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17. Oktober 2017

Aquila - Ursula Poznanski

Produktinfos:

Ausgabe: 2017 bei Loewe
Seiten: 432
* * * * *
Die Autorin:

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie begann verschiedenste Studiengänge zu belegen, ehe sie sich für einen Werdegang als Medizinjournalistin entschied. Seit 2003 schreibt sie Jugend- und Erwachsenenbücher, insbesondere Thriller. Werke von ihr sind beispielsweise "Erebos", "Saeculum", "Fünf", "Blinde Vögel" und gemeinsam mit Arno Strobel "Fremd" und "Anonym".

Inhalt:

Die neunzehnjährige Kunstgeschichtsstudentin Nika lebt seit ein paar Wochen zwecks Auslandssemester in Siena, wo sie sich mit ihrer Kommilitonin Jenny eine WG teilt. Nach einer Partynacht wacht Nika dienstags in der Wohnung auf - und merkt entsetzt, dass ihr die Erinnerung an die letzten beiden Tage fehlt.

Sie erinnert sich nur noch, Samstagnacht mit Jenny unterwegs gewesen zu sein. Von Jenny gibt es aber keine Spur, zudem sind Nikas Handy, ihr Pass und der Wohnungsschlüssel verschwunden. Dafür findet sie einen Zettel in ihrer Hosentasche, auf den sie selbst einige kryptische Sätze mit Warnungen und Botschaften geschrieben hat, die ihr aber nichts sagen.

Zusammen mit ihrem Bekannten Stefano versucht Nika herauszufinden, was seit Samstagnacht geschehen ist und wo Jenny ist. Doch jede neue Erkenntnis beunruhigt Nika nur noch mehr. Und was hat es mit dem Mann auf sich, der sie immer wieder zu verfolgen scheint ...?

Bewertung:

Das Blut ist nicht deines.
Du weißt, wo das Wasser am dunkelsten ist.
Halte dich fern von Adler und Einhorn ...

"Aquila" demonstriert wieder einmal, dass Ursula Poznanski gleichermaßen im Jugend- wie im Erwachsenenbereich zu Hause ist. Das Cover mit dem stilisierten Flügel, ledergenarbter Oberfläche und Goldprägung ist ein wunderbarer Blickfang, hat nur einen eventuellen Makel: Zusammen mit dem zunächst rätselhaften Titel denkt man schnell an ein Fantasywerk; tatsächlich ist "Aquila" jedoch ein Thriller ab etwa vierzehn Jahren ohne jedes übernatürliches Element.

Der Leser weiß nicht mehr als Hauptfigur Nika und verbündet sich schnell mit ihr. Die Ausgangslage ist spannend und sehr rätselhaft: Wo ist Nikas Mitbewohnerin Jenny? Was ist seit der Nacht von Samstag zu Sonntag geschehen, warum hat Nika ihre Erinnerung verloren? Was haben die seltsamen verschlüsselten Notizen zu bedeuten? Und warum sind Nikas Handy, Portemonnaie und Haustürschlüssel verschwunden, die Haustür zudem abgeschlossen? Klar ist nur, dass Nika in jener Nacht etwas Schreckliches erlebt haben muss. Ganz diffus blitzen ab und zu beunruhigende Erinnerungsfetzen auf, die Nika aber nicht helfen, sondern sie nur noch mehr verwirren. So verspürt sie beispielsweise Panik und Übelkeit, sobald der Nirvana-Song "Smells Like Teen Spirit" erklingt - was ist ihr wohl beim Hören dieses Liedes widerfahren? Angeblich soll sie zudem heftig mit Jennys Freund geflirtet und sich mit Jenny gestritten haben. Nika versteht die Welt nicht mehr, weiß nicht, wem und wessen Aussagen sie noch trauen kann, ja nicht einmal sich selbst mag sie noch trauen. Als Jenny schließlich offiziell als vermisst gilt, gerät Nika auch noch ins Visier der Ermittler; ihr Gedächtnisverlust wird infrage gestellt.

Verbunden wird die aufregende Rätselsuche mit viel Lokalkolorit. Der Leser erhält ein detailliertes und sehr farbenfrohes Bild von Siena. Vor allem die verwinkelten Gassen und die unterirdischen Wasserstraßen, die eine wichtige Rolle spielen, sorgen für eine prickelnde Atmosphäre. Auch ein paar Infos zu Sehenswürdigkeiten, Geschichte und Lebensart werden souverän eingeflochten, genug, um neugierig auf die toskanische Stadt zu werden.

Nikas Verzweiflung ist sehr gut nachzuvollziehen, überhaupt ist sie ein gelungener Charakter mit ein paar Ecken und Kanten. Ihr Verhältnis zu ihrem Stiefvater ist nicht besonders gut, daher mag sie ihre Eltern nicht in ihre Probleme involvieren. Ihr Leben war bislang etwas unstet; ihr ist noch nicht wirklich klar, wo ihre beruflichen Interessen und Talente liegen. Sie lebt erst seit ein paar Wochen in Siena und ist dort noch nicht heimisch. Sie hat bislang keine engen Freundschaften geschlossen, selbst mit Jenny bildete sie lediglich eine Zweckgemeinschaft. Nika spricht auch nicht sehr gut Italienisch, was ihre Nachforschungen noch komplizierter macht. Der nette Stefano steht ihr in diesen Tagen bei - aber ob sie ihm hundertprozentig trauen darf, vermag Nika nicht zu sagen. Nika verhält sich grundsätzlich realistisch, trifft ab und zu auch mal falsche und riskante Entscheidungen, was aber zu ihrer überforderten Lage passt.

