Posts mit dem Label Schatten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Schatten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

11. Mai 2017

Schatten - Ursula Poznanski

Produktinfos:

Ausgabe: 2017 bei Wunderlich
Seiten: 416
* * * * *
Die Autorin:

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie begann verschiedenste Studiengänge zu belegen, ehe sie sich für einen Werdegang als Medizinjournalistin entschied. Seit 2003 schreibt sie Jugend- und Erwachsenenbücher, insbesondere Thriller. Werke von ihr sind beispielsweise "Erebos", "Saeculum", "Fünf", "Blinde Vögel" und gemeinsam mit Arno Strobel "Fremd" und "Anonym".

Inhalt:

Beatrice Kaspary und ihr beruflicher und nun auch privater Partner Florin Wenninger von der Salzburger Abteilung für Leib und Leben bekommen es mit einem neuen Mordfall zu tun. Beatrice stellt fest, dass sie das Opfer Markus Wallner von einer früheren Festnahme kannte - und dass sie nur unangenehme Erinnerungen an den Mann hat.

Kurz darauf wird eine ertränkte Frau in einem Bach gefunden, zusammen mit einem Hinweis auf den ersten Mord. Und wieder kannte Beatrice das Opfer, diesmal ist es ihre ehemalige Hebamme - und wieder konnte sie es nicht leiden. Vor allem aber findet Beatrice eine Verbindung zum Mord an ihrer damals besten Freundin und Mitbewohnerin Evelyn, der sie seit sechzehn Jahren verfolgt.

Bald darauf geschieht ein dritter Mord, wieder gibt es Verbindungen zu den vorherigen Opfern und diesmal noch enger zu Beatrice. Sie schöpft Hoffnung, dass sie endlich nach all den Jahren Evelyns Mörder finden kann. Zugleich wird ihr klar, dass sie eine ganz besondere Rolle in dieser Mordserie spielt. Und schon bald hat der Täter es direkt auf sie abgesehen ...

Bewertung:

Mit "Schatten" liegt nach "Fünf", "Blinde Vögel" und "Stimmen" der vierte Band um die Salzburger Ermittler Beatrice Kaspary und Florin Wenninger vor, und wie schon die drei Vorgängerbände garantiert auch dieses Werk viel Spannung und beste Unterhaltung.

Aus drei Gründen ist es Beatrice' persönlichster Fall: Nie zuvor geriet sie so sehr in Gefahr und ins Visier des Täters, nie zuvor stand sie zu allen Opfern in Bezug, und sie darf endlich hoffen, den Mord an ihrer Freundin Evelyn zu lösen. Auch in den früheren Bänden wurde Evelyns Tod schon kurz angesprochen; schließlich gab jenes Erlebnis damals den Ausschlag dafür, dass Beatrice ihr Psychologiestudium abbrach und zur Polizei ging. Die lebensfrohe und temperamentvolle Evelyn wurde damals nach einer Party in der gemeinsamem Wohnung geradezu abgeschlachtet. Beatrice verbrachte die Nacht bei ihrem damaligen Freund und lehnte es ausnahmsweise ab, Evelyn mit dem Auto abzuholen. Da alles darauf hindeutete, dass Evelyn daraufhin trampte und von dem unbekannten Fahrer umgebracht wurde, machte sich Beatrice seither größte Vorwürfe. Nie konnte sie es sich verzeihen, dass Evelyn ausgerechnet in jener Nacht starb, als sie nicht für sie da war.

Für den Leser, der aus den anderen Bänden bereits Beatrice' Schuldgefühle kennt, ist es sehr reizvoll, dass dieser Fall nun wieder aufgegriffen wird. Für Spannung wird hier gleich in mehrfacher Hinsicht gesorgt: Man fragt sich, wie nah der Täter Beatrice wohl steht, denn er scheint sehr viel über sie zu wissen; ob er Evelyns Tod rächen und Beatrice bestrafen will oder ob er sie selbst umbrachte; was er mit Beatrice konkret vorhat, wie sie sich in seiner Gefangenschaft verhält. Die Täteridentität ist alles andere als offensichtlich, wird aber doch gewisserweise subtil angedeutet, so subtil, dass nicht zu viel vorweggenommen wird und dass der Täter eben rückwirkend doch genau passend gewählt ist. Schön ist außerdem, dass sich Beatrice in Gefangenschaft zwar grundsätzlich klug, sich aber nicht übermenschlich verhält, auch mal Fehler macht.

