24. Dezember 2012

Benjamin Blümchen - Der Weihnachtsabend

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Inhalt:

Es ist der Morgen des 24. Dezember. Benjamin ist schon voller Vorfreude auf die diesjährige Feier im Elefantenhaus, zu der er viele Freunde eingeladen hat. Die letzten Vorbereitungen werden getroffen. Karla Kolumna kommt vorbei und bringt Weihnachtsmusik und Bratäpfel mit. Auch der Bürgermeister, Ottos Cousine Kiki und Brandrat Lichterloh sind zum Zoo-Weihnachtsfest eingeladen.

Jetzt erst stellen Benjamin und Otto erschrocken fest, dass sie gar nicht an einen Baum gedacht haben. Zum Glück trifft als nächstes Bibi Blocksberg ein, die einen Weihnachtsbaum herbeihext. Als letzter Gast kommt die Frau Stadträtin - in Begleitung einiger Kinder aus dem Kinderheim.

Benjamin stört allerdings eines - die Musik aus dem Kassettenrecorder. Viel schöner fände er es, wenn sie alle selbst zusammen musizieren würden. Gesagt, getan - Bibi hext Wärter Karls Gitarre, das Klavier des Bürgermeisters und Kikis Flöte herbei, Herr Tierlieb zückt sein Cello. Gemeinsam singen sie bekannte Weihnachtslieder und erzählen Geschichten ...

Ein elefantöses Weihnachtsfest


Die beste Weihnachtsfolge ist es sicher nicht, denn dazu gibt es zu wenig Handlung. Unterhaltsamer und vor allem reizvoller fürs wiederholte Hören sind definitiv die Folgen, in denen Benjamin als Kaufhaus-Weihnachtsmann arbeitet, zusammen mit Otto und Karla Kolumna den Weihnachtsmann und die Engel im Himmel besucht und in der Benjamin seinen Freund im Weihnachtsurlaub retten muss. Der Fokus liegt stattdessen eindeutig auf den Weihnachtsliedern, die Kinder durch diese Folge lernen und mitsingen können: "Vom Himmel hoch", "Ihr Kinderlein kommet", "O du fröhliche", "O Tannenbaum" (interessanterweise mit dem älteren Text "Wie treu sind deine Blätter" statt "wie grün"), "Morgen, Kinder, wirds was geben", "Stille Nacht, heilige Nacht" und "Alle Jahre wieder". Zudem werden von jedem Lied mehrere Strophen gesungen - manch ein Kind wird vorher nur die erste Strophe kennen.

Schön ist auch, dass Kinder darüber hinaus noch einiges lernen. Erklärt wird beispielsweise, was das Wort "Mär" aus dem Lied "Vom Himmel hoch" eigentlich bedeutet und wie es zu der Tradition kam, einen Weihnachtsbaum aufzustellen. Vor allem aber wird die Weihnachtsgeschichte erzählt, denn Benjamin möchte gern genau wissen, was es damit auf sich hat. Dieser religiöse Gehalt ist ungewöhnlich, denn sonst wird Gott aus der Benjamin-Blümchen-Reihe mehr oder weniger herausgehalten, zumal der Weihnachtsmann dort wirklich existiert. Die Geschichte um Christi Geburt nimmt zwar nur wenige Minuten in der Folge ein, trotzdem ist es bemerkenswert - aber nicht zu penetrant, denn es wird nicht groß darüber diskutiert, sondern nur festgestellt, dass jenes Ereignis damals den Ursprung zum Fest bildete, der Glaube selbst ist kein Thema, und damit ist die Folge auch für nicht-christliche Haushalte sicherlich geeignet. Diese Episode ist ideal für Kinder, die sich mit den Hintergründen um das Weihnachtsfest noch nicht gut auskennen, und auch für Erwachsene gibt es vielleicht die eine oder andere Neuigkeit dazu.

Die Folge plädiert deutlich dafür, Weihnachten in Kreise seiner Lieben auf traditionelle Weise zu feiern - mit gutem Essen, Musik und Geschichten. Geschenke gibt es auch, aber jeder steckt sein Geschenk in einen Sack, und später zieht jeder eins durch Zufall heraus - wichtiger, als den passenden Geschmack zu treffen, ist hier die Geste an sich. Humorvoll geht es dabei auch zu. Der Bürgermeister etwa reagiert nicht gerade begeistert, als Bibi Blocksberg, die ihn so oft schon geärgert hat, eintrifft - Karla Kolumna muss ihn energisch mit "Fest der Liebe!" daran erinnern, dass heute kein Tag für Streitigkeiten ist.