Die Auflösung ein wenig dadurch getrübt, dass hier das Verhalten vor allem einer Person nicht so ganz nachvollziehbar erscheint - vielmehr wirkt es ein wenig konstruiert, um den Verlauf des Ausgangs zu ermöglichen. Auch das Verhalten einer weiteren Figur ist recht überzogen und nicht ganz glaubwürdig. Generell ist das Ende nicht ganz so stark wie erhofft, verhältnismäßig unspektakulär und zahm im Vergleich zur spannenden und atmosphärischen Handlung zuvor.

Fazit:

"Aquila" von Ursula Poznanski ist ein souveräner Thriller für junge und erwachsene Leser, der gut unterhält und im reizvollen Siena spielt. Es handelt sich zwar nicht um das beste Werk der Autorin, aber es schenkt sehr solide und kurzweilige Lektürestunden.

11. Mai 2017

Schatten - Ursula Poznanski

Produktinfos:

Ausgabe: 2017 bei Wunderlich
Seiten: 416
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Die Autorin:

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie begann verschiedenste Studiengänge zu belegen, ehe sie sich für einen Werdegang als Medizinjournalistin entschied. Seit 2003 schreibt sie Jugend- und Erwachsenenbücher, insbesondere Thriller. Werke von ihr sind beispielsweise "Erebos", "Saeculum", "Fünf", "Blinde Vögel" und gemeinsam mit Arno Strobel "Fremd" und "Anonym".

Inhalt:

Beatrice Kaspary und ihr beruflicher und nun auch privater Partner Florin Wenninger von der Salzburger Abteilung für Leib und Leben bekommen es mit einem neuen Mordfall zu tun. Beatrice stellt fest, dass sie das Opfer Markus Wallner von einer früheren Festnahme kannte - und dass sie nur unangenehme Erinnerungen an den Mann hat.

Kurz darauf wird eine ertränkte Frau in einem Bach gefunden, zusammen mit einem Hinweis auf den ersten Mord. Und wieder kannte Beatrice das Opfer, diesmal ist es ihre ehemalige Hebamme - und wieder konnte sie es nicht leiden. Vor allem aber findet Beatrice eine Verbindung zum Mord an ihrer damals besten Freundin und Mitbewohnerin Evelyn, der sie seit sechzehn Jahren verfolgt.

Bald darauf geschieht ein dritter Mord, wieder gibt es Verbindungen zu den vorherigen Opfern und diesmal noch enger zu Beatrice. Sie schöpft Hoffnung, dass sie endlich nach all den Jahren Evelyns Mörder finden kann. Zugleich wird ihr klar, dass sie eine ganz besondere Rolle in dieser Mordserie spielt. Und schon bald hat der Täter es direkt auf sie abgesehen ...

Bewertung:

Mit "Schatten" liegt nach "Fünf", "Blinde Vögel" und "Stimmen" der vierte Band um die Salzburger Ermittler Beatrice Kaspary und Florin Wenninger vor, und wie schon die drei Vorgängerbände garantiert auch dieses Werk viel Spannung und beste Unterhaltung.

Aus drei Gründen ist es Beatrice' persönlichster Fall: Nie zuvor geriet sie so sehr in Gefahr und ins Visier des Täters, nie zuvor stand sie zu allen Opfern in Bezug, und sie darf endlich hoffen, den Mord an ihrer Freundin Evelyn zu lösen. Auch in den früheren Bänden wurde Evelyns Tod schon kurz angesprochen; schließlich gab jenes Erlebnis damals den Ausschlag dafür, dass Beatrice ihr Psychologiestudium abbrach und zur Polizei ging. Die lebensfrohe und temperamentvolle Evelyn wurde damals nach einer Party in der gemeinsamem Wohnung geradezu abgeschlachtet. Beatrice verbrachte die Nacht bei ihrem damaligen Freund und lehnte es ausnahmsweise ab, Evelyn mit dem Auto abzuholen. Da alles darauf hindeutete, dass Evelyn daraufhin trampte und von dem unbekannten Fahrer umgebracht wurde, machte sich Beatrice seither größte Vorwürfe. Nie konnte sie es sich verzeihen, dass Evelyn ausgerechnet in jener Nacht starb, als sie nicht für sie da war.

Für den Leser, der aus den anderen Bänden bereits Beatrice' Schuldgefühle kennt, ist es sehr reizvoll, dass dieser Fall nun wieder aufgegriffen wird. Für Spannung wird hier gleich in mehrfacher Hinsicht gesorgt: Man fragt sich, wie nah der Täter Beatrice wohl steht, denn er scheint sehr viel über sie zu wissen; ob er Evelyns Tod rächen und Beatrice bestrafen will oder ob er sie selbst umbrachte; was er mit Beatrice konkret vorhat, wie sie sich in seiner Gefangenschaft verhält. Die Täteridentität ist alles andere als offensichtlich, wird aber doch gewisserweise subtil angedeutet, so subtil, dass nicht zu viel vorweggenommen wird und dass der Täter eben rückwirkend doch genau passend gewählt ist. Schön ist außerdem, dass sich Beatrice in Gefangenschaft zwar grundsätzlich klug, sich aber nicht übermenschlich verhält, auch mal Fehler macht.