Sie und Florin sind ein sehr sympathisches Ermittlerpaar. Wie auch in den früheren Bänden spielt Beatrice' schwieriges Verhältnis mit ihrem Exmann Achim hinein. Durch ihre Arbeit kommen ihre beiden Kinder Mina und Jakob manchmal zu kurz, was Achim immer wieder dazu nutzt, gegen Beatrice zu sticheln. Florin möchte seine Beziehung zu Beatrice offiziell machen, aber gerade wegen Achims Eifersucht und ihrer Sorge, dass er die Kinder gegen Florin aufwiegelt, ist Beatrice dazu noch nicht bereit. Diese familiären Sorgen sind ebenso gut nachzuvollziehen wie ihre Schuldgefühle wegen Evelyns Tod. Als Beatrice Evelyns Tagebuch erhält, muss sie darin auch unschöne Dinge über sich selbst lesen; auch hier kann man nur zu gut nachempfinden, wie schmerzhaft diese Konfrontation mit der Vergangenheit für sie ist. Beatrice und Florin sind zwei glaubwürdige, liebenswerte Charaktere, die hoffentlich noch mehr gemeinsame Fälle erleben werden.

Zu kritisieren gibt es kaum etwas bei diesem hervorragenden Thriller. Vielleicht ist es ein bisschen konstruiert, dass der Täter ausgerechnet bei einer für ihn sehr wichtigen Sache etwas Pech hat. Und auch wenn es schön realistisch ist, dass Beatrice einmal sehr leichtsinnig handelt, ist genau diese Handlungsweise nicht unbedingt nachvollziehbar. Dieser Band ist zudem noch mehr als die anderen an die Vorgänger gebunden; gerade den dritten Band "Stimmen" sollte man gelesen haben.

Fazit:

"Schatten" von Ursula Poznanski ist wie schon die drei Vorgängerbände ein intelligenter und hochklassiger Thriller. Die Ermittler sind sympathisch, die Handlung ist durchweg spannend, die Auflösung überzeugt.

7. Juli 2013

Schatten - Andras

Produktinfos:

Ausgabe: 2008 in der Reihe "Heyne Hardcore"
Seiten: 590
Amazon
* * * * *

Der Autor:

Andras ist ein Frankfurter Schriftsteller, der den Namen "Andras" für dieses Werk als Pseudonym verwendet. Er bewegt sich seit mehreren Jahren in der BDSM-Szene und soll sich für manche Charaktere von den Lebensgeschichten wirklicher Personen inspirieren hat lassen.

Inhalt:

Ein Serienmörder treibt in Wien sein Unwesen. Seine Opfer sind junge Mädchen, die erst gekreuzigt und anschließend ausgepeitscht werden. Nach dem dritten Mord ist die Polizei sicher, dass der Täter aus dem Sado-Maso-Milieu stammen muss. Aus diesem Grund ziehen die Ermittler den ehemaligen Kriminalbeamten Marcus Wolf hinzu. Marcus arbeitete lange Jahre als Polizist, erst bei der Sitte und später bei der Mordkommission, ehe er vor sechs Jahren über Umwege den SM-Club "Dominion" und ein Edelbordell von seinem reichen Großonkel erbte. Marcus quittierte den Polizeidienst, leitet seitdem Club und Bordell und lebt mit seiner Frau Caro, der extrovertierten Amber und der zurückhaltenden Jacqueline in einer Viererbeziehung. Obwohl sein Ruf stark unter seiner neuen Tätigkeit gelitten hat, ist er zur Zusammenarbeit bereit.

Auch Marcus ist sich beim Anblick des Opfers sicher, dass der Mörder aus der SM-Szene stammt. Zu seiner Bestürzung stellt sich heraus, dass alle drei Opfer in seinem Club verkehrten. Als er dann auch noch erfährt, dass die Kreuzigungsszene vor neun Jahren exakt auf die gleiche Art in seinem Club gespielt wurde, steht fest, dass der Mörder damals unter den Zuschauern war - und vermutlich auch heute noch zu Marcus' Kunden gehört.

Marcus nutzt seine zahlreichen Kontakte in der SM-Szene und der Halbwelt für die Ermittlungen. Die Zeitungen überschlagen sich mit Skandalmeldungen über seinen Club und kurzzeitig wird er sogar als Täter verdächtigt. Einer seiner Mitarbeiter wird erschossen aufgefunden - angeblich Selbstmord. Marcus ahnt, dass er dem Mörder näher steht als er dachte und dass er plötzlich auch um seine eigene Sicherheit fürchten muss ...

