23. November 2014

Bibi und Tina - Das Gespensterpferd

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Inhalt:

Bibi und Tina haben eine ganz neue Idee für ihr geliebtes Wettreiten: Sie reiten heimlich mitten in der Nacht aus. Dabei vergessen sie ganz, leise zu sein, und feuern ihre Pferde lautstark an. Auf dem Rückweg hören sie plötzlich vom Martinshof ein unheimliches, gespensterhaftes Heulen. Ein Reiter und Pferd, beide in weiße Laken gehüllt, versetzen die Ferienkinder in Angst. Bibi und Tina können ihn nicht aufhalten, aber er verliert sein Bettlaken.

Leider laufen die Mädchen Frau Martin über den Weg. Sie ist wütend, denn sie glaubt, dass Bibi und Tina für den Spuk verantwortlich sind. Am nächsten Tag sind die Kinder immer noch verängstigt, denn das Gespenst hat angekündigt, bald wiederzukommen. Da kommt Philipp zu Besuch, der große Bruder von Feriengast Mareike. Für ihn war kein Platz mehr auf dem Hof, und er wohnt daher beim Mühlenhofbauern, was ihm aber zu langweilig ist. Mareike möchte gern, dass ihr Bruder sie beschützt, aber leider ist nach wie vor kein Bett frei.

Endlich sieht nun auch Frau Martin ein, dass Bibi und Tina nicht hinter dem Gespenst stecken - denn das Bettlaken stammt nicht vom Martinshof. Bibi und Tina wollen unbedingt herausfinden, wer da sein Unwesen getrieben hat ...

Bewertung:

Der Titel dieser Bibi-und-Tina-Folge verspricht viel, es klingt nach einem unheimlichen Abenteuer. Gruselig wird es aber nicht wirklich, auch wenn die Ferienkinder ziemlich verängstigt auf den Gespensterreiter reagieren. Grundschulkinder können die Episode problemlos hören, ohne dass sie sich anschließend fürchten werden; allenfalls ein bisschen wohliges Schaudern wird es geben, wenn sie von Bibis und Tinas nächtlichem Ritt und dem angeblichen Gespenst hören.

Die Geschichte ist von der Grundhandlung her generell gelungen - Bibi und Tina haben gleich zwei Gründe, das Gespenst zu fassen und zu entlarven: Zum einen sind sie verärgert, weil sie in Verdacht gerieten, und vermuten, dass das "Gespenst" ihnen etwas anhängen will. Zum anderen wollen sie natürlich, dass die Ferienkinder wieder ruhig schlafen können und keine Angst mehr haben. Das Gespenst macht es ihnen nicht gerade leicht, allerdings weiß der Hörer schon recht früh, wer sich dahinter verbringt. Das ist im Grunde das einzige wirkliche Manko des Hörspiels, wiegt aber dann doch recht schwer, denn ein bisschen spannender hätte man die Frage nach der Identität schon gestalten können. Alex ist in dieser Geschichte nicht mit von der Partie, ebensowenig der Graf, dafür aber der brummige Mühlenhofbauer, der immer eine nette Nebenfigur ist - obwohl er hier anfangs gar nicht gut auf Bibi und Tina zu sprechen ist. Aber man weiß, dass er im Grunde doch ein recht liebenswerter Patron ist, auch wenn er das oft gut zu verbergen versteht.

Ganz schön ist die Idee, wie Tina und Bibi den Geisterreiter hereinlegen. Ohne zu viel verraten zu wollen, macht diese Idee Kindern vielleicht auch Lust, mal selbst eine Art Gespensterparty zu veranstalten. Positiv ist auch, dass Bibi für diese Idee keine Hexerei benötigt, Kinder können sich daher noch besser in sie hineinversetzen. Allerdings gibt es an anderer Stelle eine überflüssige Hexerei, da wäre es schöner gewesen, wenn man darauf verzichtet hätte und auf andere Weise das Problem gelöst hätte, das wäre lehrreicher für Kinder gewesen.

Als Erzähler fungiert Peter Hladik, der damit seinen einzigen Auftritt in der Serie hat. Nach dem Tod des Stammerzählers Joachim Nottke gab es in den Folgen 32-34 wechselnde Besetzungen, ehe ab Folge 35 schließlich Gunter Schoß der neue Sprecher wurde. Hladik hat zwar keine unangenehme Stimme, doch kann er bei weitem nicht an Nottkes Charme heranreichen, und die Erzählerrolle bleibt hier recht distanziert.