Ein bisschen unlogisch ist es, wer alles den Weihnachtsabend im Zoo und nicht bei seiner Familie verbringt, beispielsweise Otto, Bibi und der Bürgermeister. Es ist nicht gerade glaubwürdig, dass Ottos und Bibis Eltern alleine feiern, und vom Bürgermeister weiß man, dass er verheiratet ist und Kinder hat. Man kann sich zwar vielleicht denken, dass sie später zu ihrer Familie gehen und dort weiterfeiern, allerdings gibt es im Zoo auch ein großes Essen, und man fragt sich, ob das Familienessen dann ausfällt.

Fazit:

Eine durchaus schöne Weihnachtsfolge, die allerdings nicht an die anderen Weihnachtsgeschichten der Reihe heranreicht. Kinder erfahren einige Hintergründe über das Fest und lernen typische Lieder, auch die Atmosphäre ist generell gelungen. Zum wiederholten Hören ist diese Folge jedoch weniger geeignet, denn es geschieht recht wenig, und es kann langweilig sein, sie zu hören, wenn man alle Lieder und Hintergründe schon kennt.

Sprechernamen:

Benjamin Blümchen - Edgar Ott
Otto - Kai Primel
Herr Tierlieb - Hermann Wagner
Wärter Karl - Till Hagen
Karla Kolumna - Gisela Fritsch
Bibi Blocksberg - Susanna Bonaséwicz
Bürgermeister - Heinz Giese
Stadträtin - Maria Axt
Erzähler - Joachim Nottke

22. Dezember 2012

Fünf - Ursula Poznanski

Produktinfos:

Ausgabe: 2012
Seiten: 384
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Die Autorin:

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie begann verschiedenste Studiengänge zu belegen, ehe sie sich für einen Werdegang als Medizinjournalistin entschied. Seit 2003 ist sie Kinder- und Jugendbuchautorin. Besonders erfolgreich war ihr erster Jugendthriller "Erebos", ebenso wie "Saeculum". www.ursula-poznanski.at

Inhalt:

Die Salzburger Kriminalkommissarin Beatrice Kaspary und ihr Kollege Florin Wenninger bekommen es mit einem außergewöhnlichen Mordfall zu tun: Auf einer Kuhweide wird zunächst die Leiche einer Frau gefunden. Merkwürdig sind die eintätowierten Ziffern auf ihren Fußsohlen, die sich schließlich als Koordinaten entpuppen - und beim entsprechenden Ziel stoßen die Ermittler auf einen Behälter mit einer abgetrennten männlichen Hand.

Zudem hat der Täter eine Botschaft hinterlassen: Ein Rätsel weist auf eine bisher unbekannte Person hin, aus deren Geburtsdaten die Ermittler neue Koordinaten errechnen sollen. Beim Ziel wird ein neuer Behälter auf sie warten - was sich auch bestätigt. Der Mörder spielt eine grausame Variante des Geocachings - einer Art modernen Schnitzeljagd per GPS, die inzwischen auch in Deutschland und Österreich ein beliebtes Hobby ist.

Nach kurzer Zeit sind sowohl die tote Frau als auch das männliche Opfer identifiziert, doch bei der Ermittlung hilft das kaum weiter. Niemand weiß etwas von einem gemeinsamen Bezug der beiden Personen, auch Verdächtige gibt es in ihrem Umfeld nicht. Auch der Zeuge, dessen Geburtsdaten auf die neuen Koordinaten hinweisen, wird aufgespürt und die grausamen Leichenfunde gehen weiter. Als der Zeuge kurz darauf spurlos verschwindet, ahnen Beatrice und Florin, dass er dem Täter in die Hände gefallen ist - und dass er nicht das letzte Opfer sein wird ...

Thanks For The Cache!


Wie man spannende Thriller schreibt, weiß Ursula Poszanski bereits seit ihrem Jugendroman "Saeculum". Während "Saeculum" in der Rollenspieler-Szene angesiedelt war, liefert hier das Geocaching die Folie für die mörderischen Ereignisse.