Sie und Florin sind ein sehr sympathisches Ermittlerpaar. Wie auch in den früheren Bänden spielt Beatrice' schwieriges Verhältnis mit ihrem Exmann Achim hinein. Durch ihre Arbeit kommen ihre beiden Kinder Mina und Jakob manchmal zu kurz, was Achim immer wieder dazu nutzt, gegen Beatrice zu sticheln. Florin möchte seine Beziehung zu Beatrice offiziell machen, aber gerade wegen Achims Eifersucht und ihrer Sorge, dass er die Kinder gegen Florin aufwiegelt, ist Beatrice dazu noch nicht bereit. Diese familiären Sorgen sind ebenso gut nachzuvollziehen wie ihre Schuldgefühle wegen Evelyns Tod. Als Beatrice Evelyns Tagebuch erhält, muss sie darin auch unschöne Dinge über sich selbst lesen; auch hier kann man nur zu gut nachempfinden, wie schmerzhaft diese Konfrontation mit der Vergangenheit für sie ist. Beatrice und Florin sind zwei glaubwürdige, liebenswerte Charaktere, die hoffentlich noch mehr gemeinsame Fälle erleben werden.

Zu kritisieren gibt es kaum etwas bei diesem hervorragenden Thriller. Vielleicht ist es ein bisschen konstruiert, dass der Täter ausgerechnet bei einer für ihn sehr wichtigen Sache etwas Pech hat. Und auch wenn es schön realistisch ist, dass Beatrice einmal sehr leichtsinnig handelt, ist genau diese Handlungsweise nicht unbedingt nachvollziehbar. Dieser Band ist zudem noch mehr als die anderen an die Vorgänger gebunden; gerade den dritten Band "Stimmen" sollte man gelesen haben.

Fazit:

"Schatten" von Ursula Poznanski ist wie schon die drei Vorgängerbände ein intelligenter und hochklassiger Thriller. Die Ermittler sind sympathisch, die Handlung ist durchweg spannend, die Auflösung überzeugt.

27. Dezember 2016

Elanus - Ursula Poznanski

Produktinfos:

Ausgabe: 2016
Seiten: 416
Buchhandel.de
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Die Autorin:

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie begann verschiedenste Studiengänge zu belegen, ehe sie sich für einen Werdegang als Medizinjournalistin entschied. Seit 2003 schreibt sie Jugend- und Erwachsenenbücher, insbesondere Thriller. Werke von ihr sind beispielsweise "Erebos", "Saeculum", "Fünf", "Blinde Vögel" und gemeinsam mit Arno Strobel "Fremd" und "Anonym".

Inhalt:

Der siebzehnjährige Jona ist hochbegabt und vor allem im mathematisch-technischen Bereich seinen Alterskollegen um einige Jahre voraus. Daher erhält er ein Vollstipendium an einer Elite-Universität und zieht dafür in eine Gastfamilie in der Universitätsstadt. In sozialen Belangen ist Jona allerdings umso unbeholfener; er hat Probleme damit, Freundschaften und Beziehungen einzugehen.

Niemand ahnt etwas von Jonas privatem Forschungsprojekt, einer äußerst leistungsfähigen, mit Mikrofon und Kamera ausgestatteten Drohne, die er "Elanus" getauft hat. Mit ihrer Hilfe spioniert Jona seine Mitmenschen aus: Über die Handynummer ortet die Drohne den Besitzer, fliegt leise und unauffällig zu ihm und macht Ton- und Filmaufnahmen, die Jona zuhause live am Computer verfolgt und abspeichert. Egal, ob Jona sich an jemandem rächen will oder Infos zu einem interessanten Mädchen sucht, die Drohne beschafft ihm intime Einblicke in die Privatsphäre anderer, die er für sich nutzen kann.

Doch kurz nach Jonas Ankunft an der Uni passieren merkwürdige und beunruhigende Dinge. Ein Dozent nimmt sich das Leben, eine Kommilitonin scheint mehr darüber zu wissen. Zudem hat Jona mehr und mehr das Gefühl, dass er selbst ausspioniert wird. Irgendjemand weiß offenbar von seiner Drohne und sieht in Jona eine Gefahr, die beseitigt werden muss ...

Bewertung:

Ursula Poznanski beweist nach Büchern wie "Saeculum" mit "Elanus" erneut, dass sie nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Jugendliche spannende Thriller schreiben kann. Das in routiniert-flüssigem Stil verfasste "Elanus" ist ein sehr zeitgemäßes Werk, das sich den technischen Möglichkeiten der Überwachung und Spionage widmet und das Gefahrenpotenzial zum Thema macht - freilich eingebettet in eine kurzweilige Handlung, die in erster Linie unterhält und nicht belehrt oder kritisiert. Protagonist Jona kommt einerseits in den Genuss dieser hochmodernen Techniken, schließlich erfährt er durch seine Drohne viele Probleme und Geheimnisse seiner Mitmenschen, die ihm sonst verschlossen blieben. Andererseits erfährt Jona auch, dass es lebensgefährlich ist, mit seiner Drohne den falschen Menschen zu nahe zu kommen. Sein "Elanus" ist eigentlich nur als private Spielerei gedacht, doch ehe er sich's versieht, ist Jona ist kriminelle Machenschaften verwickelt.

