21. November 2013

Dein Blick so kalt - Inge Löhning

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Produktinfos:

Ausgabe: 2013
Seiten: 368

Die Autorin:

Inge Löhning, Jahrgang 1957, studierte in München Grafik-Design und arbeitet heute selbständig in diesem Beruf. Nebenbei ist sie als Autorin tätig. Im Arena-Verlag erschienen bislang die Werke Schattenkuss, Scherbenparadies und Dein Blick so kalt.

Inhalt:

Die siebzehnjährige Lou hat gerade ihren Realschulabschluss geschafft und will unbedingt eine Ausbildung zur Mediengestalterin absolvieren. Ihre Eltern aber sind dagegen und sähen sie lieber als Arzthelferin. Die Medienwelt erscheint ihnen zu unseriös, Lous Vater glaubt ohnehin nicht an ihre Durchhaltekraft. Zudem wäre eine Ausbildung nur in der nächsten Großstadt, München, möglich, was Lous Eltern viel zu gefährlich ist - erst recht, nachdem dort gerade eine Gleichaltrige ermordet wurde.

Lou aber bewirbt sich gegen den Willen ihrer Eltern und erhält tatsächlich eine Praktikumszusage bei einer Münchner Werbeagentur. Schließlich geben ihre Eltern nach. Lou wird für zwei Monate eine Wohnung im Mietshaus ihrer Tante zur Verfügung bekommen und ist optimistisch, nach dem Praktikum einen Ausbildungsplatz zu erhalten.

Allerdings entpuppt sich ihre Traumvorstellung bald als komplizierter als gedacht: Die Kollegen in der Agentur sind zwar nett, aber ihr Chef Julian belästigt sie sexuell. Zudem hat sie in der arroganten und verwöhnten Mitpraktikantin Sylke eine Konkurrentin um den Ausbildungsplatz - und Sylke ist offenbar bereit, sich auf Julians Flirts einzulassen. Noch viel dramatischer wird es aber, als Lou seltsame Nachrichten erhält: Offenbar beschattet sie jemand und fotografiert sie heimlich. Zudem verschwindet ein Kleidungsstück aus ihrer Wohnung und jemand schickt ihr eine Traueranzeige des ermordeten Mädchens zu. Bis auf Lous neuen Freund Lysander scheint niemand ihre Sorgen ernst zu nehmen ...

Bewertung:

Die Arena-Thriller versprechen jugendgerechte Spannung und für Teenager, die noch keine große Genreerfahrung haben, bietet "Dein Blick so kalt" auch tatsächlich kurzweilige Unterhaltung.

Protagonistin Louise, genannt Lou, ist ein recht sympathischer Teenager, wenn auch ohne ein besonders origineller Charakter zu sein. Lou ist zielstrebig, recht quirlig, burschikos und ziemlich dickköpfig. Es liegt nah, dass sich der Leser schnell auf ihre Seite schlägt, gerade Teenager, die ihre Situation wohl umso besser nachvollziehen können: Lou hat den völlig legitimen Wunsch, ihre Traumausbildung zu machen - oder zumindest erst einmal ein Praktikum zu absolvieren, denn sie merkt leider, dass sie ohne praktische Erfahrungen chancenlos bei Bewerbungen ist. Ihre Eltern sind tendenziell übervorsichtig, wollen sie nicht in der Großstadt München sehen und sähen sie ohnehin lieber in einer anderen Berufssparte.

Lous Probleme sind gut nachvollziehbar, auch dann, als sie endlich ihren Praktikumsplatz ergattert hat: Sie bekommt lediglich eine Fahrkarte bezahlt, sie muss gemeinsam mit ihrer besten Freundin den Umzug nach München meistern, sie muss sich schnell anspruchsvollen Aufgaben stellen, hat einen unangenehmen Chef und eine ebenso unangenehme Konkurrentin. Lous Situation ist verzwickt, aber durchaus nicht unrealistisch und es fällt dem Leser nicht schwer, sich in ihre Lage einzufühlen. In der zweiten Hälfte sorgt die aufkeimende Liebelei mit Lysander für ein paar witzige und niedliche Momente

