Umso durchtriebener ist es von Olga, dieses Schicksal immer dann zu erwähnen, wenn sie Aufmerksamkeit haben will. Spannend ist außerdem Olgas Verhalten gegenüber Anton. Sie umgarnt ihn oft, fühlt sich durch die Freundschaft zu einem Menschen offenbar geschmeichelt, aber er wird berechtigterweise das Gefühl nicht los, dass Olga in der Lage wäre, ihn zu beißen, weshalb er nicht mit ihr allein sein möchte.

Lustig wird es trotz des teils ernsten Themas aber auch und das nicht zu knapp. Annas Eifersucht ist recht amüsant zu lesen. Ihr Herz gehört ja schon seit langem Anton und in Olga sieht sie eine Konkurrentin. Im Gegensatz zu Annas strubbeligem schwarzen Haarschopf hat Olga sorgfältig gekämmte blonde Haare mit einer rosa Schleife und Anton hat alle Mühe, Anna zu versichern, dass er blonde Haare bestimmt nicht hübscher findet. Der Höhepunkt des Bandes ist die Party bei Anton. Olga sehnt sich nach einer "Transsilvanischen Nacht" mit Musik und Tanz, wie sie damals im Schloss bei ihr regelmäßig veranstaltet wurde und Rüdiger drängt Anton dazu, das zu organisieren. Antons Eltern erlauben die Kinderparty, nichtsahnend, dass Antons Freunde nicht nur zum Spaß Vampirumhänge tragen, und gehen an dem Abend aus. Aber natürlich läuft die Party völlig aus dem Ruder, Olga möchte auf dem neuen Sofa der Eltern hüpfen und bedient sich an deren Plattensammlung, der Boden ist schon bald mit Konfetti übersät. Anton hat keine Chance gegen Olga und Rüdiger, die das Chaos immer weiter vergrößern und die Sticheleien zwischen Olga und Anna machen es nicht gerade besser.

Fazit:


Ein sehr guter Band aus der Reihe "Der kleine Vampir", der in allen belangen überzeugt: Die Geschichte ist kindgerecht-lehrreich, spannend, dabei auch sehr humorvoll und ein bisschen bewegend.

22. Juni 2012

Bibi Blocksberg und die Vampire

Amazon
* * * * *
Inhalt:

Bibi ist enttäuscht, weil der Urlaub dieses Jahr ausfällt. Alle ihre Freunde fahren in die Ferien, aber die Blocksbergs können es sich mal wieder nicht leisten. Mitten in dieser Diskussion erreicht Barbara ein Anruf von ihrer Hexenfreundin Amanda. Amanda hat beim Aufräumen des Hexenpreisbüros drei Tickets gefunden, die morgen verfallen: Und zwar handelt es sich dabei um die Reise in ein transsilvanisches Vampirschloss, die Bibi und Barbara vor fast einem Jahr beim Wetttanzen auf dem Hexenberg gewonnen haben. Barbara fürchtet, dass so eine Reise für Bernhard Blocksberg viel zu gruselig wäre und will Amanda abwimmeln. Doch da hat Vater Blocksberg schon das Wichtigste mitbekommen und besteht darauf, dass sie die Reise antreten - schließlich kostet sie nichts.

Bereits im Flugzeug geschehen unheimliche Dinge: Ihre Fluggesellschaft nennt sich "Gruseltours", der Pilot hat ein furchtbar schauriges Lachen, und bei der Stewardess blitzen Vampirzähne hinter den Lippen hervor. Barbara versieht den ängstlichen Bernhard mit einem Beruhigungshexspruch. Von jetzt an ist Bernhard Blocksberg fröhlich und munter.

In Transsilvanien angekommen, wird es noch unheimlicher. Die Blocksbergs reisen in einer alten Kutsche zu "Schlosshotel Dracula", wo sie von einem Herrn namens Frank Frankenstein begrüßt werden. Freche Vampirkinder wuseln umher, und ein Henker will Bernhard Blocksberg im Morgengrauen köpfen. Bibi und Barbara ist das alles nicht geheuer - und plötzlich ist Bibis Papi auch noch verschwunden ...

Bewertung:

Nicht nur viele Erwachsene stehen auf Horrorfilme, auch Kinder erfreuen sich schon an gruseligen Geschichten, die ihnen den einen oder anderen Schauer über den Rücken jagen. Kleine Hörer, die daran ihre Freude haben, werden von diesem Hörspiel sicherlich begeistert sein, denn es gibt mehr zu gruseln als in jeder anderen Bibi-Folge - ohne, dass man sich ernsthaft ängstigen müsste.

