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2. April 2014

Pumuckl und die Ostereier/Der erste April

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Inhalt:

Pumuckl und die Ostereier

Meister Eder fährt über Ostern zu seiner Schwester, die mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter Bärbel auf dem Land lebt. Pumuckl darf unter der Bedingung mitkommen, dass er sich ruhig und unauffällig verhält. Eder erzählt dem Kobold auch über den Osterbrauch: Pumuckl erfährt, dass am Ostersonntag bunte Eier versteckt werden und sich die Menschen einen Spaß daraus machen, dass sie danach suchen.

Nach der Ankunft bei Eders Schwester verhält sich Pumuckl zunächst tatsächlich sehr brav. Als es abends mit Eder ans Verstecken des Bonbonhasen für die kleine Bärbel geht, hat Pumuckl jede Menge tolle Einfälle: In der Abfalltonne, in der Dachrinne, in einem Vogelnest oder im Kohlenkeller. Zu seiner Enttäuschung aber hält Eder nichts von diesen Orten und versteckt den Bonbonhasen für Pumuckls Meinung viel zu offensichtlich hinter einem Strauch. Am nächsten Morgen verteilt Pumuckl die Bonbons aus dem Hasen und die von Bärbels Eltern versteckten Eier an viel originelleren Orten. Damit nicht genug - damit Eders Familie noch mehr suchen darf, versteckt er auch einige Gegenstände in der Wohnung.

Als Bärbel kurz darauf zum Suchen kommt, ist sie zunächst sehr traurig, dass sie bei den gewohnten Verstecken im Garten nichts findet und auch die Eltern sind verblüfft. Eder erinnert sich an Pumuckls Verstecke und gibt Bärbel Hinweise, die jetzt Spaß am Suchen hat. Als nach dem Frühstück aber alle in die Kirche aufbrechen wollen, geht die Sucherei erneut los: Plötzlich sind auch Handschuhe, Manschettenknöpfe und Schlüssel verschwunden ...

Der erste April

Eders Stammtischfreunde unterhalten sich über den angeblichen Kobold des Schreinermeisters, den sie für eine seltsame Erfindung halten. Da am nächsten Tag der erste April ist, beschließen sie, sich mit einem kleinen Streich für die Pumucklgeschichten zu rächen:

Der Schlosser Bernbacher soll Eder weismachen, dass der Drechslermeister Zacharias, den Eder nicht kennt und der am anderen Ende der Stadt wohnt, auch einen Kobold bei sich hat. Eder soll beim Zacharias auftauchen und sich mit der Frage nach einem Kobold tüchtig blamieren. Tatsächlich trägt der Bernbacher die Geschichte überzeugend vor und während Eder noch etwas zweifelt, ist Pumuckl Feuer und Flamme: Er möchte unbedingt einen Koboldsfreund haben und drängt Eder, zum Zacharias zu fahren.

Beim Drechslermeister stellt sich schnell heraus, dass dieser weder einen Kobold hat noch daran glaubt - und Eder begreift schließlich, dass es sich hier um einen Aprilscherz seiner Freunde handelt. Pumuckl ist bitter enttäuscht, dass es gar keinen weiteren Kobold gibt. Eder tut der kleine Kerl sehr leid - und den beiden kommt ein guter Plan, wie sie sich an den Stammtischfreunden rächen können ...

Bewertung:

Bei mehreren Weihnachtsfolgen in der Serie liegt es auch nah, dass Pumuckl mal Ostern feiert. Die Traditionen der Menschen sind dem Kobold recht fremd und in Pumuckl und die Ostereier erfährt er, was es mit dem Osterhasen und dem Eierverstecken auf sich hat. Für Pumuckl ist es nicht nur verwirrend, dass ausgerechnet ein Hase als Eierbringer gilt - vor allem wundert ihn, dass die Menschen sich die Geschenke nicht geben, sondern sie erst verstecken, wo er doch sonst immer gescholten wird, wenn er Sachen versteckt. Der Einfachheit halber erklärt Eder, dass die Menschen eben an Ostern ausnahmsweise einmal gerne suchen. Er ahnt nicht, was er damit anrichtet: Der Kobold glaubt ihm dies natürlich unbesehen und Eders Familie muss am Ostersonntag weit mehr als nur Eier suchen. Pumuckl versteckt hier zwar außergewöhnlich viel, aber wirklich böse kann ihm Meister Eder nicht sein: Schließlich kann der Kobold nicht ahnen, dass es mit der Freude am Suchen bei den Menschen an Ostern doch etwas anders bestellt ist, als er es gedacht hat. Zumindest Bärbel hatte jedoch Spaß an den ungewöhnlichen Verstecken und auch Pumuckl ist am Ende der Folge wieder versöhnt.

Ein kleiner Logikfehler hat sich in das Hörspiel allerdings eingeschlichen: Bärbel, die überdies leider keine Sprechrolle hat, wird so eingeführt, als handele es sich hier um ihr erstes Auftauchen in der Serie. Dabei dreht sich die frühere Hörspielfolge "Meister Eder bekommt Besuch" recht ausführlich um Bärbel, um Pumuckls anfängliche Abneigung und dann Begeisterung und um Bärbels - vergeblichen - Wunsch, den Kobold mal zu sehen. Auch Pumuckl scheint hier nichts von Bärbel zu wissen, die frühere Bärbelfolge wird also quasi gar nicht beachtet. Das ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass die Buchgeschichten in umgekehrter Reihenfolge veröffentlicht wurden, man also hier in der Osterfolge Bezüge zum vorherigen Kennenlernen hätte erfinden müssen, da sie in der Buchversion zwangsläufig fehlen.

Der erste April
ist eine der gelungensten Pumucklgeschichten überhaupt, in der der kleine Kobold mal überhaupt nichts macht, was man ihm übel nehmen könnte. Im Gegenteil - selten hat der Pumuckl einem so leid getan wie hier, als er erfährt, dass alles ein schlechter Scherz ist und kein Koboldfreund beim Zacharias auf ihn wartet. Auch Meister Eder ist erschüttert und ärgert sich über sich selbst, dass er nicht früher darauf geachtet hat, dass es der erste April ist. So ist er auch damit einverstanden, dass Pumuckl jetzt ausnahmsweise einmal sein Koboldtalent anwenden darf, um den Stammtischfreunden, konkret der Schlosser Bernbacher und der Mechaniker Hufnagel, ihren Streich heimzuzahlen.

Während Eder nach Hause fährt, bleibt der Pumuckl unsichtbar beim Drechslermeister zurück und sorgt dafür, dass sich dieser aus der Werkstatt ausschließt. Zacharias ruft prompt den Schlosser Bernbacher zu sich, auf den er wegen des seltsamen Aprilscherzes - Zacharias glaubt, Eder sollte auf Bernbachers Geheiß ihm etwas von Kobolden erzählen - ohnehin nicht gut zu sprechen ist. Dem Bernbacher vergeht das Lachen vor Ort schnell, als schließlich auch noch sein eigener Autoschlüssel verschwindet. Ganz klar - der Mechaniker muss kommen und alle drei ärgern sich gehörig übereinander, während um sie herum Schlüssel verschwinden und eine Hupe, auf der der unsichtbare Pumuckl sitzt, ununterbrochen fröhlich vor sich hin trötet, bis sie alle mit den Nerven fertig sind und nicht mehr wissen, wer nun wen hereingelegt hat.

Der Clou aber ist das Ende, als Eder in der Wirtschaft seinen Stammtischfreunde trifft und ihnen demonstrieren kann, dass er über alle Geschehnisse eingeweiht ist und ihnen die gesuchten Schlüssel vorlegen kann - da können seine Freunde nur staunen und fragen sich erstmals ernsthaft, ob an der Koboldsache nicht doch etwas dran sein könnte. Interessant ist hier die Information, dass Pumuckl tatsächlich noch nie einen anderen Kobold gesehen hat - umso aufgeregter ist er natürlich vor der erwarteten Begegnung; sogar ein Begrüßungsgedicht hat er für den neuen Freund gemacht, das er ihm gerne stolz vortragen möchte.

Für Kinder ist diese Folge durchaus auch ein bisschen lehrreich: Sie erfahren nicht nur, was es mit dem ersten April auf sich hat, sondern lernen auch, dass man bei solchen Scherzen vorsichtig sein und niemanden enttäuschen sollte. Eders Freunde ahnen natürlich nicht, dass sie hier einen Kobold mit ihrem Streich zunächst sehr verletzt haben. Aber die kleinen Hörer können begreifen, dass Aprilscherze und andere Streiche manchmal für den Betroffenen gar nicht witzig sind.

Fazit:

Zwei sehr gelungene Folgen, wobei die zweite Folge eindeutig zu den besten der Reihe überhaupt gehört. beide Geschichten sind witzig, etwas rührend und teils auch lehrreich, sodass es so gut wie nichts zu bemängeln gibt.

Sprechernamen:


Pumuckl - Hans Clarin
Meister Eder - Gustl Bayrhammer
Erzähler - August Riehl
Schlosser Bernbacher - Gerhard Lippert
Eine Frau - Katharina de Bruyn
Mechaniker Hufnagel - Olf Fischer
Wirt - Georg Einerdinger

13. Juli 2013

Pumuckl - Der verstauchte Daumen/Das Parfümfläschchen

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Inhalt:

Der verstauchte Daumen:

Die Kinder aus der Nachbarschaft nutzen eine Eisbahn im Hof für lustige Rutschpartien. Pumuckl beobachtete begeistert vom Fenster aus, wie sie auf dem Eis umher rutschen, hinfallen und ihren Spaß haben. Natürlich will er mitmischen und hat jede Menge Freude dabei, denn als Unsichtbarer kann er sich nicht verletzen.

Als er Meister Eder von dem Spaß erzählt, ist der aber gar nicht erfreut. Die Eisbahn ist viel zu gefährlich, denn schließlich könnte ein Kunde leicht stürzen. Also streut Meister Eder zur Enttäuschung der Kinder Sägespäne über die Bahn, damit die Rutschpartien ein Ende haben. Pumuckl ist wütend und entfernt die Späne mit einem Handschuh.

Nun kann er wieder rutschen, doch als er laut ruft, schaut Meister Eder aus dem Fenster, Pumuckl wird sichtbar - und prompt verletzt er sich bei einem Sturz am Daumen. Meister Eder legt ihm einen Verband an und die Schmerzen sind so gut wie weg. Problematisch ist aber, dass nun der weiße Verband sichtbar bleibt, wenn der Pumuckl auf den Hof geht. Und dort halten ein paar Kinder den weißen Stoff für ein Tier und verfolgen ihn ...

Das Parfümfläschchen:

Es ist kurz vor Heiligabend und Meister Eder freut sich auf den Besuch seiner Schwester. Er hat ihr ein kleines Holzkästchen geschnitzt und zusätzlich ein teures Parfüm besorgt, das auch dem Pumuckl sehr gefällt. Als die Zugehfrau Frau Eichinger Meister Eder um eine Schachtel für ein paar alte Gläser fragt, gibt er ihr die Parfümschachtel, da sie ohnehin zu groß für das Kästchen ist.

Pumuckl darf sich wegen seines braven Verhaltens ein paar Plätzchen aus der Küche holen. Dabei stößt er versehentlich die Parfümschachtel um - ohne zu ahnen, dass sich inzwischen nur noch ein altes Glas darin befindet.

Pumuckl hat schreckliche Angst, dass er das Parfüm kaputt gemacht hat. Er traut sich nicht, Meister Eder die Wahrheit zu sagen und will verhindern, dass er die Küche betritt und denkt sich allerlei Ablenkungsmanöver aus ...

Bewertung:

Der verstauchte Daumen hat einen etwas irreführenden Titel, denn Pumuckls Daumen ist wohl nur leicht aufgeschürft und nicht ernsthaft verletzt. Davon abgesehen ist die Geschichte spannend und sehr lehrreich für Kinder. Der seltsame, umher huschende Daumen wird von den Kindern im Hof für ein Tier gehalten, das in Stoff eingewickelt ist und dieses Rätsel wollen sie natürlich unbedingt lösen. Pumuckl flüchtet in einen Keller, aber es ist nur eine Frage von Zeit, bis die Kinder hinterherkommen - und sollten sie ihn tatsächlich fangen, wäre das eine Katastrophe. Witzig sind Meister Eders verzweifelte Versuche, die Kinder abzulenken: Einen Jungen, der vor dem Kellerfenster Wache hält, fordert er zum Wettrutschen auf der Eisbahn auf, was aber auf wenig Interesse stößt. Schließlich ist Eder so wütend, dass sich der Pumuckl durch eigene Schuld in so eine dumme Lage gebracht hat, dass er auf ihn schimpft. Der verwirrte Junge fragt nach, wen Eder denn eigentlich meint und erntet ein noch verwirrenderes "Niemand. Aber von mir aus soll er verhungern oder sonst was!" Amüsant ist auch Pumuckls übertriebene Wehleidigkeit, als ein Blutstropfen aus seinem Daumen fließt und er glatt fürchtet, dass Kobolde vielleicht nur diesen einen Tropfen im Körper besitzen.

