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3. Oktober 2012

Urmel taucht ins Meer - Max Kruse

Produktinfos:

Ausgabe: 1970
Seiten: 198
Amazon
* * * * *

Der Autor:

Max Kruse ist einer der bekanntesten deutschen Kinderbuchautoren. Er wurde 1921 geboren. Seine Mutter ist die Schöpferin der Käthe Kruse Puppen. Seit 1958 widmet er sich der Schriftstellerei. Neben zahlreichen Kinderromanen verfasste er auch Reisebücher über Asien und Ägypten. Weitere bekannte Buchreihen von ihm sind u.a. "Lord Schmetterhemd", "Der Löwe ist los" und "Don Blech". Viele seiner Werke wurden von der Augsburger Puppenkiste verfilmt. http://www.max-kruse-urmel.de/

Vorgeschichte:

Auf der sonnigen Insel Titiwu leben Professor Habakuk Tibatong und sein Ziehjunge Tim Tintenklecks friedlich mit einer Gruppe Tieren, denen der Professor das Sprechen beigebracht hat. Um seinen Forschungen ungestört nachzugehen, hat er sich aus der Stadt Winkelberg auf die Insel zurückgezogen. Fehlerfrei spricht allerdings nur das mütterlich-energische Hausschwein Wutz, alle anderen Tiere besitzen einen kleinen Sprachfehler: Der freche Ping Pinguin, sein bester Freund Wawa, der Waran, der vorlaute Schuhschnabel Schusch und der melancholische See-Elefant Seele-Fant. Eines Tages strandet ein riesiges Ei auf der Insel, aus dem das Urmel schlüpft - ein saurierähnliches Wesen, das die Urzeit überdauert hat. Auch das Urmel lernt sprechen und muss von nun an besonders geschützt werden, damit es niemand einfängt - was schwierig ist, denn das Urmel hat vor allem Unsinn im Kopf. Beinah wäre es vom neugierigen Jagdfreund König Pumponell erschossen worden, doch der König kam zum Glück zur Besinnung und gehört nun zu den engsten Freunden der Titiwu-Bewohner.

Inhalt:


An einem besonders heißen Tag beschließt das Urmel, es Ping Pinguin gleichzutun und auch ins Wasser zu tauchen. Dabei stellt sich heraus, dass das Urmel fantastisch schwimmen und tauchen kann. Der Professor schließt daraus, dass es eng mit den Wasserlebewesen verwandt sein muss. Er arbeitet derweil an einer Taucherpille, die ermöglichen soll, stundenlang unter Wasser zu bleiben. Mit Hilfe der Pille will er zur Krabbe in die unterirdische Höhle vordringen und ihr Geheimnis erkunden. Auch Wutz ist schwer beschäftigt, den sie hat ihr schriftstellerisches Talent entdeckt und will schreiben lernen.

Kurz darauf sieht Seele-Fant im Meer seltsame Gestalten, die wie Meeresungeheuer aussehen und entfernt an das Urmel erinnern. Der Professor ahnt, dass die jahrhundertealte Krabbe ihm sicher darüber etwas erzählen könnte. Endlich ist die Tauchertablette fertig entwickelt und er wagt sich in die Höhle. Dank der Intelligenztropfen, die schon den anderen Tieren zum menschlichen Verstand verhalfen, lernt die Krabbe mangels Sprechmöglichkeit in mühevoller Arbeit mit dem Professor die Zeichensprache. Vor Jahrhunderten wurde sie als Kind von den seltsamen Meeresungeheuern aus ihrem Heimatschiff vertrieben und lebt seitdem in der Höhle. In einer der darauffolgenden Nächte erscheinen hunderte der Ungeheuer vor der Insel. Der Professor vermutet, dass sie die Krabbe bedrohen und bringt sie in Sicherheit.

Dabei hört er, dass die fremden Wesen menschliche Worte sprechen. Er möchte unbedingt mit ihnen reden und sie von der Friedfertigkeit der Krabbe überzeugen. Tim Tintenklecks baut ein Floß, auf dem sie alle gemeinsam aufs Meer hinausfahren und mit der Taucherpille in die Stadt der Seeungeheuer abtauchen. Bald treffen sie auf die Bewohner, die ihnen zunächst alles andere als freundlich gesonnen sind - und dann ist das Urmel auch noch verschwunden ...

Urmeleien unter Wasser

Im zweiten Band verschlug es das Urmel auf den Mond und den Planeten Futura, da bietet sich jetzt natürlich an, es die Tiefen des Meeres erkunden zu lassen.

