29. November 2013

Bibi und Tina - Spuk im Wald

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Inhalt:

Bibi, Tina und Alex treffen sich mit Freddy in der Eisdiele. Im Gespräch kommen sie auf das Gerücht, dass es im Falkensteiner Forst seit Kurzem spuken soll - mehrere Leute haben dort nachts seltsame Lichter gesehen und Pferdewiehern gehört. Aus der Unterhaltung entsteht schließlich der Vorschlag, in dieser Nacht im Wald zu zelten - die Mädchen wollen den Jungen damit beweisen, dass sie keine Angst vor den angeblichen Geistern haben.

Die vier schlagen ihre Zelte auf und erzählen sich abends Gruselgeschichten. In der Nacht versuchen Alex und Freddy vergeblich, den Mädchen Angst einzujagen. Im Gegenzug rächt sich Bibi mit einer gruseligen Hexerei, die den Jungs einen gehörigen Schrecken einjagt. Als Revanche spuken Alex und Freddy in der nächsten Nacht auf dem Martinshof. Allerdings erschrecken sie dabei zu Frau Martins Ärger auch die Pferde und die Ferienkinder - und obendrein sind aus dem Stall auch noch einige Sachen verschwunden.

Am nächsten Tag entschuldigt sich Alex für den nächtlichen Spuk. Er beteuert aber, von den verschwundenen Sachen nichts zu wissen, Freddy ebensowenig. Bibi und Tina glauben ihnen und wollen herausfinden, wer für den Diebstahl verantwortlich ist. Dabei erleben sie eine Überraschung und stellen fest, dass jemand dringend ihre Hilfe braucht ...

Bewertung:

Der Titel der Folge klingt vielversprechend, zumal es mit "Das Gespensterpferd" und "Allein im Schloss" bereits zwei tolle Bibi-und-Tina-Folgen mit Gruselflair gab. Leider kann "Spuk im Wald" nicht an diese Klasse anknüpfen, auch wenn es sich insgesamt gewiss um kein schlechtes Hörspiel handelt.

Positiv fallen wie eigentlich immer in der Serie die vermittelten Lehren auf: Hilfsbereitschaft spielt hier wieder einmal eine zentrale Rolle. Bibi und Tina sind sofort bereit zu helfen, als sie die Hintergründe zu dem Diebstahl im Stall und den seltsamen Geschehnissen im Wald erfahren. Dabei ist es für die beiden unerheblich, dass sie hier Fremden helfen - für die Freundinnen ist es einfach keine Frage, dass sie gerne dabei helfen, jemanden glücklich zu machen, in diesem Fall zwei Kindern. Gegenüber Frau Martin greifen die zwei dabei zu einer Notlüge. Später erklärt ihnen Frau Martin, dass es ihr für die Zukunft lieber ist, wenn sie nicht direkt lügen, sondern einfach sagen, dass sie ein Geheimnis bewahren müssen - Tinas Mutter will sie dann in Ruhe lassen, ihnen vertrauen und akzeptieren, dass sie nicht alles sagen können, möchte aber nicht belogen werden, was die Mädchen auch einsehen. Die Gruselnacht im Wald macht vor allem jugendlichen Hörern sicher Lust, selbst einmal im Freien zu übernachten und sich abends unheimliche Geschichten zu erzählen. Die Handlung ist auch nicht so vorhersehbar wie andere Folgen der Serie: Was sich hinter den angeblichen Geistern verbirgt, kann der Hörer wohl kaum vorzeitig erahnen; es gibt nicht die oft allzu offensichtlichen Andeutungen anderer Episoden.

Einige Schwächen sorgen jedoch dafür, dass das Hörspiel nicht wirklich über Mittelmaß hinauskommt. Grundsätzlich kommt vor allem der zu erwartende Grusel viel zu kurz - der Titel klingt zwar verheißungsvoll, doch es klärt sich dann doch recht schnell, wer hinter den Spukereien steckt. Tatsächlich sind diese Ereignisse nur der Aufhänger für das eigentliche Thema der Geschichte, das mit unheimlichem Flair nichts mehr zu tun hat. Im Mittelpunkt der Handlung steht weniger die Suche nach den "Geistern" als eher eine Hilfsaktion, die Bibi und Tina organisieren.