Kinder lernen aus der Folge zum einen, dass es gewöhnlich besser ist, auf die Warnungen der Erwachsenen zu hören, denn Meister Eder hat genau dieses Szenario bereits vorausgesehen, aber Pumuckl wollte es nicht glauben. Zum anderen wird dezent auf die unschönen Nebenwirkungen einer Eisbahn hingewiesen und ein bisschen für Verständnis geworben, dass Erwachsene aus Sicherheitsgründen solche Eisbahnen an öffentlichen Orten manchmal leider zerstören müssen.

Die zweite Folge Das Parfümfläschchen hat einen ganz anderen Tenor. Es ist kurz vor Weihnachten und Pumuckl stellt gar nichts Schlimmes an - glaubt es aber, denn er fürchtet, das schöne Geschenk versehentlich zerstört zu haben. Stundenlang muss der kleine Kerl Ängste durchstehen, denn er traut sich natürlich nicht, dem Meister Eder von seinem Missgeschick zu erzählen; zu oft schon hat er etwas kaputt gemacht und dafür Ärger bekommen und er fürchtet, dass ihm nicht geglaubt wird, dass es diesmal wirklich nur ein Versehen war.

Der Pumuckl ist in seiner Verzweiflung sehr rührend und Kinder erleben hier eine schöne kleine Weihnachtsgeschichte, die sich ideal für die Einstimmung auf den Heiligen Abend eignet. Es ist trotz Pumuckls Ängsten zudem sehr amüsant, auf was für Ideen er kommt, um Meister Eder davon abzulenken, frühzeitig in die Wohnung zu gehen. Meister Eder sorgt sich schon bald um den ungewöhnlich hilfsbereiten Kobold, der lieber alle Utensilien aus der Küche herausschleppt, als Meister Eder auch nur einen Schritt hinein machen zu lassen. Witzig sind auch Pumuckls Bemerkungen zum Parfüm, das ihm sehr gut gefällt und das er zu gerne selbst tragen würde. Meister Eder hält das nicht wirklich für passend, schließlich handelt es sich um ein Damenparfüm, aber Pumuckl findet den Gedanken erheiternd, dass die Leute auf der Straße dann glauben werden, eine unsichtbare Dame gehe zwischen ihnen spazieren.

Die Kindersprecher überzeugen in ihren Rollen, ihre Texte klingen allesamt natürlich und nicht wie abgelesen - einzige Ausnahme ist das kollektive, zweimalige "Oooooh", als Eder die Eisbahn überstreut, das sich so theatralisch anhört, dass es schon wieder lustig ist. Eders Schwester wird von Marianne Brandt gesprochen, die in anderen Folgen auch schon mal Frau Eichinger sprach - diese wird hier wiederum von Erni Singerl dargestellt, die diese Rolle auch in der TV-Serie übernahm.

Fazit:

Zwei gute Folgen, die durch Spannung, lehrreiche Handlung und Witz überzeugen. Vor allem die zweite Folge ist sehr gelungen und besonders schön an Weihnachten, die erste Folge dagegen etwas dramatischer. Für Kinder auf alle Fälle eine Empfehlung, nicht nur zur Weihnachtszeit.

Sprechernamen:

Pumuckl: Hans Clarin
Meister Eder: Gustl Bayrhammer
Schwester Eders: Marianne Brandt
Frau Eichinger: Erni Singerl
Fritz: Flori Halm
Franz: J. Fischer
Peter: Martin Halm
Erzähler: August Riehl

18. Mai 2013

Pumuckl - Das goldene Herz/Der Waldspaziergang

Produktinfos:

Ausgabe: 1984
Dauer: ca. 49 Minuten
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Die Autorin:

Ellis Kaut wurde 1920 geboren. Sie absolvierte eine Schauspielausbildung und ein Studium der Bildhauerei, bis sie 1948 als freie Schriftstellerin tätig wurde und für den Bayerischen Rundfunk Hörspiele schrieb. 1962 startete die Serie um den Kobold Pumuckl, der ihr Lebenswerk wurde. 1965 wurden die Geschichten auch in Buchform veröffentlicht, 1982 ging die populäre TV-Serie mit Hans Clarin als Pumuckls Stimme und Gustl Bayrhammer als Meister Eder an den Start. Ellis Kaut erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihr Schaffen, unter anderem das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Weitere Werke von ihr sind u.a. "Flibutz", "Geschichten vom Kater Musch" und "Schlupp vom grünen Stern". www.ellis-kaut.de

Hintergrund:

Der Pumuckl ist ein Kobold, der in einer Schreinerwerkstatt wohnt. Früher war Pumuckl unsichtbar, bis er eines Tages am einem Leimtopf des Schreinermeisters Eder hängen blieb und dadurch nach einem Koboldsgesetz sichtbar wurde. Ein Kobold muss bei dem Menschen bleiben, der ihn gesehen hat, so dass er seitdem bei Meister Eder lebt. Nur der alte, gutmütige Schreinermeister kann den Pumuckl sehen, sobald andere Menschen dazukommen, wird er unsichtbar. Der Pumuckl ist ein frecher kleiner Hausgeist, der am liebsten den Menschen Streiche spielt und das Chaos liebt - was Meister Eder immer wieder in aufregende und peinliche Situationen bringt. Trotz allem ist der Pumuckl im Grunde ein lieber Kerl mit einem guten Herz, auch wenn er es manches Mal mit seinem Schabernack übertreibt.

Inhalt:

Pumuckl und das goldene Herz:

Pumuckl ist furchtbar traurig, weil er seine Glasmurmel verloren hat. Überall sucht er nach seinem Spielzeug, doch die Murmel bleibt verschwunden. Stattdessen findet er etwas anderes und zwar einen goldenen Anhänger in Form eines Herzens.

Meister Eder befürchtet, es könnte einer Kundin gehören, die allerlei Anhänger an einem Kettchen getragen hat und erkundigt sich bei ihr. Doch er hat sich getäuscht, das Herz gehört der Kundin nicht. Daraufhin schenkt der Meister Eder den Anhänger guten Gewissens an den Pumuckl. Der Pumuckl ist hellauf begeistert, denn er liebt alle Dinge, die glitzern und glänzen.

Am Nachmittag kommt die kleine Bärbel aus dem Vorderhaus zu Meister Eder. Sie ist schrecklich traurig, denn sie hat den Anhänger verloren, den ihr Vater ihr geschenkt hat - ein kleines, goldenes Herz. Nachdem Bärbel wieder gegangen ist, fordert Meister Eder den Pumuckl auf, das Herz wieder herzugeben. Aber der Pumuckl denkt gar nicht daran ...

Der Waldspaziergang:

Meister Eder macht mit dem Pumuckl zur Abwechslung einen Spaziergang im Wald. Aber ihre Freude wird schnell getrübt, als sie auf lauter weggeworfenen Plastikmüll stoßen.

Anfangs findet der Pumuckl das glitzernde Silberpapier noch schön, doch als er sich an einer Glasscherbe schneidet, ist der Spaß auch für ihn vorbei. Zufällig entdecken sie auch die Übeltäter, die den Sperrmüll entsorgt haben. Der Meister Eder stellt die beiden zur Rede und informiert einen Forstbeamten - doch ohne Beweise kann der nichts gegen die Männer ausrichten.

Da kommt dem Pumuckl eine Idee, wie man die beiden doch noch überführen kann ...

Bewertung:


Das goldene Herz ist eine typische Pumuckl-Geschichte mit tiefer Moral und einem netten Happy-End. Wie so oft zeigt sich der kleine Kobold zunächst uneinsichtig. Obwohl der hübsche Herzanhänger jemand anderem gehört, will er es nicht mehr hergeben. Dann allerdings merkt er, wie sehr die kleine Bärbel an dem Herzen hängt und dass sie Angst davor hat, dass ihr Vater über den Verlust schimpfen wird. In Pumuckls Trotzverhalten werden sich viele Kinder leicht wiederfinden können. Es ist nur zu verständlich, dass er zunächst enttäuscht ist, sein Geschenk wieder hergeben zu müssen, viele Kinder würden ähnlich reagieren, am Ende siegt aber die Einsicht.

Trotz des sensiblen Themas gibt es natürlich viele lustige Stellen. Wie in jeder Folge kann der Pumuckl auch hier das Dichten nicht lassen. Voller Freude über das goldene Herz singt er ausgedachte Lieder in seiner Schaukel und fordert den Meister Eder auf, mitzusingen: "Sing doch bitte mal mit - Ich bin froh, trollolo-trollolooo!" - Eder stimmt allerdings nicht ein. Besonders humorvoll sind wie üblich die Stellen, an denen der Meister Eder sich für die Leute in seiner Umgebung, die nichts vom Pumuckl wissen, mal wieder reichlich merkwürdig erhält. Als der Pumuckl die von Bärbel gefundene Glasmurmel stibitzt und unsichtbar damit über den Boden jagt, ruft der Meister Eder ihm "Pumuckl!" hinterher. Die zunächst verwirrte Bärbel meint daraufhin, "Pumuckl" sei der Name der Murmel und nennt sie fortan so.

Sehr lehrreich ist außerdem, dass der Pumuckl nicht direkt auf die Standpauke des Meister Eder das Herz wieder hergibt, sondern als er die Bärbel beim Spielen mit der Murmel beobachtet und merkt, wie sehr sie sich wünscht, das Herz wiederzubekommen. Auf einmal möchte er dem Kind eine Freude machen - weil ihn das selber viel mehr freuen würde, als wenn er das Herz behält. Eine schöne und absolut kindgerechte Lehre also.

Beim Waldspaziergang ist der Pumuckl an dem Ärger ausnahmsweise unschuldig. Tatsächlich - auch solche Folgen gibt es. Dafür lernen die Kinder ein paar Dinge über Umweltschutz. Wenn jeder seinen Müll herumliegen lässt oder dort entsorgt, kann man bald nicht mehr in Ruhe spazieren gehen, ohne über irgendwelchen Plastik zu stolpern oder sich sogar zu verletzen. Gerade Kinder, die gerne herumtollen, können das nachvollziehen, dass so etwas stört.

Umso schöner ist dafür die Strafe, die sich der Pumuckl und der Meister Eder für die Umweltsünder ausdenken. Pumuckl kommt dabei seine Unsichtbarkeit zugute und er kann, so viel sei verraten, endlich einmal etwas stibitzen und verstecken und damit zugleich etwas Nützliches tun. Und so geht es in dieser Folge mal nicht darum, dass der kleine Kobold, sondern dass andere einen Fehler machen, während Pumuckl fast so hilfreich ist wie die ihm so verhassten Heinzelmännchen. Für die kindlichen Hörer ist die Folge nicht weniger lustig deswegen - jeder hört wohl gerne, wenn ein Übeltäter seine gerechte Strafe bekommt. In dieser Geschichte fallen ein paar mehr typisch bayrische Ausdrücke als sonst ohnehin schon, Verständnisprobleme sollte es daber dennoch nicht geben.

Fazit:

Zwei unterhaltsame und sehr lehrreiche Geschichten mit dem allseits beliebten Kobold. Während im ersten Hörspiel der Pumuckl selber zur Vernunft gebracht wird, sind es im zweiten Hörspiel Erwachsene, die sich falsch verhalten und vom Pumuckl eine Lehre erteilt bekommen. Ideale Unterhaltung für Kinder, die den Kobold sofort ins Herz schließen werden.

Sprechernamen:

Pumuckl: Hans Clarin
Meister Eder: Gustl Bayrhammer
Bärbel: Julia Fischer
Frau Meissner: Katharina de Bruyn
Erzähler: August Riehl

29. Dezember 2012

Pumuckl spukt weiter - Ellis Kaut

Produktinfos:

Ausgabe: 1991
Seiten: 144
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Die Autorin:

Ellis Kaut wurde 1920 geboren. Sie absolvierte eine Schauspielausbildung und ein Studium der Bildhauerei, bis sie 1948 als freie Schriftstellerin tätig wurde und für den Bayerischen Rundfunk Hörspiele schrieb. 1962 startete die Serie um den Kobold Pumuckl, der ihr Lebenswerk wurde. 1965 wurden die Geschichten auch in Buchform veröffentlicht, 1982 ging die populäre TV-Serie mit Hans Clarin als Pumuckls Stimme und Gustl Bayrhammer als Meister Eder an den Start. Ellis Kaut erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihr Schaffen, unter anderem das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Weitere Werke von ihr sind u.a. "Flibutz", "Geschichten vom Kater Musch" und "Schlupp vom grünen Stern". www.ellis-kaut.de

Inhalt:

Pumuckl und der Schnupfen
An einem regnerischen Herbsttag möchte der Kobold unbedingt in einer Pfütze spielen. Meister Eder rät ihm davon ab, denn in dem kalten Wasser könnte er sich zu leicht erkälten. Pumuckl aber schlägt vor, in einem anderen Hof herumzutollen - denn wenn Meister Eder ihn nicht sieht, wird er auch nicht sichtbar und spürt so keine Kälte. Leider passiert es trotzdem, dass Pumuckl sichtbar wird und sich einen heftigen Schnupfen einfängt ...