Bittersüß


Mörderjagd im Sadomaso-Milieu, das bedeutet zu Recht ein "Hardcore"-Prädikat vom Heyne-Verlag, da mit expliziten Schilderungen in Sachen Sex und Gewalt nicht gespart wird. Wer sich davon allerdings nicht abschrecken lässt, bekommt darüber hinaus noch einen spannenden Thriller geliefert, der keineswegs der oberflächliche Softporno ist, den man vermuten mag.

Interessante Charaktere

Im Mittelpunkt steht Ich-Erzähler Marcus Wolf, ein Mann mit augenscheinlich vielen Facetten. Marcus ist ehemaliger Kriminalbeamter, der auch Jahre danach nichts von seinem Spürsinn verloren hat, ein schwergewichtiger Zweimeterhüne, der für seine drei Frauen dominanter Herr, liebevoller Partner und zuverlässiger Freund zugleich ist. Caroline ist seine Ehefrau und Managerin, studierte Juristin aus steinreicher, alteingesessener Wiener Familie, die ein inniges Verhältnis zu ihrer Uroma besitzt, während der Kontakt mit ihrem Vater aufgrund ihrer Lebensweise abgebrochen ist. Gemeinsam mit dem Chateau übernahm Marcus auch die beiden jungen Frauen Amber und Jacqueline, die wohl die bemerkenswertesten Figuren sind. Die offensive Amber, zierliche 1,50 Meter groß und die ruhige, hingebungsvolle Jacqueline gehörten zu den Kindern, die Marcus' Großonkel im Chateau gefangen hielt und regelmäßig von Kunden benutzen ließ. Als Elfjährige bereits zum Sex gezwungen, werden sie von Marcus als junge Frauen in eine Therapie geschickt, die jedoch nichts daran ändert, dass sie sich zu devoten Sexspielen hingezogen fühlen und das Chateau als Zuhause empfinden.

Die anfangs unrealistisch harmonische anmutende Viererbeziehung wird im weiteren Verlauf differenzierter dargestellt. Die beinah grenzenlose Liebe und Hingabe, die ihm die drei Frauen entgegen bringen, verunsichert Marcus bisweilen. Obwohl er weiß, dass Amber und Jacqueline freiwillig bei ihm leben und seine Quälereien genießen, fühlt er ein schlechtes Gewissen, da er sich unweigerlich mit seinem perversen Onkel vergleicht, der die Mädchen schonungslos ausbeutete. Auch die offene Beziehung ist nicht immer ungetrübt. Amber und Jacqueline fühlen sich zeitweise zurückgesetzt, da Marcus mit seiner Frau Caro die meiste Zeit verbringt und Caro wiederum zeigt eifersüchtige Regungen, wenn den beiden anderen mehr Aufmerksamkeit zuteil wird. Damit bleibt das Verhältnis immer noch mehr als ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig, wird aber erfreulicherweise nicht als völlig unkompliziert hingestellt. Bei aller Innigkeit bleibt noch Raum für kleine Spannungen, (Selbst-)Zweifel und Schwierigkeiten, die dieser Konstellation zumindest bis zu einem gewissen Grad Realismus verleihen.

Eine interessante Nebenfigur ist außerdem Sergei, früher Major bei der Armee, heute offiziell Geschäftsmann und inoffiziell Mitglied der russischen Mafia. Gegen jährliche Abzahlungen hält sich Marcus Probleme mit der Russenmafia vom Hals, während Sergei im Gegenzug kleinen Gefälligkeiten leistet und auch bei der Suche nach dem Mörder behilflich ist, wobei sich schließlich sogar herausstellt, dass er auch ein persönliches Interesse verfolgt. Marcus verbindet ein zwiespältiges Verhältnis mit Sergei, mit dem er nie Ärger hatte, den er aufgrund seiner Machenschaften aber auch nicht als Freund sehen kann. Trotz der eingehaltenen Distanz findet Marcus Sergei beinah wider Willen sympathisch, zumal Sergei kein gewissenloser Mörder ist, sondern, auch als Mafioso, bestimmte Grenzen nicht überschreitet.