Alltag und Grusel

Dabei beginnt die Folge so alltäglich, wie man sich nur denken kann - es geht mal wieder ums liebe Geld. Wie in vielen anderen Bibi-Folgen wird auch hier betont, dass die Blocksbergs keine reichen Leute sind. Geldhexen ist schließlich verboten, und so kommt es, dass der Urlaub dieses Jahr auszufallen droht. Für Bibi ist das eine Katastrophe, für ihre Hörer aber umso sympathischer. Es zeigt, dass die Blocksbergs trotz ihrer Hexenkünste kein sorgenfreies Leben führen und dass gerade Bibi trotz ihrer tollen Fähigkeiten den gleichen Kummer hat wie viele ihrer Freundinnen auch. Und da ein Gruselurlaub besser ist als gar kein Urlaub, kommen die Tickets von Tante Amanda wie gerufen.

So harmlos die Folge begonnen hat, so unheimlich sind die Entwicklungen der Handlung in Transsilvanien. Jedes denkbare Klischee über Draculas Heimat wird gnadenlos ausgeschöpft. Auf dem Schloss laufen den Blocksbergs kleine Vampire über den Weg, es werden ausgepresste Kröteneier und Drachenblutcocktail serviert, und statt Betten warten Särge im Schlafgemach. Passend zu dieser düsteren Atmosphäre besitzt der Reiseleiter Frank Frankenstein ein durchdringendes Lachen, das er bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit demonstrieren muss. Nicht zu vergessen der Henker, der ein melodisches "Ich bin der Henker vom Schlosshotel und köpfe alle Menschlein schnell" vor sich hin schmettert und es besonders auf Bernhard Blocksberg abgesehen hat.

Ein paar dieser Szenen können bei ängstlichen und sensiblen Kindern durchaus für einen kleinen Schrecken jagen. Vor allem das Lachen des Frank Frankenstein könnte den Aufnahmen einer Geisterbahn entnommen sein. Für Fünfjährige ist diese Folge aufgrund solcher Geräuschkulissen vielleicht tatsächlich etwas zu heftig. Grundsätzlich brauchen sich die Eltern aber keine Sorgen um das Nervenkostüm ihrer Sprösslinge machen, denn wie immer bei Bibi geht am Schluss alles gut aus. Mehr noch, recht bald nach der Ankunft auf Schlosshotel Dracula klärt sich, dass dort doch nicht alles so gespenstisch und vampirisch ist, wie es den Anschein hat ...

Die treuen Bibi-Fans unter den Hörern werden in dieser Episode mit einem Zusammenhang zu einer älteren Folge belohnt. Die Reise nach Transsilvanien ist ein Gewinn aus der Folge "Bibi auf dem Hexenberg". Es ist zwar überhaupt keine Bedingung, diese Folge zu kennen, aber für aufmerksame Hörer ist es ein nettes Beiwerk, den Zusammenhang zu erkennen.

Humor auf Papis Kosten

Neben dem angenehmen Grusel wird auch wieder einmal für eine ordentliche Portion Humor gesorgt. Das beginnt schon mit dem Anruf von Tante Amanda, die sich diebisch über die Verwirrung zu freuen scheint, die sie mit ihren Reisetickets bei den Blocksberg auslöst. Ihr typisches heiser-amüsiertes Hexenlachen tönt so laut aus dem Hörer, dass man sie laut Barbara Blocksberg auch ohne Telefon verstehen könnte, was Bernhard genauso sieht.

Für viel unfreiwilligen Humor sorgt außerdem Bernhard Blocksberg. Zunächst ist er begeistert von der Aussicht auf einen Gratis-Urlaub, doch bereits im Flugzeug schlägt seine Stimmung in Nervosität um. Barbara sieht keine andere Chance mehr, als ihn mit einem Beruhigungshexspruch vorläufig in Gelassenheit zu versetzen. Die Wirkung tritt prompt ein - Bernhard Blocksberg ist nicht wiederzuerkennen. Im Flugzeug schwärmt er von den "wunderbare Puffwölkchen", die Stewardess mit den verdächtig langen Zähnen bezeichnet er als "hübsches Fräulein", den buckligen Kutscher als "originell", und auf Herrn Frankensteins unheilvolles "Ich bin hiiiiiier" antwortet er nur fröhlich: "Na, das ist ja fein." Während Barbara und Bibi sich zunächst alles andere als wohl in ihrer Haut fühlen, kann nichts und niemand Bernhard Blocksberg von seiner guten Laune abbringen, egal, wie schaurig die Umgebung auch sein mag.