Ganz allmählich schleicht sich schließlich die Bedrohung in ihr Leben ein. Ein Unbekannter schickt ihr eine unheimliche E-Mail, die aber noch kein Grund ist, sich bei der Polizei zu melden. Als Lou dämmert, wie ernst es ihrem Stalker ist, ist er bereits viel zu weit in ihr Leben eingedrungen. Verdächtige hat es reichlich in Lous Umgebung: Da ist einmal ihr Onkel Achim, der Ex-Mann ihrer Tante Ute, der im gleichen Haus wohnt. Achim ist ein attraktiver Hallodri, der Lou gerne Komplimente macht und in dessen Gegenwart sie sich schon früher nie richtig wohl fühlte. Dann ist da der Sohn der Hausverwalterin - ein einsilbiger Nerd, der ihr intensive Blicke zuwirft.

Nicht zu vergessen einer ihrer Nachbarn, ein zwar höflicher, aber kühler und überkorrekter Mann mittleren Alters, den Lou im Stillen für sich "Prinzipienreiter" getauft hat - auch er taucht immer wieder in ihrer Nähe auf und sie fühlt sich beobachtet. Dazu natürlich ihr Chef Julian, der anfangs zweideutige Bemerkungen macht und sich schließlich auch zu Handgreiflichkeiten hinreißen lässt - und der nicht damit umgehen kann, dass sich Lou widersetzt. In Verdacht gerät sogar ihre Konkurrentin Sylke - die hochnäsige "Sylke mit Üps" aus reichem Elternhaus, die auch zu unfairen Mitteln greift, um Lou beim Kampf um den Ausbildungsplatz auszustechen.

Im letzten Drittel schwächelt der Roman allerdings etwas. Es häufen sich die Zufälle, vor allem das große Finale wirkt zu konstruiert, die Dramatik wird zu künstlich herbeigeführt, zu dominant tritt das Bestreben hervor, alles von den entscheidenden Sekunden abhängig zu machen. Die Auflösung, wer hinter den Taten steckt, ist zwar nicht wirklich vorhersehbar, aber dennoch oder gerade deswegen enttäuschend - es werden einfach zu viele und zu auffallende falsche Fährten gelegt, zu angestrengt wird vom wahren Täter abgelenkt. Eher belanglos als gehaltvoll präsentieren sich überdies die kurzen Sequenzen, in denen der personale Erzähler die Gedanken des Mörders wiedergibt - der Täter wirkt hier ausgesprochen klischeehaft und ohne Charisma. Leider werden auch nicht alle Handlungsaspekte zu Ende geführt, bestimmte wichtige Personen tauchen etwa nicht mehr auf, was den Schluss zusätzlich etwas unbefriedigend macht.

Fazit:

Ein für Jugendliche durchaus spannender Thriller, der solide unterhält - für routinierte Genreleser dagegen recht durchschnittlich geraten.

17. November 2013

Benjamin Blümchen - Der Zeltausflug

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Inhalt:

Benjamin, Otto und Stella begleiten Herrn Tierlieb bei seinem abendlichen Rundgang durch den Zoo. Die vielen Tiergeräusche erinnern Herrn Tierlieb an frühere Zeiten, als er öfter gezeltet hat. Otto hat schon einmal mit seinen Eltern gezeltet, für Benjamin und Stella ist es dagegen ganz neu - und sie möchten es auch unbedingt einmal erleben. Die vier beschließen spontan, am nächsten Wochenende im Rauen Forst zu zelten und dort im Wald Tiere zu beobachten.

Natürlich gibt es im Vorfeld noch einige Dinge zu erledigen. Sie müssen Zelte organisieren und die nötige Ausrüstung einpacken. Am Bahnhof treffen sie zufällig Frau Kolumna, die selbst mit Wanderausrüstung unterwegs ist - dabei handelt es sich aber um ein streng geheimes Projekt, das sie noch nicht verraten darf. Am Rauen Forst angekommen, treffen die Freunde einen Imker, der Waldhonig erntet und ihnen einige interessante Informationen gibt. Er erzählt ihnen auch von dem Albino-Hirsch, den es im Wald gibt.