~ Viel Spannung ~


Zunächst einmal konzentriert sich die Spannung auf die riesige Krabbe, die in der Höhle haust. Professor Tibatong hat sich schon im vorherigen Band fest vorgenommen, mit ihr in Kontakt zu treten und glaubt nicht daran, dass sie feindselige Absichten hegt. Trotzdem ist natürlich Vorsicht geboten und den Tieren, vor allem Wutz, ist nicht wohl bei dem Gedanken, dass er sich mit diesem gruseligen Tier und seinen gefährlichen Scheren einlässt. Als sich herausstellt, dass die Krabbe dank der Tropfen Intelligenz entwickelt hat und die Zeichensprache immer besser verstehen lernt, erwarten alle aufgeregt ihren Bericht, vor allem, was die Seeungeheuer angeht.

Es ist für alle Bewohner Titiwus, auch für das Urmel selbst, eine Überraschung, dass es so ein talentierter Schwimmer ist. Für das Urmel ein guter Grund, sich den merkwürdigen Seeungeheuern sehr nah zu fühlen und sie unbedingt kennenlernen zu wollen. Der Professor hat vor allem wissenschaftliches Interesse und will die Krabbe vor weiteren Angriffen schützen. Die Seeungeheuer machen mit ihrer riesigen Gestalt und vor allem den langen Hälsen einen unheimlichen und bedrohlichen Eindruck und es ist sehr spannend zu verfolgen, wie der Professor und seine Freunde in ihre geheimnisvolle Stadt eintauchen.

In liebevollen Details wird geschildert, wie sich die Saurierwesen eingerichtet haben. Leuchtende Pflanzen und Tiere sorgen für ein märchenhaft-romantisches Licht, die Häuser bestehen aus untergegangenen Schiffen, Straßenreiniger fressen die Muscheln, die sich an den Wänden festsetzen. Zunächst aber stecken die Freunde gehörig in der Klemme, denn die Meeressaurier fürchten, dass der Professor für sie eine Bedrohung darstellt. Zudem hält die Wirkung der Taucherpille nicht ewig vor, sodass die Unterwasser-Gefangenschaft für zusätzlichen Kitzel sorgt. Natürlich geht am Ende alles gut aus, aber für Kinder sind die Ereignisse sehr fesselnd und aufregend dargeboten.

~ Sehr viel Humor ~

Jedes Urmel-Buch besticht durch einen unnachahmlichen Humor. Dieses Mal bietet vor allem Wutz Anlass zum Amüsieren. Auf ihren freien Nachmittagen, an denen sie sich wie eine feine Dame benimmt und mit einem imaginären Gesellschaftskreis Kaffee trinkt, entdeckt sie ihr Talent, sich Geschichten auszudenken. Sofort will sie schreiben lernen, was für ein Schwein mangels richtiger Hände reichlich schwierig ist, ihre Klauen bringen nur mit viel Mühe ein unscharfes "A" zustande. Glücklicherweise schenkt ihr König Pumponell eine schweinegeeignete Schreibmaschine, auf der Wutz nun stundenlang ihre Werke hämmert. Besonders stolz ist sie auf ihr Kriminalstück, in dem "Kommissar Wutz" ermittelt, aber leider fühlt sie sich auf der Insel von Banausen umgeben, die ihr Können nicht angemessen würdigen. Nicht einmal der Professor schenkt ihr viel Beachtung, zu sehr beschäftigt ihn die Krabbe, mit der er endlich kommunizieren kann. Dabei verinnerlicht er die Zeichensprache so stark, dass er beim Bericht immer noch mechanisch die Bewegungen ausführt, woraufhin Urmel und Wutz zunächst an seinem Verstand zweifeln.

Der melancholische Seele-Fant schwelgt auch dieses Mal wieder in seinen traurigen Liedern, die neuerdings von seiner Sehnsucht nach dem Fliegen handeln, etwa das stimmungsvoll dargebrachte "Wönn öch eun Vögleun wör" in seiner leider sehr fehlerhaften Ö-Sprache. Über diese Aussprache ärgert sich vor allem Schusch, doch leider kann er es ja selber nicht viel besser - während Schusch darauf beharrt, dass der "Himmel" "Hämmel" heißt, besteht Seele-Fant auf der Aussprache "Hömmel".