Der Wollpullover

Seit der Pumuckl sichtbar ist, kennt er nicht nur Hunger, sondern auch Kälte. Mit Einzug des Winters friert er zunehmend, sodass Meister Eder ihm einen dickeren Pullover kaufen will. Aber die Puppenkleider sind alle entweder zu dünn oder zu unpraktisch. Da kommt er auf die Idee, jemanden zu bitten, für ihn ein Pullöverchen zu stricken. Aber da gibt es Komplikationen ...

Pumuckl und der erste Schnee
Pumuckl erlebt zum erste Mal Schnee und ist ganz begeistert von der weichen Masse. Solange er unsichtbar ist und keine Kälte spürt, tobt er mit Herzensvergnügen draußen herum. Dabei macht er sich auch einen Spaß daraus, die Leute im Hof von den Fenstersimsen zu bewerfen. Leider gerät an seiner Stelle jemand anders in Verdacht ...

Das Weihnachtsgeschenk

Es ist Dezember und der Pumuckl sieht ganz begeistert die weihnachtlich geschmückten Schaufenster. Meister Eder erklärt ihm, was es mit dem Fest auf sich hat. Pumuckl ist besonders an den Geschenken interessiert und belauscht einige Gespräche im Laden. Den beiden Mädchen Monika und Elfriede folgt er bis nach Hause, wo Elfriede ihrer Freundin das Nadelkissen zeigt, dass sie ihrer Mutter gebastelt hat. Pumuckl ist ganz verzückt von dem hübschen Kissen und möchte es zu gerne für sich selbst haben ...

Die geheimnisvolle Schaukel

Zu Pumuckls größten Hobbys zählt seine geliebte Schiffsschaukel, in der er stundenlang sitzen und dichten kann. Als die beiden Freunde Fritz und Karli in der Werkstatt die Schaukel sehen, wollen sie unbedingt wissen, warum sie von alleine schaukelt und anhält. Sie schließen eine Wette ab, ob wirklich ein Kobold darin sitzt, wie Meister Eder scheinbar im Spaß sagt - und versuchen, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen ...

Der Gartenzwerg
Meister Eder bekommt von einer Kundin einen Gartenzwerg geschenkt. Pumuckl ist empört, denn er findet diese Zwerge furchtbar albern und fühlt sich beleidigt. Prompt wirft er ihn herunter, sodass ein Kunde glaubt, er sei schuld daran. Die Kundin bringt Eder jedoch einen neuen Zwerg als Ersatz. Kaum geht der kaputt, taucht auch noch der sich schuldig fühlende Kunde mit einem Gartenzwerg auf ...

Bewertung:


Pumuckl und der Schnupfen ist eine sehr lehrreiche Geschichte für Kinder. Die allermeisten werden das Vergnügen des Kobolds nachvollziehen können, in den Pfützen herumzuspringen und kleine Steinchen hineinzuwerfen. Meister Eder warnt ihn vor den Gefahren, denn die Pfützen sind natürlich schmutzig und ein Schnupfen kann leicht geholt werden, aber Pumuckl will nichts davon hören. Sein Leichtsinn wird bestraft und der kleine Kobold wird zum ersten Mal in seinem Leben krank - denn als Unsichtbarer kannte er weder Hitze noch Kälte noch Hunger noch Durst. Damit ist aber nicht genug, denn Pumuckl will sich auf keinen Fall ins Bett legen. Er springt wie wild in der Werkstatt umher und Meister Eder bekommt es ernsthaft mit der Angst zu tun, denn schon bald glüht Pumuckl vor Fieber - und die normale Medizin ist für einen so kleinen Kerl ja viel zu stark und kaum zu dosieren. Damit erhält die Geschichte einen richtig dramatischen Beigeschmack, aber natürlich geht wie gewohnt alles gut aus. Kinder lernen, dass Übermut gefährlich sein kann und mit einer heftigen Erkältung nicht zu spaßen ist - und dass man sich lieber warm anziehen sollte, wenn man nicht im Bett liegen will.

Der Wollpullover
 knüpft ein wenig an die vorherige Geschichte an. Pumuckl ist wieder gesund, aber es ist nun klar, dass er dringend wärmere Kleidung für Herbst und Winter braucht. Meister Eder will ihm Puppenkleidung besorgen, aber die sind entweder alle zu hell, sodass sie zu schnell schmutzig aussähen, oder zu dünn. Die nette Frau Schröder erklärt sich gern bereit, einen Puppenpullover zu stricken, aber dabei läuft etwas schief. Ein neuer Pullover muss her, Hannelore aus der Nachbarschaft ist gerne bereit. Aber Hannelore ist nicht die Fleißigste und vergisst es, den Pullover fertig zu stellen. Pumuckl will ihn sich auf eigene Faust besorgen und prompt sorgt der verschwundene Pullover für eine Menge Chaos bei Hannelore. Hannelore lernt aus der Geschichte, und ebenso der kleine Leser, dass es oft Ärger mit sich bringt, wenn man Dinge unnötig aufschiebt. Zudem gibt es einige witzige Szenen - etwa wenn der Pumuckl auf die verquere Idee kommt, ein Loch im Pullover mit Leim zu flicken oder wenn Meister Eder sich im Spielzeugladen rechtfertigen muss, warum die Puppe unbedingt warm angezogen sein sollte ...

Pumuckl und der erste Schnee
 ist mal wieder eine der Geschichten, in denen der Pumuckl etwas anstellt, es dann aber zum Glück auch wieder gerade biegt. Zunächst ist es lustig zu lesen, wie viel Spaß er mit dem neuentdeckten Schnee hat. Dann aber wirft er anderen Leuten Schnee in den Kragen, die obendrein den armen Lothar verdächtigen, der sein Zimmer genau darüber hat. Meister Eder greift zwar ein und versucht zu erklären, dass Lothar bestimmt unschuldig ist, aber das geht natürlich schlecht, ohne von seinem Kobold zu erzählen. Pumuckl beweist aber, dass er doch ein gutes Herz hat, er ist zwar übermütig und denkt zu wenig nach bevor er handelt, aber er will auch nicht, dass ein Unschuldiger bestraft wird.

Das Weihnachtsgeschenk zeigt Pumuckls erstes Weihnachten, das natürlich auch zu einigen Missverständnissen führt. Pumuckl hat ja nicht viele Möglichkeiten, Meister Eder etwas zu schenken - also will er ihm sein eigenes Kopfkissen als Nadelkissen schenken und sich Elfriedes Nadelkissen für sich selbst stibitzen. Dass das Stehlen ist, denkt der kleine Kobold gar nicht; er erinnert sich vielmehr an ein Gespräch in der Bäckerei, wo eine Frau erzählte, dass ihr Mann heimlich die Weihnachtsplätzchen isst und sie ihn stillschweigend gewähren lässt. Pumuckl schließt daraus mit verquerer Logik, dass in der Vorweihnachtszeit ein bisschen Stibitzen erlaubt ist, außerdem will er das Kissen ja nur ausleihen. Er muss aber einsehen, dass das alles nicht so in Ordnung ist und auch wenn die Geschichte dadurch mal zeitweise traurig wird, nimmt alles ein versöhnliches Ende. Es ist eine lehrreiche Weihnachtsgeschichte, die trotz des ernsten Themas Kinder gut auf das Fest einstimmt.

Durch und durch lustig geht es weiter mit Die geheimnisvolle Schaukel. Nicht zum ersten Mal fällt Eders Kunden die hübsche Schaukel oder das nette Bettchen auf und man wundert sich natürlich zu Recht, warum der Schreinermeister so etwas bei sich aufstellt. Dass die Schaukel auch noch wie aus dem Nichts heraus zu schaukeln beginnt und wieder stoppt, weckt die Neugier der beiden Jungen. Pumuckl spielt ihnen einige Streiche und Eder verwirrt sie mit einer herrlichen Erklärung über Halbleiterkristalle, Elektroden, Diffusion und Raumladung, die das Schaukeln auf Kommando angeblich möglich machen. Keine spektakuläre Geschichte, aber umso schöner aus Ausgleich.

Der Gartenzwerg bildet den gelungenen Abschluss. So wenig Pumuckl die fleißigen Heinzelmännchen ausstehen kann, so wenig mag er auch die seiner Meinung nach albernen Gartenzwerge. Dass Frau Langenschmid Kobolde auch noch mit Gartenzwergen vergleicht, setzt allem die Krone auf. Es ist witzig zu lesen, wie Meister Eder, der ja selbst Gartenzwerge nicht sonderlich mag, immer wieder einen neuen geschenkt bekommt, sobald der alte kaputt gegangen ist. Pumuckl hat in der Geschichte gehörig mit Eifersucht zu kämpfen, sieht am Ende aber auch ein, dass nicht alle Gartenzwerge schlimm sind und diese bunte Figur gewiss keine Konkurrenz für ihn ist. Außerdem lernt er, dass es Unrecht ist, etwas zu zerstören, was anderen gefällt, nur weil man es selbst nicht mag. Die Moral ist damit vorhanden, aber dezent und es bleibt vor allem eine vergnügliche Geschichte, die den Band abrundet.

Fazit:

Sechs gelungene Geschichten um den kleinen Kobold, die mal teils lehrreich und etwas ernster und mal vor allem lustig sind, aber alle sehr gut unterhalten. Auch für Leseanfänger und Einsteiger in Sachen Pumuckl-Geschichten geeignet.

27. Dezember 2012

Pumuckl - Spuk in der Werkstatt/Das verkaufte Bett

Produktinfos:

Ausgabe: 1982 produziert
Dauer: ca. 49 Minuten
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Die Autorin:

Ellis Kaut wurde 1920 geboren. Sie absolvierte eine Schauspielausbildung und ein Studium der Bildhauerei, bis sie 1948 als freie Schriftstellerin tätig wurde und für den Bayerischen Rundfunk Hörspiele schrieb. 1962 startete die Serie um den Kobold Pumuckl, der ihr Lebenswerk wurde. 1965 wurden die Geschichten auch in Buchform veröffentlicht, 1982 ging die populäre TV-Serie mit Hans Clarin als Pumuckls Stimme und Gustl Bayrhammer als Meister Eder an den Start. Ellis Kaut erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihr Schaffen, unter anderem das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Weitere Werke von ihr sind u.a. "Flibutz", "Geschichten vom Kater Musch" und "Schlupp vom grünen Stern". www.ellis-kaut.de

Hintergrund:

Der Pumuckl ist ein Kobold, der in einer Schreinerwerkstatt wohnt. Früher war Pumuckl unsichtbar, bis er eines Tages am einem Leimtopf des Schreinermeisters Eder hängen blieb und dadurch nach einem Koboldsgesetz sichtbar wurde. Ein Kobold muss bei dem Menschen bleiben, der ihn gesehen hat, so dass er seitdem bei Meister Eder lebt. Nur der alte, gutmütige Schreinermeister kann den Pumuckl sehen, sobald andere Menschen dazukommen, wird er unsichtbar. Der Pumuckl ist ein frecher kleiner Hausgeist, der am liebsten den Menschen Streiche spielt und das Chaos liebt - was Meister Eder immer wieder in aufregende und peinliche Situationen bringt. Trotz allem ist der Pumuckl im Grunde ein lieber Kerl mit einem guten Herz, auch wenn er es manches Mal mit seinem Schabernack übertreibt.

Inhalt:

Spuk in der Werkstatt

Der alte Schreinermeister Eder lebt ein recht gemütliches und zufriedenes Junggesellendasein. Eines Tages, als er an einem Kästchen arbeitet, geht bei ihm alles schief - ständig verschwinden Sachen und er muss sie suchen oder sie fallen aus heiterem Himmel um.

Plötzlich ertönt ein lautes Geschrei vom Leimtopf her - und eine seltsame kleine Gestalt mit roten Wuschelhaaren hängt daran. Es ist ein kleiner Kobold namens Pumuckl, der bislang unsichtbar seinen Schabernack trieb und all die Sachen bei Eder versteckte. Kobolde werden nur sichtbar, wenn sie an einer menschlichen Sache hängen- oder kleben bleiben, so wie jetzt. Und laut Koboldsgesetz muss ein Koboldsgesetz von da an bei dem Menschen bleiben, der ihn gesehen hat - und der kann ihn von da an auch als Einziger sehen.

Meister Eder ist sehr perplex und kann anfangs kaum glauben, was er sieht und hört. Er weiß auch noch nicht so recht, was er davon halten soll, dass Pumuckl bei ihm bleiben muss. Nach kurzer Zeit aber findet er den Gedanken ganz schön, den kleinen Kerl von nun an bei sich zu haben. Im Gasthaus erzählt er seinen Stammtischfreunden davon, die es natürlich für reine Einbildung halten - und der Pumuckl fühlt sich herausgefordert, ihnen daraufhin das Gegenteil zu beweisen ...