Auf einer kleinen Lichtung an einem Bach schlagen die vier schließlich ihre Zelte auf und machen ein Lagerfeuer. Dabei entdecken sie auch einen kleinen Frischling und dessen Mutter. beim gemütlichen Essen merken die Freunde, dass die Tiere seltsam unruhig sind und von etwas wegzulaufen scheinen. Dazu ist der Bach plötzlich verschwunden, und irgendjemand hat dem netten Imker den Honig gestohlen ...

Bewertung:


Geschichten, die sich um Natur und Umwelt drehen, haben eine lange Tradition bei Benjamin Blümchen. "Der Zeltausflug" passt also thematisch durchaus sehr gut in das jahrzehntelang bewährte Schema der Reihe, kann allerdings dennoch nicht die Klasse der alten Folgen erreichen.

Positiv sind vor allem die vielen nützlichen Informationen, die Kinder aus dem Hörspiel ziehen können. Sie lernen beispielsweise, dass man in Deutschland nicht einfach frei zelten darf, sondern dass Herr Tierlieb dafür eine Genehmigung einholen muss und welche Ausrüstungsgegenstände beim Zelten auf keinen Fall fehlen sollten. Es wird anschaulich geschildert, wie Imker den Honig gewinnen: vom Sammeln des Nektars durch die Bienen über die Wabenkästen, die der Imker entnimmt und aus denen er mittels einer Maschine den Honig herausschleudert.

Zudem wird erklärt, dass der Waldhonig vom Honigtau der Baumblätter gewonnen wird und dass Bienen gewöhnlich nur stechen, wenn sie sich bedroht fühlen. Gut ist auch die Informationen zum Unterschied zwischen Hirschen und Rehen - dank des "Bambi"-Missverständnisses ist immer noch der Glaube populär, dass es sich bei Rehen um junge Hirsche handelt. Die Geschichte macht durchaus Lust darauf, selbst einmal zu zelten, und die Atmosphäre im Wald und am Lagerfeuer hat etwas Heimelig-Gemütliches. Erfreulich ist außerdem, dass Herr Tierlieb eine große Rolle einnimmt und nicht wie sonst meist der Fall nur am Rande erscheint.

Auf der anderen Seite aber ist die Folge ausgesprochen vorhersehbar. In der ersten Hälfte werden mit dem verschwundenen Bach, dem gestohlenen Honig und dem zerstörten Garten es Imkers ein paar spannend wirkende Aspekte aufgeworfen, die sich dann aber sehr simpel erklären lassen - selbst kleine Kinder können leicht durchschauen, was sich jeweils hinter diesen Ereignissen verbirgt. Einen wirklichen Höhepunkt besitzt die Folge nicht, vielmehr plätschert die Handlung vor sich hin, und es fehlt ein wenig der rote Faden. Natürlich muss nicht jede Episode eine dramatische Szene beinhalten, doch ein bisschen ereignisreicher hätte man die Handlung mit Sicherheit gestalten können.

Am Anfang der Folge fallen die mit Menschenstimmen imitierten Stimmen der Zootiere negativ auf; sowohl das Quaken der Frösche als das Kreischen der Affen klingen ausgesprochen unecht - schade, denn in den alten Folgen wurden für solche Hintergrundgeräusche bevorzugt echte Tierlaute eingesetzt. Zudem fehlt es der Episode an witzigen Momenten. Ottos und Benjamins Dialoge sind teilweise eher albern, etwa wenn sie darüber reden, ob Fledermäuse "fledern" oder Schmetterlinge "schmettern". Zu guter Letzt ist die Stimme des Imkers nicht optimal besetzt. Detlef Bierstedt, übrigens der Vater von Marie Bierstedt,die Stella spricht, ist zweifellos ein guter Sprecher, aber seine Stimme, mit der er etwa regelmäßig George Clooney synchronisiert, passt nicht zur Figur des Imkers - er hört sich eher betont cool statt gemütlich an.

Fazit:


Ein eher durchschnittliche Folgen, die sich vor allem durch ihr grundsätzliches Thema und die vielen kindgerechten Informationen zur Natur empfiehlt. In Sachen Spannung und Humor gibt es allerdings bessere Folgen aus der Reihe.

