17. Januar 2016

Fremd - Ursula Poznanski/Arno Strobel

Produktinfos:

Ausgabe: 2015
Seiten: 400
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Die Autoren:

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie begann verschiedenste Studiengänge zu belegen, ehe sie sich für einen Werdegang als Medizinjournalistin entschied. Seit 2003 ist sie Kinder- und Jugendbuchautorin. Besonders erfolgreich war ihr erster Jugendthriller "Erebos".

Arno Strobel, Jahrgang 1962, studierte zunächst Informationstechnologie und arbeitete im IT-Bereich, ehe er mit dem Schreiben begann. 2010 gelang ihm mit "Der Trakt" der Durchbruch als Thrillerautor. Weitere Werke sind u. a. "Das Wesen", "Das Skript" und "Der Sarg".

Inhalt:

Joana bricht in Panik aus, als plötzlich ein fremder Mann in ihrer Wohnung steht. Doch der Fremde will sie nicht überfallen - stattdessen behauptet er, ihr Verlobter namens Erik zu sein und seit Monaten mit ihr hier zu leben. Joana aber kennt Erik nicht, und es finden sich auch keine Sachen von ihm in der Wohnung.

Erik bemüht sich, Joanas Vertrauen zu gewinnen. An alles aus ihrem Leben kann sie sich erinnern, nur nicht an ihren angeblichen Verlobten. Allerdings kann Erik beweisen, dass er tatsächlich sehr viele Details aus Joanas Leben kennt, ihre Vorlieben, ihre Eigenheiten. Auch Joanas Freundin Ela bestätigt, dass Joana und Erik ein Paar sind.

Joana zieht langsam in Erwägung, dass sie an einer Teil-Amnesie leidet, die nur ihr Leben mit Erik betrifft. Die Verwirrung um ihre Beziehung ist aber nur ein Teil ihrer Probleme, wie die beiden bald feststellen müssen - denn sie schweben offenbar in großer Gefahr. Um dahinter zu kommen, was mit ihnen gespielt wird, müssen sie einander vertrauen ...

Bewertung:

Arno Strobel und Ursula Poznanski zählen zu den populärsten deutschsprachigen Thrillerautoren der letzten Jahre. Aus einem launigen Schreibexperiment heraus entstand dieser Roman, der die Ereignisse abwechselnd aus den Ich-Perspektiven von Joana und Erik schildert. Die Grundidee ist sehr verheißungsvoll und garantiert eine ordentliche Portion Spannung: Eine Frau wird mit einem angeblichen Verlobten konfrontiert, an den sie sich nicht erinnern kann, und ein Mann muss sich wiederum damit auseinandersetzen, dass sich seine Verlobte nicht an ihn erinnern kann. Joanas Panik ist verständlich, und sie fürchtet, Teil einer komplexen Verschwörung zu sein. Da ihr australischer Vater ein Multimillionär ist, liegt es zudem nah, dass sie fürchtet, Erik könne es auf ihr Vermögen abgesehen haben. Auf der anderen Seite steht Erik, der nicht weiß, wie er Joana beweisen soll, dass er tatsächlich mit ihr verlobt ist - sämtliche seiner Gegenstände sind aus der gemeinsamen Wohnung verschwunden, Joanas Vater weiß nichts von ihm, und Elas Bestätigung ist für Joana zunächst nur Teil der Verschwörung.

In den Grundzügen erinnert das Werk ein wenig an Strobels ersten Psychothriller "Der Trakt" - hier erfährt die Protagonistin, dass sich weder ihr Mann noch ihre Freunde an sie erinnern. Das Besondere an diesem Roman sind aber die beiden Perspektiven, die beide Protagonisten gleichermaßen in den Fokus rücken. Damit geht zwangsläufig ein kleiner Spannungsverlust einher - denn der Leser weiß durch Eriks Perspektive, dass er nichts Böses mit Joana im Schilde führt, sondern es ehrlich mit ihr meint. Langweilig oder vorhersehbar wird es trotzdem nicht, da sich immer noch die Fragen stellen, warum Joana nichts von Erik weiß, ob sie ihm Vertrauen schenken wird und Erik nach dem Leben trachtet - denn schon bald ist offensichtlich, dass Erik in großer Gefahr schwebt.

