14. September 2012

Der kleine Vampir auf dem Bauernhof - Angela Sommer-Bodenburg

Produktinfos:

Ausgabe: 1983
Seiten: 121
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Die Autorin:

Angela Sommer-Bodenburg wurde 1948 bei Hamburg geboren und lebt seit 1992 in Kalifornien. Bisher sind über 40 Bücher von ihr erschienen, darunter Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und Bilderbücher. Ihre Werke wurden in 27 Sprachen übersetzt. Weitere Gruselbücher von ihr neben der Reihe um den kleinen Vampir sind z.B. "Die Moorgeister" und "Wenn du dich gruseln willst". Eine weitere, sehr erfolgreiche Buchserie ist die Reihe um den sprechenden Bernhardiner "Schokolowski".

Hintergrund der Reihe:

Der achtjährige Anton ist ein Vampirfan und liebt gruselige Bücher. Sein bester Freund ist Rüdiger, ein echter kleiner Vampir, der eines Abends auf seinem Fensterbrett saß. Da Rüdiger selbst noch ein Kind ist, freundeten sich die beiden rasch an. Auch Rüdigers kleine Schwester Anna steht Anton sehr nah. Antons Eltern jedoch glauben nicht an Vampire, daher müssen sie sich in ihrer Gegenwart als Menschen ausgeben und ihre nächtlichen Ausflüge mit Anton geheim halten.

Inhalt:

Anton verbringt mit seinen Eltern den Urlaub auf einem Bauernhof in Klein-Oldenbüttel. Da Anton schon im Vorfeld ahnte, dass ihn das langweilen würde, hat er dafür gesorgt, dass sein bester Freund Rüdiger in die Ferien begleitet. Gemeinsam haben sie den Sarg des kleinen Vampirs mit dem Zug hierher gebracht und Rüdiger hat ihn in einem Winkel der Scheune versteckt.

Die Bauersleute Herr und Frau Hering heißen Familie Bohnsack herzlich willkommen. Auch zwei Kinder gibt es hier, die in Antons Alter sind. Herbert ist nicht so sehr Antons Fall, da der sich nur für Ritter interessiert. Johanna ist allerdings ein sehr nettes, hübsches Mädchen - aber Anton traut sich nicht, zu engen Kontakt aufzubauen, da er sich sonst nicht mehr heimlich mit Rüdiger treffen kann.

Rüdiger hat ohnehin einige Schwierigkeiten, sich auf dem Bauernhof mit all den Tieren einzuleben. Richtig schwierig wird es aber erst, als der Dorfarzt Dr. Stöbermann auftaucht. Als er von Antons Vampir-Interesse hört, reagiert er sehr aufmerksam. Tatsächlich ist Stöbermann ein passionierter Vampirjäger und er ahnt, dass Anton einen richtigen Vampir zum Freund hat ...

Bewertung:

Generell spielt die Reihenfolge der Vampir-Bände eine gewisse Rolle, da die Bände aufeinander aufbauen, dieser Band hängt aber besonders eng mit seinem Vorgänger zusammen - im dritten Band "Der kleine Vampir verreist" spielt sich nämlich die Vorgeschichte ab. Im dritten Band erfuhr Anton von dem anstehenden Urlaub und beschloss mit Rüdiger, dass der kleine Vampir ebenfalls dorthin reist. Zufällig möchte Rüdiger ohnehin gerne die heimatliche Gruft verlassen, denn dort ist Jörg der Aufbrausende zu Besuch - ein Freund von Rüdigers älterem Bruder Lumpi, der gerade wegen eines Zwischenfalls gar nicht gut auf Rüdiger zu sprechen ist und der Bauernhof in Klein-Oldenbüttel bietet für Rüdiger eine willkommene Zuflucht vor dem streitsüchtigen Jörg.

Aber natürlich ist ein Landurlaub mit einem Vampir alles andere als entspannend. Tagsüber muss Anton mit seinen Eltern für ihn recht langweilige Wanderungen unternehmen, nachts stehen aufregende Abenteuer mit Rüdiger an. Bei Anton zuhause ist es leichter, diese nächtlichen Ausflüge zu verbergen - da gehen seine Eltern schließlich regelmäßig am Samstagsabend aus. Auf dem Bauernhof aber schlafen sie gleich nebenan und es ist für Rüdiger gar nicht einfach, sich heimlich davonzustehlen. Dazu kommt, dass die Bauernhofkinder Herbert und Johanna gern mit ihm spielen wollen und sie ihn natürlich auf keinen Fall zusammen mit Rüdiger erwischen dürfen. Brisant ist auch, dass Rüdigers Sarg in der Scheune zwar recht gut versteckt ist - aber Anton hat doch Sorge, dass Herbert und Johanna zufällig darauf stoßen könnten. Richtig gefährlich wird es dann, als der Dorfarzt Stöbermann die Bühne betritt. Anton mag den Mann mit dem stechenden Blick von Anfang an nicht. Dann aber erkennt er, dass Stöbermann wie er an Vampire glaubt, mit dem Unterschied, dass er sie jagt und endlich einmal einen fassen will. Zuhause ist es der Friedhofswärter Geiermeier, der Rüdiger und seine Familie regelmäßig jagt, ironischerweise haben Anton und Rüdiger nun auch im Urlaub keine Ruhe diesbezüglich. Stöbermann ist eine richtig unheimliche Figur und es gibt einige äußerst brenzlige Situationen, die für viel Spannung sorgen - man darf ruhig verraten, dass es für Rüdiger in diesem Band wohl so gefährlich wird wie sonst nie.