Ebenso viel Witz kommt auf, als die Wirkung des Hexspruchs wieder nachlässt und der arme Bernhard Blocksberg sich in ein Häuflein zitterndes Elend verwandelt, derweil vor der Schlafzimmertür die Vampire und der Henker nach ihm rufen. Bernhard fühlt sich von seiner Familie im Stich gelassen und kündigt aufgelöst an, sich morgen früh scheiden zu lassen. In diesem Augenblick präsentiert sich Bibi auch nicht gerade als musterhafte Tochter, als sie daraufhin ein fröhliches "Geht nicht, Papi! Morgen früh im Morgengrauen hast du einen Termin mit dem Henker!" erwidert.

Sehr gute Sprecher

Die Sprecher sind in dieser Folge wie üblich sehr gut in Hinblick auf ihre Rollen ausgewählt. Die kleinen Vampire besitzen helle, fröhliche Stimmen und ein boshaftes Kichern. Am eindrucksvollsten ist ohne Frage Frank Frankenstein mit dem schauerlichen Lachen und dem theatralisch gerollten "R". Sein Sprecher, Hans Werner Bussinger, tritt auch in anderen Bibi-Folgen in Erscheinung, so z.B. als Carlo Krawalli in "Die verhexte Hitparade" und als Nino Saurus in "Bibi und Dino".

Tante Amanda alias Barbara Ratthay tritt zwar nur am Telefon auf, das aber umso einprägsamer. Nachdem Amanda in den zwei vorherigen Folgen von Edith Teichmann verkörpert wurde, hat man in Barbara Ratthay endlich die perfekte Sprecherin gefunden. Mit heiserer, doch zugleich ungemein sympathischer Stimme gibt sie ein lebhaftes Bild der temperamentvollen Hexenfreundin ab. Eine alte Bekannte ist auch eine der Vampirinnen, Tatjana Gessner, die in den meisten Folgen als Bibis Freundin Marita mit von der Partie ist. Hier ist ihr Auftritt allerdings sehr kurz und ihre Stimme ist nicht auf Anhieb wiederzuerkennen, so dass keine Déjà-Vu-Gefahr besteht.

Fazit:

Ein schaurig-schönes Hörspiel mit düsteren Schlössern und frechen Vampiren, das trotz seiner gruseligen Atmosphäre überwiegend lustig daherkommt und nie wirklich ängstigend wirkt. Gute Sprecher und viel Action machen aus dieser Geschichte eine unterhaltsame Bibi-Folge, ausnahmsweise mal fernab vom vertrauten Neustadt.

Sprechernamen:

Bibi Blocksberg: S. Bonasewicz
Barbara Blocksberg: H. Bruckhaus
Bernhard Blocksberg: G. Weber
Amanda: B. Ratthay
Frank Frankenstein: H. W. Bussinger
Kutscher: A. Herzog
Henker: E. von Nordhausen
Vampirino: H. Gauß
Erzähler: J. Nottke

4. Juni 2012

Kinder des Judas - Markus Heitz

Produktinfos:

Ausgabe: 2007
Seiten: 704
Amazon
* * * * *
Der Autor:

Markus Heitz, geboren 1971, studierte zunächst Germanistik und Geschichte, ehe er als freier Journalist zu arbeiten begann. 2003 gelang ihm der Durchbruch als Schriftsteller mit dem Fantasyroman "Die Zwerge". Es folgten Fortsetzungen. Weitere Werke sind u. a. die Werwolf-Romane "Ritus" und "Sanctum".

Inhalt:

Leipzig, 2006: Die Krankenschwester Theresia besitzt die Fähigkeit, den baldigen Tod anderer Menschen vorherzusehen. Sie überwacht die Sterbenden und ruft kurz vor dem Ableben die Angehörigen herbei. Für die Patienten ist sie die Seele des Krankenhauses, wie ein Engel, der Trost in den letzten Stunden spendet. Niemand ahnt, dass Sia ein Doppelleben führt. Sie ist eine scheinbar alterlose Unsterbliche, eine Vampirin, die dem Bündnis der "Kinder des Judas" angehört und bereits über dreihundert Jahre alt ist. Neben ihrem Beruf als Krankenschwester nimmt sie an illegalen Gladiatorenspielen teil, die sie dank ihrer übermenschlichen Kräfte nie verliert. Um ihr Gewissen zu ordnen, schreibt sie ihre Geschichte auf.