Es ist reizvoll, mitzuerleben, wie sich Joana und Erik allmählich annähern. Erik ist für Joana anfangs ein komplett Fremder, mit dem sie notgedrungen zusammenarbeitet. Doch nach und nach entwickelt sie tatsächlich Sympathie für ihn und kann sich immer besser vorstellen, dass sie vor ihrer Amnesie in ihn verliebt war. Unterbrochen wird diese Annäherung von Joanas plötzlichen und auch ihr selbst unerklärlichen Aggressionsanfällen, in denen sie auf Erik losgeht. Dadurch geht ironischerweise Erik auf Distanz, nachdem es ihm zunächst so sehr daran gelegen war, Joanas Vertrauen zu gewinnen, und Joana verzweifelt wiederum, weil sie nicht weiß, warum sie so reagiert.

Die Handlung ist temporeich und frei von Längen. Es sterben Menschen aus Eriks und Joanas Umfeld, den beiden stehen scheinbar übermächtige Gegner gegenüber, die ihnen rund um die Uhr auf den Fersen sind. Zu kritisieren gibt es für Genreliebhaber wenig. Die Charakterzeichnungen könnten gewiss ein bisschen intensiver ausfallen; Joana und Erik sind zwar grundsätzlich sympathisch, aber keine wirklich markanten Figuren, und sie bleiben für eine ganze Weile etwas blass. Des Weiteren ist die Auflösung recht gewagt und wirkt etwas konstruiert. Die offenen Fragen werden zwar beantwortet, aber die Hintergründe sind schon sehr phantastisch.

Fazit:


Kein perfekter, aber dennoch sehr unterhaltsamer und kurzweiliger Thriller, empfehlenswert für alle Freunde des Genres.

15. Januar 2016

Du musst mir vertrauen - Sophie McKenzie

Produktinfos:

Ausgabe: 2014
Seiten: 464
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Die Autorin:

Sophie McKenzie, geboren und aufgewachsen in London, arbeitete zunächst als Journalistin und Herausgeberin, ehe sie sich ganz der Schriftstellerei widmete. Weitere auf Deutsch erschienene Werke von ihr sind: Lauren, vermisst und Seit du tot bist.

Inhalt:

Livy führt gemeinsam mit Ehemann Will und den beiden Kindern Hannah und Zack ein unspektakuläres, aber harmonisches Leben. Einziger Wermutstropfen ist Wills Affäre vor sechs Jahren mit einer Kollegin, doch Livy bemüht sich, ihm zu vertrauen.

Livys Leben gerät jedoch aus allen Fugen, als ihre beste Freundin, die glamouröse Journalistin Julia, stirbt. Die Untersuchung ergibt Selbstmord durch eine Überdosis Schlafmittel. Livy kann dies aber nicht glauben, sie ist überzeugt davon, dass Julia nicht depressiv war und dass sie jemand umgebracht hat.

Julias Familie und Will vertreten allerdings die Selbstmord-Theorie. Der Einzige, der Livy glaubt, ist Julias letzter Freund Damian, von dessen Existenz allerdings niemand aus ihrem Umfeld wusste. Damian erzählt ihr, dass Julia angeblich den Mörder von Livys Schwester Kara gefunden hat, die vor achtzehn Jahren umgebracht wurde. Doch das ist nicht alles: Schockiert findet Livy heraus, dass Julia kurz vor ihrem Tod eine Treuetest-Agentur beauftragte, um Will zu überprüfen. Was hat ihr Ehemann mit all dem zu tun? Was hat Julia herausgefunden? Und ist Damian wirklich zu trauen ...?

Bewertung:


Wer kurzweilige Thriller mag, liegt mit diesem Roman genau richtig. Sophie McKenzie hat ein fesselndes Werk geschaffen, das von der ersten bis zur letzten Seite unterhält und nur wenige Schwächen aufweist.