Fazit:

Ein unterhaltsames Bibi-und-Tina-Abenteuer, das sich vor allem an Kinder im Grundschulalter richtet. Kurzweilig, nicht wirklich gruselig, sodass sich Kinder fürchten müssten, aber doch auf angenehme Weise ein bisschen schauerlich-atmosphärisch. Leider ein bisschen zu vorhersehbar, auch für sehr junge Hörer.

Sprechernamen:

Bibi Blocksberg: S. Bonasewicz
Tina Martin: D. Hugo
Frau Martin: E. Meyka
Mühlenhofbauer: G. Holtenau
Mareike Petermann: O. Plany
Philipp Petermann: T. Neu
Lisa: F. Walser
Niklas: J. Rohrbach
Erzähler: P. Hladik

21. November 2014

Bibi Blocksberg - Der Hexenball

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Inhalt:

Barbara und Amanda freuen sich auf den alljährlichen Hexenball auf dem Hexenberg, bei dem traditionell eine Modenschau stattfindet. Jede Hexe führt ein Ballkleid vor, am Ende wird der Sieger gekürt. Bibi und Flauipaui haben jedoch gar keine Lust auf den Hexenball - schließlich werden alle Kleider stets von der Designerhexe Klamottiana entworfen, die für den Geschmack der beiden viel zu altmodisch ist.

Bibis und Flauipauis Interesse am Hexenball steigt ein wenig, als sie hören, dass ausnahmsweise Frau Kolumna als Berichterstatterin dabei sein wird. Den Mädchen kommt der Gedanke, selbst am Modewettbewerb teilzunehmen und mal modernere Kleider vorzuführen.

Da scheint es ideal, dass gerade ein junger Modeschöpfer in Neustadt seinen Laden eröffnet hat. Der sympathische Kilian Kerner entwirft originelle Mode mit tollen Farbkombinationen, die Bibi und Flauipaui ausgesprochen hexisch finden. Kilis Mode hätte eine echte Chance gegen Klamottiana, doch es scheint unmöglich, einen Mann am Hexenball teilnehmen zu lassen - es sei denn, man verkleidet ihn als Hexe ...

Bewertung:


Versammlungen auf dem Hexenberg gibt es häufiger bei Bibi Blocksberg, von einem jährlichen Hexenball mit Modenschau erfahren die Hörer indes zum ersten Mal. Zugegeben ist es nicht sehr geschickt, diese Veranstaltung als regelmäßigen "Höhepunkt des Hexenjahres" zu deklarieren, wenn er zum ersten Mal in der Serie auftaucht. Aber abgesehen von solchen kleineren Mängeln kann die Folge unterm Strich dennoch überzeugen.

Auch wenn es freilich viele dramatischere Folgen gibt, birgt die Handlung doch eine gewisse Spannung. Es stellen sich vor allem die Fragen, wie die von Kilian Kerner entworfenen Kleider auf dem Hexenball abschneiden und ob und wie es Bibi und Flauipaui gelingt, Kili als vorgebliche Hexe "Originella" auf den Ball einzuschleusen. Für noch mehr Brisanz sorgt Klamottianas missgünstige Reaktion auf die unerwartete Konkurrentin, die nichts Gutes erahnen lässt. Dazu kommt der Umstand, dass Mania glaubt, in "Originella" eine alte Schulfreundin wiederzuerkennen. Die Handlung ist frei von Längen und präsentiert mit Kilian Kerner eine liebenswerte Nebenfigur, die gerne noch ein weiteres Mal auftauchen darf. Das Besondere an dieser Rolle liegt darin, dass Kilian Kerner tatsächlich ein junger deutscher Modedesigner ist, der sich hier gewissermaßen selbst spricht. Dabei macht er seine Sache, obwohl eben kein ausgebildeter Synchronsprecher, durchaus souverän; an manchen Stellen erinnert seine Stimme überdies ein wenig an die des bekannten Sprechers Oliver Rohrbeck.

"Der Hexenball" ist die erste Folge, in der Amanda von ihrer neuen Sprecherin verkörpert wird, nachdem Barbara Ratthey bedauerlicherweise 2009 verstarb. Daniela Striezel spricht mit ähnlich heiserer Stimme und klingt zwar nicht ganz so markant wie ihre Vorgängerin, ist aber ganz sicher keine schlechte Wahl. Auch Gabriele Streichhahn findet sich immer besser in ihre Rolle als Nachfolgerin von der in den Ruhestand gegangenen Barbara-Sprecherin Hallgerd Bruckhaus ein. An einer Stelle, als Streichhahn "Bibilein, machst du auf?" ruft, klingt ihre Stimme der von Bruckhaus gar zum Verwechseln ähnlich.