Humorvoll geht es aber natürlich auch in diesem Band zu. Witzig ist beispielsweise, als Anton, der an sich mit dem Bauernhofurlaub gar nichts anfangen kann, ganz ergriffen vom Anblick des Babylamms ist. Es ist ihm aber furchtbar peinlich gegenüber seinen Eltern und der Bäuerin, weshalb er sich trotzig abwendet, anstatt es zu streicheln. Als der hungrige Rüdiger ihn später nach Tieren fragt, die er "anzapfen" kann, fällt Anton sofort wieder das niedliche Lämmchen ein und er lenkt seinen Vampirfreund schnell zum Hühnerstall. Rüdiger hat insgesamt aber seine liebe Not mit den Bauernhoftieren, denn selbst die Hühner sind alles andere als leichte Beute, sondern erweisen sich in der großen Zahl als biestige Gegner. Ganz zu schweigen von einem seltsamen Tier, das in der Nacht einen markerschütternden Schrei ausstößt, der Rüdiger in Panik versetzt - bis er gemeinsam mit Anton schließlich herausfindet, was sich dahinter verbirgt. Niedlich ist auch das Interesse, das Anton an Johanna zeigt, auch wenn er es sich nicht eingestehen mag - auch Johanna scheint ihn mehr als nur nett zu finden, alles auf eine kindlich-unschuldige Art natürlich. Das ist für Anton besonders verwirrend, weil er ja nur zu gut weiß, dass Rüdigers kleine Schwester Anna sehr für ihn schwärmt, die noch dazu einmal zu Besuch kommt und prompt eifersüchtig reagiert. Das Landleben wird in diesem Band durchaus reizvoll geschildert, Anton fühlt sich auf dem Bauernhof tatsächlich wohler als er zuvor dachte.

Fazit:

Ein sehr gelungener Band aus der Reihe, der mit viel Spannung, aber auch durch Witz überzeugt. Negativ ist einzig, dass der Band zuvor recht wichtig für die Handlung ist und der Einstieg ohne Kenntnis dessen vielleicht anfangs etwas verwirrt. Das fällt aber kaum ins Gewicht und so bleibt ein sehr empfehlenswertes Kinderbuch für kleine Vampirfreunde.

Bibi Blocksberg - Das gestohlene Hexenkraut

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Inhalt:

Bibi bekommt Besuch von Karla Kolumna. Karla ist schwer erkältet und wollte eigentlich Bibis Mutter um den sensationellen Kräutertrunk bitten, der ihr bei der letzten Erkältung so gut geholfen hat. Barbara Blocksberg ist allerdings gerade verreist, zum Hexenkongress auf Honolulu.

Bibi ist überzeugt, dass sie Karla Kolumna genauso gut helfen kann. Ans Kräuterbuch darf sie schließlich gehen, und sie soll ja sogar die Kräuterhexereien üben. Bibi schlägt nach und braut einen Trunk aus Lindenblüten, Leberblümchen, Liebstöckel, Löwenzahn und Lungenkraut. Auf Karlas Rat gibt Bibi auch noch das gute Hustenhausmittel Rettich hinzu. Karla bedankt sich und nimmt den heißen Trank mit zu ihrem Termin beim Bürgermeister.

Der Bürgermeister ist genauso erkältet wie Karla. Sie gibt ihm etwas von dem Erkältungstrunk ab. Schon nach kurzer Zeit wirkt die Medizin tatsächlich, und die beiden sind gesund - doch leider haben sie plötzlich auch einen Sprachfehler. Karla und der Bürgermeister sprechen auf einmal jedes R wie ein L aus. Das ist eine Katastrophe, denn heute Abend wird großer Besuch in Neustadt erwartet, der Maharadscha von Wischnipur. Der Bürgermeister muss eine Rede halten und Karla für den Rundfunk moderieren. Und leider braucht Bibi für die Heilung ein ganz bestimmtes Kraut, das offenbar gestohlen wurde ...