Protagonistin Livy verkörpert mehr oder weniger die Frau von nebenan, eine Hausfrau und Mutter, deren beschauliches Leben von heute auf morgen auf den Kopf gestellt wird. Es fällt leicht, sich mit ihr zu identifizieren und vor allem mit ihr zu leiden. Livy verliert nicht nur ihre beste Freundin, sie stößt auch zunächst bei niemandem auf Verständnis für ihre Mordtheorie. Zudem gibt es immer wieder Konflikte mit ihrer zwölfjährigen Tochter Hannah, und nicht zuletzt steht die Ehe mit Will auf der Kippe, da Livy nicht mehr weiß, inwieweit ihm zu trauen ist. Man fühlt mit Livy, wenn sie sich schmerzlich an Affäre vor sechs Jahren erinnert. Und man kann sehr gut ihre Unsicherheit nachvollziehen, als Will mit seiner einstigen Affäre gemeinsam eine Dienstreise antreten muss. Livy ist bemüht, ihrem Mann zu vertrauen, doch es ist nur logisch, dass ihr dies nicht leicht fällt.

Die größte Stärke des Romans ist jedoch zweifellos seine enorme Spannung und seine weitgehende Unvorhersehbarkeit. Man ahnt schnell, dass Livy recht hat und sich Julia mitnichten das Leben genommen hat, alles Weitere ist jedoch unklar. Es geht aber nicht nur darum, Julias Mörder zu finden, sondern auch, den Mord an Livys Schwester Kara vor achtzehn Jahren zu klären: Damals war Julia Karas beste Freundin, und erst nach Karas Vergewaltigung und Mord kamen sich Livy und Julia näher, bis sie schließlich zu engen Freundinnen wurden. Es gibt Indizien, dass Julia heimlich Nachforschungen anstellte und Karas Mörder auf der Spur war - und dass sie vermutlich deswegen sterben musste. Es ist lange Zeit ungewiss, was die Treuetest-Agentur "Honey Hearts", die Julia kurz vor ihrem Tod beauftragte, mit den Ereignissen zu tun hat.

Ebenso verfolgt man gebannt, was es mit Damian auf sich hat. Er stellt sich Livy gegenüber als Julias heimlicher Freund vor, angeblich sei sogar eine Hochzeit geplant gewesen. Livy ist hin- und hergerissen: Einerseits ist sie sehr froh, dass sie wenigstens einen Menschen gefunden hat, der ihre Mordtheorie zu teilen scheint, der sie dabei unterstützt, Julias Tod zu untersuchen. Andererseits macht es sie misstrauisch, dass Julia ihr lediglich von einer losen Beziehung mit einem "Dunkelblonden" berichtete, und Livy weiß daher nicht, ob Damian wirklich vertrauenswürdig ist und Julia so nah stand, wie er vorgibt. Zwar weiß er viele Details aus Julias Leben und kennt deren Vorlieben, aber das ist noch kein Beweis für seine ehrlichen Absichten. Livys Wunsch, ihm zu vertrauen und ihre gleichzeitige Unsicherheit sind sehr realistisch geschildert.

Die Handlung ist temporeich, der Stil ist flüssig und es ergeben sich immer wieder neue Aspekte. Livy und Damian finden einzelne Puzzleteile, die offenbar mit Julias Tod zusammenhängen, doch deren Bedeutung wird erst allmählich klar. Die beiden geraten in äußerst brenzlige Situationen, und Julia wird, so viel darf verraten werden, nicht der einzige Tote bleiben.

Schwächen gibt es nur wenige zu verzeichnen. Es ist etwas übertrieben, wie viel Julia vor ihrer besten Freundin aus ihrem Leben verheimlicht hat, zumal es dafür keinen zwingenden Grund gibt. Es ist schwierig, einerseits die enge Freundschaft zwischen den beiden und andererseits die zahlreiche Dinge, die Livy erst nach Julias Tod erfährt, zusammenzubringen. Dies betrifft sowohl entscheidende Angelegenheiten als auch banale Sachen wie bestimmte Geschmacksvorlieben. Zudem verläuft das dramatische Finale an einer Stelle zu konstruiert, die Autorin macht es sich hier zu einfach, eine konkrete Situation zu lösen.