Das verkaufte Bett


Da der Pumuckl nun beim Meister Eder bleiben wird, braucht er auch ein richtiges Bett - bislang hat er immer in den Hobelspänen geschlafen, aber das ist Meister Eder zu unordentlich. Da er Schreiner ist, liegt es natürlich nah, dass er dem Pumuckl selbst ein kleines Bettchen zimmert.

Nachdem der Kobold erfahren hat, dass alle Menschen und Tiere so etwas wie ein Bett oder ein Nest haben, ist er einverstanden. Meister Eder gibt sich viel Mühe und bemalt das fertige Bett anschließend noch hübsch. Auch Pumuckl ist begeistert vom Ergebnis.

Mitten in der Freude der beiden kommt die Kundin Frau Reiser. Als Frau Reiser das hübsche kleine Bett sieht, ist sie ganz entzückt und möchte es als Puppenbett für ihre kleine Tochter Doris kaufen. Noch ehe Meister Eder ihr eine Erklärung geben kann, warum das Bett nicht zu verkaufen ist, hat sie auch schon Geld hingelegt und das Bett mitgenommen. Kaum ist sie verschwunden, bekommt Pumuckl einen Wutanfall. Er beschließt, sich sein Bett zurückzuholen und folgt der Kundin nach Hause, wo er jede Menge Chaos anrichtet ...

Bewertung:


Die ersten beiden Pumuckl-Folgen erzählen, wie der kleine Kobold beim Schreinermeister Eder landete und wie sich die beiden aneinander gewöhnten. Anders als in der TV-Folge wird in der Hörspielfolge Spuk in der Werkstatt zunächst vom Erzähler eine kurze Einführung geliefert, in der er erklärt, wer der Pumuckl ist und dass nur der Meister Eder ihn sehen kann - danach beginnt dann die eigentliche Geschichte als Rückblick. Wer den Pumuckl bis dahin noch nicht kannte, erhält sogleich eine sehr gute Vorstellung davon, was Meister Eder in Zukunft alles erwartet: Das Zusammenleben mit einem frechen, chaotischen, aber auch liebenswerten und lustigen kleinen Kerl, der gerne Verwirrung stiftet und Streiche ausheckt. Pumuckl ist mit Leib und Seele Kobold und Kobolde haben nun mal die Aufgabe, Schabernack zu treiben, Dinge zu verstecken und umzuwerfen und Menschen zum Ärgern zu bringen. Man merkt allerdings auch, dass er das alles nicht böse meint, sondern es eben in seiner Koboldnatur lebt - und er noch gar keine Erfahrungen damit hat, eine Bezugsperson zu haben.

Bisher hat der Pumuckl unsichtbar unter den Menschen gelebt, jetzt findet er in Meister Eder zum ersten Mal einen Freund und muss lernen, ab und zu Rücksicht zu zeigen. Für Meister Eder ist es ganz schön, auf seine alten Tage plötzlich nochmal jemanden bei sich zu haben - schließlich ist es als kinderloser Junggeselle doch manchmal recht einsam. Eder hat seine Kundschaft und seine Stammtischfreunde und bekommt ab und zu Besuch von Verwandten, führt aber doch ein ziemlich zurückgezogenes Leben - und der Pumuckl sorgt für witzige Momente und ist alles in allen doch vor allem eine liebenswerte Gesellschaft.

Diese Folge ist eine gute Einführung in die Reihe, stellt die wichtigsten Charaktere vor und lässt anhand der Erlebnisse von Eders Freund Bernbacher erahnen, was alles auf den Schreinermeister zukommen wird: Der Schlosser Bernbacher wird in vielen weiteren Folgen immer wieder auftauchen und immer die Existenz des Kobolds bezweifeln, so auch hier - allerdings muss er auch so manchen Streich des Kobolds erleben und kommt hin und wieder ins Grübeln, ob an dem "Kubuckl" oder "Pudackl", wie er ihn gerne nennt, nicht doch etwas dran sein kann. Nachdem Bernbacher in dieser Folge den Kobold für ein Hirngespenst hält, folgt ihm der Pumuckl mit nach Hause und bringt dort bei den Bernbachers, die sich auf einen Auftritt im Gesangsverein vorbereiten, einiges durcheinander, ein typisches Beispiel für Pumuckls Treiben. In der TV-Folge haben Bernbacher und seine Frau - auch dank der idealen Darsteller - etwas mehr Charme und Pumuckls Streichen wird dort ein kleines bisschen mehr Raum geschenkt, das tut dem Hörspaß aber keinen wirklichen Abbruch.

In Das verkaufte Bett erhält der Pumuckl sein legendäres Bettchen, in dem er fortan immer schläft oder sich auch schon mal verkriecht, wenn er ein schlechtes Gewissen hat. Zunächst möchte er sich mit den Hobelspänen zufrieden geben, allerdings missfällt es Meister Eder, immer einen Haufen Späne in der Werkstatt liegen zu haben. "Kobolde lieben Unordnung!", widerspricht Pumuckl, woraufhin Meister Eder ahnungsvoll "Na, das kann ja gut werden ..." seufzt.

In dieser Folge erfährt Meister Eder auch zum ersten Mal, in welche Verlegenheiten er vor seinen Kunde mit dem Pumuckl kommen kann. Natürlich denkt Frau Reiser, dass sie das hübsche Puppenbettchen, das auch noch mitten in den Sägespänen, also im Abfall, liegt, kaufen kann und noch ehe Eder eine Ausrede einfällt, ist sie auch schon damit verschwunden. Auch in späteren Folgen passiert es immer wieder, dass sich Eders Besucher über das Bettchen und die kleine Schiffs-Schaukel, die noch hinzukommt, wundern. Hier ist Eder noch nicht geschickt genug, um schnell zu reagieren und prompt will der Pumuckl sein Bett zurückholen. Die kleine Doris hat bereits begeistert ihre Puppe hineingelegt und spielt mit ihr, während ihr älterer Bruder Vokabeln lernt. Pumuckl stiftet Ärger, indem er immer wieder heimlich die Puppe hinauswirft und Doris daraufhin ihren Bruder beschuldigt, der sich daraufhin heftig wehrt. Als Eder endlich erscheint und dem Spuk auf seine Weise ein Ende bereitet, ist die Familie mit ihren Nerven schon ziemlich am Ende. Letztlich geht alles gut aus, ohne dass zu vorhersehbar wäre, wie es Meister Eder gelingt, das Bettchen zurückzubekommen und alle Beteiligten zufriedenzustellen.

Fazit:


Zwei sehr schöne Hörspielfolgen, die erzählen, wie der Pumuckl zu Meister Eder kam und sich bei ihm einlebte. Sehr humorvoll, aber auch ein wenig spannend und sehr kindgerecht.

Sprechernamen:

Pumuckl - Hans Clarin
Meister Eder - Gustl Bayrhammer
Erzähler - August Riehl
Frau Steinhauser - Erni Singerl
Schlosser Bernbacher - Fritz Strassner
Frau Bernbacher - Katharina de Bruyn
Doris Reiser - Julia Fischer
Mutter Frau Reiser - Katharina de Bruyn
Sohn Herbert Reiser - Christian Brandner

26. Dezember 2012

Pumuckl - Der erste Schnee/Das Weihnachtsgeschenk

Produktinfos:

Ausgabe: 1982 produziert
Dauer: ca. 49 Minuten.
Amazon
* * * * *

Die Autorin:

Ellis Kaut wurde 1920 geboren. Sie absolvierte eine Schauspielausbildung und ein Studium der Bildhauerei, bis sie 1948 als freie Schriftstellerin tätig wurde und für den Bayerischen Rundfunk Hörspiele schrieb. 1962 startete die Serie um den Kobold Pumuckl, der ihr Lebenswerk wurde. 1965 wurden die Geschichten auch in Buchform veröffentlicht, 1982 ging die populäre TV-Serie mit Hans Clarin als Pumuckls Stimme und Gustl Bayrhammer als Meister Eder an den Start. Ellis Kaut erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihr Schaffen, unter anderem das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Weitere Werke von ihr sind u.a. "Flibutz", "Geschichten vom Kater Musch" und "Schlupp vom grünen Stern". www.ellis-kaut.de

Inhalt:

Der erste Schnee

Pumuckl erlebt bei Meister Eder den ersten Schnee seines Lebens. Zunächst ist er ganz begeistert von der weißen Pracht und spielt im Hof begeistert herum. Solange er unsichtbar ist, spürt er nichts von der Kälte und sinkt auch nicht ein. Doch als Meister Eder hinaus blickt, wird er sichtbar - und sofort wird ihm schrecklich kalt.

Pumuckl kommt die Idee, den Schnee hereinzuholen, um in Ruhe am warmen Ofen damit zu spielen. Als Meister Eder weggeht, setzt er den Plan um - allerdings mit anderen Folgen als gedacht. Auch die Schneebälle, die er auf den Hausmeister wirft, sind nur anfangs lustig. Dann nämlich wird der kleine Lothar verdächtigt, den Schnee vom Balkon geworfen zu haben - und Pumuckl muss sich etwas einfallen lassen, um das wieder gutzumachen ...

Das Weihnachtsgeschenk


Pumuckl ist begeistert von all den weihnachtlichen Dekorationen in den Schaufenster. Meister Eder erklärt ihm, was es mit dem Fest auf sich hat und dass sich die meisten Menschen etwas schenken.

Nun möchte Pumuckl dem Meister Eder auch gerne etwas schenken - aber kaufen kann er schließlich nichts. Aus Neugierde begleitet er unsichtbar die kleine Karoline und deren Freundin, die über die Geschenke an ihre Eltern sprechen. Karoline zeigt der Freundin ein selbstgemachtes Nadelkissen, das sie ihrer Mutter schenken wird.

Das Nadelkissen gefällt Pumuckl sehr gut. Zu gerne würde er Meister Eder auch so etwas schenken., Kurzerhand stiehlt er das Kissen heimlich, mit dem Zweck, es als sein eigenes Kopfkissen zu benutzen - und Meister Eder wiederum sein Kissen für dessen Nadeln zu schenken. An die Folgen dieses Diebstahls denkt er dabei nicht ...

Bewertung:

Eine Winter- und eine Weihnachtsgeschichte sind auf dieser CD vereint. Es ist der erste Winter, den Pumuckl bei Meister Eder als sichtbarer Kobold verbringt und Der erste Schnee hat es ihm gleich angetan. Es lässt sich herrlich darin spielen, nur die Kälte gefällt ihm nicht, wie das bei Kindern gewöhnlich auch der Fall ist. Meister Eder vergisst, dass der Kobold von den physikalischen Zusammenhängen keine Ahnung hat - und prompt holt der Kobold Schnee herein, der natürlich in der Wärme sofort zu einer Pfütze schmilzt. Diese erste Hälfte der Folge ist vor allem lustig, denn Pumuckl glaubt beim Anblick der Pfütze, sie stamme von einem Hund - der dann unverschämterweise auch noch gleich den Schnee mitgenommen hat. Darüber muss schließlich sogar Meister Eder lachen, auch wenn er das Wasser wegwischen muss.

Anders sieht es mit dem Schnee aus, den Pumuckl auf den Hausmeister und Frau Altenweger wirft. Er amüsiert sich dabei, den beiden Erwachsenen immer, wenn sie wegschauen, Schnee in den Kragen zu werfen. Leider weiß der Hausmeister, dass direkt über ihm die Wohnung des kleinen Lothar ist - und auch wenn weder er noch Frau Altenweger Lothar gesehen haben, sind sie überzeugt, dass er den Schnee geworfen hat. Frau Altenweger beschwert sich daraufhin bei Lothars Mutter und die gibt dem Jungen Stubenarrest, wohl im Glauben, die beiden hätten ihn dabei gesehen. Als Meister Eder das zufällig erfährt, ist er sehr wütend auf den Pumuckl - der Kobold hat nämlich einfach weitergemacht, als Lothar bereits verdächtigt wurde. Meister Eder macht ihm klar, wie schlimm es für den Jungen sein muss, dass ihm niemand glaubt, dass er ganz unbeteiligt ist. Pumuckl und kleine Hörer lernen dadurch, dass man Späße und Streiche nicht zu weit treiben darf, erst recht nicht, wenn andere unschuldig verdächtigt werden. Nun können natürlich weder der Meister Eder noch Pumuckl direkt klären, dass Lothar keinen Schnee geworfen hat. Aber Pumuckl wäre nicht Pumuckl, wenn ihm nicht eine Lösung einfallen würde- und auf geschickte Weise sorgt er dann doch noch für ein Happy End.