Die "Schätze" in den wetterfesten Dosen haben es allerdings in sich - Leichenteile eines Unbekannten, die fein säuberlich eingeschweißt wurden, um den Ermittlern ja erhalten zu bleiben. Zudem gibt es eine tote Frau, deren Rolle in diesem Verbrechen lange Zeit unklar ist. Warum wurden die Nachrichten des Täters in ihrer Handschrift geschrieben, warum befindet sich das Blut des zerstückelten Opfers auf ihrer Kleidung? War Nora Papenburg möglicherweise anfangs eine Komplizin des Mörders und wurde dann beseitigt oder war sie von Beginn an selbst ein Opfer? Die Befragungen ihres Umfelds bringen nur weitere rätselhafte Dinge zum Vorschein: Während einer fröhlichen Betriebsfeier in der Werbeagentur erhielt Nora auf ihrem Handy einen Anruf - kurz darauf verschwand sie. Der unbekannte Anrufer muss der Mörder gewesen sein, Schnappschüsse von der Feier haben zudem ihr entsetztes Gesicht während des Telefonats auf Fotos gebannt. Leider können weder ihr Mann noch die Kollegen etwas über den Anrufer sagen und es gibt keine Hinweise, woher sie ihn gekannt haben könnte.

Zusätzliche Spannung kommt durch zwei weitere Entwicklungen auf: Zum einen verschwindet der Mann, auf den das Rätsel in der Dose hingewiesen hat und man muss davon ausgehen, dass er ein weiteres Opfer geworden ist. Von nun an schweben natürlich auch die weiteren Personen in Gefahr, zu denen der Täter die Ermittler per Rätsel schickt. Einerseits sehen sich Beatrice und Florin gezwungen, den Rätseln zu folgen, um dem Täter in irgendeiner Form näher zu kommen, andererseits gibt es mit jedem neuen Zeugen ein weiteres potentielles Opfer. Zum anderen nimmt der Fall für Beatrice eine sehr persönliche Wende. Der Täter schreibt ihr nicht nur per Sms, er spielt auch auf ein schreckliches Erlebnis aus ihrer Vergangenheit an - ein Erlebnis, das außer ihr kaum jemand kennt. Diese direkte Kontaktaufnahme, wenn auch nur über Sms und ein nicht zuordbares Handy, scheint eine Chance zu sein, mehr über den Täter zu erfahren und weitere Hinweise zu erhalten - doch Beatrice muss auch fürchten, dass sie selbst als Opfer in Frage
kommt.

Wie in so vielen anderen Krimis und Thriller ist auch hier der Ermittler ein Mensch mit privaten Problemen. Beatrice muss fast täglich Kämpfe mit ihrem Ex-Ehemann ausfechten, immer wieder muss sie ihre beiden Kinder der Mutter in die Obhut geben. Dieses Thema nimmt zum Glück nicht überhand, schließlich soll die Kriminalhandlung im Vordergrund stehen, macht Beatrice Kaspary aber als Person greifbarer. Die Mängel fallen generell sehr klein aus: Das Ende ist ein bisschen klischeehaft gehalten, grundsätzlich handelt Beatrice manchmal ein bisschen zu eigenwillig und begibt sich unnötig in Gefahr. Die Dramatik im großen Finale ist zwar aufregend, aber auch ein bisschen dick aufgetragen und das Glück kommt hier Beatrice zu Hilfe. Sicher ist es auch Geschmackssache, ob ihre privaten Probleme mit Exmann und wenig Zeit für die Kinder den Leser interessieren, manch einer wünscht sich einen eher unbelasteten Ermittler.

Fazit:


Sehr kurzweiliger Thriller mit nur kleinen Schwächen. Insgesamt gelungene Ermittlerfiguren, eine originelle Handlung, die nicht nur Geocacher anspricht, ein schlüssiges Ende - wenn auch mit ein paar kleinen Mängeln, die es nicht ganz perfekt machen.

Kein Spaß ohne Hanni und Nanni - Enid Blyton

Produktinfos:

Ausgabe: 2005
Seiten: 160
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Die Autorin:

Enid Blyton, geboren 1897 und gestorben 1968, war eine der erfolgreichsten Kinderbuchautorinnen der Welt. Sie arbeitete zunächst als Lehrerin, begann aber schon früh mit dem Schreiben. 1922 erschien ihr erstes Buch, im Laufe ihres Lebens sollten es mehr als 700 Werke werden. Zu ihren bekanntesten Buchreihen gehören "Hanni und Nanni", "Die fünf Freunde", "Dolly" und "Geheimnis um".