Nicht wirklich schlüssig ist allerdings Karla Kolumnas Rolle als Moderatorin der Modenschau, sind solche hexischen Veranstaltungen doch normalerweise nur Hexen vorbehalten. Karlas Mitwirken wird zwar durch den plötzlichen Ausfall der eigentlichen Moderatorin, Kamina Nebel - eine unschwer erkennbare Anspielung -, begründet. Doch es ist nicht ganz logisch, wie selbstverständlich es ist, dass Karla hier einspringen darf, man denke vergleichsweise nur an Amandas "Hexengeburtstag", als es ein großer Skandal war, dass Bibi heimliche eine Reporterin auf den Hexenberg mitbrachte.

Fragen wirft auch Manias Vermutung auf, bei "Originella" alias Kili handele es sich um eine Namensvetterin, die mit ihr damals die Hexenschule besuchte. Mania erwähnt zwar, wie außerordentlich jung Originella wirkt, aber es ist nicht glaubwürdig, dass sie wirklich annimmt, diese junge Hexe sei ihre Schulkameradin - schließlich wird des Öfteren betont, dass Mania die älteste Hexe weit und breit ist; vermutlich dürfen mindestens 50 Jahre zwischen Kili-Originella und Mania liegen. Es wirkt daher ziemlich konstruiert, dass Mania nur wegen des gleichen Namens davon ausgeht, es müsse sich um die ihr bekannte Originella handeln.

Dazu wird nicht einmal klar, warum Kilian in seiner Rolle angebliche Hexe "Originella" überhaupt bestätigt, die gleiche Originella zu sein, und sich damit in die Bredouille begibt - viel logischer wäre es, wenn er erklärte, dass er nur zufällig genauso heißt und nichts mit Manias Schulfreundin zu tun hat.

Fazit:

Unterhaltsame Folge mit einem eher untypischen Grundthema, die trotz kleiner Schwächen grundsätzlich überzeugt. Die Sprecher machen ihre Sache gut, es gibt einige witzige Stellen, und auch wenn diese Episode nicht an den Charme der besten Bibi-Geschichten heranreicht, ist sie allemal hörenswert.

Sprechernamen:

Bibi Blocksberg: S. Bonasewicz
Barbara Blocksberg: G. Streichhahn
Flauipaui: M. Hinze
Kili: K. Kerner
Karla Kolumna: G. Fritsch
Amanda: D. Strietzel
Walpurgia: H. Sasse
Mania: L. Lunow
Cyrana: S. Deutsch
Klamottiana: M. Treger
Erzähler: G. Schoß

13. November 2014

Brennen muss Salem - Stephen King

Produktinfos:

Ausgabe: 1997
Seiten: 576
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Der Autor:

Stephen King, Jahrgang 1947, zählt zu den erfolgreichsten Autoren der Welt und schreibt überwiegend Horror und Thriller. 1973 veröffentlichte der ehemalige Lehrer mit "Carrie" seinen ersten Roman, der sofort ein Bestseller wurde. Alle folgenden Bücher wurden ebenfalls Welterfolge, viele davon sind von namhaften Regisseuren verfilmt wurden. Zu den bekanntesten Werken zählen unter anderem: Es, Christine, Shining, Misery und The Stand. Stephen King lebt zurückgezogen mit seiner Familie in Bangor, Maine.

Inhalt:

Die Kleinstadt Jerusalems Lot, kurz Salems Lot genannt, in Maine: Seit Hubert Marsten seine Frau ermordet und sich anschließend erhängt hat, gilt das Marsten-Haus als Spukort. Als Junge verschafft sich Ben Mears aufgrund einer Mutprobe Zutritt zum Haus und glaubt, den gehängten Hubert Marsten gesehen zu haben.

Fünfundzwanzig Jahre später kehrt Ben Mears, inzwischen ein recht erfolgreicher Schriftsteller, nach Salems Lot zurück. Er möchte das immer noch verrufene Marsten-Haus mieten und ein Buch über dessen Vergangenheit schreiben. Doch zu seiner Überraschung wurde das Haus kurz zuvor verkauft. Die neuen Eigentümer sind die Antiquitätenhändler Kurt Barlow und Richard Straker. Während sich Barlow offenbar noch im Ausland befindet, stellt sich Straker im Ort vor. Trotz seiner leicht zynischen und herablassenden Art nimmt der ältere Mann viele Einwohner mit seinem höflichen Charme und seinem eleganten Auftreten für sich ein.