Bewertung:


Wenn Bibi es gut meint mit einer Hexerei, geht leider ab und zu etwas schief - das kennt man schon aus vielen anderen Bibigeschichten. Diese Folge weckt Erinnerungen an "Die Zauberlimonade", wo alle Betroffenen, darunter auch der Bürgermeister, ein I an jedes Wort hängen mussten. Auch Geschichten, in denen eine versehentliche Hexerei nur auf komplizierte Weise wieder rückgängig gemacht werden kann, gibt es in der Bibireihe so einige, etwa "Verhexte Weihnachten" oder "Der Superhexspruch" - ein Abklatsch dieser älteren Geschichten ist diese Episode aber keineswegs. Es ist zudem eine der wenigen Geschichten, in denen Bibis Eltern nicht dabei sind, stattdessen sind aber mit Mania und Amanda zwei andere erfahrene Hexen mit von der Partie, und das ist eine gelungene Abwechslung. Nebenbei spielt die Folge auf die Benjamin-Blümchen-Folge "Benjamin und Bibi in Indien" an, denn hier ist der Maharadscha dabei, den die beiden damals kennen lernten.

Es gibt sicher Bibi-Geschichten, die noch ein bisschen dramatischer sind als diese hier, man denke nur daran, wie in "Der Hexenfluch" die Welt im ewigen Schnee zu erfrieren drohte. Aber dennoch ist es eine spannende Situation, in der dringend etwas geschehen muss. Der Bürgermeister und Karla können unmöglich mit ihrem Sprachfehler eine Rede halten bzw moderieren, ohne sich zu blamieren. Dem oft egoistischen und selbstgefälligen Bürgermeister gönnt man vielleicht einen kleinen Reinfall, aber der liebenswerten Karla Kolumna natürlich nicht. Daher ist es keine Frage, dass Bibi dringend den Fehler wieder beheben muss. Bibis Mutter ist zwar nicht erreichbar, aber dafür helfen ihr Amanda und die Althexe Mania. Beides sind wunderbare Nebenfiguren, die immer für ein besonderes Flair sorgen. Amanda, gesprochen von der leider verstorbenen Barbara Ratthey mit der markanten heiseren Stimme, ist durch und durch sympathisch, hat trockenen Humor und ist immer hilfsbereit. Mania, wunderbar von der leider auch verstorbenen Tilly Lauenstein gesprochen, ist da schon spezieller, sie ist den Junghexen eine strenge Lehrerin, reagiert oft etwas unwillig und gibt bissige Kommentare ab - aber sie ist im Grunde ihres Herzens doch eine liebenswerte Figur. Mania weiß natürlich auch, was zu tun ist. Ein Gegentrank muss her, doch das dazu notwendige Rosenöl fehlt. Jemand hat es gestohlen - und zwar nicht nur Manias Rosenöl, sondern auch überall sonst ist es verschwunden. Die Handlung ist durchweg spannend, weil ständig etwas Neues geschieht, viele Charaktere mitmischen und sogar eine neue Hexe eingeführt wird.

Daneben ist die Folge auch noch sehr witzig. Gut, der Sprachfehler mit einem L statt einem R geht einem vielleicht beim wiederholten Hören etwas auf die Nerven - doch auch da gibt es Szenen, die immer lustig bleiben, etwa wenn Karla von ihrem "Motollollel" spricht oder Bibi nach einer versuchten Hexerei den Bügermeister bittet, "Riesenrad" zu sagen, und er mit Grabesstimme "Liesenlad" haucht. Auch die Kabbeleien zwischen Bürgermeister und Karla bzw Herrn Pichler sind gelungen, nicht zu vergessen Manias knapper Kommentar über die angebliche Schönheitswirkung des Rosenöls: "Bei mir hats nicht funktioniert."

Lehrreich ist die Geschichte am Rande auch: Es wird thematisiert, dass auch kleine Fehler manchmal eine große Wirkung haben können und man gerade bei der Medizin sich an die Vorgaben halten sollte - auch wenn es im richtigen Leben natürlich zu anderen Folgen und nicht zu einem Sprachfehler kommt. Aber Kinder begreifen, dass es ungeahnte Folgen haben kann, wenn man wie Bibi eine kleine Unaufmerksamkeit begeht. Zudem wird gezeigt, dass Schönheit niemals das Wichtigste im Leben sein sollte. Auszusetzen gibt es an dieser Folge so gut wie nichts - sie ist lustig und aufregend zugleich, es gibt viel Hexerei und gelungene Nebenfiguren. Einen winzigen Logikfehler gibt es allerdings - man fragt sich unwillkürlich, warum nur Barbara auf diesem geheimen Hexenkongress ist und nicht Amanda oder zumindest Mania, die schließlich die älteste und beste Hexe weit und breit ist.