Das Osmanische Reich, um 1670: Die achtjährige Jitka lebt mit ihrer Mutter im serbischen Gebiet, das von den Türken beherrscht wird. Jitkas Mutter wird nach einer Intrige von den Besatzern gefangen genommen und getötet, dem Mädchen gelingt die Flucht auf den Hof des Lehnsherren. Bald darauf nimmt ihr tot geglaubter Vater Karol sie bei sich auf, dem sie zuvor nie begegnet ist. Er ist ein edel aussehender Wissenschaftler, der eine abgelegene Mühle bewohnt. Das wissbegierige Mädchen fasst Vertrauen und wird in den folgenden Jahren von ihm unterrichtet.

Mit vierzehn Jahren erfährt Jitka, die sich nun Scylla nennt, dass ihr Vater einem Geheimbund von Forschern angehört, in den sie ebenfalls eintreten soll. Scylla muss jedoch erkennen, dass die Mitglieder nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Vampire sind - und sie ebenfalls. Als sie die wahren Ziele der "Kinder des Judas" erfährt und sich von dem Bund lossagt, gerät die junge Frau in einen Zwiespalt, der sie und ihre große Liebe in höchste Gefahr bringt ...

Bewertung:

In "Ritus" und "Sanctum" widmete sich der Autor den Werwölfen, in "Kinder des Judas" stehen Vampire auf dem Programm. Mit Vampiren verbindet man gewöhnlich schwarz gekleidete Blutsauger, die Knoblauch und Kreuze ebenso wie das Sonnenlicht meiden und nachts Jagd auf Menschen machen. Mit einigen Klischees wird hier aufgeräumt, sodass auch Vampirkenner gut unterhalten werden.

Originelle Vampirdarstellung

Die "Kinder des Judas", denen Scylla angehört, distanzieren sich von den anderen vampirhaften Wesen, die wahllos über Menschen und Tiere herfallen. Die Gier nach Blut ist ihnen allen eigen, aber sie bemühen sich, diese Sucht zu unterdrücken. Wer dennoch seiner Schwäche nachgibt, zeichnet seine Opfer mit drei Kreuzen, die für die römische Zahl Dreißig stehen und an ihren verehrten Stammvater Judas erinnern, der einst für dreißig Silberlinge seinen Herrn Jesus Christus verriet. Ungewöhnlich, aber umso interessanter ist die ausgeprägte Religiosität und Christus-Verehrung der Vampire. Nicht nur, dass sie das Kreuz nicht fürchten, sie tragen es zumeist sogar selber. Judas ist in ihren Augen kein Verräter, sondern ein notwendiges Mosaikstein in der Heilsgeschichte, denn ohne sein Handeln wäre Christus nicht auferstanden - damit verfolgen die Anhänger eine gerade in der Neuzeit immer populärer gewordene Ansicht, die dennoch im ersten Moment irritiert, zumal wenn sie von Vampiren vertreten wird.

Interessante Hauptfiguren

Beide Erzählstränge drehen sich um Scylla, die als kleines Mädchen noch Jitka heißt, sich später nach der Rächerfigur aus der griechischen Mythologie umbenennt und im 21. Jahrhundert den Namen Theresia trägt. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Vergangenheit. Der Leser verfolgt, wie die wissbegierige Jitka heranwächst, wie sie unter dem sorgsamen Blick ihres geheimnisvollen Vaters zu einer Gelehrten reift, deren Leben sich vorwiegend in der Bibliothek und im Labor abspielt. Furchtlos wie eine Medizinerin seziert sie bereits als junges Mädchen tote Menschen und lernt mit großer Begeisterung fremde Sprachen.

Trotzdem ist sie alles andere als eine farblose Streberin. Je älter sie wird, desto eingeengter fühlt sie sich in der abgelegenen Mühle. Daraus ergibt sich fast zwingend eine Liebelei mit dem gleichaltrigen Hirtenjungen Giure. In jugendlicher Naivität erhoffen sich die beiden eine gemeinsame Zukunft, ohne dass sie ahnen, dass Scyllas Vater diese Verbindung niemals dulden könnte. Scylla bleibt stets eine mutige Einzelkämpferin, die dennoch ihre Mühen damit hat, zwischen den Fronten zu stehen. Glaubhaft werden ihre Zwiespälte geschildert, sowohl die der jungen Frau im 17. Jahrhundert, die gerade von ihrem Vampirwesen erfahren hat, als auch die der Leipziger Krankenschwester, die immer noch mit ihrer jahrhundertealten Vergangenheit ringt.