Während sich Ben Mears in seiner alten Heimat langsam wieder einlebt und mit der jungen, liebenswerten Susan Norton ausgeht, geschehen seltsame Dinge: Zuerst verschwindet der kleine Ralph Glicks und sein älterer Bruder Danny bleibt verstört zurück. Wenig später stirbt Danny unter mysteriösen Umständen an starker Blutarmut. Kurz darauf stirbt zudem ein Mann, der ähnliche Symptome wie Danny aufweist. Ben, der alte Englischlehrer Matt Burke, Pater Callahan, der Arzt Jimmy Cody, der kleine Mark und Susan sind die Einzigen, die ahnen, was hinter diesen Todesfällen steckt. Trotz aller Gefahren wollen sie sich dem Bösen entgegen stellen ...

Bewertung:


Bereits in seinem zweiten veröffentlichten Roman zeigt Stephen King, wenn auch noch nicht in Vollkommenheit, seine Stärken, die ihn zu einem der erfolgreichsten Autoren des 20. und 21. Jahrhunderts gemacht haben - eine spannende Handlung, die sich an zunächst unscheinbaren Ort abspielt, böse übernatürliche Mächte, eine Gruppe sympathischer Charaktere, die sich tapfer entgegen stellt und bei aller Dramatik und Melancholie auch stets ein Sinn für kleine humorvolle Momente. Es ist, wie so häufig bei King, insbesondere auch die Geschichte einer kleinen Stadt, ihrer Stärken und Schwächen, ihrer typischen Vertreter und ihrem Untergang.

Vampire zählen zu den beliebtesten Horrorgestalten und King greift hier vorwiegend auf traditionelle Vorstellungen zurück. Seine Vampire ernähren sich von Blut, welches verjüngende Effekte auslöst, sie meiden das Sonnenlicht und das christliche Kreuz, besitzen hypnotisierende Fähigkeiten, können durch einen Pflock ins Herz vernichtet werden und müssen von ihrem Opfer herein gebeten werden, um in ein Haus zu gelangen. Der Erzähler unternimmt auch keine großartigen Versuche, zu verschleiern, dass es auf eine Vampirgeschichte hinauslaufen wird; einzig das verrufene Marsten-Haus lässt zunächst eher an Geisterstorys wie "Spuk in Hill House" denken. Doch sobald die ersten seltsamen Dinge in Salems Lot vor sich gehen, liegen die vampirischen Hintergründe auf der Hand.

"Brennen muss Salem" hat seine unheimlichen Momente, obgleich es in diesem Bereich nicht ganz an besonders gruselige Werke wie "Friedhof der Kuscheltiere" oder "Shining" heran reicht. Das liegt sicher auch am grundsätzlich eher niedrigen Gruselfaktor der Gattung Vampire, deren erste moderne Vertreter wie John Polidoris Lord Ruthven oder Sheridan le Fanus Carmilla bereits durch erotische Anziehungskraft statt durch Monstrosität auffallen. King hält sich in seiner Darstellung des Obervampirs eng an dem Vorbild Dracula nebst weiteren Reminiszenzen; ja selbst die Truppe um Ben Mears stellt einmal fest, wie sehr sie der kranke, aber energische Matt Burke an einen gewissen Van Helsing erinnert. Den weiteren Vampiren allerdings geht dieser elegante Charme gänzlich ab; ihnen entströmt der Grabgeruch und ihre bleichen Gesichter und ihre roten Augen sind nur mehr furchterregend statt attraktiv.

In seinem Schreibratgeber "On Writing" rät Stephen King unter anderem zum Prinzip "Kill your darlings". Gemeint ist damit die Bereitschaft, sich von liebgewonnenen Sätzen/Szenen/Charakteren zu trennen, wenn dem Werk damit aus objektiver Sicht gedient ist. "Kill your darlings" ist bei King aus inhaltlicher Sicht insofern oft Programm, als dass bei ihm häufig sympathische Charaktere ihr Leben lassen müssen - auch in "Brennen muss Salem" wird der Leser schmerzhaft damit konfrontiert. Stephen King ist wahrlich ein Meister darin, dem Leser gewisse Figuren ans Herz wachsen zu lassen, ehe er sie einem wieder entreißt und in "Brennen muss Salem" erleiden mehrere liebenswerte Charaktere dieses Schicksal. Natürlich wird auch in diesem Werk nicht auf intertextuelle Bezüge innerhalb des King-Universums verzichtet - beispielsweise einer der Figuren wird man im Dark-Tower-Zyklus wieder begegnen. Zudem gibt es in der Kurzgeschichtensammlung "Nachtschicht" zwei Werke, die mit "Brennen muss Salem" zusammenhängen: "Briefe aus Jerusalem" kann als Vorgängergeschichte für den Roman gelesen werden, während "Einen auf den Weg" kurz nach den Ereignissen des Romans in Salem's Lot spielt.