~ Kleine Lehre für Kinder ~

Auf unterschwellige Art wird in diesem Band vor allem für Kameradschaft und das Ablegen von Vorurteilen plädiert. Die Krabbe, die bisher von allen Inselbewohnern als unheimliche, stumme Kreatur gemieden wurde, entpuppt sich als liebebedürftiges Wesen, das froh ist, endlich Freunde gefunden zu haben, mit denen es, wenn auch über den Umweg der Zeichensprache, kommunizieren kann. Auch die Seeungeheuer sind gar nicht so ungeheuerlich. Auch sie müssen erst lernen, dass die Krabbe kein Feind ist, den sie bekämpfen müssen und dass Professor Tibatong gewiss nicht zu den Menschen gehört, die ihre Existenz aus Profitgier verraten würden. Die Bewohner Titiwus schließen sowohl mit der Krabbe als auch mit den Meeresungeheuern Freundschaft und es zeigt sich, dass der erste Eindruck durchaus täuschen kann.

~ Nur eine Schwäche ~


Die Urmel-Bücher besitzen eigentlich nur eine winzige Schwäche, die in den Sprachfehlern der Tiere begründet liegt. Schusch beispielsweise spricht alle "I"s als "Ä"s aus, am schlimmsten ist es jedoch bei Seele-Fant, der aus den "E"s und "I"s ein "Ö" macht und aus einem "Ei" ein "Eu". Gerade für die jüngsten Leser dürfte es nicht leicht sein, seine Sätze auf Anhieb zu entziffern, wenn Seele-Fant beispielsweise aus einem "Zentimeter" einen "Zöntömötör" macht, muss man schon sehr genau hinlesen. Allerdings spricht Seele-Fant nur recht wenig und die Sprachfehler der anderen Tiere fallen nicht so stark auf.

Fazit:


Ein gelungener Band um das Urmel und die anderen Bewohner der Insel Titiwu. Diesmal führt sie ihr Abenteuer in die Tiefen des Meeres zu den Seeungeheuern. Sehr witzig und spannend geschildert und ideal für Grundschulkinder. Störend könnten nur die Sprachfehler der Tiere sein, die das Lesen für Anfänger nicht ganz so einfach machen.

14. September 2012

Urmel fliegt ins All - Max Kruse

Produktinfos:

Ausgabe: 1995
Seiten: 158
Amazon
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Der Autor:

Max Kruse ist einer der bekanntesten deutschen Kinderbuchautoren. Er wurde 1921 geboren. Seine Mutter ist die Schöpferin der Käthe Kruse Puppen. Seit 1958 widmet er sich der Schriftstellerei. Neben zahlreichen Kinderromanen verfasste er auch Reisebücher über Asien und Ägypten. Weitere bekannte Buchreihen von ihm sind u.a. "Lord Schmetterhemd", "Der Löwe ist los" und "Don Blech". Viele seiner Werke wurden von der Augsburger Puppenkiste verfilmt. http://www.max-kruse-urmel.de/

Vorgeschichte:

Auf der sonnigen Insel Titiwu leben Professor Habakuk Tibatong und sein Ziehjunge Tim Tintenklecks friedlich mit einer Gruppe Tieren, denen der Professor das Sprechen beigebracht hat. Um seinen Forschungen ungestört nachzugehen, hat er sich aus der Stadt Winkelberg auf die Insel zurückgezogen. Fehlerfrei spricht allerdings nur das mütterlich-energische Hausschwein Wutz, alle anderen Tiere besitzen einen kleinen Sprachfehler: Der freche Ping Pinguin, sein bester Freund Wawa, der Waran, der vorlaute Schuhschnabel Schusch und der melancholische See-Elefant Seele-Fant. Eines Tages strandet ein riesiges Ei auf der Insel, aus dem das Urmel schlüpft - ein saurierähnliches Wesen, das die Urzeit überdauert hat. Auch das Urmel lernt sprechen und muss von nun an besonders geschützt werden, damit es niemand einfängt - was schwierig ist, denn das Urmel hat vor allem Unsinn im Kopf.

Inhalt:

Eines Nachts ertönen auf der Insel Titiwu merkwürdige Geräusche und tags darauf finden sich unerklärliche Spuren. Des Rätsels Lösung ist ein Raumschiff vom Planeten Futura. Der Außerirdische ist ein freundliches, zierliches Männchen mit einem überdimensionalen Kopf. Er stellt sich als Otto vor, der der Neschnem-Rasse angehört, einer weiterentwickelten Menschenform. Die Neschnem sprechen die menschliche Sprache rückwärts, aber ein Übersetzungs-Computer sorgt für reibungslose Verständigung zwischen ihm und den Titiwu-Bewohnern.