Die Geschichte ist lehrreich und lustig zugleich und Pumuckls Aktionen im und mit dem Schnee sind gut auf Kinder zu übertragen. Die Szene mit dem Kobold werfenden Schnee soll übrigens quasi die Ursprungsszene mit Autorin Ellis Kaut und ihrem Mann sein, die zur Erfindung des Kobolds führte - demnach erlaubte sie sich diesen Scherz und er nannte sie "Pumuckl", was sie zu der Figur inspirierte. Ein bisschen merkwürdig ist allerdings, dass Pumuckl in seiner Zeit als Unsichtbarer noch nie zuvor Schnee gesehen hat. Es wird zwar nie gesagt, wie alt Pumuckl ist - er selbst hat da gerne Behauptungen wie "dreihunderzwölfundzwanzig Jahre" parat, aber zumindest wird auch nirgends gesagt, dass er erst kurz vor seiner Ankunft bei Meister Eder geboren ist - und wenn er in bayrischen Gefilden gelebt hat, dürfte ihm eigentlich nicht das erste Mal im Winter Schnee auffallen, auch wenn er bis zu seiner Zeit bei Meister Eder nur unsichtbar war und die Kälte nicht spürte.

Nicht nur der Schnee, auch Weihnachten ist ganz neu für den Pumuckl. Natürlich gefallen ihm in Das Weihnachtsgeschenk die bunten und glitzernden Dekorationen und er kann es kaum erwarten bis Heiligabend. Ihm gefällt auch das ganze Gerede über Heimlichkeiten in der Weihnachtszeit, da er Geheimnisse ohnehin immer spannend findet. In der Bäckerei hört er ein Gespräch zwischen der Bäckerin und einer Kundin mit und erfährt, dass die Kundin immer Plätzchen backt, die ihr Mann heimlich schon vor Weihnachten isst - und sie lässt ihm im Glauben, dass sie nichts davon bemerkt. Pumuckl fühlt sich darin bestätigt, dass man in der Weihnachtszeit offenbar mehr Heimlichkeiten als sonst haben darf und dass auch Stehlen in gewisser Weise erlaubt ist. Dieses Missverständnis, das typisch für Pumuckl ist, führt dazu, dass er das gebastelte Nadelkissen wie selbstverständlich mitnimmt - denn Heimlichkeiten und Stibitzen sind ja offenbar nichts böses in dieser Zeit. Zudem meint er es gut, denn er will ja vor allem Meister Eder ein Geschenk machen mit seinem eigenen Kissen und sieht keine andere Möglichkeit, da ihm fürs Basteln das Geschick fällt und er nichts kaufen kann.

Die Folge ist sehr lehrreich und Pumuckl versteht mal wieder erst recht spät, dass er da gar nicht recht gehandelt hat - bringt es aber wieder in Ordnung. Darüber hinaus macht das Hörspiel Weihnachtsstimmung, auf Basteln, Dekorieren und Verschenken. Die Geschichte plädiert auch dafür, dass man für Geschenke nicht unbedingt viel Geld ausgeben soll - sondern dass auch selbstgebastelte Geschenke sehr schön sein können, weil sie von Herzen kommen. Meister Eder jedenfalls freut sich am Ende über ein ganz spezielles Geschenk Pumuckls, das er sich für kein Geld der Welt kaufen könnte und hält es in Ehren. Bedenken sollte man bei dieser Folge vielleicht, dass hier ausdrücklich gesagt wird, dass die Menschen die Geschenke gegenseitig machen und nicht Christkind oder der Weihnachtsmann sie bringen - falls ein Kind darüber noch nicht aufgeklärt wurde.

Fazit:


Zwei sehr schöne winterlich-weihnachtliche Pumucklgeschichte, die sehr typisch für die Reihe sind: Pumuckl stellt in beiden Folgen etwas an, lernt dann aber aus seinen Taten und bringt alles wieder in Ordnung. Die Sprecher sind wie üblich sehr gut und sorgen dafür, das man die Geschichten immer wieder gerne hört.

Sprechernamen:


Erzähler: August Riehl
Meister Eder: Gustl Bayrhammer
Pumuckl: Hans Clarin
Frau Altenweger: Lina Carsten
Hausmeister: Olf Fischer
Lothar: Florian Halm
Mutter von Lothar
Bäckersfrau: Erni Singerl
Karoline: Julia Fischer
Kundin: Katharina de Bruyn

4. Oktober 2012

Pumuckl und die Schatzsucher - Ellis Kaut

Produktinfos:

Ausgabe: 1993
Seiten: 143
Amazon
* * * * *

Die Autorin:

Ellis Kaut wurde 1920 geboren. Sie absolvierte eine Schauspielausbildung und ein Studium der Bildhauerei, bis sie 1948 als freie Schriftstellerin tätig wurde und für den Bayerischen Rundfunk Hörspiele schrieb. 1962 startete die Serie um den Kobold Pumuckl, der ihr Lebenswerk wurde. 1965 wurden die Geschichten auch in Buchform veröffentlicht, 1978 ging die populäre TV-Serie mit Hans Clarin als Pumuckls Stimme und Gustl Bayrhammer als Meister Eder an den Start. Ellis Kaut erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihr Schaffen, unter anderem das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Weitere Werke von ihr sind u.a. "Flibutz", "Geschichten vom Kater Musch" und "Schlupp vom grünen Stern". http://ellis-kaut.de/

Inhalt:

Ein Knüller für die Zeitung

Meister Eder trifft sich mal wieder mit seinen Stammtischfreunden, die ihn wie üblich mit dem Koboldspuk aufziehen, an den sie nicht glauben. Das hört zufällig ein Herr am Nachbartisch mit. Herr Schnabel interessiert sich für alles Übernatürliche und obwohl Eder ihn abwimmeln will, taucht er bald in der Werkstatt auf. Prompt lässt Pumuckl Dinge herunterfallen und Herr Schnabel möchte einen Reporter vorbeischicken, damit in der Zeitung über den Kobold berichtet wird ...

Pumuckl und die Angst
Flori hört im Hof zufällig ein Gespräch zwischen den beiden Jungen Flori und Michel mit. Sie wollen ihrer Klassenkameradin Inge einen Streich spielen und sie erschrecken, indem sie bei ihr im Keller unheimliche Geräusche machen und eine Katze loslassen. Im Gegensatz zum Meister Eder findet Pumuckl das toll und will dabei sein. Der Streich misslingt aber, denn Inge ist nicht so ängstlich - dafür aber halten die Jungen Pumuckl im Keller für eine Maus und er ist in einer Kiste eingesperrt ...

Der Blutfleck auf dem Stuhl

Direkt vor der Werkstatt stürzt eine Frau und verletzt sich die Hand. Während Eder sich um Verbandszeug kümmert, setzt sich die Frau auf den wertvollen antiken Stuhl, den er gerade bearbeitet - und hinterlässt einen Blutfleck auf dem Polster. Eder ist entsetzt, denn auf keinen Fall darf der Kunde davon erfahren - und der Stuhl muss schleunigst in die Spezialreinigung ...

Pumuckl und die Schatzsucher
Beim Umherstreifen belauscht Pumuckl ein Gespräch zwischen den Freunden Heini, Huber und Fritz. Die drei wollen auf dem Bauplatz Schatzgräber spielen und alle Funde ehrlich teilen. Pumuckl will ihnen dabei helfen: Er stibitzt Eders wertvolles Taschenmesser und lässt die Jungen es finden. Aber nicht nur, dass die sich schon bald darum streiten, auch Eder vermisst bald sein Messer ...

Die Gummi-Ente

Pumuckl sieht zufällig, dass ein Vater für seinen Sohn eine Gummiente zum Aufblasen kauft. Sogleich berichtet er Meister Eder davon und will auch so eine Ente. Eder lässt sich erweichen und kauft eine Schwimm-Ente, mit der Pumuckl im Wasser spielt. Als er den Kobold aber kurz darauf allein lässt, passiert ein Unglück ...

Pumuckl und das eigene Zimmer
Pumuckl kommt auf die Idee, dass er genau wie der Meister Eder gerne eine eigene Tür zum Abschließen hätte - und am, besten gleich ein eigenes Zimmer. Eder hält das für unnötig und arbeitet weiter. Pumuckl möchte sich nun ein eigenes Zimmer bauen. So zieht er kurzerhand in der Wohnung das Tischtuch wie eine Wand herunter, um sich unter dem Tisch mit dem Geschirr als Möbelstücke einzurichten. Dabei richtet er ein heilloses Chaos an. Ausgerechnet jetzt kommt Eders Freund Schmitt zu Besuch und wundert sich sehr darüber ...

Ein Kobold geht auf Schatzsuche

Ein Knüller für die Zeitung ist eine recht originelle Pumuckl-Geschichte, es geht nämlich nicht darum, dass der Kobold etwas anstellt. Stattdessen sind zwei Herren plötzlich sehr an dem Pumuckl interessiert und auch den Kobold reizt es, als "Knüller" in der Zeitung zu erscheinen. Meister Eder weiß natürlich, dass er auf keinen Fall zugeben darf, dass Pumuckl wirklich existiert. Er hat alle Mühe, die Koboldereien, die er in der Werkstatt in Herrn Schnabels Beisein anrichtet, kleinzureden. Wie immer ist es sehr amüsant, wenn Eder in Verlegenheit gerät und sich herausreden muss, und sowohl Herr Schnabel als auch der Reporter sind ziemlich hartnäckig. Die Geschichte ist zwar kein Highlight unter den Pumucklwerken, aber doch ganz unterhaltsam und ein solider Einstieg.

Pumuckl und die Angst ist eine zugleich unterhaltsame und spannende wie auch sehr lehrreiche Geschichte. Welches Kind kennt das nicht, dass man anderen nicht gerne einen Streich spielt - der hier aber nach hinten losgeht. Statt sich an Inges Angst zu erfreuen, gerät der Kobold in die Klemme. Er steckt in einer Kiste fest und kommt nicht heraus. Noch schlimmer ist, dass die Jungen das Geraschel für eine Maus halten und die der Katze überlassen wollen. Pumuckl hat schreckliche Angst, von der Katze gefressen zu werden, er ist sich nämlich gar nicht sicher, ob er auch für sie unsichtbar ist. Die Handlung ist dramatisch und für Kinder durchaus spannend. Gleichzeitig lernen sie, dass es nicht richtig ist, anderen einen Schreck einjagen zu wollen und dass es gar nicht mehr lustig ist, wenn man selbst große Angst ausstehen muss.

Der Blutfleck auf dem Stuhl verbindet geschickt Spannung mit einer lustigen Handlung. Zunächst fängt alles ganz harmlos an, Meister Eder ist hilfsbereit wie immer und will die blutende Frau versorgen. Durch ihre Unachtsamkeit wird der kostbare Stuhl ruiniert und ausgerechnet kurz darauf kommt der Besitzer vorbei. Eder muss nun natürlich den Fleck verbergen und den Kunden schnellstmöglich wieder loswerden. Seine Ablenkungsmanöver lassen den Kunden reichlich verwirrt zurück, sind für den Leser aber umso amüsanter zu verfolgen. Die Geschichte hat leider noch ein trauriges Nachspiel, denn es stellt sich heraus, dass die Frau alles andere als ehrlich war. Pumuckl und die kleinen Leser lernen hieraus, dass man bei Hilfsbereitschaft nicht unbedingt immer Dankbarkeit zurückbekommt und dass manche Leute unehrlich sind und sich aus der Verantwortung stehlen - was einen aber nicht davon abhalten sollte, immer das Beste zu versuchen und es ihnen gerade nicht gleichzutun.

Pumuckl und die Schatzsucher ist eine sehr spannende und abwechslungsreiche Geschichte, quasi eine "Schatz der Sierra-Madre-Version" für Kinder. Die drei Freunde zerstreiten sich schnell um das Messer, vom edlen Vorhaben, sich alle gefundenen Schätze zu teilen, bleibt nicht mehr viel übrig. Auch für den Pumuckl ist die Geschichte lehrreich, denn wieder einmal denkt er nicht drüber nach, ehe er handelt. Er nimmt einfach Eders Messer, um den Jungs bei der Schatzsuche zu helfen und sieht darin zunächst keinen Diebstahl, für ihn ist das Messer bloß "ausgeborgt". An die ganzen Folgen denkt er nicht und sieht am Ende ein, dass er falsch gehandelt hat.

Die Gummi-Ente ist eine typische Pumuckl-Geschichte. Pumuckl möchte etwas Bestimmtes haben und nervt solange, bis Meister Eder nachgibt. Dann haben auch beide zunächst ihren Spaß mit der Ente, auf der Pumuckl, ganz wie seine Klabautervorfahren sicherlich, durch das Wasser reitet. Als Pumuckl allein ist, vergisst er aber, dass man eine Ente aus Gummi vorsichtig behandeln muss und macht sie versehentlich kaputt. Das wäre noch nicht so schlimm, wenn er nicht gegenüber Meister Eder die Schuld auf jemand anders schübe. Fast glaubt Pumuckl seine Schwindelei selbst, so überzeugend bringt er sie hervor - aber am Ende sieht er doch ein, dass es falsch war, jemand anders zu bezichtigen. Kinder lernen, dass sie zu ihren Schandtaten stehen sollten, dann geht meist alles glimpflicher aus.