Des Weiteren erinnert die Folge doch recht deutlich an mehrere ältere Episoden - "Das Gespensterpferd", "Das Schmusepony" und "Das Findel-Fohlen" weisen viele Parallelen auf, und langjährige Bibi-und-Tina-Hörer erleben so eine Art Déjà-Vu. Es gibt außerdem eine Anspielung auf die Folge "Allein im Schloss", die leider zu viel verrät - wer jene Folge noch nicht kennt, bekommt hier schon eine Pointe präsentiert. Gerade im Vergleich zu "Allein im Schloss" bemerkt man die Schwächen dieser Episode - dort erlebten Hörer eine wunderbar gemütliche und kindgerecht gruselige Halloweenstimmung, hier dagegen löst sich die Hoffnung auf eine ähnlich gelagerte Stimmung schnell auf.

Erfreulich ist es, dass Frau Martin mal wieder eine Sprechrolle hat, und auch Freddy ist immer wieder schön zu hören - schade ist aber wiederum, dass Graf von Falkenstein nur erwähnt wird und nicht als Sprechrolle in Erscheinung tritt. Bei den beiden Kindersprechern gibt es noch ein wenig Luft nach oben - ihre Sätze klingen an manchen Stellen ein bisschen zu unnatürlich.

Fazit:


Alles in allem eine hörenswerte, aber nur durchchnittliche Folge von "Bibi und Tina". Sehr schön sind wieder einmal die vermittelten Lehren, auch die Anfangsatmosphäre weiß zu gefallen. Mit Spuk hat die Geschichte allerdings nicht viel zu tun, und die Handlung ist zu sehr aus früheren Episoden zusammengeschustert.

Sprechernamen:


Bibi Blocksberg: S. Bonasewicz
Tina Martin: D. Hugo
Alexander v. Falkenstein: S. Hasper
Freddy: O. Rohrbeck
Frau Martin: E. Meyka
Lars: N. Wiechers
Ann-Kathrin: G. Stiebitz
Erzähler: G. Schoß

27. November 2013

Pumuckl - Der Geist des Wassers

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Inhalt:

Noch immer verbringen der Pumuckl und Meister Eder ihren Urlaub auf dem Bauernhof. Bei einem ihrer Spaziergänge entdecken sie einen hübschen kleinen See. Pumuckl ist begeistert, hat er doch als Klabauternachfahre eine besondere Bindung zum Wasser. Er möchte unbedingt auf einem kleinen Schiff auf dem See herumfahren.

Meister Eder will seinem Kobold diesen Wunsch gern erfüllen. Er fragte die Zwillingssöhne der Bäuerin, Schorschi und Wiggerl, wo man im Ort ein Modellsegelschiff kaufen könnte. Bei den beiden Jungs wird damit wieder einmal die Neugierde geweckt. Sie wundern sich, was ein älterer Mann mit einem Spielzeugschiff am See machen will - und sie wundern sich noch mehr, als Eder darauf besteht, alleine zum See zu gehen und schleichen hinterher.

Am See setzt sich Pumuckls in das Schiff und Eder lässt ihn an einer Schnur daran herumfahren. Als Eder das Schiff kurzzeitig am Ufer zurücklässt, untersuchen es die Jungen und überlegen, ob darin etwas versteckt ist. Eder kommt jedoch früher zurück als erwartet - vor Schreck lassen Schorschi und Wiggerl das Schiff fallen und laufen davon. Eder und Pumuckl sind sehr verärgert über die Jungen. Da kommt Meister Eder eine Idee, wie man den beiden einen Streich spielen könnte, um sie von ihrer Neugierde zu kurieren ...

Bewertung:

"Der Geist des Wassers" ist die lose Fortsetzung von Pumuckl macht Ferien" - beide Folgen können auch separat gehört werden, machen aber im Zusammenhang noch mehr Spaß.