Fazit:


Spannender, sehr kurzweiliger Thriller mit geringen Schwächen.

1. November 2015

Bibi und Tina - Der Waldbrand

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Inhalt:

Bibi, Tina und Alex sind mit großem Eifer Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr von Falkenstein. Förster Buchfink betreut die Jugendgruppe und bringt ihnen alles Wichtige rund um Brände, Löschen und Bergen von Personen bei. Am Wochenende steht der Wettbewerb der Kinder- und Jugendfeuerwehr an, bei dem die drei Freunde gegen die Mannschaft von Rotenbrunn antreten darf. Wenn sie erfolgreich sind, erhalten sie die Auszeichnung "Kleine Flamme".

Während sich Bibi und Tina freuen, ist Alex allerdings bedrückt. Der Grund: Am Freitag vor der Prüfung gibt sein Vater ein großes Schlossfest, das bis ins kleinste Detail perfekt sein soll. Alex muss unter der Woche helfen und zahlreiche Erledigungen machen - dabei wird natürlich nicht viel Zeit zum Üben und Lernen für den Wettbewerb bleiben. Unter dem Drängen von Bibi und besonders Tina fragt Alex seinen Vater, ob er ihm Zeit für die Feuerwehr lässt. Doch wie befürchtet, lehnt der Graf ab, denn die Feuerwehr scheint ihm zu unwichtig.

Alex traut sich nicht, Bibi und Tina zu sagen, dass er nicht mehr mitmachen darf. Stattdessen versucht er, alle Aufträge seines Vaters zu erledigen und parallel an den Übungen teilzunehmen. Das sorgt natürlich für Probleme - vor allem aber wird aus Spaß plötzlich Ernst ...

Bewertung:


Lehrreich, unterhaltsam und vorhersehbar - in diesen drei Worten lässt sich die Folge "Der Waldbrand" zusammenfassen. Es sind viele altbekannte Elemente, die hier gemeinsam mit der Feuerwehr-Thematik zu einer neuen Folge verarbeitet werden: Bibi, Tina und Alex trainieren wieder einmal für einen Wettbewerb, auch wenn der sich diesmal nicht ums Reiten dreht, der Graf zeigt sich mal wieder streng, und Tina drängt Alex wie schon so oft dazu, sich dagegen zu wehren.

Auf Kinder warten einige nützliche und durchaus interessante Informationen zum Thema Brandvermeidung. Der Wettbewerb besteht nicht nur aus praktischen Übungen, sondern auch aus einem Theorieteil. Bibi, Tina und Alex müssen beispielsweise wissen, was die Hauptursachen für Brände im Haus und in der Natur sind, welche Vermeidungsmaßnahmen getroffen werden müssen und welche unterschiedlichen Arten von Bränden es gibt. Diese Fragen beantworten sie Förster Buchfink und teilen sie somit zugleich dem Hörer mit. Das Hörspiel macht Werbung für die Freiwillige Feuerwehr und plädiert generell dafür, sich vernünftig und hilfsbereit zu verhalten.

Des Weiteren zeigt sich, was es für Folgen haben kann, wenn man jemanden zu etwas drängt. Alex hängt zwischen den Stühlen: Seine Freundin Tina reagiert genervt auf seine familiäre Verpflichtung und erwartet, dass er sich von seinem Vater Freiraum erkämpft. Der Graf wiederum setzt voraus, dass Alex seinen Pflichten nachkommt, zumal er später einmal selbst solche Feiern auf dem Schloss ausrichten muss und daher jetzt schon dafür lernen soll. Alex hat nun die Wahl, entweder Bibi und Tina oder seinen Vater vor den Kopf zu stoßen oder zu schwindeln und beide Parteien zufriedenzustellen; aus der Not heraus entscheidet er sich für die zweite Möglichkeit. Am Ende sehen sowohl Tina als auch der Graf ein, dass sie Alex zu sehr gedrängt und sich egoistisch verhalten haben. Erfreulicherweise merkt Tina das schnell und verhält sich nicht ganz so zickig wie in früheren Folgen, wo sie Alex oft erhebliche Vorwürfe machte und schnell ins Schmollen kam, während sie sich hier rascher einsichtig zeigt. Ebenfalls erfreulich ist die Tatsache, dass hier noch mal Eberhard Prüter den Grafen in einer größeren Rolle spricht, da er leider im Herbst 2014 verstarb.