Die Abschlussgeschichte Pumuckl und das eigene Zimmer gehört zu den besten Beiträgen des Bandes. Pumuckls Wunsch nach einem eigenen Zimmer, eigenen vier Wänden, die er abschließen kann, ist nicht unverständlich, aber natürlich übertreibt er mal wieder mit seiner Vehemenz. Er ist so in sein Vorhaben vertieft, sich ein kleines Reich zusammenzubasteln, dass er ignoriert, was für ein Chaos er anrichtet. Das Tablett wird zur Tür, der Suppentopf zum Schrank, ein Schal wird als Kleidungsstück hineingestopft und Kies aus dem Hof wird als "Weg" davor gestreut. Dementsprechend verwirrt reagiert Eders Freund Schmitt auf diese seltsamen Anordnungen und er macht sich ernstlich Sorgen - nicht nur, dass Eder seit längerer Zeit von einem Kobold erzählt, nun stellt er auch noch sein Geschirr auf den Boden und entwirft merkwürdige Gebilde. Für Eder ist es alles andere als leicht, sich da herauszuwinden, was ihm aber, dank seiner Übung in diesen Dingen, gut und auf witzige Weise gelingt.

Fazit:

Sechs gelungene Pumuckl-Geschichten für Leser ab dem Grundschulalter. Manche Geschichte sind vor allem lustig, andere besonders lehrreich. Nicht alle sind gleich gut, aber alle sehr lesenswert. Es mag noch bessere Bände der Reihe geben, aber trotzdem eine sehr gute Geschichtensammlung.

Pumuckl auf heißer Spur - Ellis Kaut

Produktinfos:

Ausgabe: 1994
Seiten: 148
Amazon
* * * * *

Die Autorin:

Ellis Kaut wurde 1920 geboren. Sie absolvierte eine Schauspielausbildung und ein Studium der Bildhauerei, bis sie 1948 als freie Schriftstellerin tätig wurde und für den Bayerischen Rundfunk Hörspiele schrieb. 1962 startete die Serie um den Kobold Pumuckl, der ihr Lebenswerk wurde. 1965 wurden die Geschichten auch in Buchform veröffentlicht, 1978 ging die populäre TV-Serie mit Hans Clarin als Pumuckls Stimme und Gustl Bayrhammer als Meister Eder an den Start. Ellis Kaut erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihr Schaffen, unter anderem das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Weitere Werke von ihr sind u.a. "Flibutz", "Geschichten vom Kater Musch" und "Schlupp vom grünen Stern". http://ellis-kaut.de/

Inhalt:

Der verdrehte Tag
Pumuckl ist heute sehr selbstmitleidig und beneidet Meister Eder dafür, dass er ein großer, erwachsener Mensch ist und viel mehr machen darf. Meister hält dagegen, dass Pumuckl es gerade gut hat, weil er nichts tun muss und keine Verpflichtungen hat. Pumuckl beschließt, dass sie für einen Tag die Rollen tauschen - Eder soll den Kobold "Edermuckl" spielen und Pumuckl will als "Pumeister" einmal die Werkstatt übernehmen. Aus Spaß lässt sich Eder darauf ein. Schon sehr bald merkt Pumuckl, dass das neue Leben alles andere als schön ist ...

Hilfe - eine Aushilfe!
Meister Eders Putzfrau Frau Eichinger ist krank und so sucht Eder eine Aushilfe. Schließlich kommt er an die nette Frau Singermeier. Allerdings verunsichert Bernbacher aus Spaß die arme Frau mit Geschichten über den angeblichen Kobold. Eder versucht Frau Singermeier zu beruhigen, aber diese richtet aus Nervosität ein Unglück nach dem anderen an und glaubt, es sei der Kobold ...

Pumuckl und die Uhr
Nachdem Pumuckl eine hübsche kleine Uhr gesehen und ticken gehört hat, ist er ganz fasziniert davon. Meister Eder kann ihn nur mit Mühe davon abbringen, in ein Uhrengeschäft zu laufen. Schon bald aber gelingt es dem Kobold, sich heimlich dorthin zu schleichen. Schließlich wird er abends eingeschlossen und Meister Eder macht sich auf die Suche ...

Pumuckl auf heißer Spur

Meister Eder liest in der Zeitung eine Artikel über einen Dieb, der sich als Gasmann verkleidet Zutritt zu Wohnungen verschafft und dort heimlich die Ersparnisse stiehlt. Pumuckl ist nervös deswegen und will achtgeben, dass der falsche Gasmann sie auf keinen Fall ausraubt. Bald kommt der echte Gasmann vorbei, den Eder aber gut kennt, trotzdem ist Pumuckl misstrauisch - ebenso bei einem Kunden, den Eder in die Wohnung lässt. Meister Eder ist schon recht genervt von Pumuckl übertriebener Sorge - doch dann stiehlt tatsächlich jemand seine goldene Uhr ...

Pumuckl und die Silberblumen

Auf einem Spaziergang kommen Meister Eder und Pumuckl an einem mit Silberblumen dekorierten Schaufenster vorbei. Pumuckl ist ganz hingerissen von den hübschen Dekoblumen und würde zu gerne eine gekauft bekommen. Eder verspricht ihm zu Hause selbst welche zu basteln. Nachdem Pumuckl gesehen hat, wie das Basteln funktioniert, bastelt er mit Feuereifer jede Menge Blumen und legt sie überall in der Werkstatt aus, sehr zur Verwunderung der Kunden ...

Der verflixte Föhn

Eines Morgens wacht Meister schon schlecht gelaunt auf und ist auch weiterhin gereizt, während Pumuckl im Gegensatz beste Laune hat. Er will Eder sogar behilflich sein, der aber wird immer nervöser und ärgerlicher und fährt Pumuckl wegen jeder Kleinigkeit an, sodass es zum Streit kommt. Schließlich sperrt sich Eder in seiner Zerstreutheit sogar ein und verlegt seinen Geldbeutel ...

Detektiv Pumuckl in Aktion

Mit Der verdrehte Tag startet der Band gleich sehr originell und kurzweilig. Meister Eder hat das Genörgel vom Pumuckl satt und will ihn selbst erleben lassen, dass er sich überhaupt nicht dazu eignet, als Schreinermeister zu arbeiten. Pumuckl ist natürlich viel zu klein für die Maschinen und Werkzeuge, aber auch der Alltag in der Wohnung entpuppt sich als Fiasko, denn das Kochen endet nur im Chaos. Eder lässt sich von den ersten Wutanfällen Pumuckls nicht abbringen, sondern verhält sich genau so, wie es der Kobold an seiner Stelle täte - er macht ein paar lustige Gedichte über die Misere und denkt nicht daran, zu helfen. Die witzigste Stelle ist wohl die, an der der unsichtbare Pumuckl mit einem Kunden in der Werkstatt spricht und sich selbstbewusst als Eders Vertretung, den "Pumeister" vorstellt. Der Kunde ist verständlicherweise reichlich irritiert und würde gern wissen, wo der geheimnisvolle "Herr Pumeister" überhaupt steckt. Die Geschichte zeigt, dass man es sich nicht zu leicht vorstellen soll, an Stelle eines anderen zu sein. Sicher hat sich auch schon das eine oder andere Kind gewünscht, es wäre schon erwachsen, weil es genervt ist vom ewigen "Dafür bist du noch zu jung"-Gerede. Aber hier sieht man, dass es schon seine Vorteile hat, von bestimmten Pflichten befreit zu sein.

Mindestens ebenso gut geht es weiter mit Hilfe - eine Aushilfe!. Ausnahmsweise muss Pumuckl gar nichts tun, damit die Sachen in Eders Wohnung reihenweise umfallen, dafür sorgt die nette aber schusselige Frau Singermeier schon selbst. Für Eders Nerven eine Geduldsprobe, da hilft es auch nicht viel, dass sie von ihm gerührt an "ihren Mann selig" erinnert fühlt. Gespannt verfolgt man, wie lange sich der Pumuckl noch brav verhält und wann er vielleicht selbst anfängt, seinen Teil zum Chaos beizutragen - denn er fühlt sich gehörig von Frau Singermeiers Aussagen provoziert, dass bestimmt hinter allem ein Kobold steckt.

Pumuckl und die Uhr ist eine lustige und spannende Geschichte. Pumuckl ist so sehr von den Uhren fasziniert, dass er versehentlich in einem Geschäft eingeschlossen wird. Meister Eder muss ihn suchen, weiß aber nicht, in welchem der beiden Läden, die der Pumuckl zuvor gesehen hat, der Kobold steckt. Natürlich verhält er sich in den Augen des Uhrmachers sehr eigenartig wenn nicht gleich verdächtig und dieser möchte den scheinbar "Irren" so schnell es geht loswerden. Der Pumuckl sorgt wiederum im laden mit seinem Schnarchen im Uhrenkasten für einige Aufregung, denn keiner kann sich so genau erklären, woher das komische Geräusch stammt. Bis Meister Eder den Kobold befreit hat, geht es sehr kurzweilig zur Sache und Kinder lernen mal wieder, dass Heimlichkeiten zu Problemen führen können.

Pumuckl auf heißer Spur ist eine sehr kindgerechte Kriminalgeschichte, die zunächst vor allem witzig ist: Pumuckl wittert überall einen "falschen Gasmann" und passt wie ein Schießhund auf, dass niemand Eder beraubt. Schließlich aber geschieht es doch, dass eine Frau in die unverschlossene Werkstatt kommt und Eders Uhr mitnimmt. Pumuckl und Meister Eder aber finden zusammen einen Weg, die Frau zu stellen und am Ende geht alles gut aus. Kinder lernen aus der Geschichte sehr schön, dass man sich nicht zu sehr auf die Erscheinung eines Menschen verlassen sollte. Der naive Pumuckl denkt, dass eine Frau längst nicht so gefährlich sein kann wie ein Gas-Mann, zumal sie sehr ordentlich gekleidet ist und einen eleganten Eindruck macht. Auch die Sache mit dem "Instinkt", der einem verraten soll, ob jemand vertrauenswürdig ist, versteht er leider falsch, denn da die Frau nicht stinkt, scheint damit für ihn alles in Ordnung zu sein. Sehr spannende Geschichte, die am Ende gut aufgelöst wird.

Pumuckl und die Silberblumen ist niedlich und unterhaltsam, ohne dass spektakuläre Dinge passieren. Pumuckl geht ganz in seiner neuentdeckten Begeisterung für die gebastelten Silberblumen auf, zum zunehmenden Verdruss von Meister Eder, der nun überall in der Werkstatt auf die Papierchen stößt. Kinder können Pumuckls Denken wahrscheinlich gut nachvollziehen, denn was für sie wunderschön ist, ist für die Erwachsenen oft störend. Das Ende ist dann sehr versöhnlich und allgemein regt die Geschichte dazu an, mal wieder Dekorationen selbst zu basteln.

Der verflixte Föhn ist eine der eher seltenen Geschichten, in denen Pumuckl zu Unrecht verdächtigt wird. Auf unterhaltsame Weise bekommen Kinder gezeigt, dass man nicht vorschnell jemandem die Schuld zuschieben sollte. Eders Missgeschicke, die ihn an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen, lassen den Leser zwischen Amüsement und Mitleid schwanken. Die Handlung hat allerdings sehr große Parallelen mit der früheren Geschichte "Pumuckl ist an gar nichts schuld" und wirkt beinah wie eine Kopie, könnte also ein bisschen langweilig und vorhersehbar für diejenigen sein, die jene Geschichte (aus dem Band "Pumuckl und das Schlossgespenst") bereits kennen.

Fazit:

Sechs gelungene Pumuckl-Geschichten, die alle unterhaltsam und witzig sind. Manche sind dazu noch besonders lehrreich, andere eher kindgerecht aufregend und spannend. Eine erinnert an eine frühere Geschichte, ansonsten gibt es aber nichts zu bemängeln.

2. Oktober 2012

Pumuckl geht aufs Glatteis - Ellis Kaut

Produktinfos:

Ausgabe: 1993
Seiten: 147
Amazon
* * * * *

Die Autorin:

Ellis Kaut wurde 1920 geboren. Sie absolvierte eine Schauspielausbildung und ein Studium der Bildhauerei, bis sie 1948 als freie Schriftstellerin tätig wurde und für den Bayerischen Rundfunk Hörspiele schrieb. 1962 startete die Serie um den Kobold Pumuckl, der ihr Lebenswerk wurde. 1965 wurden die Geschichten auch in Buchform veröffentlicht, 1978 ging die populäre TV-Serie mit Hans Clarin als Pumuckls Stimme und Gustl Bayrhammer als Meister Eder an den Start. Ellis Kaut erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihr Schaffen, unter anderem das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Weitere Werke von ihr sind u.a. "Flibutz", "Geschichten vom Kater Musch" und "Schlupp vom grünen Stern". http://ellis-kaut.de/

Inhalt:

Pumuckl und der Pudding
Eders Schwester ist zu Besuch und macht ihm auch einen leckeren Schokoladenpudding, ganz auf hausgemachte Art. Pumuckl nascht davon und ist ganz begeistert. Als Eders Schwester wieder weg ist, drängt Pumuckl den Schreinermeister, wieder einen Pudding zu kochen. Eder lässt sich überreden, aber dank Pumuckls Mithilfe wird das Kochen zu einer Katastrophe ...