Fazit:

Sehr gelungene Folge mit viel hexischem Flair, einer spannenden Handlung und dazu noch witzig. Kindgerecht gemacht und sehr unterhaltsam, ohne Mängel.

Sprechernamen:

Bibi: S. Bonasewicz
Amanda: B. Ratthey
Mania: T. Lauenstein
Karla Kolumna: G. Fritsch
Bürgermeister: H. Giese
Herr Pichler: W. Herbst

Urmel fliegt ins All - Max Kruse

Produktinfos:

Ausgabe: 1995
Seiten: 158
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Der Autor:

Max Kruse ist einer der bekanntesten deutschen Kinderbuchautoren. Er wurde 1921 geboren. Seine Mutter ist die Schöpferin der Käthe Kruse Puppen. Seit 1958 widmet er sich der Schriftstellerei. Neben zahlreichen Kinderromanen verfasste er auch Reisebücher über Asien und Ägypten. Weitere bekannte Buchreihen von ihm sind u.a. "Lord Schmetterhemd", "Der Löwe ist los" und "Don Blech". Viele seiner Werke wurden von der Augsburger Puppenkiste verfilmt. http://www.max-kruse-urmel.de/

Vorgeschichte:

Auf der sonnigen Insel Titiwu leben Professor Habakuk Tibatong und sein Ziehjunge Tim Tintenklecks friedlich mit einer Gruppe Tieren, denen der Professor das Sprechen beigebracht hat. Um seinen Forschungen ungestört nachzugehen, hat er sich aus der Stadt Winkelberg auf die Insel zurückgezogen. Fehlerfrei spricht allerdings nur das mütterlich-energische Hausschwein Wutz, alle anderen Tiere besitzen einen kleinen Sprachfehler: Der freche Ping Pinguin, sein bester Freund Wawa, der Waran, der vorlaute Schuhschnabel Schusch und der melancholische See-Elefant Seele-Fant. Eines Tages strandet ein riesiges Ei auf der Insel, aus dem das Urmel schlüpft - ein saurierähnliches Wesen, das die Urzeit überdauert hat. Auch das Urmel lernt sprechen und muss von nun an besonders geschützt werden, damit es niemand einfängt - was schwierig ist, denn das Urmel hat vor allem Unsinn im Kopf.

Inhalt:

Eines Nachts ertönen auf der Insel Titiwu merkwürdige Geräusche und tags darauf finden sich unerklärliche Spuren. Des Rätsels Lösung ist ein Raumschiff vom Planeten Futura. Der Außerirdische ist ein freundliches, zierliches Männchen mit einem überdimensionalen Kopf. Er stellt sich als Otto vor, der der Neschnem-Rasse angehört, einer weiterentwickelten Menschenform. Die Neschnem sprechen die menschliche Sprache rückwärts, aber ein Übersetzungs-Computer sorgt für reibungslose Verständigung zwischen ihm und den Titiwu-Bewohnern.

Neschnem-Kopf Otto möchte den Professor und die anderen Inselbewohner zu einem Besuch auf Futura einladen. Durch seine Nachforschungen weiß er, dass der Professor mit seinem Forscherdrang und seiner zugleich diskreten Art ideal geeignet ist. Außerdem will man auf Futura natürlich das Urmel sehen. Der Professor ist begeistert und schon bald fliegen er, Tim Tintenklecks, Urmel und die skeptische Wutz, Schusch, Wawa und Ping Pinguin nach Futura, mit einem kurzen Zwischenstopp auf dem Mond.

Futura ist eine weiterentwickelte Form der Erde. Die Neschnem-Köpfe sind alle, wie Otto, überaus intelligent, dafür körperlich recht schwach. Zahlreiche Roboter und Maschinen übernehmen die meisten Arbeiten. Aus Umweltliebe ernähren sie sich von Tabletten statt von Tieren oder Pflanzen. Es gibt allerdings auch noch die Rasse der Neschnem-Bäuche. Bei ihnen ist der Kopf unterentwickelt, dafür haben sie einen riesigen Bauch. Sie sind dumm, aber reich durch das Erbe ihrer Vorfahren und gefräßig. Otto und seine neuen Freunde ahnen nicht, dass es speziell zwei der Neschnem-Bäuche auf das leckere Fleisch von Urmel und Wutz abgesehen haben, da sie die Fleischersatz-Produkte leid sind und einen teuflischen Plan schmieden ...