Die Geschichte unterhält recht gut, ist jedoch ausgesprochen vorhersehbar. Beispielsweise äußert sich Graf von Falkenstein anfangs auffallend abfällig über die Freiwillige Feuerwehr und tut sie als überflüssige Kinderei ab, sodass dem Hörer sofort klar ist, dass im Laufe der Handlung ein Feuer den Besitz des Grafen gefährden wird. Auch das drohende Gewitter wird deutlich erwähnt, sodass sich jeder Hörer schon früh denken kann, durch was das Feuer ausgelöst werden wird.

Generell wirkt die Geschichte ein wenig wie mit der Brechstange konstruiert, etwa wenn sich Bibi, Tina und Alex so begeistert über die alte Feuerwehrspritze zeigen - Interesse, sie zu sehen, ist nachvollziehbar, aber sie reagieren so aufgeregt und extrem neugierig, dass es aufgesetzt statt realistisch wirkt.

Darüber hinaus ist es schade, dass sich die Folge in die letzten Episoden einreiht, in denen Bibi, Tina und Alex in erster Linie musterhaft agieren. In früheren Folgen erlebten sie häufig Abenteuer oder spielten auch schon mal Streiche auf dem Hof; in den letzten Jahren geht es meist darum, dass sie an Turnieren oder anderen Wettbewerben erfolgreich teilnehmen, und Bibi hext nur noch in allergrößten Notfällen. Die freche, hexische Bibi, die Reiterferien mit Abenteuerflair verbringt, ist etwas untergegangen, während es zunehmend darum zu gehen scheint, dass Bibi und ihre Freunde vorbildhaft agieren und immer wieder schnell neue Dinge lernen (Voltigieren, Lassowerfen) oder Turniere gewinnen - der Lerncharakter der Folgen trifft einfach insgesamt derzeit ein bisschen zu plakativ in den Vordergrund.

Fazit:

Eine solide und insbesondere lehrreiche Bibi-und-Tina-Folge, die allerdings auch sehr vorhersehbar ist. Insgesamt hörenswert, zählt aber gewiss nicht zu den besten Episoden der Reihe.

Sprechernamen:

Bibi Blocksberg: Susanna Bonasewicz
Tina Martin: Dorette Hugo
Alexander v. Falkenstein: Sven Hasper
Frau Martin: Arianne Borbach
Graf v. Falkenstein: Eberhard Prüter
Förster Buchfink: Klaus-Peter Grap
Dagobert: Helmut Gauß
Erzähler: Gunter Schoß

Verdacht ist ein unheimlicher Nachbar - Louise Welsh

Produktinfos:

Ausgabe: 2014
Seiten: 275
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Die Autorin:

Die Britin Louise Welsh, Jahrgang 1965, studierte zunächst Geschichtswissenschaft und verfasste Kurzgeschichten. 2002 erschien ihr erster Roman "Dunkelkammer", weitere Werke sind beispielsweise "Der Kugeltrick" und "Das Alphabet der Knochen".

Inhalt:

Nach sechs Jahren Fernbeziehung zwischen Glasgow und Berlin zieht die Schottin Jane endlich zu ihrer Freundin Petra. Zudem ist Jane im achten Monat schwanger, und die beiden Frauen freuen sich auf ihr erstes gemeinsames Kind. Während Petra als Bankerin beruflich viel eingespannt ist und teilweise ins Ausland reisen muss, erledigt Jane den Haushalt.

Obwohl Jane froh ist, bei Petra zu leben, verunsichert sie die neue Umgebung auch. Außer Petra hat sie in Berlin kaum Bekanntschaften, die finanzielle Abhängigkeit von ihrer Lebensgefährtin setzt ihr zu, sie hat Mühe mit der deutschen Sprache. Zudem missfällt ihr der Nachbar Alban Mann, der hier alleine mit seiner dreizehnjährigen Tochter Anna lebt. Die frühreife Anna liefert sich lautstarke Auseinandersetzungen mit ihrem Vater, Jane entdeckt blaue Flecken im Gesicht des Mädchens.