Neschnem-Kopf Otto möchte den Professor und die anderen Inselbewohner zu einem Besuch auf Futura einladen. Durch seine Nachforschungen weiß er, dass der Professor mit seinem Forscherdrang und seiner zugleich diskreten Art ideal geeignet ist. Außerdem will man auf Futura natürlich das Urmel sehen. Der Professor ist begeistert und schon bald fliegen er, Tim Tintenklecks, Urmel und die skeptische Wutz, Schusch, Wawa und Ping Pinguin nach Futura, mit einem kurzen Zwischenstopp auf dem Mond.

Futura ist eine weiterentwickelte Form der Erde. Die Neschnem-Köpfe sind alle, wie Otto, überaus intelligent, dafür körperlich recht schwach. Zahlreiche Roboter und Maschinen übernehmen die meisten Arbeiten. Aus Umweltliebe ernähren sie sich von Tabletten statt von Tieren oder Pflanzen. Es gibt allerdings auch noch die Rasse der Neschnem-Bäuche. Bei ihnen ist der Kopf unterentwickelt, dafür haben sie einen riesigen Bauch. Sie sind dumm, aber reich durch das Erbe ihrer Vorfahren und gefräßig. Otto und seine neuen Freunde ahnen nicht, dass es speziell zwei der Neschnem-Bäuche auf das leckere Fleisch von Urmel und Wutz abgesehen haben, da sie die Fleischersatz-Produkte leid sind und einen teuflischen Plan schmieden ...

Bewertung:


Der zweite Urmel-Band ist einer der abenteuerlichsten, schließlich spielt er auf einem fernen Planeten. Dazu kommt, dass er auch einer der dramatischsten ist, denn Urmel und Wutz werden ganz konkret bedroht und entkommen nur knapp dem Kochtopf. Die Reise durchs Weltall ist für Kinder eine sehr aufregende Lektüre und zugleich auch ein wenig lehrreich. Am Rande wird etwa die Schwerkraft thematisiert, die Tatsache, dass sich die Erde um die Sonne dreht, auch wenn es einem umgekehrt vorkommt und Kinder verstehen, was es damit auf sich hat und warum Astronauten Raumanzüge tragen müssen. Auch über den Mond gibt es ein paar Informationen und die Suche nach dem dort plötzlich verschwundenen Urmel sorgt für einen ersten dramatischen Höhepunkt.

Die Idee des Planeten Futura ist charmant. Die Neschnem-Köpfe sind eine friedliche Rasse, hochintelligent, bescheiden und immer dabei, neue technische Errungenschaften zu entwickeln. Otto ist eine liebenswerte Figur und von Anfang an eine Vertrauensperson. Die Schilderung von Futura liest sich amüsant und erinnert ein wenig an die Zeichentrickserie "Die Jetsons". Die Bewohner müssen kaum noch die Häuser verlassen und reisen mit fliegenden Untertassen umher, Roboter wie die zweiköpfige, sechsarmige Haushälterin Annim erledigen alle Hausarbeiten.

Parallel zu den Erkundungen der Titiwu-Bewohner schaltet die Handlung immer wieder zu dem Neschnem-Bauch-Ehepaar Boban und seiner Gattin Arabrab. Die beiden verbringen ihre Zeit vor allem damit, in überdimensionalen Sesseln zu liegen und dabei zu essen und fernzusehen. Als sie von der baldigen Ankunft der Titiwu-Bewohner erfahren, der alle auf Futura entgegenfiebern, kommt Ober-Bauch Boban ein teuflischer Gedanke: Er sehnt sich schon seit langem nach einem köstlichen Braten, ganz in dem Stil, den er zuletzt als Kind aß. Die Nahrung auf Futura wird künstlich hergestellt, Nutzvieh gibt es nicht mehr, allenfalls nur noch Schoßtiere. Sehr schön ist die kleine Lehre des Buches, dass man sich nicht auf Äußerlichkeiten und Oberflächlichkeiten bei seinem Urteil verlassen soll. Während alle anderen Otto sofort mögen, ist Wutz misstrauisch - allerdings wegen ziemlich oberflächlicher Gründe. Wutz ist eine Genießerin, der Essen sehr wichtig ist und dass Otto sich nur von Tabletten ernährt, findet sie äußerst merkwürdig. Für sie ist jemand, der so vergeistigt lebt nicht gerade vertrauenswürdig. Umgekehrt ist es Boban und seiner Gattin ein Leichtes, Wutz in die Falle zu locken und sie zu umschmeicheln. Leidenschaftliche Esser, die obendrein noch in Reichtum schwelgen und sich mit luxuriösen Kleidern und Schmuck umhüllen, sind ihr sofort sympathisch, ohne dass sie deren Charaktere weiter hinterfragt, mit fatalen Folgen.