Noch mehr als in der vorherigen Folge steht hier die Neugierde von Schorschi und Wiggerl im Zentrum der Handlung. Nicht nur Pumuckl, auch Meister Eder ist wütend, als die beiden ihm sogar am See hinterher spionieren. Pumuckl will sie am liebsten gleich auf Koboldsart erschrecken, aber Meister Eder fällt ein viel wirkungsvollerer Plan ein, der für den Hörer äußerst amüsant ist: Eder täuscht am See vor, mit dem "Geist des Wassers" zu reden, während Pumuckl das Schiff eindrucksvoll im Wasser kreisen lässt und die beiden Jungen heimlich lauschen. Er kündigt an, bei Nacht zurückzukehren, um einen Schatz im See zu heben, dessen Stelle ihm der Geist mit dem Schiff anzeigt. Die staunenden Jungen sind daraufhin wild entschlossen, Eder in der Nacht zuvorzukommen - und ahnen noch nicht, dass auf sie ein ganz anderer Schatz wartet, als sie denken ...

Es ist sehr vergnüglich, zu hören, wie erst Eder mit eindrucksvollen, pathetischen Worten den angeblichen Geist anruft und was später die Jungen bei ihrer Schatzsuche tatsächlich finden. Das Ende ist sehr versöhnlich, denn Schorschi und Wiggerl werden wohl tatsächlich etwas aus der Geschichte gelernt haben und einsehen, dass sie es mit ihrem Spionieren wirklich zu weit getrieben haben. Es ist zudem eine jener eher seltenen Folgen, in denen Pumuckl nichts anstellt und sogar seine Unsichtbarkeit nützlich einsetzt - denn den "Geist des Wassers" hätte Eder ohne Pumuckls Hilfe kaum inszenieren können. Zu viele Geschichten jener Art, in der Pumuckl nichts anstellt, wären zu unrealistisch, da es nun mal Koboldscharakter ist, andere Menschen zu necken - aber zwischendurch sind diese Episoden sehr schön und bieten eine angenehme Abwechslung.

Fazit:


Sehr unterhaltsame Folge, die direkt an den Vorgänger "Pumuckl macht Ferien" gehört werden sollte, aber auch unabhängig davon zu verstehen ist.

Sprechernamen:


Pumuckl - Hans Clarin
Meister Eder - Gustl Bayrhammer
Erzähler - August Riehl
Schorschi - Florian Halm
Wiggerl - Julia Fischer
Bäuerin - Erni Singerl

24. November 2013

Pumuckl macht Ferien

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Inhalt:

An einem Sommertag beschließt Meister Eder, sich auch einmal Urlaub zu gönnen. Er möchte zwei Wochen auf dem Land verbringen, auf einem gemütlichen Bauernhof, wo er die Ruhe und die Natur genießen kann. Pumuckl soll eigentlich zuhause bleiben, aber er besteht darauf, mitzukommen. Zudem gibt es ja das Koboldsgesetz, wonach der Kobold immer bei dem Menschen bleiben muss, bei dem er sichtbar wurde. Also nimmt Meister Eder ihn mit - ermahnt den Pumuckl aber, dass er nichts anstellen darf.

Nach der Zugfahrt wird Meister Eder von den beiden Zwillingssöhnen der Bäuerin am Bahnhof empfangen. Der Bauernhof erweist sich als sehr idyllisch und die Bäuerin ist sehr freundlich. Schorschi und Wiggerl fällt allerdings schnell auf, dass der Feriengast häufig in seine Manteltasche schaut, regelmäßig in der Wir-Form spricht und im Zimmer offenbar Selbstgespräche führt und finden ihn daraufhin recht seltsam.

Als die beiden auch noch das Pumucklbett in Eders Zimmer entdecken, ist ihre Neugierde geweckt. Sie glauben, dass der Kofferschlüssel darunter zu irgendeinem Versteck in dem Bettchen gehören muss und stecken ihn versehentlich ein. Eder verdächtigt wenig später natürlich den Pumuckl, den Schlüssel verlegt zu haben. Pumuckl wiederum kann es nicht lassen, im Stall allerhand Schabernack mit den Tieren zu treiben - besonders ein kleines Ferkel hat es ihm angetan ...