Inhalt:

Wieder ist ein Schuljahr um und Hanni und Nanni sind eine Klasse aufgerückt. Diesmal bekommen sie vier neue Mitschülerinnen: Anne und Else wiederholen beide eine Klasse und Carla und Marianne kommen neu nach Lindenhof. Während die dickliche Anne sehr träge ist, ist Else vor allem boshaft. Dennoch werden die beiden als die Ältesten als Vertrauensschülerinnen eingesetzt - die Lehrerinnen hoffen, dass Anne dadurch etwas aktiver wird und Else mehr Kameradschaftlichkeit lernt.

Carla ist ein stilles, immer traurig wirkendes Mädchen, das bald den Spitznamen "Unglücksmädchen" trägt. Sie will mit niemandem über ihren Kummer sprechen und zieht sich zurück. Marianne dagegen ist aufmüpfig - sie wurde gegen ihren Willen ins Internat gesteckt und will Lehrern wie Mitschülerinnen das Leben schwer machen.

Durch Zufall erfährt Marianne, warum Carla immer so traurig ist. Sie nimmt dies als Ansporn, um sich endlich besser zu benehmen und die anderen kommen ihr dabei entgegen. Else allerdings nutzt jede Gelegenheit, um Zwietracht zu sähen und den Mädchen steht noch viel Ärger mit ihr bevor. Zudem sorgt der Bunte Abend für Aufregung, bei dem die Mädchen alle möglichen Aufführungen zu einem guten Zweck planen ...

Bewertung:


Im vierten Hanni-und-Nanni-Band sind es wieder einmal vor allem die neuen Mitschülerinnen, die für Furore sorgen - zunächst in negativer und später auch in positiver Weise.

Die vier neuen Mädchen könnten unterschiedlicher kaum sein: Die träge Anne, die keinen Finger zu viel rührt und sich am liebsten aus allem heraushält, die hinterhältige Else, die anderen ihre Beliebtheit neidet und ihre Position als Vertrauensschülerin ausnutzt, die stille, unscheinbare Carla, die sich am liebsten verkriecht und die aufbrausende Marianne, die anfangs mit Vorliebe den Unterricht stört und ihre Mitschülerinnen ärgert. Carla und Marianne haben unterschiedliche Beweggründe, warum sie sich in Lindenhof zu unglücklich fühlen: Carla hat nur noch ihre Mutter und diese liegt schwerkrank im Krankenhaus. Das Mädchen behält den Kummer lange für sich und niemand ahnt derweil etwas von dieser Last. Marianne dagegen hat mehrere kleinere Geschwister, die sie aber unterdrückt hat - im Internat soll sie lernen, Rücksicht auf ihre Mitmenschen zu nehmen.

Vor allem ahnt niemand, dass ausgerechnet diese beiden außergewöhnliche Talente besitzen. Marianne ist musisch sehr begabt und spielt hervorragend Geige und Klavier. Carla dagegen ist eine exzellente Schauspielerin und geht in den verschiedenen Rollen völlig auf. Doch es ist ein langer Weg, die anderen davon erfahren und bis sich für Marianne und Carla das Blatt zum Positiven blendet. Gerade Marianne braucht eine Weile, um zu lernen, wie man mit seinen Kameradinnen umgeht, ihr fehlt anfangs jegliches Fingerspitzengefühl und auch als sie ihr unleidliches Verhalten ablegt, tritt sie noch ein paar mal ins Fettnäpfchen mit ihrer ungestümen Art.

Junge Mädchen können eine Menge aus diesem Buch lernen. Es wird gezeigt, wie wichtig Zusammenhalt ist, dass man anderen ihren Kummer oft nicht ansieht und sie trotzdem große Probleme haben können, dass auch unscheinbare Personen große Begabungen in sich tragen können und man niemanden unterschätzen sollte und dass es sich manchmal lohnt, jemanden zu ermuntern, damit er über sich hinauswächst - so wie Anne, die nach und nach aus ihrer Rolle des trägen Mädchens herauskommt. Die intrigante Else dagegen wird für ihre Aktionen gehörig bestraft und muss auch einsehen, dass sie es sich im Leben selbst unnötig schwer macht. Der Band lässt sich zudem auch gut außer der Reihe lesen, man muss nicht die vorherigen Bücher der Serie kennen, auch wenn es hilfreich ist.