Spannende Mörderjagd


Bis kurz vor Schluss bleibt die Handlung weitgehend temporeich und durchweg spannend. Schon auf den ersten Seiten wird der Leser mit dem dritten Mordopfer konfrontiert. Das tote Mädchen, dessen Augen dem Mörder bis zum Schluss verächtlich entgegen blickten, verursacht beim Leser gleichsam wie bei Marcus Wolf ein unwohles Gefühl. Brisant wird es, als sich herausstellt, dass der Mörder in irgendeiner Form in Verbindung mit dem "Dominion" stehen muss und sich Marcus von allen Seiten bedroht fühlt. Bereits zu Zeiten von Marcus' Großonkel ist der Täter offenbar im Chateau ein- und ausgegangen und der Verdacht erhärtet sich, dass Marcus ihm bereits persönlich begegnet ist. Weitere Morde geschehen, Marcus selbst steht unter Verdacht und die Zeit läuft ab, denn in wenigen Tagen wird das nächste Mädchen getötet, wenn Marcus und seine Freunde nicht rechtzeitig die Lösung finden. Der Leser entlarvt den Täter aufgrund von Hinweisen leicht etwas früher als die offizielle Enthüllung, doch das ist kein großes Manko, denn selbst als Marcus und seine Leute von seiner Identität überzeugt sind, fehlt ihnen der Beweis, um ihn zu überführen.

Einblicke ins Milieu

Man muss kein praktizierender BDSMler sein, um das Buch gerne zu lesen, doch wer sich von exotischen Erotiknuancen abgestoßen fühlt, wird bei der Lektüre sicher nicht glücklich - zumindest eine gewisse Affinität für die härteren Spielarten abseits von Vanilla-Sex sollte ruhig gegeben sein. Vor allem im ersten Viertel nehmen die sexuellen Schilderungen teils ein wenig überhand und die zu perfekte Abstimmung der jeweiligen Personen aufeinander ruft in ihrer makellosen Harmonie leichte Langeweile hervor. Es fließen jedoch auch viele Erklärungen des Ich-Erzählers ein, der einem die Welt der Sadomasochisten ein wenig näher bringt. Gerade weil Marcus Wolf kein klassischer Sadist ist, sondern Hemmungen kennt und sich manchmal von seinen Frauen überhaupt erst überreden lassen muss, bestimmte Dinge zuzulassen, versteht man die Faszination, die er beschreibt, selbst wenn man sie nicht teilen sollte. Im "Dominion" begegnet man den Grenzbereichen des BDSM mit Auspeitschungen, Sklaven mit Halsbändern, Ganzkörperkostümen, stolzen Doms mit ihren unterwürfigen Subs. Die Schilderungen sind ausschweifend, aber nicht obszön, vielleicht für viele Leser befremdlich, aber nicht pervers.

Kleine Schwächen

Im Verhältnis zwischen Marcus und seinem ehemaligen Kollegen Malowsky liegt eine Menge ungenutztes Potential. Ihre einstige Freundschaft wandelte sich in Feindschaft, die auch noch Bestand hat, als sie sich jetzt angesichts der Mordserie wiedersehen. Nachdem sie gezwungenermaßen zusammenarbeiten müssen, blüht die alte Verbundenheit wieder auf - und zwar rascher, als angebracht wäre. Zu schnell söhnen sich die beiden wieder aus, reizvoller wäre aber gewesen, die Zwietracht noch etwas auszubauen und erst gegen Ende abzulegen.

Etwas ärgerlich sind die konstruierten Verhältnisse um Caro und ihre Familie. Nicht nur, dass sie aus einer millionenschweren Familie stammt, was der Skandal-Presse, die Marcus und das "Dominion" umlagert, seltsamerweise verborgen geblieben ist, ihre geliebte "Uomi", wie sie genannt wird, ist eine 118-jährige Dame, die gut ein paar Jahrzehnte jünger wirkt und das Chateau mit all seinen Lustspielchen noch aus den Gründertagen kennt. So liebenswert die "Madame", wie Marcus sie ehrfürchtig nennt, auch geschildert wird - ihr methusalem'sches Alter bei gleichzeitig fast jugendlicher Wachheit ist doch arg übertrieben. Ähnliches gilt auch für die Versöhnung zwischen Caro und ihrem Vater, die zu plötzlich herbeigeführt wird. Bei den Ermittlungen ist es ein wenig schade, dass den Löwenanteil der Täter-Identifizierung ein ausgeklügeltes Computer-System und Kommissar Zufall erledigen und Marcus nicht so sehr durch Recherche auf den Mörder kommt.

Fazit:


Ein spannungsgeladener Thriller, der in der Wiener BDSM-Szene spielt und mit interessanten Einblicken in das Milieu aufwarten kann. Wer sich nicht an recht expliziten Schilderungen von Sex und Gewalt stört, wird gewisser Schwächen gut unterhalten. Auch wenn darüber bisher nichts zu hören ist, wären weitere Werke mit Marcus Wolf in der Hauptrolle durchaus willkommen.