Zu bemängeln gibt es an diesem Band kaum etwas. Wer den ersten Teil noch nicht gelesen hat, muss allerdings aufpassen, denn in den ersten Kapiteln werden mehrmals Anspielungen auf den Ausgang von Band 1 gemacht und können das Lesevergnügen trüben - also besser nicht mit diesem Band einsteigen, auch wenn es erst der zweite ist. Was vielleicht ein bisschen dick aufgetragen ist, ist die Schwarz-Weiß-Malerei. Es erscheint, als seien grundsätzlich alle Neschnem-Köpfe freundlich und anständig und alle Neschnem-Bäuche gefräßig und dumm. Eine Ausnahme bildet nur die kleine Tochter Alol von Boban und Arabrab, die viel lieber ein Kopf-Kind wäre. Zur Enttäuschung ihrer Eltern will sie nicht wirklich Fett ansetzen und beschäftigt sich am liebsten mit Büchern. Anhand von Alol sieht man zwar, dass die Neschnem nicht hundertprozentig an ihre Herkunft gebunden sind, aber sie ist eher die Ausnahme, die die Regel bestätigt und das macht die Einteilung in die "guten Köpfe und die bösen Bäuche" etwas zu simpel - auch wenn es am Ende, so viel sei gesagt, durchaus offensichtlich wird, dass man sich noch ändern kann.

Fazit:

Ein sehr schönes Kinderbuch für die Zielgruppe Grundschüler, das vor allem durch Humor und gelungene Charaktere besticht. Die Handlung ist zudem spannend und führt durch den Weltraum, ist auch etwas lehrreich und hat nur kleine Schwächen, die kaum ins Gewicht fallen.

30. Juni 2012

Urmels toller Traum - Max Kruse

Produktinfos:

Ausgabe: 1974
Seiten: 158 Seiten
Amazon
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Der Autor:

Max Kruse ist einer der bekanntesten deutschen Kinderbuchautoren. Er wurde 1921 geboren. Seine Mutter ist die Schöpferin der Käthe Kruse Puppen. Seit 1958 widmet er sich der Schriftstellerei. Neben zahlreichen Kinderromanen verfasste er auch Reisebücher über Asien und Ägypten. Weitere bekannte Buchreihen von ihm sind u.a. "Lord Schmetterhemd", "Der Löwe ist los" und "Don Blech". Viele seiner Werke wurden von der Augsburger Puppenkiste verfilmt. http://www.max-kruse-urmel.de/

Vorgeschichte:


Auf der sonnigen Insel Titiwu leben Professor Habakuk Tibatong und sein Ziehjunge Tim Tintenklecks friedlich mit einer Gruppe Tieren, denen der Professor das Sprechen beigebracht hat. Um seinen Forschungen ungestört nachzugehen, hat er sich aus der Stadt Winkelberg auf die Insel zurückgezogen. Fehlerfrei spricht allerdings nur das mütterlich-energische Hausschwein Wutz, alle anderen Tiere besitzen einen kleinen Sprachfehler: Der freche Ping Pinguin, sein bester Freund Wawa, der Waran, der vorlaute Schuhschnabel Schusch, der melancholische See-Elefant Seele-Fant und neuerdings leben auch der Koalabär Babu und der kleine Seehund Albi hier. Eines Tages strandet ein riesiges Ei auf der Insel, aus dem das Urmel schlüpft - ein saurierähnliches Wesen, das die Urzeit überdauert hat. Auch das Urmel lernt sprechen und muss von nun an besonders geschützt werden, damit es niemand einfängt - was schwierig ist, denn das Urmel hat vor allem Unsinn im Kopf. Beinah wäre es vom neugierigen Jagdfreund, dem abgedankten König Pumponell erschossen worden, doch der kam zum Glück zur Besinnung und gehört nun zu den engsten Freunden der Titiwu-Bewohner.

Inhalt:

Professor Tibatong wird zu einem Vortrag seiner ehemaligen Universität eingeladen. Während seiner Abwesenheit will sich Wutz um alle Belange auf der Insel kümmern. Ausgerechnet jetzt wird das Urmel krank. Wutz versorgt es, bis es in einem fiebrigen Schlaf fällt.