Pumuckl und das Spielzeugauto

Meister Eder stellt fest, dass Pumuckl jetzt auf den Tag genau ein Jahr bei ihm lebt. Zur Feier des Tages kauft er ihm ein Spielzeugauto. Das Auto lässt sich aufziehen und Pumuckl kann sich darauf setzen und herumfahren. Der Kobold ist hellauf begeistert. Dann aber fährt er damit im Hof herum und spielende Jungen entdecken das scheinbar besitzerlose Auto ...

Der silberne Kegel

In Eders Stammtischrunde steht wieder der Kegelabend an, bei dem es den silbernen Kegel zu gewinnen gibt. Eder, der kein besonders guter Kegler ist, ziert sich erst, lässt sich dann aber doch überreden, hinzukommen. Der neugierige Pumuckl will alles übers Kegeln wissen. Er muss dem Schreinermeister aber versprechen, an dem Abend daheim zu bleiben, statt ihm durch Schummelei zu helfen. Als Eder an dem Abend trotzdem ständig gewinnt, wird er misstrauisch ...

Pumuckl und die Obstbäume
Pumuckl freut sich über die Obstbäume bei den Schrebergärten, da es dort so viel zu naschen gibt. Meister Eder warnt ihn davor, denn die Früchte sind erstens noch nicht alle reif und zweitens könnte das angebissene Obst schnell Verdacht erregen. Der Kobold lässt sich aber nicht davon abhalten. Tatsächlich fällt dem Besitzer das angebissene Obst auf. Er vermutet ein Tier dahinter und spannt ein Netz als Falle auf - und prompt verfängt sich Pumuckl darin ...

Die abgerissenen Tulpen

Der Hausmeister legt im Hof ein hübsches kleines Blumenbeet mit Tulpen an. Pumuckl ist begeistert davon, schaut regelmäßig nach den schönen Tulpen und berichtet Meister Eder davon. Er drängt Eder, sie auch anzuschauen - doch als sie hinkommen sind die Blumen ausgerissen. Pumuckl ist traurig und wütend. Er nimmt sich fest vor, den Tulpendieb zu fangen - und hat auch bald schon eine Spur ...

Pumuckl geht aufs Glatteis

Im Hof vor der Schreinerei nutzen einige Kinder den vereisten Schnee als Rutschbahn. Pumuckl rutscht freudig mit und erzählt Meister Eder davon. Der aber sorgt sich um seine Kunden, die möglicherweise stürzen könnten, und streut die Bahn zu. Die Kinder sind enttäuscht, der Pumuckl sogar wütend. Schließlich macht er die Bahn wieder frei. Beim Rutschen verletzt er sich aber ...

Das Parfümfläschchen
Meister Eder erwartet Weihnachtsbesuch von seiner Schwester. Als Geschenk hat er ihr ein Kästchen gebaut, in das er noch eine Parfümflasche legt. Die Parfümschachtel wiederum überlässt er seiner Putzfrau Frau Eichinger für ein altes Glas. Pumuckl ist ganz besonders brav und darf sich einen Keks holen. Dabei stößt er versehentlich die Parfümschachtel herunter und glaubt nun nichtsahnend, die Parfümflasche zerbrochen zu haben. Er traut sich nicht, Eder davon zu erzählen. Als dessen Schwester kommt, versucht Pumuckl mit allen Mitteln, die Bescherung zu verhindern ...

Klabauterpudding und Weihnachtsstress

Pumuckl und der Pudding ist eine typische Pumuckl-Geschichte, in der sich der Kobold wieder mal sehr kindisch verhält. Schokoladenpudding hat er zu seiner neuen Leibspeise erkoren und drängt Eder sogleich, sie mit ihm zu kochen. Dabei will er helfen, damit es schneller geht, richtet aber natürlich nur Chaos an, etwa wenn er die Eier mit der bloßen Hand auf dem Tisch zu schlagen versucht. Am Ende hat der Pudding etliche Klumpen und ist außerdem angebrannt - aber dem Pumuckl schmeckt er so sogar noch besser. Nun ist "Pudding mit Rauchgeschmack" sein Favorit und er will ihn bald wieder kochen - damit ist Eder aber gar nicht einverstanden, schließlich hat er keine Lust, anschließend eine Stunde lang den Topf zu schrubben. Also macht sich Pumuckl heimlich daran, den Pudding zu kochen, was zu einigem Ärger führt. Die Geschichte warnt Kinder davor, ohne die Eltern an den Herd zu gehen. Was bei den Erwachsenen so einfach aussieht, kann zum Überkochen und sogar zum Brand führen, wenn man nicht genau aufpasst.

Pumuckl und das Spielzeugauto beginnt sehr schön mit einem Geschenk an den kleinen Kobold, über das er sich riesig freut - denn es kommt für ihn ganz überraschend und Eder sagt ihm dazu noch, wie froh er trotz allem Ärger ist, dass der Pumuckl jetzt schon ein Jahr lang bei ihm lebt. Die beiden spielen eine Weile mit dem Auto - Meister Eder zieht es auf und Pumuckl saust umher. Als der Schreiner keine Zeit mehr hat, fährt Pumuckl eine kleine Rampe herunter, da er selbst den Aufziehmechanismus nicht betätigen kann. Im Hof wäre eine noch viel größere Rampe, aber da soll er nicht spielen, damit ihm kein Kind das Auto wegnimmt. Natürlich hält sich der Pumuckl nicht daran und als das Auto weggenommen wird, ist das Geschrei groß. Meister Eder kann die Situation am Ende retten, die kleinen Leser lernen aber, dass Eigensinn oft bestraft wird.

Der silberne Kegel ist eine recht nachdenkliche Geschichte, in der sowohl Pumuckl als auch Meister Eder Fehler begehen, wie sie hinterher einsehen. Zunächst hält sich Pumuckl brav daran, dem Meister Eder nicht zum Kegelabend zu folgen und ihn womöglich gewinnen zu lassen. Er bleibt zuhause und hört Radio, während Eder, ganz ungewöhnlich für ihn, ein Spiel nach dem anderen gewinnt. Er vermutet den Kobold dahinter und schaut rasch zuhause vorbei. Pumuckl ist empört über die Unterstellungen, egal was er sagt, der Schreiner ist überzeugt davon, dass er schwindelt. Jetzt will sich Pumuckl dafür rächen und entschlüpft aus einem Fenster und macht genau das, wessen er ohnehin schon verdächtigt wurde ... Am Ende erkennen beide, dass sie sich falsch verhalten haben. Die Geschichte endet ein bisschen melancholisch, weil beide daran zu knabbern haben, was passiert ist, aber ist nicht zu deprimierend für Kinder.

Pumuckl und die Obstbäume ist eine sehr dramatische Geschichte. Bekanntlich wird Pumuckl nicht nur sichtbar, wenn er mit Meister Eder alleine ist, sondern auch, wenn er sich irgendwo einklemmt oder kleben bleibt. Genau das passiert ihm auf dem Obstbaum, er verfängt sich im Netz und wird sichtbar, eine sehr knifflige Situation. Witzig ist wiederum, wie Meister Eder dem Gartenbesitzer zu erklären versucht, warum er die winzige Hose vom Baum fischen muss, die der Pumuckl dort hinterlassen hat - logischerweise denkt der Gartenbesitzer, er habe es mit einem Verrückten zu tun.

Die abgerissenen Tulpen zeigt Pumuckl von seiner sensiblen Seite. Die schönen Tulpen haben es ihm sehr angetan und er hat überhaupt kein Verständnis dafür, dass sie jemand ausgerissen hat. Bald schon hat er einen Verdacht - offenbar hat Fritz aus der Nachbarschaft sie angerissen, um sie seiner Mutter zum Geburtstag zu schenken. Pumuckl schafft es schließelich sogar, dass Fritz entlarvt wird und sein Unrecht einsieht - und als kleine Strafe sorgt er für ein erhebliches Chaos auf der Geburtstagsfeier, mit einem entlaufenden Hamster als Höhepunkt. Diese Geburtstagsfeier wird sehr witzig beschrieben und munter auch Pumuckl wieder auf, vor allem aber sieht Fritz sein Unrecht ein, dass man Blumen nicht einfach ausreißen sollte.

Pumuckl geht aufs Glatteis zeigt gleich zweimal, wie der Pumuckl für seinen Ungehorsam bestraft wird. Zum einen verletzt er sich beim Rutschen am Daumen und muss einen Verband angelegt bekommen. Dann warnt ihn Eder, mit dem weißen Verband nach draußen zu gehen, denn der Verband wird nicht unsichtbar. Aber Pumuckl will nicht hören und prompt verfolgen ein paar Kinder das seltsame hüpfende weiße Ding bis in einen Keller. Pumuckl bekommt es sehr mit der Angst zu tun und kann sich nur durch eine List retten.

Das Parfümfläschchen bildet den hervorragenden Abschluss, Es ist eine rührende Weihnachtsgeschichte, in der man richtig mit dem kleinen Kobold leidet. Pumuckl will an Weihnachten ganz besonders brav sein und hält das auch ein - bis er glaubt, die Parfümflasche zerbrochen zu haben. Er ahnt nicht, dass es nur das alte Glas ist, das geklirrt hat und die Parfümflasche im Kästchen steckt. Panisch hält er Eder mit allen möglichen Ausreden von der Küche fern, deckt selbst den Tisch und sorgt beim Besuch der Schwester sogar für einen Stromausfall - nur um den befürchteten Moment hinauszuzögern, an dem das Unglück entdeckt wird. Der Leser weiß die ganze Zeit über, dass sich der Kobold umsonst sorgt, aber gerade deswegen tut er einem so leid. Am Ende geht natürlich alles gut aus und die Geschichte endet als schöne Weihnachtsgeschichte, in der Pumuckl sich mal gar nichts zu schulden kommen ließ.

Fazit:

Ein Buch mit sieben schönen Pumuckl-Geschichten, darunter auch eine Weihnachtsgeschichte. Alle sind sehr gut geeignet für Leseanfänger und Grundschulkinder allgemein, mit der richtigen Mischung aus Humor und lehrreichen Gehalt.

1. Juli 2012

Pumuckl auf Hexenjagd - Ellis Kaut

Produktinfos:

Ausgabe: 199
Seiten: 126
Amazon

Die Autorin:

Ellis Kaut wurde 1920 geboren. Sie absolvierte eine Schauspielausbildung und ein Studium der Bildhauerei, bis sie 1948 als freie Schriftstellerin tätig wurde und für den Bayerischen Rundfunk Hörspiele schrieb. 1962 startete die Serie um den Kobold Pumuckl, der ihr Lebenswerk wurde. 1965 wurden die Geschichten auch in Buchform veröffentlicht, 1978 ging die populäre TV-Serie mit Hans Clarin als Pumuckls Stimme und Gustl Bayrhammer als Meister Eder an den Start. Ellis Kaut erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihr Schaffen, unter anderem das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Weitere Werke von ihr sind u.a. "Flibutz", "Geschichten vom Kater Musch" und "Schlupp vom grünen Stern". http://www.elliskaut.de/

Inhalt:

Pumuckl auf Hexenjagd
Pumuckl hört mit, wie ein Mädchen aus der Nachbarschaft von seiner Mutter das Märchen von Hänsel und Gretel erzählt bekommt. Da Pumuckl den Ausdruck "Märchen" nicht kennt, glaubt er, die Geschichte sei wahr und ist entsetzt. Bevor er das Ende hört, rennt er zu Meister Eder und berichtet, dass zwei Kinder im Wald verschwunden seien und dort gefangen gehalten werden. Pumuckl glaubt tatsächlich bald, die Hexe gefunden zu haben ...

Pumuckl spielt mit dem Feuer
Mit großem Vergnügen schaut Pumuckl dem Lodern der Flammen im Werkstattofen zu. Schließlich bittet er Meister Eder darum, selbst mal ein Zündholz ausblasen und auch mal anzünden zu dürfen. Eder erlaubt es ihm, aber Pumuckl muss versprechen, niemals selbst ein Streichholz anzumachen. Trotzdem kann er es nicht lassen, wenig später damit herumzuspielen, was Ärger gibt. Kurz darauf ist Pumuckl allein zu Hause und entdeckt in der Küche sowohl Streichhölzer als auch Kerzen und kommt in Versuchung ...

Das Missverständnis
Ausnahmsweise hat Meister Eder mal über den Durst getrunken und am Morgen hat er starke Kopfschmerzen. Er erklärt Pumuckl, dass er einen "Kater" habe und der Kobold denkt natürlich an eine richtige Katze. Meister Eder lässt ihn der Einfachheit im Glauben, eine unsichtbare Katze säße auf seinem Kopf und verursache die Schmerzen. Als Eder weggeht, um sich einen sauren Hering zu holen, überlegt Pumuckl, wie er den Kater verjagen kann ...