Sie bietet ihre Hilfe an, doch sowohl Anna als auch ihr Vater bestreiten, dass Misshandlungen vorliegen. Janes Verunsicherung steigt, als sie das Gerücht hört, Alban Mann habe seine Frau vor Jahren ermordet. Obwohl Petra Jane dazu drängt, sich aus den Angelegenheiten der Nachbarn herauszuhalten, befasst sich Jane immer obsessiver damit ...

Bewertung:

Der deutsche Titel klingt ein wenig abgehoben, simpler und treffender ist da der englische Originaltitel: "The girl on the stairs". Protagonistin Jane ist generell noch nicht heimisch in Berlin und leidet unter gewissen Verunsicherungen; so richtig beginnt ihr Dilemma allerdings erst, als sie dem Mädchen auf der Treppe begegnet. Die dreizehnjährige Anna weckt in der schwangeren Frau starke Beschützerinstinkte. Jane stößt in ihrem Umfeld und bei den Behörden allerdings schnell auf taube Ohren und greift daraufhin zu unkonventionellen und gefährlichen Methoden, um Anna zu helfen.

Es macht den besonderen Reiz des Romans aus, dass der Leser lange Zeit nicht recht einschätzen kann, wie real Janes Ängste tatsächlich sind. Es ist unklar, ob Jane die Ereignisse überinterpretiert oder ob sie tatsächlich in Gefahr schwebt. Es ist gut nachzuvollziehen, dass Jane anhand ihrer Beobachtungen gewisse Schlüsse zieht, dass ihr der Nachbar unheimlich ist und dass sie sich um seine Tochter sorgt. Es besteht jedoch auch immer die Möglichkeit, dass alles harmloser ist, als es sich Jane darstellt - möglicherweise ist Albans Frau wirklich vor ein paar Jahren bei Nacht und Nebel durchgebrannt, möglicherweise hat sich Anna ihre Verletzung in der Tat beim Basketballtraining zugezogen. Der Leser schwankt zwischen Solidarisierung für Jane auf der einen Seite und Verständnis für ihre Umgebung, welche allmählich ungeduldig wird, auf der anderen Seite.

Somit ist der Roman nicht nur ein Thriller, sondern auch ein interessantes Psychogramm einer verunsicherten Frau, die sich mehr und mehr in einer Obsession verliert. Neben dem kriminalistischen Teil steht auch die Beziehung zwischen Jane und Petra im Fokus. Dass die beiden lesbisch sind, wird angenehm unaufgeregt eingebaut und spielt keine wesentliche Rolle.

Wichtiger ist das Gefälle zwischen den beiden, das Jane immer deutlicher bewusst wird. Petra ist eine erfolgreiche Bankerin, die für den Lebensunterhalt der beiden sorgt. In Glasgow hat Jane eine Buchhandlung geführt; diesen Job möchte sie auch in Berlin irgendwann wieder ausüben. Doch vorerst trägt sie das gemeinsame Kind der beiden aus, das durch künstliche Befruchtung entstand. Jane ist aufgrund der Schwangerschaft besonders sensibel und Alban Mann erscheint ihr nicht als die einzige Bedrohung. Sie spürt Petras zunehmende Ungeduld, wenn sie wieder einmal den Nachbarn hinterher spioniert hat; sie reagiert eifersüchtig auf Petras Geschäftskollegen und befürchte eine Affäre mit einer anderen Frau. Besonders schmerzhaft ist der Verdacht, dass Petra sie nicht liebt, sondern nur benutzt, um an ein Kind zu kommen und sie bald nach der Geburt verlassen wird. Der Konflikt mit Alban Mann ist so nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, während Jane grundsätzlich mit ihrem Leben hadert und zunehmend den Halt verliert.