Bewertung:


Der zweite Urmel-Band ist einer der abenteuerlichsten, schließlich spielt er auf einem fernen Planeten. Dazu kommt, dass er auch einer der dramatischsten ist, denn Urmel und Wutz werden ganz konkret bedroht und entkommen nur knapp dem Kochtopf. Die Reise durchs Weltall ist für Kinder eine sehr aufregende Lektüre und zugleich auch ein wenig lehrreich. Am Rande wird etwa die Schwerkraft thematisiert, die Tatsache, dass sich die Erde um die Sonne dreht, auch wenn es einem umgekehrt vorkommt und Kinder verstehen, was es damit auf sich hat und warum Astronauten Raumanzüge tragen müssen. Auch über den Mond gibt es ein paar Informationen und die Suche nach dem dort plötzlich verschwundenen Urmel sorgt für einen ersten dramatischen Höhepunkt.

Die Idee des Planeten Futura ist charmant. Die Neschnem-Köpfe sind eine friedliche Rasse, hochintelligent, bescheiden und immer dabei, neue technische Errungenschaften zu entwickeln. Otto ist eine liebenswerte Figur und von Anfang an eine Vertrauensperson. Die Schilderung von Futura liest sich amüsant und erinnert ein wenig an die Zeichentrickserie "Die Jetsons". Die Bewohner müssen kaum noch die Häuser verlassen und reisen mit fliegenden Untertassen umher, Roboter wie die zweiköpfige, sechsarmige Haushälterin Annim erledigen alle Hausarbeiten.

Parallel zu den Erkundungen der Titiwu-Bewohner schaltet die Handlung immer wieder zu dem Neschnem-Bauch-Ehepaar Boban und seiner Gattin Arabrab. Die beiden verbringen ihre Zeit vor allem damit, in überdimensionalen Sesseln zu liegen und dabei zu essen und fernzusehen. Als sie von der baldigen Ankunft der Titiwu-Bewohner erfahren, der alle auf Futura entgegenfiebern, kommt Ober-Bauch Boban ein teuflischer Gedanke: Er sehnt sich schon seit langem nach einem köstlichen Braten, ganz in dem Stil, den er zuletzt als Kind aß. Die Nahrung auf Futura wird künstlich hergestellt, Nutzvieh gibt es nicht mehr, allenfalls nur noch Schoßtiere. Sehr schön ist die kleine Lehre des Buches, dass man sich nicht auf Äußerlichkeiten und Oberflächlichkeiten bei seinem Urteil verlassen soll. Während alle anderen Otto sofort mögen, ist Wutz misstrauisch - allerdings wegen ziemlich oberflächlicher Gründe. Wutz ist eine Genießerin, der Essen sehr wichtig ist und dass Otto sich nur von Tabletten ernährt, findet sie äußerst merkwürdig. Für sie ist jemand, der so vergeistigt lebt nicht gerade vertrauenswürdig. Umgekehrt ist es Boban und seiner Gattin ein Leichtes, Wutz in die Falle zu locken und sie zu umschmeicheln. Leidenschaftliche Esser, die obendrein noch in Reichtum schwelgen und sich mit luxuriösen Kleidern und Schmuck umhüllen, sind ihr sofort sympathisch, ohne dass sie deren Charaktere weiter hinterfragt, mit fatalen Folgen.

Zu bemängeln gibt es an diesem Band kaum etwas. Wer den ersten Teil noch nicht gelesen hat, muss allerdings aufpassen, denn in den ersten Kapiteln werden mehrmals Anspielungen auf den Ausgang von Band 1 gemacht und können das Lesevergnügen trüben - also besser nicht mit diesem Band einsteigen, auch wenn es erst der zweite ist. Was vielleicht ein bisschen dick aufgetragen ist, ist die Schwarz-Weiß-Malerei. Es erscheint, als seien grundsätzlich alle Neschnem-Köpfe freundlich und anständig und alle Neschnem-Bäuche gefräßig und dumm. Eine Ausnahme bildet nur die kleine Tochter Alol von Boban und Arabrab, die viel lieber ein Kopf-Kind wäre. Zur Enttäuschung ihrer Eltern will sie nicht wirklich Fett ansetzen und beschäftigt sich am liebsten mit Büchern. Anhand von Alol sieht man zwar, dass die Neschnem nicht hundertprozentig an ihre Herkunft gebunden sind, aber sie ist eher die Ausnahme, die die Regel bestätigt und das macht die Einteilung in die "guten Köpfe und die bösen Bäuche" etwas zu simpel - auch wenn es am Ende, so viel sei gesagt, durchaus offensichtlich wird, dass man sich noch ändern kann.

Fazit:

Ein sehr schönes Kinderbuch für die Zielgruppe Grundschüler, das vor allem durch Humor und gelungene Charaktere besticht. Die Handlung ist zudem spannend und führt durch den Weltraum, ist auch etwas lehrreich und hat nur kleine Schwächen, die kaum ins Gewicht fallen.