Die Handlung ist spannend, da sie genug Fragen aufwirft, die man als Leser gerne beantwortet sehen möchte und deren Antworten nicht zu vorhersehbar sind. Da ist die Frage, warum sich Jonas Dozent das Leben genommen hat - wenn es denn tatsächlich ein Selbstmord war. Da ist die Frage, was Jonas Kommilitonin Linda darüber weiß, denn sie ist ausgesprochen bestürzt über den Vorfall, obwohl er sie nicht einmal unterrichtete. Und da ist die Frage, was Dr. Schratter, der Rektor der Universität, möglicherweise mit diesen Dingen zu tun hat. Obwohl Jona einige Dinge zu seinem Studium mit ihm besprechen soll, scheint es unmöglich, ihn zu treffen; immer ist der Rektor gerade weg oder in einer Besprechung, selbst fest ausgemachte Termine lässt er ohne Absage ausfallen, fast als ginge er Jona bewusst aus dem Weg.

Auch andere Menschen in Jonas Umfeld verhalten sich zunehmend merkwürdig ihm gegenüber, er wird offenbar als unliebsamer Mitwisser beobachtet und verfolgt und weiß nicht einmal, was er so Brisantes erfahren haben soll, dass man ihn so fürchtet. Zu allem Überfluss wohnt Jona nicht mehr zuhause, sondern ist für das Studium zu einer Gastfamilie gezogen, hat also niemand Vertrauten um sich herum und weiß nicht, wer aus seinem neuen Umfeld Freund und wer Feind ist.

Die Schwäche des Romans liegt darin, dass ausgerechnet Protagonist Jona vor allem zu Beginn unsympathisch erscheint. Er verhält sich arrogant gegenüber seinen Mitmenschen, stellt sich beispielsweise gleich in seiner ersten Vorlesung als "so hochbegabt, dass es kaum noch auszuhalten ist" vor und reißt den Vortrag gegen den Willen des Dozenten an sich. Dass er seine Mitmenschen mithilfe seiner Drohne ausspioniert und ihnen aus Spaß sogar anonyme Drohzettel à la "Ich weiß, was du getan hast" zusteckt, macht ihn definitiv nicht liebenswerter. Gerade auf den ersten zwanzig, dreißig Seiten ist das Risiko recht hoch, dass man genervt das Buch zuklappt und auf die weitere Lektüre verzichtet.

Zumindest in diesem Anfangsstadium ist Jona auch kein typischer Antiheld, der gerade durch seine Schwächen zum Identifizieren einlädt, da man nur schwer Verständnis für sein Verhalten aufbringen kann. Glücklicherweise bessert sich das mit der Zeit. Jona schämt sich später mehrmals für sein Verhalten und bereut manche Dinge, er hält sich mit arroganten Bemerkungen zurück und zeigt Hilfsbereitschaft. Ungefähr nach dem ersten Drittel fühlt man sich ihm näher und er wird schließlich tatsächlich zu einer Figur, mit der man bangt und leidet - sofern man nicht vorher schon die Geduld mit ihm verliert.

Fazit:

"Elanus" von Ursula Poznanski ist insgesamt ein spannender und kurzweiliger Thriller für Leser ab etwa vierzehn Jahren mit einer interessanten Thematik. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings, dass ausgerechnet die Hauptfigur anfangs recht unsympathisch erscheint. Das bessert sich im Handlungsverlauf, ist aber zunächst abschreckend.

17. Januar 2016

Fremd - Ursula Poznanski/Arno Strobel

Produktinfos:

Ausgabe: 2015
Seiten: 400
Amazon
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Die Autoren:

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie begann verschiedenste Studiengänge zu belegen, ehe sie sich für einen Werdegang als Medizinjournalistin entschied. Seit 2003 ist sie Kinder- und Jugendbuchautorin. Besonders erfolgreich war ihr erster Jugendthriller "Erebos".

Arno Strobel, Jahrgang 1962, studierte zunächst Informationstechnologie und arbeitete im IT-Bereich, ehe er mit dem Schreiben begann. 2010 gelang ihm mit "Der Trakt" der Durchbruch als Thrillerautor. Weitere Werke sind u. a. "Das Wesen", "Das Skript" und "Der Sarg".

Inhalt:

Joana bricht in Panik aus, als plötzlich ein fremder Mann in ihrer Wohnung steht. Doch der Fremde will sie nicht überfallen - stattdessen behauptet er, ihr Verlobter namens Erik zu sein und seit Monaten mit ihr hier zu leben. Joana aber kennt Erik nicht, und es finden sich auch keine Sachen von ihm in der Wohnung.

Erik bemüht sich, Joanas Vertrauen zu gewinnen. An alles aus ihrem Leben kann sie sich erinnern, nur nicht an ihren angeblichen Verlobten. Allerdings kann Erik beweisen, dass er tatsächlich sehr viele Details aus Joanas Leben kennt, ihre Vorlieben, ihre Eigenheiten. Auch Joanas Freundin Ela bestätigt, dass Joana und Erik ein Paar sind.