Ein weiterer interessanter Charakter ist Scyllas Vater. Von klein auf glaubte Jitka, ein Jugendfreund ihrer Mutter, der als Soldat gefallene Radomir, sei ihr Vater gewesen, bis plötzlich Karol Illicz vor ihr steht und sie bei sich aufnimmt. Seine vornehme Kleidung samt Weißhaarperücke verwirren sie, auch seiner Angabe, dass er viele Jahre krank gewesen sei und sich daher nicht eher melden konnte, mag sie nicht recht trauen. Andererseits fühlt sie sich rasch geborgen bei ihrem noch fremden Vater. Je älter sie wird, desto mehr stören sie die Geheimnisse, die ihr Vater offensichtlich vor ihr bewahrt, obwohl sie gleichzeitig ahnt, dass er sie zu ihrem eigenen Schutz nicht in alle Dinge einweiht.

Eine äußerst bedrohliche Figur ist Marek, Scyllas Halbbruder, der sich ihr gegenüber zunächst charmant und ehrerbietig erweist, ehe sich herausstellt, dass er sexuelle Absichten hegt. Marek, der Scylla einst als Retter in der Not erschien, wird zu ihrem Todfeind und verfolgt seine Schwester über Jahrhunderte hinweg, bis es zur unvermeidlichen Konfrontation kommt. Die Liebesgeschichte zwischen Scylla und dem Deutschen Viktor von Schwarzhagen wird angenehm kitschfrei erzählt und tritt ohnehin erst spät im Buch in Erscheinung.

Fokus auf Vergangenheit

Historienfreunde kommen auf ihre Kosten dank des Erzählstranges, der zurück ins 17. Jahrhundert führt und dort größtenteils in Gebiete des Osmanisches Reiches. Auch wenn die Kriege und die Politik der damaligen Zeit nur am Rand angesprochen werden, wird der Leser in den Aberglauben und die Lebensgewohnheiten der Menschen eingeführt. Adelige Schlösser werden ebenso zum Schauplatz wie Zigeunerwagen, und das Leben unter der türkischen Besatzung wird nicht romantisiert. Historische Personen wie der Medicus Glaser und der Obrist D'Adorno werden ebenso eingebunden wie die tatsächliche Vampirpanik 1732 in Medvegia, in der unerklärliche Todesfälle auf Vampire zurückgeführt und eine offizielle Untersuchungskommission eingeleitet wurden.

Die Sprünge in die Gegenwart fallen kürzer aus, sind aber trotz des vertrauten Terrains nicht weniger geheimnisvoll. Sia, deren Wunden sich sofort regenerieren und deren Schnelligkeit der von Menschen weit überlegen ist, tritt nachts maskiert zu illegalen Gladiatorenkämpfen an, die weltweit ausgestrahlt werden und die eine Atmosphäre morbider Faszination verbreiten.

Wenige Schwächen

Anzukreiden ist dem Roman in manchen Phasen eine unausgewogene Einteilung, was die Ausführlichkeit betrifft. Während viele Begebenheiten sehr detailliert geschildert werden, herrscht an anderer Stelle übertriebene Knappheit vor. Dies gilt besonders für den Teil, der Scyllas Erkenntnis folgt, dass sie eine Vampirin ist. Gleich mehrere Jahre ihres folgenden Lebens werden auf wenigen Seiten abgehandelt, ihre Entwicklung und ihr neuer Lebensstil kaum erläutert, sodass ein zu harter Sprung erfolgt. Ähnlich verläuft es kurz vor Schluss, als Scylla in wenigen Sätzen ihren Lebenslauf über gut zweihundert Jahre rekapituliert. Einmal fällt eine unrealistische Reaktion Scyllas auf, als ihr Vater gerade mit knapper Not einem tödlichen Angriff entkommen ist und sie sofort sehr nüchtern erscheint.

Fazit:

Ein sehr unterhaltsamer Vampirroman, der geschickt Historie und Horror miteinander verbindet. Der Vampirmythos wird abseits der üblichen Klischees erzählt und stellt eine interessante Hauptfigur in den Mittelpunkt. Wie schon in den Werwolf-Romanen "Ritus und "Sanctum" werden Ereignisse aus der Vergangenheit und der Gegenwart miteinander verknüpft. Negativ fallen nur einige Stellen auf, in denen im Gegensatz zur sonstigen Ausführlichkeit die Ereignisse einiger Jahre zu knapp wiedergegeben werden.