Dort erscheint ihm der Traumkobold, der ihm einen Wunsch erfüllen will. Urmel wünscht sich in diesem Traum, ein König zu sein und der Traumkobold verspricht ihm, das möglich zu machen. Urmel verkündet seine Absicht den anderen Bewohnern. Wutz fürchtet, dass das unreife Urmel als König für Chaos sorgen wird und tritt als Gegenkandidatin an.

Urmel gewinnt die Wahl jedoch und ist nun König von Titiwu. Am Anfang finden die anderen das lustig und halten es für ein neues Spiel. An Stelle des Blockhauses steht auf einmal auch ein prächtiges Schloss. Urmel aber wird immer hochnäsiger und entwickelt sich zu einem richtigen Tyrann. Schließlich möchte es eine Prinzessin finden und das Vulkanland Urwapingschu erobern ...

Bewertung:

Auch das Urmelchen wird mal krank und wer kennt sie nicht, diese wilden Fieberträume, in denen alles noch etwas seltsamer abläuft als in normalen Träumen. Urmel lässt sich vorm Einschlafen von Wutz ein Märchen über einen König erzählen und kurz zuvor war noch König "Futsch" Pumponell zu Besuch - kein Wunder also, dass Urmel in seinem Traum selbst König wird.

Die turbulente Handlung ist vor allem sehr witzig, aber auch recht lehrreich. Sobald das Urmel König geworden ist, schlägt es einen befehlenden Ton an. Auf die irritierten Nachfragen seiner Freunde, was denn mit dem versprochenen Spaß nun sei, entgegnet es bestimmend: "Das war vor der Wahl!" So geht es dann auch munter weiter - Urmel-König möchte rundum versorgt werden, kommandiert nach Herzenslust herum und scheut nicht vor dem Versuch zurück, ein fremdes Land zu erobern. Kinder sehen hier auf spielerische Art, wie leicht sich Macht missbrauchen lässt, wie schnell man der Versuchung erliegt. Dem Urmel bekommt dieser Hochmut aber auf Dauer nicht gut, der Traum entwickelt sich zu einem Alptraum und es ist anschließend geheilt vom Wunsch, ein König zu sein. Die kleinen Leser lernen hier, dass keine Macht der Welt es wert ist, seine Freunde zu verlieren.

Daneben ist die Handlung teilweise sehr dramatisch. Auf Urwapingschu lebt nämlich ein Schweinevolk, das sich sehr zu Urmels Ärger gar nicht unterordnen will und von der Monarchie sowieso nichts hält. Urmel kann ihnen gerade noch entkommen als sie rebellieren und zurück nach Titiwu fliegen. Später allerdings kehren die Schweine zurück und Urmels Traum wird zu einem schrecklichen Alptraum auch seine Freunde richten sich gegen ihn, Urmel wird gejagt, auch die schlimmen Erinnerungen, als König Futsch ihn noch mit dem Gewehr verfolgte, baut sein Unterbewusstsein ein. Für die jüngsten Leser ist dieser Band vielleicht etwas zu schaurig an manchen Stellen.

Witzig ist es natürlich auch an etlichen Stellen, allein schon durch die üblichen Streitereien zwischen den Tieren, die alle so grundverschiedene Charaktere haben. Da ist die reinliche und bestimmende Wutz, die sich ungern einem Urmel-König unterordnet, der freche Schusch und der pathetische Seele-Fant, der heimliche Dauerverehrer von Wutz, der sie sehr gerne als Königin gesehen hätte. Für den amüsanten Höhepunkt sorgt aber Urmels Beschluss zu heiraten - und da Wawa als Waran die einzige Kreatur weit und breit ist, die ihm ein bisschen ähnelt, soll er die Braut spielen. Das behagt Wawa wenig, aber eine Wahl hat er nicht und so muss er ertragen, mit einem Brautkleid und einer Schleppe ausstaffiert zu werden. Niedlich ist wiederum Wutz' Schwärmerei für Herrn Mö, das "Oberschwein" auf Urwapingschu, der allerdings mit seinen knappen Kommentaren, der kalten Pfeife im Mund und der Schirmmütze ein recht stoffeliger Charakter ist.