Joana zieht langsam in Erwägung, dass sie an einer Teil-Amnesie leidet, die nur ihr Leben mit Erik betrifft. Die Verwirrung um ihre Beziehung ist aber nur ein Teil ihrer Probleme, wie die beiden bald feststellen müssen - denn sie schweben offenbar in großer Gefahr. Um dahinter zu kommen, was mit ihnen gespielt wird, müssen sie einander vertrauen ...

Bewertung:

Arno Strobel und Ursula Poznanski zählen zu den populärsten deutschsprachigen Thrillerautoren der letzten Jahre. Aus einem launigen Schreibexperiment heraus entstand dieser Roman, der die Ereignisse abwechselnd aus den Ich-Perspektiven von Joana und Erik schildert. Die Grundidee ist sehr verheißungsvoll und garantiert eine ordentliche Portion Spannung: Eine Frau wird mit einem angeblichen Verlobten konfrontiert, an den sie sich nicht erinnern kann, und ein Mann muss sich wiederum damit auseinandersetzen, dass sich seine Verlobte nicht an ihn erinnern kann. Joanas Panik ist verständlich, und sie fürchtet, Teil einer komplexen Verschwörung zu sein. Da ihr australischer Vater ein Multimillionär ist, liegt es zudem nah, dass sie fürchtet, Erik könne es auf ihr Vermögen abgesehen haben. Auf der anderen Seite steht Erik, der nicht weiß, wie er Joana beweisen soll, dass er tatsächlich mit ihr verlobt ist - sämtliche seiner Gegenstände sind aus der gemeinsamen Wohnung verschwunden, Joanas Vater weiß nichts von ihm, und Elas Bestätigung ist für Joana zunächst nur Teil der Verschwörung.

In den Grundzügen erinnert das Werk ein wenig an Strobels ersten Psychothriller "Der Trakt" - hier erfährt die Protagonistin, dass sich weder ihr Mann noch ihre Freunde an sie erinnern. Das Besondere an diesem Roman sind aber die beiden Perspektiven, die beide Protagonisten gleichermaßen in den Fokus rücken. Damit geht zwangsläufig ein kleiner Spannungsverlust einher - denn der Leser weiß durch Eriks Perspektive, dass er nichts Böses mit Joana im Schilde führt, sondern es ehrlich mit ihr meint. Langweilig oder vorhersehbar wird es trotzdem nicht, da sich immer noch die Fragen stellen, warum Joana nichts von Erik weiß, ob sie ihm Vertrauen schenken wird und Erik nach dem Leben trachtet - denn schon bald ist offensichtlich, dass Erik in großer Gefahr schwebt.

Es ist reizvoll, mitzuerleben, wie sich Joana und Erik allmählich annähern. Erik ist für Joana anfangs ein komplett Fremder, mit dem sie notgedrungen zusammenarbeitet. Doch nach und nach entwickelt sie tatsächlich Sympathie für ihn und kann sich immer besser vorstellen, dass sie vor ihrer Amnesie in ihn verliebt war. Unterbrochen wird diese Annäherung von Joanas plötzlichen und auch ihr selbst unerklärlichen Aggressionsanfällen, in denen sie auf Erik losgeht. Dadurch geht ironischerweise Erik auf Distanz, nachdem es ihm zunächst so sehr daran gelegen war, Joanas Vertrauen zu gewinnen, und Joana verzweifelt wiederum, weil sie nicht weiß, warum sie so reagiert.

Die Handlung ist temporeich und frei von Längen. Es sterben Menschen aus Eriks und Joanas Umfeld, den beiden stehen scheinbar übermächtige Gegner gegenüber, die ihnen rund um die Uhr auf den Fersen sind. Zu kritisieren gibt es für Genreliebhaber wenig. Die Charakterzeichnungen könnten gewiss ein bisschen intensiver ausfallen; Joana und Erik sind zwar grundsätzlich sympathisch, aber keine wirklich markanten Figuren, und sie bleiben für eine ganze Weile etwas blass. Des Weiteren ist die Auflösung recht gewagt und wirkt etwas konstruiert. Die offenen Fragen werden zwar beantwortet, aber die Hintergründe sind schon sehr phantastisch.

Fazit:


Kein perfekter, aber dennoch sehr unterhaltsamer und kurzweiliger Thriller, empfehlenswert für alle Freunde des Genres.

22. Dezember 2012

Fünf - Ursula Poznanski

Produktinfos:

Ausgabe: 2012
Seiten: 384
Amazon
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Die Autorin:

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie begann verschiedenste Studiengänge zu belegen, ehe sie sich für einen Werdegang als Medizinjournalistin entschied. Seit 2003 ist sie Kinder- und Jugendbuchautorin. Besonders erfolgreich war ihr erster Jugendthriller "Erebos", ebenso wie "Saeculum". www.ursula-poznanski.at

Inhalt:

Die Salzburger Kriminalkommissarin Beatrice Kaspary und ihr Kollege Florin Wenninger bekommen es mit einem außergewöhnlichen Mordfall zu tun: Auf einer Kuhweide wird zunächst die Leiche einer Frau gefunden. Merkwürdig sind die eintätowierten Ziffern auf ihren Fußsohlen, die sich schließlich als Koordinaten entpuppen - und beim entsprechenden Ziel stoßen die Ermittler auf einen Behälter mit einer abgetrennten männlichen Hand.