Zu den kleinen Schwächen des Romans gehört die zu unrealistische Gestaltung des kleinen Mark Petrie. Grundsätzlich hat Stephen King den Hang, seine Kinderfiguren zu reif, zu altklug und dazu gerne auch spirituell begabt zu konstruieren - man denke da etwa an Danny aus "Shining", Trisha aus "Das Mädchen" oder David aus "Desperation". Auch Mark ist kein typischer Zwölfjähriger, sondern ein überschlauer, cleverer Junge, der in Sachen Tapferkeit und Entschlusskraft den meisten Erwachsenen voraus ist. Mark ist ohne Frage sympathisch, aber es fällt schwer, sich einen Knirps vorzustellen, der alleine loszieht, um einen Vampir zu vernichten und all die schrecklichen Dinge so gut zu verkraften, wie es ihm gelingt.

Zu konstruiert handelt auch eine andere Figur, die sich viel zu unvorsichtig verhält und allzu leicht in die Hände des Obervampirs fällt. Es ist beinah ärgerlich, zu verfolgen, wie leichtsinnig sich diese Person verhält und es wirkt viel zu simpel und zu phantasielos, wie ihr Schicksal inszeniert ist. Grundsätzlich fällt auf, dass Charaktere nicht unbedingt zu den facettenreichsten aus Kings Œuvre zählen und man spürt durchaus, dass der Autor hier noch zu Beginn seiner Karriere stand. Sympathisch sind sie zwar, aber sie bleiben kaum nachhaltig im Gedächtnis nach Abschluss der Lektüre. Vor allem Protagonist Ben Mears wirkt unterm Strich ein bisschen zu blass; seine traurige Vergangenheit - der Tod seiner Ehefrau bei einem Motorradunfall - rührt zwar an, erreicht aber nicht die Tiefe, die die Schicksale anderer Kingscher Charaktere präsentieren.

Fazit:


Unterm Strich ein lesenswerter Vampirroman, der zu Stephen Kings Frühwerken zählt. "Brennen muss Salem" erreicht zwar noch nicht die Klasse von Kings besten Büchern, versteht aber dennoch auf spannende Weise zu unterhalten.

8. November 2014

Bibi Blocksberg - Die Hexenküche

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Inhalt:

Bibi und ihre Mitschüler sind enttäuscht: Die geplante Klassenreise aufs Land muss ausfallen, da der Bürgermeister die notwendigen Zuschüsse gestrichen hat. Doch es zeichnet sich ein Hoffnungsschimmer ab: Karla Kolumnas Zeitung veranstaltet anlässlich der "Neustädter Woche des guten Geschmacks", wo allerlei Köstlichkeiten präsentiert werden, einen Probierwettbewerb. Der Gewinn ist eine Reise für den Sieger und seine Freunde.

Bibi, Moni und Marita wollen unbedingt den Wettbewerb gewinnen und damit die Klassenfahrt retten. Leider gibt es große Konkurrenz, daher müssen sie sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Mutter Barbara hat eine tolle Idee: In dem alten Kochbuch der Küchenhexe Tiramisa gibt es zahlreiche ausgefallene Rezepte wie die lustigen Plätzchen, die Nix-wie-Weg-Spaghetti, die Blubb-Blubb-Brühe und den Verzieh-dich-Käse. Die Mädchen sind Feuer und Flamme, bis sie herausfinden, dass die Rezepte nur mit Hexerei funktionieren und daher nutzlos sind - denn bei Wettbewerben darf schließlich nicht gehext werden.

Doch in der Nacht findet Bibi einen Weg, wie die Rezepte auch ohne Hexsprüche zubereitet werden können. Jetzt sind die drei Freundinnen wieder motiviert. Doch mit dem Bürgermeister haben sie mit einem besonders harten Konkurrenten zu tun - denn der hat einen berühmten Starkoch angeheuert ...

Bewertung:


Nicht zum ersten Mal bekommt es Bibi mit Probleme bei einer Klassenfahrt zu tun; in der Folge "Der Flohmarkt" musste dafür gesorgt werden, dass zwei neue Mitschüler das nötige Geld für die Reise erhalten.