11. September 2012

Die Insel der tausend Quellen - Sarah Lark

Produktfakten:

Ausgabe: 2011, Bastei Lübbe
Seiten: 704
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Die Autorin:

Sarah Lark heißt eigentlich Christiane Gohl und wurde 1958 geboren. Sie arbeitete als Journalistin und züchtet Pferde. Unter ihrem richtigen Namen schreibt sie Kinder- und Jugendbücher, unter Sarah Lark und Ricarda Jordan Historienromane. bekannte Werke sind Das Lied der Maori, Der Ruf des Kiwis und Im Schatten des Kauribaums.

Inhalt:


London, 1732: Die siebzehnjährige Nora Reed ist das einzige Kind des reichen, verwitweten Kaufmanns Thomas Reed und wächst in behüteten Verhältnissen auf. Als kluge und attraktive junge Frau wäre sie eine ideale Partie für zahlreiche Gentlemen der Londoner Gesellschaft - doch sie liebt den verarmten Adligen Simon Greenborough, der als Schreiber im Kontor von Noras Vater arbeitet. Nora hofft, dass ihr Vater, der Zuckerrohr, Tabak und Baumwolle importiert, in den Kolonien eine Zweigstelle eröffnet und dass sie und Simon dort leben können. Mr. Reed ahnt lange nichts von der heimlichen Liebschaft, bis Simon um Noras Hand bittet, was er rundheraus ablehnt.

Wenig später stirbt Simon an Schwindsucht und Nora ist verzweifelt. Auch zwei Jahre nach seinem Tod kann sie ihren Liebsten nicht vergessen. Noch immer träumt sie oft von den Kolonien, wo sie mit Simon leben wollte. Schließlich geht sie eine Vernunftehe mit dem deutlich älteren Zuckerrohrpflanzer Elias Fortnam ein und geht mit ihm auf dessen Plantage nach Jamaika.

Nora verliebt sich sofort in das Land und fühlt sich in diesem neuen exotischen Leben wohl. Allerdings hat sie große Probleme mit der Sklaverei und ist entsetzt über die Bedingungen, unter denen die Sklaven leben. So gut es geht bemüht sie sich, ihnen das Los zu erleichtern - doch sie merkt mehr und mehr, dass ihr Ehemann wenig Verständnis für das Schicksal der Sklaven zeigt. Unterstützung erhält sie dagegen von Elias' erwachsenem Sohn Douglas, der nach seinem Studium in Europa nach Jamaika heimkehrt. Und gegen ihren Willen fühlt sich Nora auch zu ihm hingezogen ...

Bewertung:


Bislang galt die deutsche Autorin mit dem Pseudonym Sarah Lark als Spezialistin für Neuseeland-Romane, hier widmet sie sich einem Kapitel der Geschichte Jamaikas. Es sei vorweggenommen, dass es sich hier in erster Linie um einen Liebesroman handelt, der in eine historische Kulisse versetzt wird - es ist kein sonderlich tiefgründiges Werk und gerade der historische Aspekt bleibt eher an der Oberfläche. Ist man damit aber zufrieden, erwartet den Leser eine durchaus kurzweilige und spannende Lektüre.

Sehr angenehm ist, dass es kein komplett striktes Schwarz-Weiß-Schema bei den Charakteren gibt - ausgenommen Nora natürlich, die durchweg eine Sympathiefigur ist. Elias Fortnam ist anfangs durchaus kein unangenehmer Zeitgenosse. Er macht sich keine Illusionen darüber, dass Nora ihn lieben könnte, er drängt zu ihrer Erleichterung nicht sofort auf Kinder und sie teilen beide die Liebe zu Jamaika bzw den Ländern der Kolonien im Allgemeinen - und es scheint daher zunächst nicht ausgeschlossen, dass sie auf einer freundschaftlichen Ebene verbunden sein können. Auf Jamaika allerdings zeigt Elias auch seine unangenehmen Seiten, bis man schließlich kaum anders kann als ihn zu hassen. Eine sehr reizvolle Figur ist das Sklavenmädchen Máanu, das Noras persönliche Zofe wird. Máanu ist anfangs sehr verstockt und mürrisch und zeigt offen ihren Hass gegenüber den Weißen. Nora gelingt es nach und nach, das Vertrauen des Mädchens zu gewinnen und zu zeigen, dass sie ganz anders denkt als die allermeisten Weißen auf Jamaika.