Zudem hat der Täter eine Botschaft hinterlassen: Ein Rätsel weist auf eine bisher unbekannte Person hin, aus deren Geburtsdaten die Ermittler neue Koordinaten errechnen sollen. Beim Ziel wird ein neuer Behälter auf sie warten - was sich auch bestätigt. Der Mörder spielt eine grausame Variante des Geocachings - einer Art modernen Schnitzeljagd per GPS, die inzwischen auch in Deutschland und Österreich ein beliebtes Hobby ist.

Nach kurzer Zeit sind sowohl die tote Frau als auch das männliche Opfer identifiziert, doch bei der Ermittlung hilft das kaum weiter. Niemand weiß etwas von einem gemeinsamen Bezug der beiden Personen, auch Verdächtige gibt es in ihrem Umfeld nicht. Auch der Zeuge, dessen Geburtsdaten auf die neuen Koordinaten hinweisen, wird aufgespürt und die grausamen Leichenfunde gehen weiter. Als der Zeuge kurz darauf spurlos verschwindet, ahnen Beatrice und Florin, dass er dem Täter in die Hände gefallen ist - und dass er nicht das letzte Opfer sein wird ...

Thanks For The Cache!


Wie man spannende Thriller schreibt, weiß Ursula Poszanski bereits seit ihrem Jugendroman "Saeculum". Während "Saeculum" in der Rollenspieler-Szene angesiedelt war, liefert hier das Geocaching die Folie für die mörderischen Ereignisse.

Die "Schätze" in den wetterfesten Dosen haben es allerdings in sich - Leichenteile eines Unbekannten, die fein säuberlich eingeschweißt wurden, um den Ermittlern ja erhalten zu bleiben. Zudem gibt es eine tote Frau, deren Rolle in diesem Verbrechen lange Zeit unklar ist. Warum wurden die Nachrichten des Täters in ihrer Handschrift geschrieben, warum befindet sich das Blut des zerstückelten Opfers auf ihrer Kleidung? War Nora Papenburg möglicherweise anfangs eine Komplizin des Mörders und wurde dann beseitigt oder war sie von Beginn an selbst ein Opfer? Die Befragungen ihres Umfelds bringen nur weitere rätselhafte Dinge zum Vorschein: Während einer fröhlichen Betriebsfeier in der Werbeagentur erhielt Nora auf ihrem Handy einen Anruf - kurz darauf verschwand sie. Der unbekannte Anrufer muss der Mörder gewesen sein, Schnappschüsse von der Feier haben zudem ihr entsetztes Gesicht während des Telefonats auf Fotos gebannt. Leider können weder ihr Mann noch die Kollegen etwas über den Anrufer sagen und es gibt keine Hinweise, woher sie ihn gekannt haben könnte.

Zusätzliche Spannung kommt durch zwei weitere Entwicklungen auf: Zum einen verschwindet der Mann, auf den das Rätsel in der Dose hingewiesen hat und man muss davon ausgehen, dass er ein weiteres Opfer geworden ist. Von nun an schweben natürlich auch die weiteren Personen in Gefahr, zu denen der Täter die Ermittler per Rätsel schickt. Einerseits sehen sich Beatrice und Florin gezwungen, den Rätseln zu folgen, um dem Täter in irgendeiner Form näher zu kommen, andererseits gibt es mit jedem neuen Zeugen ein weiteres potentielles Opfer. Zum anderen nimmt der Fall für Beatrice eine sehr persönliche Wende. Der Täter schreibt ihr nicht nur per Sms, er spielt auch auf ein schreckliches Erlebnis aus ihrer Vergangenheit an - ein Erlebnis, das außer ihr kaum jemand kennt. Diese direkte Kontaktaufnahme, wenn auch nur über Sms und ein nicht zuordbares Handy, scheint eine Chance zu sein, mehr über den Täter zu erfahren und weitere Hinweise zu erhalten - doch Beatrice muss auch fürchten, dass sie selbst als Opfer in Frage
kommt.

Wie in so vielen anderen Krimis und Thriller ist auch hier der Ermittler ein Mensch mit privaten Problemen. Beatrice muss fast täglich Kämpfe mit ihrem Ex-Ehemann ausfechten, immer wieder muss sie ihre beiden Kinder der Mutter in die Obhut geben. Dieses Thema nimmt zum Glück nicht überhand, schließlich soll die Kriminalhandlung im Vordergrund stehen, macht Beatrice Kaspary aber als Person greifbarer. Die Mängel fallen generell sehr klein aus: Das Ende ist ein bisschen klischeehaft gehalten, grundsätzlich handelt Beatrice manchmal ein bisschen zu eigenwillig und begibt sich unnötig in Gefahr. Die Dramatik im großen Finale ist zwar aufregend, aber auch ein bisschen dick aufgetragen und das Glück kommt hier Beatrice zu Hilfe. Sicher ist es auch Geschmackssache, ob ihre privaten Probleme mit Exmann und wenig Zeit für die Kinder den Leser interessieren, manch einer wünscht sich einen eher unbelasteten Ermittler.

Fazit:


Sehr kurzweiliger Thriller mit nur kleinen Schwächen. Insgesamt gelungene Ermittlerfiguren, eine originelle Handlung, die nicht nur Geocacher anspricht, ein schlüssiges Ende - wenn auch mit ein paar kleinen Mängeln, die es nicht ganz perfekt machen.