Obwohl Janes Verhalten in vielerlei Hinsicht verständlich ist, reagiert sie manchmal jedoch auch angesichts ihres Zustandes zu unbedacht. Mehrmals begibt sie sich viel zu leichtsinnig in Gefahr und das macht es dem Leser nicht immer leicht, sich mit ihr zu identifizieren. Gewiss wäre der Roman noch stärker, wenn man sich noch intensiver in Jane einfühlen könnte, wenn sie einen nicht bisweilen mit ihren überstürzten Aktionen verärgern würde.

Zum Schluss laufen alle Fäden zusammen, bis dahin offen gebliebene Fragen klären sich. Allerdings erscheint die Wendung, die das alles ermöglicht, auch ein wenig konstruiert. Angesichts der zuvor kreierten düsteren Atmosphäre erscheint das Ende ein bisschen zu zahm und zu harmonisch.

Fazit:

Von kleinen Schwächen abgesehen ein stimmungsvoller und lesenswerter Psychothriller mit einer interessanten Grundthematik.

3. Oktober 2015

Geliebte Angst - Rebekka Knoll

Produktinfos:

Ausgabe: 2015
Seiten: 320
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Die Autorin:

Rebekka Knoll, Jahrgang 1988, studierte Germanistik und Theaterwissenschaft. "Geliebte Angst" ist ihr erster Jugendroman. Weitere Werke: Splittermädchen, Das Kratzen bunter Kreide und Zwischen den Regalen, ein Geheimnis.

Inhalt:

Ein Jahr ist die achtzehnjährige Emilia mit ihrem Mitschüler Marico zusammen und die beiden sind sehr glücklich. Dann jedoch verunglückt Marico eines Nachts mit seinem Auto und ist auf der Stelle tot. Emilia ist geschockt und untröstlich. Ihre beiden besten Freundinnen Tila und Lorena tun ihr Möglichstes, um Emilia zu helfen.

Emilia organisiert eine Feuerwerksbestattung in Maricos Heimat Tschechien, da er Feuerwerke liebte. Auch durch die Unterstützung ihrer Freundinnen fühlt sie sich langsam etwas besser und will wieder zur Schule gehen. Kurz darauf erhält Emilia eine Facebooknachricht - von Maricos Profil. Der Schreiber gibt sich als Marico aus und macht ihr eine Liebeserklärung.

Emilia ist entsetzt und nimmt an, dass irgendjemand Maricos Account missbraucht. Es folgen regelmäßig weitere Nachrichten und auch Sms von Maricos Handy. Der angebliche Marico scheint Emilia ständig zu beobachten. Immer wieder spielt er auf vergangene Erlebnisse der beiden an oder hinterlässt ihr Geschenke. Emilia weiß zwar mit dem Verstand, dass es nicht wirklich Marico sein kann und doch sehnt sie sie sich bald nach neuen Nachrichten. Ihre Freundinnen drängen sie jedoch, sich auf die Suche nach dem Schreiber zu machen, denn sie befürchten einen gefährlichen Stalker dahinter ...

Bewertung:

Liebesgeschichte und Thriller sind die beiden Genres, die sich in diesem Jugendroman vereinen. Er präsentiert zum einen das Schicksal eines Teenagers, dessen erste Liebe jäh durch einen Unfall endet. Emilias Leid, ihr Kummer und ihre allmähliche Rückkehr in den Alltag werden realistisch geschildert und lassen den Leser mit ihr mitfühlen. Für besonderen Reiz sorgen die Entdeckungen, die Emilia nach Maricos Tod macht - Geheimnisse, die er vor ihr verborgen hat und die sie nun enthüllt. Emilias nahezu makelloses Bild von ihrem geliebten Freund erhält Risse, sie erfährt unschöne Dinge. Allzu nachvollziehbar ist ihr Wunsch, sie könnte mit Marico darüber sprechen, die ihr auf der Seele brennenden Fragen loswerden. Dieses Schwanken zwischen Emilias Vermissen und ihrer Wut auf Marico zählt zu den stärksten Momenten des Romans. Das Buch demonstriert, dass der Verlust alleine bereits kaum erträglich ist; noch schlimmer wird es in diesem Fall aber dadurch, dass bestimmte Dinge zwischen Emilia und Marico nie mehr geklärt werden können, dass Emilia auf manche Fragen niemals Antworten erhalten wird und keine Chance mehr hat, Marico zu Rede zu stellen.