Dann jedoch interpretiert Máanu eine Situation falsch und fühlt sich von ihrer Herrin verraten, Nora wiederum ahnt nicht, was Máanu heimlich gesehen hat und glaubt - daraus ergibt sich die spannende Frage, ob sich Máanu für den angeblichen Verrat rächen wird. Dann ist da noch der Feldsklave Akwasi, als Kind für Doug wie ein Bruder, ehe er sich von seinem weißen Freund verraten fühlte. Akwasi verliebt sich auf den ersten Blick unsterblich in Nora und verzweifelt an diesen verbotenen Gefühlen. Auch hier ist nicht gleich zu Beginn festgelegt, wie sich das Verhältnis zwischen Akwasi und Nora entwickeln wird, ob Akwasi irgendwann Vernunft zeigt oder ob er seine Gefühle mit Gewalt
durchsetzen will.

An Dramatik wird in der Handlung gewiss nicht gespart. Die ersten hundert Seiten widmen sich zunächst Noras Leben in London und ihrer Liebe zu Simon. Es ist sehr anrührend, wie die beiden Liebenden naiv von einer Zukunft unter Palmen in den Kolonien träumen und wie vor allem Nora nicht davon abzubringen ist, dass ihr Vater die Einwilligung früher oder später geben wird. Als Simon erkrankt, reißt Nora von zuhause aus und pflegt ihn in seiner ärmlichen Kammer bis zu seinem Tod - diese Szenen lassen wohl kaum jemanden kalt.

Die historischen Darstellungen werden etwas vereinfacht dargestellt, dennoch bietet der Roman recht gelungene Einblicke in die Sklaverei im 18. Jahrhundert. Interessant ist vor allem, dass sich immer wieder zeigt, dass die Sklaven selbst untereinander alles andere als homogen sind. Nora begreift, was sie vorher nicht bedacht hat nämlich dass Afrika ein gewaltiger Kontinent mit zahlreichen verschiedenen Staaten ist und die Sklaven daher aus unterschiedlichen Regionen und Stämmen stammen. Sie sprechen daher verschiedene Sprachen und können sich meist nur über das gebrochene Pidgin-Englisch verständigen, auch ihre Religionen und Bräuche unterscheiden sich teilweise stark. Das gemeinsame Schicksal, aus Afrika verschleppt worden zu sein, garantiert keine Bindung, auch unter den Sklaven gibt es Rivalitäten und Meinungsverschiedenheiten. Nora wird vor allem mit den Dogon und den Aschanti konfrontiert und immer wieder muss sie Unterschiede in deren Lebenseinstellungen und Kulturen feststellen.

Eine herausstechende Schwäche gibt es zwar nicht, dafür mehrere kleinere. Beispielsweise gibt es eine Wendung, die der Leser schon weit vor der Enthüllung erahnt und bei der vor allem Nora zu naiv erscheint und trotz aller Indizien überrascht wird. Manchmal stören die Zeitsprünge von bis zu mehreren Jahren, die die Handlung etwas oberflächlich machen, weil dementsprechend viele Ereignisse nur kurz zusammengefasst erzählt werden. An manchen Stellen spielt der Zufall ein bisschen zu sehr hinein und der gesamte Roman wirkt ein bisschen unrealistisch, zu dramatisch an anderen Stellen und zu einfach und vorhersehbar lösen sich dann wiederum andere Begebenheiten. Wenn die Erwartungen aber nicht zu hochgesteckt sind, ist er sehr unterhaltsam und macht durchaus neugierig auf den Nachfolgeband.

Fazit:

Ein kurzweiliger Roman, der ins Jamaika des 18. Jahrhunderts entführt und gut zu unterhalten versteht. Die weibliche Hauptfigur ist sympathisch, die Handlung hat keine Längen, ist teils spannend und teils bewegend, dabei flüssig geschrieben. Allerdings ist der Roman nicht besonders tiefgründig und manchmal zu naiv und vorhersehbar.

7. September 2012

Bibi und Tina - Das sprechende Pferd

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Inhalt:

In Falkenstein geht ein Pferdedieb um - gerade wurde bereits das dritte Pferd innerhalb einer Woche gestohlen. Tina ist sicher, dass Holger gut genug aufpasst, damit dem Martinshof nichts passieren kann - aber Bibi will auf Nummer sicher gehen. Daher hext sie einen Hexenring. Anschließend reiten die beiden Mädchen zum Schloss, um vielleicht Neuigkeiten über die Diebstähle zu erfahren - schließlich wurde auch die Lieblingsstute des Grafen beinah gestohlen.

Bereits auf dem Weg dorthin treffen sie Alex. Alex erzählt, dass der Graf zum Schutz der wertvollen Araber einen Expolizisten als Wächter eingestellt hat. Noch interessanter ist aber seine Neuigkeit zu dem "sprechenden Pferd" Miraculus, das beim Schloss steht. Miraculus ist ein altes Zirkuspferd, das Alexanders Vater noch aus seiner Kindheit kannte und das nun seine letzten Jahre in Ruhe verbringen soll.