Fazit:

Ein weiterer toller Band aus der Urmel-Reihe, der durch besonders viel Spannung und wie üblich durch Humor und liebenswerte Charaktere besticht. Für die jüngsten Leser ist die Geschichte vielleicht teilweise etwas unheimlich, ansonsten aber absolut empfehlenswert.

4. Juni 2012

Urmel aus dem Eis - Max Kruse

Produktinfos:

Ausgabe: 1995
Seiten: 160
Amazon
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Der Autor:

Max Kruse ist einer der bekanntesten deutschen Kinderbuchautoren. Er wurde 1921 geboren und starb 2015. Seine Mutter ist die Schöpferin der Käthe Kruse Puppen. Seit 1958 widmete er sich der Schriftstellerei. Neben zahlreichen Kinderromanen verfasste er auch Reisebücher über Asien und Ägypten. Weitere bekannte Buchreihen von ihm sind u. a. "Lord Schmetterhemd", "Der Löwe ist los" und "Don Blech". Viele seiner Werke wurden von der Augsburger Puppenkiste verfilmt. http://www.max-kruse-urmel.de/

Inhalt:

Direkt unterhalb des Äquators liegt die Insel Titiwu. Hier lebt Professor Habakuk Tibatong mit seinem Assistenten Tim und einigen Tieren, denen er das Sprechen beigebracht hat. Früher unterrichtete er an der Universität Winkelberg, doch als seine Studien von Kollegen immer misstrauischer beäugt wurden, wanderte er aus, um seine Ruhe zu haben. Tim Tintenklecks ist ein Waisenjunge, der eines Tages vor der Tür des Professors stand und seitdem als Ziehjunge bei ihm lebt. Er redet nicht viel und ist manchmal faul, aber ein guter Helfer. Das einzige Tier, das fehlerfrei sprechen kann, ist das Hausschwein Wutz. Sie versorgt den Haushalt des Professors und ist sehr fürsorglich und energisch. Außerdem leben auf der Insel noch Ping Pinguin, der jedes "Sch" als "Pf" spricht, sein bester Freund, der Waran Wawa, der aus "Z" ein "Tsch" macht, der Schuhschnabel Schusch, der "I" zu "Ä" macht, und der schwermütige See-Elefant Seele-Fant, der diverse Vokale als "Ö" ausspricht und gern melancholische Lieder singt.

Eines Tages wird ein riesiges Ei an den Strand gespült, aus dem ein fremdes Tier schlüpft. Der Professor ist sicher: Es ist ein Urmel, ein Wesen aus der Urzeit, das die Eiszeit überlebt hat! Von jetzt an dreht sich alles um das Urmel. Wutz übernimmt die Mutterrolle und kümmert sich rund um die Uhr um das drollige Wesen. Leider begeht der Professor einen schweren Fehler: Er ist so begeistert, mit seiner Theorie zur Existenz von Urmeln Recht behalten zu haben, dass er einen schadenfrohen Brief an seinen ehemaligen Kollegen Direktor Zwengelmann in Pumpolonien schreibt, der seinerzeit nie an Urmel geglaubt hat.

In Pumpolonien lebt der abgesetzte König Pumponell, der sich mit Selbstironie "König Futsch" nennt. Als Direktor Zwengelmann ihm von dem Brief und dem angeblichen Urmel erzählt, wittert er sofort ein Abenteuer. Er will das Urmel fangen - tot oder lebendig. Mitsamt seinem Diener Sami schwingt sich der König in den Hubschrauber und macht sich auf nach Titiwu. Es dauert auch nicht lange, bis er das Urmel tatsächlich entdeckt. Doch das erschrockene Tier kann gerade noch rechtzeitig fliehen. Fieberhaft versuchen die Bewohner Titiwus, das Urmel vor dem König zu finden ...

Bewertung:

Spätestens seit der Verfilmung mit der berühmten "Augsburger Puppenkiste" kennt fast jeder die Urmel-Figur. Dabei sei aber gesagt, dass die Puppenumsetzung nicht an die Buchvorlage heranreichen kann, die wiederum in keinem Kinderbücherregal fehlen sollte.