Bewertung:

Nicht zu Unrecht vermutet Meister Eder zu Beginn der Folge, dass ein Urlaub mit einem Kobold alles andere als erholsam ist. Tatsächlich gibt es auf dem Bauernhof natürlich allerlei Verwicklungen, sehr zum Amüsement des Hörers. Zu Eders Pech gehören zum Gschwendner-Hof die beiden neugierigen Zwillingsbuben Schorschi und Wiggerl, die unbedingt herausfinden wollen, was es mit dem Puppenbett des Feriengastes auf sich hat. Als wäre es nicht schon genug, dass Eder den Pumuckl unter Kontrolle halten muss, schleichen somit auch ständig die beiden Jungs um ihn herum und wollen sein Zimmer durchsuchen. Man kennt es auch aus anderen Folgen, dass Pumuckls Bett und seine Schaukel in der Werkstatt für Aufsehen und Neugierde sorgen - allerdings kann Eder sich da noch meist damit herausreden, dass es Modelle für Kundenanfertigungen oder Geschenke für seine Nichte seien. Warum er aber ein Puppenbett mit in den Urlaub nimmt, ist natürlich nicht wirklich erklärbar und Schorschi und Wiggerl wollen dies unbedingt herausfinden.

Die Folge ist einerseits spannend, denn man man möchte sowohl wissen, was die Jungs alles herausfinden und ob sie ertappt werden, als auch, was Pumuckl alles anstellt - und wie sich Eder aus prekären Situationen herausredet. Zugleich ist die Geschichte ausgesprochen witzig durch all diese Vorkommnisse. Pumuckl Begeisterung für die Tiere und seine Kommunikationsversuche sind ausgesprochen amüsant. Voller Elan spricht Pumuckl die Kühe mit lauten "Muuuhs" an und wird dabei immer energischer, als sie nicht reagieren. Verärgert konstatiert er, dass da selbst Hühner besser seien, die gackerten schließlich wenigstens. "Hallo, grunzt hier jemand?", wendet er sich alsdann an die Schweine, die ihn im Gegensatz zu den Kühen nicht enttäuschen: "Pumucklklein" und "so schön rosa" sind sie - die Reitversuche allerdings gestalten sich als schwierig. Natürlich entwischt das Ferkelchen und sorgt für eine Menge Aufruhr auf dem Hof.

Sehr lustig sind auch die Rätseleien der Zwillinge in Eders Zimmer. Zunächst überlegen sie, ob er - wegen der hohen Stimme, die sie zuvor hörten - jemanden in seinem Koffer versteckt hat. Dann entdecken sie das Bett ("Da legst di nieder!") und grübeln, ob darin ein Tier schlafen könnte oder ob - wegen des Schlüssels - ein doppelter Boden darin versteckt sei. Ironischerweise werden Pumuckl und die Jungs für etwas verantwortlich gemacht, das jeweils die andere Seite begangen hat - Pumuckl für den Verlust des Schlüssels und die Jungen für den Ausbruch des Ferkels. Das ungewohnte Setting hat seinen Reiz und bei allem Trubel macht die Folge auch Lust auf einen gemütlichen Bauernhofurlaub inmitten von Kühen, Schweinen und Pferden - ich bekomme da immer heimelige Gefühle, kommt meine Familie väterlicherseits doch aus dem ländlichen Bayern. :-)

Fazit:

Sehr unterhaltsame Folge, die sowohl witzige Szenen als auch eine abwechslungsreiche Handlung bietet. Das Setting ist eine vielversprechende Ausgangslage und die Geschichte löst diese Erwartungen auch vollends ein.

Sprechernamen:

Pumuckl - Hans Clarin
Meister Eder - Gustl Bayrhammer
Erzähler - August Riehl
Schorschi - Florian Halm
Wiggerl - Julia Fischer
Bäuerin - Erni Singerl

21. November 2013

Dein Blick so kalt - Inge Löhning

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Produktinfos:

Ausgabe: 2013
Seiten: 368

Die Autorin:

Inge Löhning, Jahrgang 1957, studierte in München Grafik-Design und arbeitet heute selbständig in diesem Beruf. Nebenbei ist sie als Autorin tätig. Im Arena-Verlag erschienen bislang die Werke Schattenkuss, Scherbenparadies und Dein Blick so kalt.