15. Juni 2012

Saeculum - Ursula Poznanski

Produktinfos:

Ausgabe: 2011
Seiten: 496
Amazon
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Die Autorin:

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie begann verschiedenste Studiengänge zu belegen, ehe sie sich für einen Werdegang als Medizinjournalistin entschied. Seit 2003 ist sie Kinder- und Jugendbuchautorin. Besonders erfolgreich war ihr erster Jugendthriller "Erebos".

Inhalt:

Der junge Medizinstudent Bastian konzentriert sich normalerweise sehr auf sein Studium. Vor ein paar Wochen aber hat er die attraktive Sandra kennen gelernt, mit der er sich eine Beziehung erhofft. Sandra ist ein großer Mittelalterfan und nimmt ihn regelmäßig auf Märkte mit. Zudem ist sie eine leidenschaftliche Rollenspielerin, womit Bastian keine Erfahrung hat.

Sandra zuliebe nimmt Bastian an einem besonderen Rollenspiel ihrer Gruppe "Saeculum" teil. Etwa zwanzig junge Leute werden von Köln aus in eine abgelegene Waldgegend in Österreich fahren. Dort wollen sie fünf Tage lang so authentisch wie möglich im Mittelalter leben - Leinenkleider, keine Handys, keine Medikamente, keine Taschenlampen und etliche Kilometer von der Zivilisation entfernt. Erst nach fünf Tagen sollen sie wieder per Auto abgeholt werden. Für Bastian eine ungewohnte Herausforderung, aber er hofft, dass er in diesen Tagen endgültig Sandras Herz gewinnt.

Schon am Bahnhof gibt es aber Unruhe, als endlich das genaue Ziel vom Gruppenleiter Paul bekannt gegeben wird: Es ist das Land des Blutfürsten, auf dem ein unheimlicher Fluch liegen soll, der Eindringlingen Verderben bringt. Vor allem die abergläubische Doro befürchtet drohendes Unheil, doch die Gruppe reist dennoch an. Nach langer Anreise beginnt das mittelalterliche Spiel voller Elan - bis plötzlich einer von ihnen verschwindet. Auch am nächsten Morgen bleibt er verschwunden - bald darauf werden zwei weitere Teilnehmer vermisst. Das Spiel läuft aus den Fugen, das Notfallhandy ist verschwunden, heftige Gewitter, Verletzungen und düstere Nachrichten sorgen für wachsende Panik. Wird der Fluch tatsächlich Wahrheit oder steckt etwas anderes hinter diesem Szenario ...?

Bewertung:

"Herr der Fliegen" trifft "Blair Witch Project" im mittelalterlichen Gewand - so in etwa lässt sich dieser rasante Jugendthriller kategorisieren. Was als harmloses, wenn auch aufregendes und originelles, Experiment beginnt, wird nach und nach zu einem Schreckensszenario, in dem kaum noch etwas sicher ist - weder, wem man trauen kann, noch wer dahinter steckt, noch ob man es mit menschlichen oder übernatürlichen Kräften zu tun hat.

Es klingt wie ein spannendes Abenteuer, durchaus ein bisschen riskant und vor allem ein Spaß für junge Leute, die ein bisschen Mittelalterflair erleben wollen: Fünf Tage irgendwo in der Einsamkeit der österreichischen Wälder. Anders als andere Rollenspiel-Conventions ist es schon, denn die Saeculum-Gruppe ist besonders streng in ihren Regeln. Die Gruppe lässt sich illegal auf Privatgrund nieder, wo es zwar mehr oder weniger ausgeschlossen erscheint, dass jemand dort auftaucht - aber juristische Folgen hätte es dennoch, wenn sie dort beim heimlichen Zelten und vor allem beim Feuermachen erwischt würden. Das Risiko ist notwendig, denn für das authentische Spiel ist es wichtig, dass sie wirklich so fernab wie möglich von der Zivilisation sind. Es gibt auch keine Spielpausen, alle Teilnehmer sollen sich rund um die Uhr in mittelalterlicher Sprache und mit ihren Rollennamen anreden. Zudem muss Bastian fassungslos erleben, dass ihm auch seine Brille abgenommen wird, wie alles, was erst nach dem 14. Jahrhundert erfunden wurde, was die Grundregel besagt. Zwar ist er nicht besonders stark kurzsichtig, aber eine sehr ungewohnte Einschränkung bedeutet es dennoch. Es gibt auch keine medizinische Notfallausrüstung, Kräuter und Leinentücher sind das Einzige, das gestattet ist - und jedem ist klar, dass das Satellitenhandy für den allergrößten Notfall nur in Extremsituationen benutzt werden darf, um keinen behördlichen Ärger zu bekommen. Damit gibt es zwar dank des Satellitenhandys und den Helfern, die sie in fünf Tagen mit den Jeeps wieder abholen wollen, zwei Rückversicherungen für Katastrophen, aber die Lage ist doch durchaus weit von einem harmlosen Spiel entfernt. Das erlebt die Gruppe bereits, als ein sehr heftiges Gewitter losgeht, es kaum geeignete Unterschlüpfe gibt und anschließend fast alle Kleidungsstücke und Nahrungsmittel durchnässt sind.