Das Ausgangsthema ist hier ähnlich, nur droht diesmal die ganze Reise ins Wasser zu fallen. Der Kochwettbewerb ist zwar grundsätzlich nicht so aufregend wie andere Bibi-Abenteuer, aber doch ein schönes Grundthema. Die kleinen Hörer sind zwar nicht im Besitz von Tiramisas Kochbuch, können aber durch diese Geschichte durchaus angeregt werden, mit Mamas/Papas Hilfe mal etwas in der Küche zu fabrizieren. Während der Bürgermeister selbst keinen Finger rührt und durch einen Starkoch die Reise gewinnen will, haben Bibi und ihre Freundinnen Freude am Kochen. Natürlich geht es auch ihnen um den Gewinn, doch mindestens genau wichtig ist der Spaß in der Hexenküche.

Dramatische Szenen sucht man in dieser Folge vergebens, aber ein bisschen Spannung ist gegeben: Schließlich fragt man sich, was es mit Tiramisas klangvollen Rezepten tatsächlich auf sich hat, wie die Neustädter diese Gerichte annehmen und wie der Wettbewerb genau ausgeht. Zunächst erscheinen Bibi und ihre Freundinnen durch die Hexenrezepte im Vorteil, doch das verkehrt sich bald ins Gegenteil: Die Gerichte haben nicht nur lustige Namen, sondern machen diesen auch alle Ehre. Was anfangs amüsant ist, erweist sich nach einer Weile als schwierig, etwa wenn die Nix-wie-weg-Spaghetti vom Teller flüchten und der Verzieh-dich-Käse mit penetrantem Geruch die Besucher vertreibt.

Dementsprechend geht es in dieser Episode sehr humorvoll zu, sowohl was die Rezepte betrifft als auch die Wortgefechte mit dem Bürgermeister. Karla Kolumna ist hier ganz in ihrem Element, bekommt sie doch wieder einmal Gelegenheit, ihren Lieblingsfeind, den Bürgermeister, zu necken. Die Hexereien halten sich sehr im Hintergrund, was eine angenehme Abwechslung zu den inzwischen zahlreichen Junghexen-Folgen darstellt - hier stehen dagegen Neustadt und Bibis Alltag im Vordergrund. Auf Bernhard Blocksberg muss man in dieser Geschichte leider verzichten, auch Barbara Blocksberg hat nur eine kleine Rolle, aber da der Großteil der Handlung ohnehin auf dem Marktplatz spielt, fällt das nicht störend auf. Des Weiteren ist positiv zu vermerken, dass Bibis Klassenlehrerin Frau Müller-Riebensehl hier einen ihrer sympathischsten Auftritte hat - gewöhnlich ist sie für ihre strenge und eher ruppige Art bekannt; hier zeigt sie sich mal von einer netteren Seite, ohne ihren Charakter völlig zu verändern.

Dafür ist der Bürgermeister allerdings unsympathisch wie selten. Seit Folge 89 wird er nunmehr von Roland Hemmo gesprochen, der seine Sache gut macht, aber den Bürgermeister mit tieferer Stimme strenger klingen lässt. Der verstorbene Heinz Giese hingegen war die Idealbesetzung des Bürgermeisters, verlieh er ihm doch bei allen arroganten Äußerungen eine so überspitzte Art, dass er meist eher lächerlich als streng wirkte; bei Roland Hemmo fehlt teilweise die amüsante Note, die bei Giese stets mitschwang. Speziell in dieser Folge ist der Bürgermeister eher unangenehm statt eine witzige Figur.

Moni und Marita werden nun schon seit Folge 66 bzw 74 von ihren neuen Sprecherinnen verkörpert, sodass sich natürlich ein gewisser Gewöhnungseffekt eingestellt hat - doch es fällt nach wie vor auf, dass den beiden die frühere Individualität etwas abhanden gekommen ist. Marita hatte oft eine leicht patzige Art an sich, Moni hingegen war ein eher ängstlicher Charakter. Diese nun geringere Individualität liegt auch an den Stimmen, die zwar angenehm sind, aber bei Weitem nicht so markant wie von Natascha Rybakowski und von Tatjana Gessner. Zu Zeiten der alten Stimmbesetzung traten Bibis Freundinnen quasi nie gemeinsam auf, sondern Bibi erlebte ihre Abenteuer jeweils mit einer von ihnen. Dadurch traten Moni und Marita stärker in den Vordergrund, während sie heute meist gemeinsam mit von der Partie sind. Es mag für manche Hörer sicherlich nachvollziehbarer und daher eine Verbesserung sein, dass Moni und Marita sich jetzt gemeinsam mit Bibi treffen. Ihre Charaktere wirken jetzt allerdings auch austauschbarer, ihre Rollen sind kleiner, gewissermaßen teilen sie sich jetzt die Rolle von Bibis Begleitperson, und es fällt weniger Aufmerksamkeit auf die einzelnen Figuren ab.