Der Fokus liegt indessen auf dem Thrillerteil der Handlung. Zu Beginn erscheinen die Nachrichten des angeblichen Marico noch als geschmackloser Scherz. Doch schon bald merkt Emilia, dass der Absender sie auch regelmäßig verfolgt und beobachtet. Er kommentiert ihr Lachen, wenn sie mit ihren Freundinnen unterwegs ist, er kann sie offenbar durch ihr Küchenfenster sehen, er kennt das Unterrichtsgeschehen. Schließlich bestellt er sie gar zu bestimmten Orten und hinterlässt ihr Geschenke - Emilia soll sich beispielsweise an der Kasse melden und erhält ein für sie hinterlegtes und bereits bezahltes Kleid, welches Marico seinerzeit gesehen hatte. Dadurch, dass der Absender die Vorgänge in der Schule kennt, ist klar, dass er zu einer ihrer Kurse gehören muss. Das macht es aber nicht viel leichter, denn es gibt niemanden, der eindeutig als Hauptverdächtiger in Frage kommt und ein gutes Motiv hätte, umgekehrt kann Emilia aber auch kaum jemanden ausschließen. Da der Unbekannte scheinbar rund um die Uhr in ihrer Nähe ist, ist die Handlung durchaus spannend. Einerseits darf gerätselt werden, wer warum sich als Marico ausgibt und andererseits ist ungewiss, wie weit Emilias Stalker noch gehen wird in seinem besitzergreifenden Denken.

Trotz dieser guten Ansätze kann das Werk nicht in allen Punkten überzeugen. So wirkt es etwa seltsam, dass Emilias Eltern keine Rolle spielen. Irgendwann wird beiläufig erwähnt, dass sie viel auf Reisen sind; das allerdings erscheint nicht realistisch, sondern nur wie eine Verlegenheitsbegründung. Die Anwesenheit von Emilias Eltern würde es für den Stalker sicher schwieriger machen, sich Emilia zu nähern und sich beispielsweise im Garten aufzuhalten; dementsprechend wirkt es, als habe man sie aus dem Roman heraushalten müssen, ohne dies aber gut begründen zu können. Zwar ist Emilia vom Alter her quasi erwachsen, doch sie geht noch zur Schule und wohnt zu Hause; zudem hat sie mit dem Verlust ihres Freundes zu kämpfen - angesichts dieser Tatsachen passt es nicht ins Bild, dass ihre Eltern nie da sind und die Abwesenheit auch so gut wie gar nicht thematisiert wird.

Zudem wirkt es bisweilen konstruiert, wie bereitwillig sich Emilia auf den falschen Marico einlässt. Zwar ist es nachvollziehbar, dass sie sich durch die Nachrichten Marico verbunden fühlt - aber manche Szenen sind übertrieben melodramatisch inszeniert. Das gilt insbesondere für die Szene, in der sich Emilia auf Maricos Geheiß Lasagne zubereitet und Alkohol trinkt und schließlich betrunken im Garten einschläft; ebenso für die Szene, in der sie auf Befehl im auffälligen roten Kleid die für Besucher abgesperrte Theaterbühne im Schlossmuseum betritt. Es ist nicht nachvollziehbar, dass sich Emilia zunehmend wie eine Marionette benimmt. Nicht ganz stimmig ist außerdem, dass Emilia und ihre Freundinnen einen verdächtigen Mitschüler erst wahrnehmen, als er schon monatelang in ihre Stufe geht. Bei Emilia, die nach Maricos Tod zunächst nicht in die Schule ging, mag das noch verständlich sein; dass aber auch Tila und Lorena mit Lucas Namen zunächst gar nichts anfangen können und ihren Mitschüler nie bemerkt haben, ist alles andere als realistisch.

Fazit:


Ein nicht uninteressanter Jugendthriller mit einer gewissen Spannung, der sich leicht und zügig lesen lässt. Kann allerdings nicht in allen Belangen überzeugen und ist somit insgesamt recht durchschnittlich.