Der Leser folgt in der personalen Perspektive der Hauptfigur Bastian und wird automatisch sein Verbündeter. Je weiter die Handlung fortschreitet, desto mehr rückt auch Iris ins Blickfeld. Die Charaktere sind nicht extrem ausgefeilt, aber doch insgesamt gelungen: Bastian ist zu Beginn der ehrgeizige Medizinstudent, der unter seinem erfolgreichen aber auch hartherzigen Vater, einem bekannten Chirurgen, leidet, dem er aus Trotz zeigen will, was einen wirklich guten Arzt ausmacht. Bastian hat zwar durchaus schon Erfahrung im Campen oder mit Raftingurlaub, aber die Mittelalterwelt ist ihm recht fremd und das Rollenspiel ist für ihn nicht leicht durchzuhalten. Die anderen aus der Gruppe begegnen ihm teilweise misstrauisch, aus verständlichen Gründen, denn es nehmen generell nur sehr vertrauenswürdige Freunde daran teil und keine Neulinge wie er. Sandra erscheint anfangs etwas oberflächlich, aber nicht unsympathisch - umso seltsamer ist für Bastian wie auch den Leser, dass sie sich schon bald nach der Ankunft im Lager immer mehr von ihm distanziert. Einer der interessanten Charaktere ist Iris, die junge Harfenspielerin mit den bunten Haaren und der eigenwilligen, zurückgezogenen Art. Sie und der Student aus gutem Hause sind anfangs extrem gegensätzlich, doch ihre Abneigung lässt immer mehr nach und während sich Bastian langsam vom Theoretiker zum guten Kameraden wandelt, wird Iris ihm gegenüber offener und zutraulicher. Paul ist der Organisator, ein bewunderter, attraktiver kluger Kopf, der "für alles einen Plan hat", wie die anderen zu sagen pflegen.

Weitere wichtige Charaktere sind der füllige, sympathische Steinchen, der immer für einen Scherz gut ist, die faszinierend schöne, aber seltsam unsichere Lisbeth und ihr eifersüchtiger Freund Georg sowie natürlich Doro - Doro ist nicht nur abergläubisch, sondern fest in ihren Vorstellungen über Magie verstrickt und bereitet den anderen immer mehr Angst, dass sie sich wirklich auf verfluchtem Boden befinden. Das Verschwinden dreier Teilnehmer ist nicht das einzige Problem, mit dem die Gruppe bald verzweifelt zu kämpfen hat - sie hören nächtliche Schreie, ihr Essen wird mit Maden verseucht, zwei von ihnen bekommen ernsthafte gesundheitliche Probleme und irgendjemand hat das Satellitenhandy, das ihnen als einzige Rettung für Notfälle dienen sollte, gestohlen. Die Lage spitzt sich zu, Aggressionen und Spaltungen sind die Folge und schließlich passiert eine Katastrophe, die die Gruppe endgültig spaltet und vor allem Bastian in Lebensgefahr bringt. Der Stil ist einfach und auch für jugendliche Leser keine Herausforderung. Stattdessen führt der Roman den Leser in rasantem Tempo durch die Geschehnisse, ohne eine einzige Länge zuzulassen.

Nach atemberaubenden zwei Dritteln zeigt der Roman leider kleine Schwächen - auch wenn sie nicht verhindern, dass das Buch letztlich immer noch sehr gelungen ist. Es ist vor allem das Motiv und die Ahnung, wer hinter all dem steckt, die für den Leser etwas zu früh kommt. Sicher, die genaue Motivation wird erst am Ende beim großen Finale offenkundig, schon schon weit vorher, wenn alle Beteiligten noch ahnungslos sind, geht dem Leser, wenn er etwas nachdenkt, ein Licht auf. Das nimmt dem Roman dann doch ein bisschen die Fahrt und die Spannung, auch wenn es nicht zu offensichtlich ist und sicher nicht jeder Leser den Braten riecht - zudem bleiben dennoch noch kleine Überraschungen übrig und der genaue Ausgang lange ungewiss. Zudem gibt es eine Handvoll Kleinigkeiten, die nicht komplett überzeugend gestaltet sind: In seiner Gefangenschaft hätte Bastian viel früher etwas auffallen können oder müssen, was er dann erst viel später bemerkt. Dann ist nicht so ganz logisch, dass er eine der gefundenen Nachrichten, die unheilvoll gereimt auf eine Rinde gekritzelt sind, eine Weile für sich behält, weil er sie anscheinend für nicht so wichtig wie die Suche nach den vermissten empfindet - aber zu dem Zeitpunkt müsste ihm schon längst klar sein, dass die Nachrichten kein Spaß sind. Dann ist da noch die Sache mit Lisbeths verschwundenem Medaillon, das eigentlich nicht wertvoll sein kann, worüber sie aber aus unerklärlichen Gründen verzweifelt - hier wäre eine sofortige Nachfrage logisch gewesen, stattdessen wundert sich Bastian über die Reaktion zwar sehr, reagiert aber ansonsten nicht.

Fazit:


Insgesamt bleibt ein toller und rasanter Thriller zurück, der sich für Jugendliche ab etwa 14 Jahren und Erwachsene gleichermaßen eignet. Die Handlung wird flott und unterhaltsam erzählt, ist über weite Strecken sehr spannend und durchaus gruselig. Es gibt ein paar Kleinigkeiten, die nicht ganz optimal sind, die aber den Lesegenuss nicht entscheidend schmälern.