Spannung und Humor kommen dazu auch nicht zu kurz, Für den humoristischen Teil sorgt beispielsweise Elli, Hanni und Nannis affektierte Cousine. Im vorherigen Band schwärmte sie für die hübsche reiche Amerikanerin Sadie, die dann zurück in ihre Heimat kehrte, diesmal ist sie von der neuen Lehrerin Frau Quentin hingerissen. Frau Quentin ist eine junge, elegante Frau, die sich bemüht, den Mädchen mit ihrem süßen Auftreten und lieben Worten zu gefallen. Die meisten Schülerinnen finden Frau Quentin recht oberflächlich und reagieren genervt auf ihre Ansprachen wie "Liebes" oder "Schätzchen" - Elli dagegen blüht auf und sehnt jede Literaturstunde herbei, um ihre Lehrerin zu beeindrucken und trägt die gleiche Frisur wie sie.

Die Schwächen fallen gering aus. Etwas ungelenk ist eine Stelle der Übersetzung, an der Carla zunächst Marianne bittet, keinem von ihrem Geheimnis zu erzählen - und Marianne kurz darauf zu Hilda sagt, Carla habe sie gebeten, es nicht der ganzen Klasse zu erzählen. Daraufhin meint Hilda logischerweise, Marianne dürfe es demnach zumindest einzelnen Mädchen erzählen, solange es eben nicht die ganze Klasse erfährt - und offenbar glaubt Marianne das auch, obwohl es ihr anders gesagt wurde. Etwas seltsam ist zudem die Stelle, an der Marianne zugibt, sie habe das, was Carla ihr anvertraut hat, schlicht vergessen - das ist beim Inhalt des Erzählten sehr unwahrscheinlich. Zwar soll damit gezeigt werden, dass Marianne anfangs noch unsensibel ist, trotzdem ist das etwas ungeschickt und unrealistisch inszeniert. Nicht ganz glaubhaft ist auch das heimliche Mitternachtsfest, das ausgerechnet das Mädchen verschläft, das nicht eingeladen ist. Sie hört weder, dass ihre Zimmerkameradinnen sich anziehen und hinausschleichen noch dass sie Stunden später wiederkommen und wacht auch zwischendrin nie auf, das ist schon ein wenig zurechtgebogen, fester Schlaf hin oder her.

Fazit:


Guter Band der Hanni-und-Nanni-Reihe mit vielen kindgerechten Lehren, unterhaltsam aufbereitet. Es gibt kleine Schwächen, aber insgesamt dennoch wenig zu bemängeln.

14. Dezember 2012

Was du nicht weißt - Claus Beling

Produktinfos:

Ausgabe: 2012
Seiten: 320
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Herzlichen Dank an den Lübbe-Verlag und Blogg dein Buch zum Bereitstellen des Rezensionsexemplars.

Der Autor:

Claus Beling, Jahrgang 1949, war viele Jahre lang der Unterhaltungschef des ZDF und kreierte beispielsweise die Rosamunde-Pilcher-Reihe. Er veröffentlichte bereits Sachbücher wie den Reiseführer "Bezauberndes Cornwall".

Inhalt:

Gleich zwei Frauenmorde hintereinander erschüttern die friedliche Kanalinsel Jersey. Erst wird die Leiche einer polnischen Frau im Kofferraum eines Autos gefunden, dann entdeckt die Teehändlerin Emily Bloom die Leiche einer guten Bekannten, der jungen Debbie Farrow. Tief betroffen von deren Tod will Emily alles in ihrer Macht Stehende tun, um bei der Aufklärung zu helfen.

Bald stellt die Polizei fest, dass der gleiche Unbekannte Fingerabdrücke bei beiden Opfern hinterließ - doch ansonsten sind die Zusammenhänge der Morde unklar. Offenbar hat Debbie Hinweise gefunden, dass der Tod ihres kleinen Sohnes vor knapp einem Jahr nicht mit rechten Dingen zuging. Pikanterweise sind sowohl Debbies Vater als auch der Vater ihres verstorbenen Kindes unbekannt. Emily und ihr Schwager, der Chef de Police, ahnen bald, dass sie tief in der Vergangenheit der Inselbewohner forschen müssen - und dass mehrere Einwohner einige düstere Geheimnisse hegen.