Bibi und Tina sind sehr neugierig auf Miraculus. Wie sich herausstellt, kann der Araber nicht wirklich sprechen - aber er kann mit einem Trick Rechenaufgaben lösen: Der einstige Besitzer hat ihm Geheimzeichen beigebracht, und Miraculus konnte die richtige Zahl durch Hufeklopfen angeben. Leider weiß niemand, wo der verstorbene Clown Beppo seine Aufzeichnungen über die geheimen Zeichen gelassen hat. Bibi, Tina und Alex hoffen, dass sie Miraculus doch noch zum "Sprechen" bekommen - unterdessen schlägt jedoch der Pferdedieb wieder zu ...

Bewertung:


Ein sprechendes Pferd hört sich natürlich nach einer besonders originellen Folge an - auch wenn es nicht das erste Mal wäre, dass Bibi Tiere dazu bringt, dass sie kurze Zeit sprechen können. Das gab es schon in "Der Bankräuber" sowie in der Doppelfolge "Der Reiterhof". Aber schon bald stellt sich heraus, dass man es hier mit dem Sprechen nicht wörtlich nehmen darf. Miraculus kann lediglich auf geheime Zeichen hin scheinbar Matheaufgaben lösen und ist somit einfach ein gelehriges Zirkuspferd, aber kein Wundertier. Das ist sicher ein bisschen enttäuschend für so manchen Hörer, der mit etwas anderem gerechnet hat - es kommt unweigerlich der Verdacht auf, dass hier mit einem spektakulären Titel gelockt werden sollte.

An sich ist die Handlung der Geschichte trotzdem nicht arm an interessanten Geschehnissen - schließlich geht ein Pferdedieb in Falkenstein um. Besonders spannend wird es kurzzeitig, als die Mädchen an Beppos alte Briefe, Fotos und sein Tagebuch stoßen. Schön ist auch, dass der Graf hier längst nicht so arrogant wie sonst häufig auftritt, sondern sehr sympathisch. Es ist geradezu rührend, dass er sich so um das alte Zirkuspferd kümmert und ihm einen entspannten Lebensabend bereiten will, daran zeigt sich, dass er wirklich einen weichen Kern hat. Allerdings wird die Geschichte sehr schnell ziemlich vorhersehbar. Wer hinter den Pferdediebstählen steckt, erraten auch Kinder ohne Probleme. In der zweiten Hälfte der Geschichte lassen sich die weiteren Geschehnisse auch sehr leicht erahnen. Nicht ganz optimal auch, dass zwei Hexsprüche die Mädchen bei der Detektivarbeit unterstützen, viel überlegen müssen sie dabei nicht gerade.

Einen Logikfehler hat die Folge außerdem, der allerdings nur denen auffällt, die sich mit der Reihe gut auskennen: Es spielt ein Trödler aus Rotenbrunn mit, der allerdings offenbar nicht mit dem Trödel-Hannes identisch ist, der in den Folgen "Der Liebesbrief" und "Der fliegende Sattel" als sympathische Nebenfigur dabei war. Da Bibi und Tina ihn kennen, könnte man zunächst meinen, es ist der Trödel-Hannes mit einer neuen Stimme. Dazu passt aber wiederum nicht, dass er Bibi und Tina erst zögerlich erkennt, während der Trödel-Hannes regelmäßig auf dem Martinshof ein und aus geht. Selbst wenn der Hannes-Sprecher möglicherweise nicht mehr zur Verfügung stand, da er auch nicht mehr der Jüngste ist, wäre es für die Hörer, die ihn noch kennen, nett gewesen, kurz zu erwähnen, dass es sich hier um einen anderen Händler handelt. Es bleibt letztlich unklar, ob dieser Händler nun Hannes sein soll oder nicht. So oder so macht dieser Sprecher seine Sache zwar nicht schlecht, kommt aber nicht an den Charme des originalen Trödel-Hannes heran.

Fazit:


Eine solide, aber nicht überdurchschnittliche Folge. Der Titel ist ein bisschen missverständlich, die Handlung zeitweise viel zu vorhersehbar. Dennoch ist die Geschichte recht unterhaltsam und generell hörenswert, wenn man keine zu hohen Erwartungen hat, denn es gibt einige bessere Folgen in der Serie.

Sprechernamen:

Bibi Blocksberg - Susanna Bonasewicz
Tina Martin - Dorette Hugo
Graf von Falkenstein - Eberhard Prüter
Alexander - Sven-Jürgen Hasper
Dieter Dreyfuß - B. Schramm
Trödler - H. Müller-Lankow
Erzähler - Joachim Nottke