Inhalt:

Die siebzehnjährige Lou hat gerade ihren Realschulabschluss geschafft und will unbedingt eine Ausbildung zur Mediengestalterin absolvieren. Ihre Eltern aber sind dagegen und sähen sie lieber als Arzthelferin. Die Medienwelt erscheint ihnen zu unseriös, Lous Vater glaubt ohnehin nicht an ihre Durchhaltekraft. Zudem wäre eine Ausbildung nur in der nächsten Großstadt, München, möglich, was Lous Eltern viel zu gefährlich ist - erst recht, nachdem dort gerade eine Gleichaltrige ermordet wurde.

Lou aber bewirbt sich gegen den Willen ihrer Eltern und erhält tatsächlich eine Praktikumszusage bei einer Münchner Werbeagentur. Schließlich geben ihre Eltern nach. Lou wird für zwei Monate eine Wohnung im Mietshaus ihrer Tante zur Verfügung bekommen und ist optimistisch, nach dem Praktikum einen Ausbildungsplatz zu erhalten.

Allerdings entpuppt sich ihre Traumvorstellung bald als komplizierter als gedacht: Die Kollegen in der Agentur sind zwar nett, aber ihr Chef Julian belästigt sie sexuell. Zudem hat sie in der arroganten und verwöhnten Mitpraktikantin Sylke eine Konkurrentin um den Ausbildungsplatz - und Sylke ist offenbar bereit, sich auf Julians Flirts einzulassen. Noch viel dramatischer wird es aber, als Lou seltsame Nachrichten erhält: Offenbar beschattet sie jemand und fotografiert sie heimlich. Zudem verschwindet ein Kleidungsstück aus ihrer Wohnung und jemand schickt ihr eine Traueranzeige des ermordeten Mädchens zu. Bis auf Lous neuen Freund Lysander scheint niemand ihre Sorgen ernst zu nehmen ...

Bewertung:

Die Arena-Thriller versprechen jugendgerechte Spannung und für Teenager, die noch keine große Genreerfahrung haben, bietet "Dein Blick so kalt" auch tatsächlich kurzweilige Unterhaltung.

Protagonistin Louise, genannt Lou, ist ein recht sympathischer Teenager, wenn auch ohne ein besonders origineller Charakter zu sein. Lou ist zielstrebig, recht quirlig, burschikos und ziemlich dickköpfig. Es liegt nah, dass sich der Leser schnell auf ihre Seite schlägt, gerade Teenager, die ihre Situation wohl umso besser nachvollziehen können: Lou hat den völlig legitimen Wunsch, ihre Traumausbildung zu machen - oder zumindest erst einmal ein Praktikum zu absolvieren, denn sie merkt leider, dass sie ohne praktische Erfahrungen chancenlos bei Bewerbungen ist. Ihre Eltern sind tendenziell übervorsichtig, wollen sie nicht in der Großstadt München sehen und sähen sie ohnehin lieber in einer anderen Berufssparte.

Lous Probleme sind gut nachvollziehbar, auch dann, als sie endlich ihren Praktikumsplatz ergattert hat: Sie bekommt lediglich eine Fahrkarte bezahlt, sie muss gemeinsam mit ihrer besten Freundin den Umzug nach München meistern, sie muss sich schnell anspruchsvollen Aufgaben stellen, hat einen unangenehmen Chef und eine ebenso unangenehme Konkurrentin. Lous Situation ist verzwickt, aber durchaus nicht unrealistisch und es fällt dem Leser nicht schwer, sich in ihre Lage einzufühlen. In der zweiten Hälfte sorgt die aufkeimende Liebelei mit Lysander für ein paar witzige und niedliche Momente

Ganz allmählich schleicht sich schließlich die Bedrohung in ihr Leben ein. Ein Unbekannter schickt ihr eine unheimliche E-Mail, die aber noch kein Grund ist, sich bei der Polizei zu melden. Als Lou dämmert, wie ernst es ihrem Stalker ist, ist er bereits viel zu weit in ihr Leben eingedrungen. Verdächtige hat es reichlich in Lous Umgebung: Da ist einmal ihr Onkel Achim, der Ex-Mann ihrer Tante Ute, der im gleichen Haus wohnt. Achim ist ein attraktiver Hallodri, der Lou gerne Komplimente macht und in dessen Gegenwart sie sich schon früher nie richtig wohl fühlte. Dann ist da der Sohn der Hausverwalterin - ein einsilbiger Nerd, der ihr intensive Blicke zuwirft.