Emily kommt bei ihren Nachforschungen ihr "absolutes Gedächtnis" zu Hilfe - ohne es zu wollen, kann sie sich an alles aus ihrem Leben detailgenau erinnern und so auch an zahlreiche Gespräche mit Debbie und anderen Beteiligten. Das sorgt allerdings auch dafür, dass sie selbst in Gefahr gerät ...

Bewertung:

Claus Beling ist bislang vor allem als langjähriger Unterhaltungschef des ZDF bekannt, auch als Sachbuchautor trat er schon in Erscheinung - nun ist er auch unter die Krimiautoren gegangen und das mit durchaus sehr lesenswerten Ergebnis.

In vielerlei Hinsicht ist der erste Band um Emily Bloom und Harold Conway sehr traditionell - ein scheinbar friedliches Setting, hinter dessen Fassade sich dunkle Geheimnisse verbergen, eine liebenswerte Amateurdetektivin mittleren Alters und ein Blick hinter komplizierte Beziehungsgeflechte mehrerer Familien. Außergewöhnlich ist allerdings Emilys Fähigkeit, ihr "absolutes Gedächtnis" - Segen und Fluch zugleich, wie der ähnlich beschenkte TV-Detektiv Monk wohl sagen würde. Zwölf Jahre ist es her, dass Emily die Diagnose gestellt bekam und seither damit leben muss, dass sich jeder Tag unauslöschlich in ihr Gedächtnis einbrennt. Glücklich ist sie darüber selten, denn schließlich bringt es diese Gabe auch zwangsläufig mit sich, dass schmerzhafte Erinnerungen stets so präsent wie am ersten Tag sind - so etwa der Unfalltod von Emilys Eltern, den sie als Siebzehnjährige hautnah miterlebte.

Zwölf Jahre sind nicht nur seit der Diagnose vergangen, sondern auch seit Emilys Ehemann Richard verschwand. Alles deutete darauf hin, dass er sie verlassen hat, doch dann wurde sein leeres Boot auf dem Meer gefunden - blutverschmiert und ohne weitere Spur von Richard. Auch dies ist eine Erinnerung, mit der Emily leben muss. Trotzdem hat sich die sympathische Frau nicht aufgegeben. Ihr erwachsener Sohn macht gerade den Facharzt, sie selbst lebt alleine und führt mit viel Herz ihr Teegeschäft, das eine Institution auf der Insel ist. Der Tod ihrer Bekannten Debbie trifft sie schwer - noch mehr allerdings, als sie feststellt, dass ihre eigene Vergangenheit enger mit Debbie verknüpft ist, als sie bisher ahnte. Die Nachforschungen zu Debbies Ermordung führen Emily zu ihrem Entsetzen immer näher zu Menschen, die sie gut kennt - oder zu kennen glaubte.

Der Roman hat durchaus eine gewisse Komplexität, nicht zuletzt wegen der nicht unwichtigen Nebenfiguren. Da ist beispielsweise Constance, Debbies jüngere Schwester, die nach Debbies Tod auf die Insel zurückkehrt und plötzlich unter Verdacht gerät. Da ist der charmante Pferdezüchter Frank Guiton, der gerade eine Beziehung zu Debbie aufbaute und in den sich eine junge Polizistin zu verlieben droht. Eine wichtige Rolle spielt auch der Chef de Police Harold Conway, zufällig Emilys Schwager. Das Verhältnis der beiden zueinander war schon während seiner Ehe mit Emilys Schwester nicht gerade rosig; nach der Scheidung sind sich die beiden erst recht nicht grün - und dass sich ausgerechnet Emily in die Ermittlungen einmischt, gefällt dem aufbrausenden Harold Conway gar nicht. Allerdings zeigt sich mit der Zeit, dass sich hinter der bärbeißigen Fassade doch auch liebenswerte Züge verstecken und der knurrige Conway entwickelt sich zu einer durchaus sympathischen Figur.