Ein kleines Geschmäckle hat die Hexenküche obendrein: Hexereien sind bei Wettbewerben bekanntlich verboten, daher darf Bibi die Rezepte auch nicht, wie ursprünglich im Kochbuch empfohlen, mit einem Hexspruch untermalen. Allerdings hext Bibi die Küche auf dem Marktplatz herbei, inklusive der außergewöhnlichen Küchengeräte, die Tiramisa einst erfunden hat - etwa den vollautomatischer Dampfstampfer und das Hefetriebgebläse. Diese Geräte verleihen den Gerichten erst den richtigen Pfiff, sodass es unterm Strich dann doch überwiegend wieder die Hexerei gegenüber der Kochkunst ist, die hier für den Erfolg verantwortlich ist.

Fazit:

Eine leicht überdurchschnittliche Folge, die durch grundsätzlich gute Lehren und lustige Szenen besticht. Es fehlt zwar an dramatischen Szenen, und es gibt bessere Folgen, aber unterm Strich sehr hörenswert.

Sprechernamen:


Bibi Blocksberg: S. Bonasewicz
Barbara Blocksberg: G. Streichhahn
Marita: U. Hugo
Moni: J. Ziffer
Bürgermeister: R. Hemmo
Pichler: W. Herbst
Karla Kolumna: G. Fritsch
Frau Müller-Riebensehl: E.-M. Werth
Theobald Trüffel: K. Lochthove
Bastien Bistro: P. Doumeyrou
Erzähler: G. Schoß

6. November 2014

Die kleine Hexe - Otfried Preußler

Produktinfos:

Ausgabe: 1957
Seiten: 127
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Der Autor:

Otfried Preußler, 1923-2013, zählt zu den bekanntesten Kinderbuchautoren Deutschlands. "Der kleine Wassermann" war sein erstes Kinderbuch. Es folgten zahlreiche weitere Werke, u. a.: "Die kleine Hexe", "Das kleine Gespenst", "Der Räuber Hotzenplotz", "Hörbe mit dem großen Hut" und "Die Abenteuer des starken Wanja".

Für den "kleinen Wassermann" erhielt Preußler den Deutschen Kinderbuchpreis. Es folgten zahlreiche weitere Auszeichnungen, u.a. der Deutsche sowie der Europäische Jugendbuchpreis ("Krabat"), Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse, Eichendorff-Literaturpreis, Konrad-Adenauer-Preis für Literatur der Deutschland-Stiftung e.V. Viele seiner Werke wurden erfolgreich vertont bzw verfilmt. Mehr über den Autor erfährt man auf seiner Homepage: www.preussler.de

Inhalt:


In einem kleinen Häuschen im Wald lebt die kleine Hexe mit ihrem sprechenden klugen Raben Abraxas. Die kleine Hexe ist erst 127 Jahre alt und damit für eine Hexe sehr jung - dementsprechend muss sie jeden Tag viel lernen, um ihre Hexenfähigkeiten zu verbessern. Als junge und unerfahrene Hexe darf sie nicht am jährlichen Hexentanz teilnehmen, der in der Walpurgisnacht auf dem Blocksberg stattfindet. Das findet sie reichlich ungerecht. Gegen den Rat ihres Raben beschließt sie, dennoch hinzufliegen und sich unauffällig unter die anderen Hexen zu mischen.

Zu ihrem Pech wird die kleine Hexe enttarnt und bekommt großen Ärger. Die Oberhexe gesteht ihr aber ein Jahr Bewährungszeit zu. Wenn sie in diesem Jahr beweist, dass sie eine gute Hexe ist, darf sie beim nächsten Mal ganz offiziell am Hexentanz teilnehmen.

Die kleine Hexe ist fest entschlossen, diese Chance wahrzunehmen. Ab jetzt will sie nicht nur sechs, sondern sieben Stunden täglich Hexensprüche lernen. Aber sie will auch bei jeder Gelegenheit Hilfsbereitschaft beweisen und so den Althexen demonstrieren, dass sie eine gute Hexe ist ...

Bewertung:


"Die kleine Hexe" gehört zu den bekanntesten Kinderbuchklassikern des 20. Jahrhunderts und ist nach wie vor eine der populärsten Darstellungen einer freundlichen Hexe, die zur Identifikation einlädt. Stolze 127 Jahre zählt sie, doch das heißt bei Hexen bekanntlich nichts - und so hat die kleine Hexe, die übrigens das ganze Buch über namenlos bleibt, viel mit ihren jungen Lesern gemeinsam.