Nicht zu vergessen einer ihrer Nachbarn, ein zwar höflicher, aber kühler und überkorrekter Mann mittleren Alters, den Lou im Stillen für sich "Prinzipienreiter" getauft hat - auch er taucht immer wieder in ihrer Nähe auf und sie fühlt sich beobachtet. Dazu natürlich ihr Chef Julian, der anfangs zweideutige Bemerkungen macht und sich schließlich auch zu Handgreiflichkeiten hinreißen lässt - und der nicht damit umgehen kann, dass sich Lou widersetzt. In Verdacht gerät sogar ihre Konkurrentin Sylke - die hochnäsige "Sylke mit Üps" aus reichem Elternhaus, die auch zu unfairen Mitteln greift, um Lou beim Kampf um den Ausbildungsplatz auszustechen.

Im letzten Drittel schwächelt der Roman allerdings etwas. Es häufen sich die Zufälle, vor allem das große Finale wirkt zu konstruiert, die Dramatik wird zu künstlich herbeigeführt, zu dominant tritt das Bestreben hervor, alles von den entscheidenden Sekunden abhängig zu machen. Die Auflösung, wer hinter den Taten steckt, ist zwar nicht wirklich vorhersehbar, aber dennoch oder gerade deswegen enttäuschend - es werden einfach zu viele und zu auffallende falsche Fährten gelegt, zu angestrengt wird vom wahren Täter abgelenkt. Eher belanglos als gehaltvoll präsentieren sich überdies die kurzen Sequenzen, in denen der personale Erzähler die Gedanken des Mörders wiedergibt - der Täter wirkt hier ausgesprochen klischeehaft und ohne Charisma. Leider werden auch nicht alle Handlungsaspekte zu Ende geführt, bestimmte wichtige Personen tauchen etwa nicht mehr auf, was den Schluss zusätzlich etwas unbefriedigend macht.

Fazit:

Ein für Jugendliche durchaus spannender Thriller, der solide unterhält - für routinierte Genreleser dagegen recht durchschnittlich geraten.

17. November 2013

Benjamin Blümchen - Der Zeltausflug

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Inhalt:

Benjamin, Otto und Stella begleiten Herrn Tierlieb bei seinem abendlichen Rundgang durch den Zoo. Die vielen Tiergeräusche erinnern Herrn Tierlieb an frühere Zeiten, als er öfter gezeltet hat. Otto hat schon einmal mit seinen Eltern gezeltet, für Benjamin und Stella ist es dagegen ganz neu - und sie möchten es auch unbedingt einmal erleben. Die vier beschließen spontan, am nächsten Wochenende im Rauen Forst zu zelten und dort im Wald Tiere zu beobachten.

Natürlich gibt es im Vorfeld noch einige Dinge zu erledigen. Sie müssen Zelte organisieren und die nötige Ausrüstung einpacken. Am Bahnhof treffen sie zufällig Frau Kolumna, die selbst mit Wanderausrüstung unterwegs ist - dabei handelt es sich aber um ein streng geheimes Projekt, das sie noch nicht verraten darf. Am Rauen Forst angekommen, treffen die Freunde einen Imker, der Waldhonig erntet und ihnen einige interessante Informationen gibt. Er erzählt ihnen auch von dem Albino-Hirsch, den es im Wald gibt.

Auf einer kleinen Lichtung an einem Bach schlagen die vier schließlich ihre Zelte auf und machen ein Lagerfeuer. Dabei entdecken sie auch einen kleinen Frischling und dessen Mutter. beim gemütlichen Essen merken die Freunde, dass die Tiere seltsam unruhig sind und von etwas wegzulaufen scheinen. Dazu ist der Bach plötzlich verschwunden, und irgendjemand hat dem netten Imker den Honig gestohlen ...