Auch die Handlungsverwicklungen sind komplex. Emilys Recherchen führen sie zurück bis in die Zeit, in der Debbies inzwischen verstorbene Mutter ein junges Mädchen war. Auch Debbies Vergangenheit wird durchleuchtet und schließlich erhält Emily auch auf ihre eigene Vergangenheit einen neuen Blick. Langeweile kommt nicht auf, dafür ist die Handlung zu dicht gefüllt mit düsteren Geheimnissen, die erst nach und nach an die Oberfläche kommen. Der Autor kennt das Setting seines Romans offenbar gut und versteht es daher, dem Leser die friedvolle Schönheit der Kanalinsel Jersey vor Augen zu führen und neugierig auf diesen sonnigen Flecken im Ärmelkanal zu machen. Weiterhin positiv ist der sehr flüssige Stil, der flott und souverän die Ereignisse erzählt.

Ohne kleine Schwächen kommt der Krimi allerdings nicht aus. Sicher wäre manch einem Leser lieber, die Hauptfigur wäre gerade jemand ohne besondere Fähigkeit, die ihr bei den Ermittlungen zugute kommt - das allein ist allerdings Geschmackssache. Etwas störend ist jedoch die Stelle, an der Emily ausgerechnet eine wichtige Erinnerung nicht einfallen will, denn das wiederum wirkt leicht konstruiert. Das Ende ist ein bisschen klischeehaft, vor allem ist es etwas simpel gelöst, dass Emily sehr viele Informationen allein durch heimliches Lauschen erhält und damit auf dem Silberteller serviert bekommt - hier wäre aus Sicht des erfahrenen Krimilesers eine Prise mehr Raffinesse wünschenswert.

Fazit:

Ein lesenswerter Krimi, der Lust auf die weiteren Bände der Reihe macht. Eine sympathische Protagonistin und weitere gelungene Charaktere, ein schönes Setting und eine kurzweilige Handlung machen den Roman zu einer unterhaltsamen Lektüre. Die kleinen Schwächen fallen nicht stark ins Gewicht - Emily Bloom darf gerne bald erneut ermitteln.

8. Dezember 2012

Hanni und Nanni in neuen Abenteuern (3) - Enid Blyton

Produktinfos:

Ausgabe: 2005
Seiten: 160
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Die Autorin:

Enid Blyton, geboren 1897 und gestorben 1968, war eine der erfolgreichsten Kinderbuchautorinnen der Welt. Sie arbeitete zunächst als Lehrerin, begann aber schon früh mit dem Schreiben. 1922 erschien ihr erstes Buch, im Laufe ihres Lebens sollten es mehr als 700 Werke werden. Zu ihren bekanntesten Buchreihen gehören "Hanni und Nanni", "Die fünf Freunde", "Dolly" und "Geheimnis um".

Inhalt:

Hanni und Nanni kehren nach den Ferien wieder ins Internat Lindenhof zurück, allerdings aus Krankheitsgründen eine Woche später. Diesmal gibt es gleich fünf neue Mädchen in ihrer Klasse: Carlotta, Bobby, Helene, Petra und Sadie.

Die Zwillinge und ihre Freundinnen schließen die wilde Halb-Spanierin Carlotta schnell ins Herz. Carlotta ist zwar sehr temperamentvoll und hält nicht viel vom Lernen, aber sie ist ein liebenswertes Mädchen und grundehrlich. Auch Bobby ist sofort in der Clique willkommen. Sie ist nicht nur lustig und verlässlich, sondern liebt es auch, den Lehrerinnen witzige Streiche zu spielen, an denen alle Mädchen Spaß haben. Petra ist ein Jahr jünger, da sie eine Klasse übersprungen hat. Sie lernt viel, ist still und schüchtern. Helene mögen die Mädchen nicht - sie erscheint ihnen hinterhältig. Elli, die Cousine der Zwillinge, ist sofort begeistert von der schönen verwöhnten Amerikanerin Sadie und die zwei reden nur über Mode, Frisuren und Filmstars.

Die Neuen sorgen für einige Turbulenzen im Internat. Bobbys Streiche bringen sie immer wieder zum Lachen und es gibt die üblichen Mitternachtspartys. Zudem ahnen die Mädchen, dass Carlotta irgendein Geheimnis verbirgt, über das sie nicht sprechen darf. Allerdings passieren auch unangenehme Dinge in Lindenhof - und schließlich gibt es sogar eine Entführung ...

Bewertung:

Der dritte Band um die lustigen Sullivan-Zwillinge in Lindenhof vereint nicht nur alle Stärken der Reihe, sondern gehört auch zu den besten Bänden. Gleich fünf neue Mitschülerinnen sorgen natürlich mächtig für Trubel und jeder der neuen Charaktere ist für sich interessant.