Spannend und lehrreich

"Urmel" ist kein Buch, das Kindern eine Moral aufzwängt. Aber es zeigt, wie gut und wichtig ein harmonisches Miteinanderleben ist. Nicht von ungefähr leben auf Titiwu die unterschiedlichsten Tierarten. Obwohl weder das Klima noch die Umgebung für alle von ihnen gleichermaßen geeignet ist (ein Pinguin am Äquator!), fühlen sie sich in ihrer Gemeinschaft so wohl, dass sie gern gewisse Anpassungen in Kauf nehmen. Das Abenteuer um das Urmel und seine Verfolger ist für Kinder ausgesprochen spannend. Kinder werden das Urmel schnell lieb gewinnen, denn es ist nicht nur einzigartig, sondern verhält sich auch genauso trotzig und frech wie alle kleinen Kinder. Umso dramatischer ist es dann, wenn König Futsch auf der Insel eintrifft und mit einem Gewehr auf Jagd geht. Aber keine Sorge - natürlich geht am Ende alles gut aus. König Futsch wird sogar ein Freund der Titiwu-Bewohner und verspricht, das Geheimnis um das Urmel zu bewahren. In den folgenden Bänden wird er hin und wieder auftauchen und eine liebenswerte Figur abgeben.

Sehr humorvoll

Bei aller Spannung und Dramatik ist das Buch ausgesprochen lustig. Viele amüsante Begebenheiten ergeben sich natürlich aus den verschiedenen Charakteren und den Sticheleien der Tiere untereinander. So muss Wutz immer mal wieder unter Anspielungen auf ihr stattliches Gewicht leiden, und das Urmel erfreut mit einer herzerfrischenden Direktheit, wie sie typisch für kleine Kinder ist. Ping Pinguins Mupfel-Faszination zieht sich als Running Gag durch alle weiteren Bände; seit sein Freund Wawa eine an den Strand gespülte Muschel als neues Zuhause bezieht, ist auch der kleine Pinguin verrückt auf Muscheln. Jeder Gegenstand, der nur im Entferntesten eine Ähnlichkeit mit Muscheln aufweist, wird von ihm als "Mupfel" bezeichnet. Der Hubschrauber des Königs ist eine "fliegende Mupfel", und ein Nest aus des Professors Hemden dient als vorläufiger Ersatz für eine eigene - natürlich sehr zur Entrüstung der ordnungsliebenden Wutz.

Schön auch immer wieder die kleinen Episoden um Seele-Fant, der auf seinem Riff ja ein bisschen abseits des Geschehens lebt. In großer Dramatik heult er "Öch bön alleun auf döser Wölt" in die Nacht, während der genervte König Futsch um Ruhe brüllt, weil Seele-Fant entgegen sein Empfinden weiß Gott nicht allein auf der Welt ist. Neben allen Abenteuern ist die Insel Titiwu ein Paradies für Kinder. Sprechende Tiere und wenig Vorschriften, das spricht die kleinen Leser natürlich an. Die einzigen beiden Menschen auf der Insel sind alles andere als Autoritätspersonen. Tim Tintenklecks erinnert ein wenig an Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Habakuk Tibatong entspricht der klassischen Vorstellung des zerstreuten Professors, der für seine Forschungen und seine Tiere lebt. Sogar der Sprachunterricht in seiner Tierschule ist freiwillig. Nur Wutz bringt ein bisschen Ordnung in das Chaos, aber eine Schweinedame werden Kinder sicher viel eher als Erziehungsperson akzeptieren als eine strenge Gouvernante.

Ideal für Grundschulkinder

Das Buch ist in 33 Kapitel gegliedert. Das klingt erst mal viel, aber angesichts der Seitenzahl wird einem schnell klar, dass es sich dabei immer um kurze Kapitel handelt. Besonders schön sind die jeweiligen Überschriften, die stets so formuliert sind, dass man ahnt, um was geht, aber nie zu viel verraten bekommt. Manche von ihnen sind ganz normal gehalten wie etwa: "Achtes Kapitel - In dem das Urmel heranwächst". Und andere sind umso lustiger in ihrer selbstbezüglichen Indirektheit: "Dreizehntes Kapitel - In dem Verschiedenes passiert, obwohl es sehr kurz ist". Auf fast jeder Seite befinden sich Federzeichnungen, die das Geschehen sehr anschaulich illustrieren. Der Zeichner Erich Hölle trifft den richtigen Stil, um den liebenswerten Gestalten Leben einzuhauchen.

Fazit:

Das Urmel ist zu Recht ein Evergreen, an dem man auch als Erwachsener noch seinen Spaß haben kann. Ein Buch, das Kindern inmitten von aufregenden Abenteuern wie nebenbei Werte wie Tierliebe und Harmonie vermittelt. Eine bunte Schar liebenswerter Charaktere sorgt für Spannung, Witz und Unterhaltsamkeit von der ersten bis zur letzten Seite. Absolut lesenswert!