Bewertung:


Geschichten, die sich um Natur und Umwelt drehen, haben eine lange Tradition bei Benjamin Blümchen. "Der Zeltausflug" passt also thematisch durchaus sehr gut in das jahrzehntelang bewährte Schema der Reihe, kann allerdings dennoch nicht die Klasse der alten Folgen erreichen.

Positiv sind vor allem die vielen nützlichen Informationen, die Kinder aus dem Hörspiel ziehen können. Sie lernen beispielsweise, dass man in Deutschland nicht einfach frei zelten darf, sondern dass Herr Tierlieb dafür eine Genehmigung einholen muss und welche Ausrüstungsgegenstände beim Zelten auf keinen Fall fehlen sollten. Es wird anschaulich geschildert, wie Imker den Honig gewinnen: vom Sammeln des Nektars durch die Bienen über die Wabenkästen, die der Imker entnimmt und aus denen er mittels einer Maschine den Honig herausschleudert.

Zudem wird erklärt, dass der Waldhonig vom Honigtau der Baumblätter gewonnen wird und dass Bienen gewöhnlich nur stechen, wenn sie sich bedroht fühlen. Gut ist auch die Informationen zum Unterschied zwischen Hirschen und Rehen - dank des "Bambi"-Missverständnisses ist immer noch der Glaube populär, dass es sich bei Rehen um junge Hirsche handelt. Die Geschichte macht durchaus Lust darauf, selbst einmal zu zelten, und die Atmosphäre im Wald und am Lagerfeuer hat etwas Heimelig-Gemütliches. Erfreulich ist außerdem, dass Herr Tierlieb eine große Rolle einnimmt und nicht wie sonst meist der Fall nur am Rande erscheint.

Auf der anderen Seite aber ist die Folge ausgesprochen vorhersehbar. In der ersten Hälfte werden mit dem verschwundenen Bach, dem gestohlenen Honig und dem zerstörten Garten es Imkers ein paar spannend wirkende Aspekte aufgeworfen, die sich dann aber sehr simpel erklären lassen - selbst kleine Kinder können leicht durchschauen, was sich jeweils hinter diesen Ereignissen verbirgt. Einen wirklichen Höhepunkt besitzt die Folge nicht, vielmehr plätschert die Handlung vor sich hin, und es fehlt ein wenig der rote Faden. Natürlich muss nicht jede Episode eine dramatische Szene beinhalten, doch ein bisschen ereignisreicher hätte man die Handlung mit Sicherheit gestalten können.

Am Anfang der Folge fallen die mit Menschenstimmen imitierten Stimmen der Zootiere negativ auf; sowohl das Quaken der Frösche als das Kreischen der Affen klingen ausgesprochen unecht - schade, denn in den alten Folgen wurden für solche Hintergrundgeräusche bevorzugt echte Tierlaute eingesetzt. Zudem fehlt es der Episode an witzigen Momenten. Ottos und Benjamins Dialoge sind teilweise eher albern, etwa wenn sie darüber reden, ob Fledermäuse "fledern" oder Schmetterlinge "schmettern". Zu guter Letzt ist die Stimme des Imkers nicht optimal besetzt. Detlef Bierstedt, übrigens der Vater von Marie Bierstedt,die Stella spricht, ist zweifellos ein guter Sprecher, aber seine Stimme, mit der er etwa regelmäßig George Clooney synchronisiert, passt nicht zur Figur des Imkers - er hört sich eher betont cool statt gemütlich an.

Fazit:


Ein eher durchschnittliche Folgen, die sich vor allem durch ihr grundsätzliches Thema und die vielen kindgerechten Informationen zur Natur empfiehlt. In Sachen Spannung und Humor gibt es allerdings bessere Folgen aus der Reihe.

Sprechernamen:

Benjamin Blümchen: J. Kluckert
Otto: K. Primel
Stella: M. Bierstedt
Herr Tierlieb: R. Evers
Karla Kolumna: G. Fritsch
Isibert Immelmann: D. Bierstedt
Erzähler: G. Schoß