Eder bekommt Besuch
Meister Eder bekommt Besuch von seiner Schwester und seiner kleinen Nichte Bärbel. Pumuckl ist verärgert und will für so viele Streiche wie möglich sorgen. Tatsächlich passieren auch einige seltsame Dinge und so erzählt Eder der kleinen Bärbel von seinem Kobold. Eigentlich will er sie nur etwas damit unterhalten, aber Bärbel glaubt ihm sofort und will den Pumuckl unbedingt fangen, um ihn sehen zu können ...

Pumuckl und der Nikolaus
Pumuckl hört Anfang Dezember mehrere Passanten vom "Nikolaus" reden und ist neugierig. Eder erklärt ihm das Wichtigste und sagt auch, dass der Nikolaus die unartigen Kinder bestraft und nur die braven belohnt. Er hofft, dass Pumuckl sich dadurch ein bisschen einschüchtern lässt und in nächster Zeit nichts anstellt. Pumuckl hört aber von zwei Jungen, dass der Nikolaus eigentlich harmlos ist. Prompt wird er übermütig und provoziert Eder in der Werkstatt ...

Bewertung:

Pumuckl auf Hexenjagd bildet den amüsanten Auftakt. Wieder einmal entsteht ein lustiges Missverständnis aus Pumuckls Unwissenheit. Wie es der Zufall will, sieht Pumuckl im Wald tatsächlich eine Frau mit einem Mädchen, die Pilze sammeln, wobei die Frau tatsächlich ein bisschen was von einer Hexe hat. Prompt drängt er Eder dazu, mit ihm im Wald nach dem Haus zu suchen und die Kinder zu befreien. Eder wiegelt anfangs ab, aber der Kobold ist so überzeugend, dass er nach und nach wirklich glaubt, dass an der Geschichte etwas dran sein könnte. Es dauert seine Zeit, bis sich alles klärt und Eder merkt, dass er auf der vergeblichen Suche nach Hänsel und Gretel war. Zusammen mit Pumuckl erfahren auch die kleinen Leser bzw Hörer, was ein Märchen ist und die Geschichte regt somit an, sich selbst wieder einmal mit alten Märchen zu beschäftigen. Pumuckl spielt mit dem Feuer ist, wie man bereits am Titel ahnt, eine der ernsthaftesten Pumuckl-Geschichten überhaupt. Pumuckl begreift lange Zeit nicht, wie gefährlich Feuer tatsächlich ist und was es anrichten kann. Er nimmt sich eigentlich auch vor, nicht mehr an die Streichhölzer zu gehen - aber die Versuchung wird zu groß. Erst will er sie nur anschauen, dann anfassen und mit ihnen spielen und schließlich zündet er sie doch an. Die Folgen sind am Ende katastrophal und es gibt einen richtigen Wohnungsbrand, aber zum Glück geht alles halbwegs gut aus. Die Geschichte eignet sich gut, um mit Kindern über die Gefahren zu sprechen, die von Feuer ausgehen und selbst Pumuckl ist nach diesem Erlebnis davon geheilt, jemals wieder mit Zündhölzern zu spielen.

Lustiger geht es weiter mit Das Missverständnis. Wer Pumuckl ein bisschen kennt, der weiß, dass er Katzen nicht besonders leiden kann - zu unsicher ist er, ob sie ihn nicht wittern und für eine Maus halten könnten. Da ist es für ihn natürlich ein gehöriger Schrecken, dass Meister Eder anscheinend einen unsichtbaren Kater mit sich herumträgt. Meister Eder denkt zunächst nicht an die Folgen, er fühlt sich gerade nicht in der Lage, dem Pumuckl genau die Auswirkungen des Alkohols zu erklären. Prompt verfällt Pumuckl in Panik und versucht, den Kater zu verscheuchen, erst mit grässlichem Gesinge, später indem er überall Wasser verteilt, da Katzen bekanntlich wasserscheu sind. Die Geschichte zeigt auf witzige Weise, wohin Missverständnisse führen können, ebenso wie die negativen Folgen von zu viel Alkohol, und das ohne erhobenen Zeigefinger.

Eder bekommt Besuch
gehört zu den ganz wenigen Geschichten, in denen ein Außenstehender näher mit dem Pumuckl in Kontakt kommt. Anfangs ist der Kobold gar nicht gut auf den Besuch zu sprechen, egal wie lieb und hübsch Meister Eder seine kleine Nichte beschreibt. Pumuckl macht sogar ihre Puppe kaputt und sorgt für gehörigen Ärger. Dann aber merkt er zu seiner Verblüffung, dass Bärbel sich nicht davon abbringen lässt, ihn kennenlernen zu wollen. Sie möchte ihn nachts in einer Klebefalle erwischen, da Eder ihr erzählt hat, dass der Pumuckl sichtbar wird, wenn er irgendwo hängen - oder kleben bleibt. Sie streut Bonbons als Lockmittel aus und Pumuckl ist sehr gerührt davon, dass das Mädchen ihn unbedingt sehen will, obwohl er anfangs so garstig zu ihr war. Die Geschichte ist sehr sensibel und zeigt Pumuckl mal von seiner gefühlvolleren Seite. Pumuckl und der Nikolaus bildet den gelungenen Abschluss. Pumuckl kennt so viele Bräuche der Menschen noch nicht und erfährt hier zum ersten Mal vom Nikolaus. Eder hofft, ihn ein bisschen zum Bravsein animieren zu können, indem er erzählt, dass der Nikolaus alle unartigen Taten weiß - aber der Schuss geht leider nach hinten los. Pumuckl reagiert sehr übermütig und Eder lässt sich eine Lehre einfallen, wie er den Kobold doch noch einen respekteinflößenden Nikolaus präsentiert. Nette Vorweihnachtsgeschichte, die sich gut dafür eignet, Kindern das erste Mal vom Nikolaus zu erzählen.

Fazit:

Die fünf Geschichten sind teils sehr lehrreich und ein bisschen nachdenklich, teils vor allem amüsant und unterhaltsam. Alle fünf sind gelungen und eignen sich zum Vorlesen für Vorschulkinder sowie für Leseanfänger.

30. Juni 2012

Flibutz - Ellis Kaut

Produktinfos:

Ausgabe: 1984
Seiten: 142
Amazon
* * * * *

Die Autorin:

Ellis Kaut wurde 1920 geboren. Sie absolvierte eine Schauspielausbildung und ein Studium der Bildhauerei, bis sie 1948 als freie Schriftstellerin tätig wurde und für den Bayerischen Rundfunk Hörspiele schrieb. 1962 startete die Serie um den Kobold Pumuckl, der ihr Lebenswerk wurde. 1965 wurden die Geschichten auch in Buchform veröffentlicht, 1978 ging die populäre TV-Serie mit Hans Clarin als Pumuckls Stimme und Gustl Bayrhammer als Meister Eder an den Start. Ellis Kaut erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihr Schaffen, unter anderem das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Weitere Werke von ihr sind u.a. "Geschichten vom Kater Musch" und "Schlupp vom grünen Stern". www.elliskaut.de

Inhalt:

Flibutz lebt mit dem Ich-Erzähler zusammen und sorgt immer wieder für neuen Wirbel. Wer oder was der Flibutz ist, wird nicht ganz klar - ein Kind, ein Kobold oder ein anderes Wesen? Auf jeden Fall hat Flibutz ständig neue Flausen im Kopf:

Mal wünscht er sich ein Gespenst zur Unterhaltung, dann eine Hexe, dann einen Riesen und schließlich einen Engel. Der Erzähler erfüllt ihm diese Wünsche, die allerdings alle ihre Tücken haben, denn weder Gespenster noch Hexen noch Riesen noch Engel lassen sich so ohne weiteres in den Alltag einfügen.

Ein anderes Mal fürchtet sich Flibutz vor Räubern unter dem Bett, sucht den Windmacher, erfindet eine neue Sprache und stellt allerhand Theorien über das Leben auf. Mit einem Flibutz ist es nicht einfach, aber auch nie langweilig ...

Bewertung:


Mit ihren Pumuckl-Geschichten hat sich Ellis Kaut in die Herzen vieler Kinder geschrieben, dagegen ist der Flibutz geradezu unbekannt. Ein bisschen was vom Pumuckl steckt allerdings auf jeden Fall in dieser Figur. Wer der Flibutz ist, erfährt man das ganze Buch über nicht, aber gerade das macht den besonderen Reiz aus und spornt die Phantasie an. Flibutz benimmt sich oft wie ein Kind, manchmal wird aber auch wie nebenbei erwähnt, dass er davon schwebt oder auf seinen drei Beinen davonläuft - am Ende allerdings wird ebenfalls angedeutet, dass manche Beschreibungen vielleicht geflunkert sind, der Flibutz muss also nicht wirklich ein sonderbares Wesen sein. Die Geschichten um Flibutz sind hübsche Gute-Nacht-Geschichten, die sowohl lehrreich als auch lustig sind.

Besonders gelungen sind seine ausgefallenen Wünsche. Zunächst möchte er gerne ein Gespenst haben, denn er stellt sich diese Gesellschaft lustig und schaurig-schön vor. Kurzerhand wird eine Annonce aufgegeben und tatsächlich bekommen der Erzähler und Flibutz ein günstiges Gespenst, das allerdings nicht mehr ganz sauber ist und bei dem obendrein die Rasselkette fehlt. Das Gespenst entpuppt sich dann als liebenswertes, aber auch etwas zaghaftes Geschöpf. Das Spuken ist nicht sonderlich gruselig und Flibutz hat außerdem nicht bedacht, dass er nachts viel zu müde ist, um die Geisterstunde zu genießen. Also wird das Gespenst gegen eine Hexe eingetauscht, denn Hexenkräfte im Haus stellt sich Flibutz sehr praktisch vor. Tatsächlich bekommen die beiden bald eine Küchenhexe, die allerdings ziemlich schusselig und verschlafen ist. Sie verwechselt ständig die Sprüche und eignet sich weder dazu, essen herbeizuzaubern noch Geschirr sauber zu hexen. Als nächstes wünscht sich Flibutz einen Riesen - einen kleinen Riesen wohlgemerkt, damit er nicht gar zu schwer unterzubringen ist. Ein pensioniertes Ehepaar tritt ihnen ihren mittelgroßen Riesen ab, mit dem Flibutz sofort Freundschaft schließt. Es macht ihm großen Spaß, sich von ihm herumtragen zu lassen und überall in fremde Häuser zu schauen. Leider hat er sanftmütige Riese einen riesenhaften Appetit, was schon nach wenigen Tagen für Probleme sorgt. Und auch ein Engel ist in der Realität nicht der ideale Hausgenosse, wie Flibutz feststellen muss. All diese Episoden sind sehr amüsant und Kinder lernen zugleich, dass es besser ist, auf manche Wünsche zu verzichten, da sie nicht immer so umzusetzen sind, wie man sich das vorstellt.

Flibutz stellt zudem viele Fragen über den Alltag und gibt sich nicht mit der erstbesten Erklärung zufrieden. Woher der Wind kommt, ist zum Beispiel eine Frage, die zwischen Flibutz und dem Erzähler zu einer großen Diskussion führt. Für alle vernünftigen Erklärungen hat er Widerworte parat und schließlich sucht er selbst den Windmacher auf. Ein anderes Mal beharrt er darauf, dass sich bestimmt Räuber unter seinem Bett verstecken und die einzige Möglichkeit, nicht von ihnen überfallen zu werden, darin besteht, selbst einer zu werden. Flibutz' Erklärungen entbehren nicht einer lustigen Logik, sind niedlich und sehr kindgerecht. Dazu gibt es noch ein paar Geschichten, die nicht vom Flibutz handeln, sondern die der Erzähler ihm bzw den Lesern erzählt und die ebenfalls einen märchenhaften Charakter haben. Zu bemängeln gibt es nur wenig an diesem Buch. In einer neuen Auflage wird leider das Geheimnis um sein Aussehen gelüftet und Flibutz sieht demnach wie ein normaler Junge aus - eine recht enttäuschende und desillusionierende Entwicklung. Der andere Punkt ist, dass Eltern sich für Nachfragen der Kinder wappnen sollten, da sicher die Frage aufkommt, wer oder was der Flibutz nun eigentlich ist, was in der ursprünglichen Ausgabe eben nicht erklärt wird. Diese Hintersinnigkeit ist für ältere Leser reizvoll, für Kinder aber vielleicht nicht ganz nachvollziehbar.

Fazit:

Ein schönes Kinderbuch mit vielen märchenhaften Geschichten, die lustig und lehrreich zugleich sind. Der Flibutz ist eine originelle Hauptfigur, obwohl oder gerade weil man nicht viel über ihn und erst recht nicht über sein Aussehen erfährt. Ideal geeignet für Kinder im Grundschulalter.