Absolute Sympathieträger sind Bobby und Carlotta, die auch in den weiteren Bänden erhalten bleiben. Bobby heißt eigentlich Roberta, aber so will sie nicht genannt werden. Sie ist ein sehr lustiges Mädchen, das ein großes Talent dafür hat, andere zu imitieren und immer wieder den Unterricht mit originellen Streichen auflockert. Carlotta ist ebenso sympathisch - zwar ein bisschen wild und schnell aufbrausend, aber immer für ihre Freunde da. Die Mädchen registrieren überrascht, dass Carlotta eine extrem gute Artistin ist und im Sportunterricht weit die Nase vorn hat. Zudem hat sie eine geheimnisvolle Herkunft, die später noch eine große Rolle spielt. Elli, die Cousine der Zwillinge, ist an sich nicht unsympathisch, noch weniger die reiche Sadie. Allerdings stechen sie mit ihren Interessen an Frisuren und Mode heraus und haben mit den restlichen Mädchen nicht gerade viel gemeinsam.

Helene und Petra sorgen für den ernsten Teil der Handlung: Helene ist falsch und ständig neidisch auf andere - sei es auf bessere Noten, da sie trotz aller Bemühungen nicht gerade zu den Besten zählt, oder wegen ihrer Beliebtheit, so wie Bobby und Carlotta, die genauso neu ist sind sie und trotzdem im Gegensatz zu ihr gleich Freundinnen um sich scharen. Die kleine, stille Petra ist ein liebes Mädchen, aber sie macht sich großen Druck, um ihre Leistungen auch in der höheren Klasse zu bestätigen. Helene sieht in ihr ein leichtes Opfer und spannt sie für ihre hinterhältigen Pläne ein - und Petra ist zu ängstlich, um zu widersprechen und möchte ihre scheinbar einzige Freundin Helene nicht verlieren.

Die Handlung ist in vielerlei Hinsichten lehrreich - es geht um Zusammenhalt unter Mitschülerinnen, um Ehrlichkeit, um Freundschaft ohne Rücksicht auf die Herkunft, um Toleranz und das Eingestehenden von Fehlern. Anders als sonst oft bei Enid Blyton gibt es nicht nur Schwarz-Weiß-Malerei - Helene mag beispielsweise zwar ein recht einseitiger Charakter sein, aber es wird nicht ausgeschlossen, dass sie sich in Zukunft bessern wird; ebenso muss sich am Ende die beliebte Bobby eingestehen, dass sie auch eine große Schwäche hat, an der sie arbeiten muss; und die kleine Petra ist der typische Mitläufer, der sich nur aus Angst und Scham so lange unterdrücken lässt und dabei Helenes Taten gar nicht gut heißt.

Darüber hinaus gibt es viel zu lachen, vor allem dank Bobbys Streiche. Sie kennt wunderbare Methoden, um den Unterricht kurzweiliger zu gestalten und ihr komödiantisches Talent tut das Übrige dazu. Besonders lustig sind die Auseinandersetzungen mit der Französischlehrerin "Mamsell", die in ihrem Temperament Carlotta in nichts nachsteht, was zu feurigen Diskussionen führt. Zum Schluss gibt es mit der Entführung sogar noch einen kriminalistischen Einschlag, was eher untypisch für die Reihe ist - an sich hätte es diese Episode nicht gebraucht, da der Band ohnehin voller unterhaltsamer Geschehnisse ist. Doch die Entführung passiert nicht willkürlich, sondern passt in mehrfacher Hinsicht zu vorherigen Ereignissen. Allerdings ist die Szene davor ein bisschen sehr konstruiert - wie wahrscheinlich ist es schon, dass man bei einem Auftrag, einen Brief jemanden zu übergeben, nicht nachfragt, wem man ihn den überhaupt geben soll und auch nicht auf den Umschlag schaut, weil man auch ohne dies glaubt, den Adressaten zu wissen - und das soll dann gleich zwei Mädchen passieren. Da hätte sich Enid Blyton schon eine bessere Lösung einfallen lassen können, um den Brief bei der falschen Person landen zu lassen.

Fazit:

Einer der besten Bände der Reihe, da er sich nicht nur wie üblich leicht lesen lässt, sondern auch viele lehrreiche Themen anschneidet, interessante Charaktere einführt und viele witzige Momente präsentiert.