Vor allem ist die zauberkundige Protagonistin niemand, der sich einfach in sein Schicksal fügen möchte. Dass nur die alten, erfahrenen Hexen sich in der Walpurgisnacht auf dem Blocksberg vergnügen dürfen, empfindet sie als sehr ungerecht. Trotzig übertritt sie das Verbot, was Kinder in ähnlichen Situationen oftmals ebenso handhaben und daher gut nachvollziehen können. Gerade dieses Aufbegehren gegenüber den scheinbaren Autoritätsfiguren, das Widersetzen gegen als unsinnig empfundene Regeln werden Kinder gut nachvollziehen können. Fleißig ist die kleine Hexe, schließlich lernte sie schon vor ihrer Konfrontation mit den Althexen viele Stunden täglich mit dem Hexenbuch. Ansonsten aber zeigt sie typisch kindliche Züge, handelt gerne spontan und intuitiv und lässt sich ungern von starren Regeln leiten.

Der Rabe Abraxas fungiert als vernünftige Instanz. Immer wieder gibt er, gefragt oder ungefragt, weise Kommentare ab und wird nicht müde, die kleine Hexe freundlich, aber bestimmt zu belehren. Abraxas bildet somit einen gelungenen Gegenpart zur kleinen Hexe. Zwar steht er auf ihrer Seite und ist ihr engster Vertrauter, aber er erscheint oft auch als besserwisserisch und ermahnt sie immer wieder, bei jeder Gelegenheit eine musterhafte Hexe zu sein. Das Zusammenspiel zwischen dem altklugen Raben und der übermütigen kleinen Hexe liest sich amüsant und tröstet etwas darüber hinweg, dass keine sonstigen Freunde der kleinen Hexe präsentiert werden.

Die guten Taten der kleinen Hexe beziehen sich sowohl auf Menschen- als auch auf die Tierwelt. Positiv fällt die ausgewogene Mischung aus kleinen und großen Taten auf. Manchmal greift die kleine Hexe in durchaus dramatischen Situationen ein, hilft beispielsweise einer Frau, deren Mann das Geld der Familie verjubelt oder rettet drei alte Weiblein aus deren Not, denen das Holzsammeln verboten wird und die nicht wissen, wie sie den Winter ohne Holz überstehen sollen. Andere Taten sind keine großen Rettungsaktionen, aber liebenswerte kleine Gefälligkeiten, etwa wenn die kleine Hexe dem Maronimann seine Arbeit am heißen Ofen erleichtert (den Maronimann in die Hand schnäuzen zu lassen ist übrigens ein recht unappetitlicher Einfall des Autors - das hat mich schon als Kind pikiert) oder wenn die Waldtiere ein lustiges Karnevalsfest erleben. Dabei fällt auf, dass die kleine Hexe oft ihre Fähigkeit verbirgt und die betroffenen Menschen gar nicht wissen, wie sie zu ihrem plötzlichen Glück gekommen sind. Sehr bescheiden ist die kleine Hexe; Gutes tut sie gerne im Verborgenen und das ist einer der wesentlichen Züge, die sie so sympathisch machen.

Die Sprache ist einfach und kindgerecht, wobei es in den Jahrzehnten seit der Erstveröffentlichung 1957 zahlreiche kleine Wortänderungen gab. Zuletzt entbrannte im Feuilleton eine Debatte um das "Negerlein", das beim Karneval auftritt, mit dem Resultat, dass das Negerlein nun aus dem Werk gestrichen wurde. Natürlich hat sich Otfried Preußler seinerzeit nichts Böses bei der Verwendung dieses Wortes gedacht, aber besorgte Gemüter können beruhigt sein, dass sie in der aktuellen Auflage kein Negerlein mehr antreffen.

Auch ein gelungener Kinderbuchklassiker darf auf Mängel hin überprüft werden, die in diesem Fall freilich gering ausfallen. Zunächst einmal kann es den Leser irritieren, dass die kleine Hexe außer ihrem Raben keine weitere Bezugsperson zu haben scheint. Über ihre Eltern erfährt man nichts, ebensowenig über Hexenfreundinnen, generell nichts zu Hexen in ihrem jungen Alter. Das ist umso erstaunlicher, als dass die kleine Hexe ja nun eine recht offene Art hat, mit den Menschen und Tieren schnell vertraut wird und es daher nur logisch wäre, wenn sie auch die eine oder andere Hexenfreundin hätte. Das Ende ist zugegeben aus pädagogischer Sicht lehrreich, aus literarischer Sicht allerdings ein bisschen simpel; gewisse Probleme lösen sich etwas zu einfach auf.

Fazit:

Ein schöner Kinderbuchklassiker, der auch viele Jahrzehnte nach seinem Erscheinen noch aktuell ist und sich zu lesen lohnt.