Sprechernamen:

Benjamin Blümchen: J. Kluckert
Otto: K. Primel
Stella: M. Bierstedt
Herr Tierlieb: R. Evers
Karla Kolumna: G. Fritsch
Isibert Immelmann: D. Bierstedt
Erzähler: G. Schoß

9. November 2013

Fünf Freunde im Nebel

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Inhalt:

Anne und George verbringen ihre Ferien auf einem Reiterhof. Während Anne viel Spaß an den Pferden hat, langweilt sich George sehr. Zudem ärgert sie sich über das Mädchen Henrietta, das genau wie sie lieber ein Junge wäre und sich Henry nennt - obwohl oder gerade weil sich George und Henry so ähnlich sind, mögen sie sich nicht. Zum Glück trifft ein Telegramm von Julian und Dick ein, die den Rest der Ferien ebenfalls auf dem Reiterhof verbringen werden.

Das einzig wirklich Interessante scheint für die Fünf Freunde die Gruselheide zu sein, in der regelmäßig Zigeuner wohnen. Zu ihnen gehört auch ein Junge, der Schnüffel genannt wird und der sein krankes Pferd auf dem Hof lässt. Die Kinder freunden sich mit ihm an und lernen auch seinen unfreundlichen Vater kennen.

Auf einem Ausritt treffen die Freunde die Zigeuner, die sich auffallend abweisend verhalten. Zudem finden die Kinder alte Eisenbahnschienen, die zu einem alten Gutshof führen. Vom alten Schmied Ben erfahren sie einige unheimliche Geschichten über die Eisenbahnschienen und die Heide, in deren Nebel einst mehrere Menschen verschwanden. Als die Freunde auch noch nachts ein kleines Flugzeug und geheimnisvolle Lichter sehen, wittern sie einen spannenden Fall ...

Bewertung:

Es ist ein sehr typisches Fünf-Freunde-Abenteuer, das Hörer in dieser Folge präsentiert bekommen. Die Fünf Freunde verbringen ihre Ferien wie so oft ohne ihre Eltern, schließen neue Freundschaften, übernachten in Zelten und machen merkwürdige Entdeckungen, die auf ein Verbrechen hindeuten. Wie so oft bei der Reihe ist die Buchvorlage etwas gelungener als die Hörspielumsetzung, was jedoch in diesem Fall besonders deutlich hervorsticht - dennoch handelt es hier unterm Strich um eine unterhaltsame Folge, die generell überzeugen kann.

Hohen Anteil daran hat insbesondere der reizvolle Schauplatz - schon allein der Name "Gruselheide" weckt gewisse Erwartungen, die dann spätestens bei der Geschichte des alten Ben erfüllt werden. Die Geschichte über die vielen Brüder der Familie Barthel, die eines Nachts spurlos im Nebel der Heide verschwanden, wird wunderbar gruselig erzählt und weckt große Neugier. Bald nach dieser Szene beschließen die Freunde, in der Heide zu zelten, da der Hof durch Neuankömmlinge überfüllt sein wird. Geistern begegnen die Fünf Freunde in der Gruselheide zwar nicht, aber aufregend sind ihre nächtlichen Erlebnisse dennoch. Der Hintergrund für diese Ereignisse ist durchaus vorhersehbar, doch das Hörspiel entbehrt trotzdem nicht einer gewissen Spannung dank einiger gefahrenvoller Situationen. Unter den Sprechern sticht vor allem die tiefe, knorrige Stimme von Franz Josef Steffens in der Rolle des alten Schmieds hervor - bekannt ist seine Stimme beispielsweise als Schleichmichel in "Regina Regenbogen" und als Prof. Dr. Arthur Common in "Commander Perkins".

Eine weniger gelungene Sprecherbesetzung ist Viola Kirsten als Henrietta, da sie recht ausdruckslos spricht, was wohl auch ihrem jungen Alter geschuldet ist. Erschwerend kommt hinzu, dass ihre Rolle im Drehbuch viel reizloser und kleiner angelegt ist als in der Buchvorlage - von der interessanten, vielschichtigen Figur aus der Feder Enid Blytons ist hier nicht viel übrig geblieben. In der Buchvorlage nimmt Henrietta einen deutlich prominenteren Teil ein und der Konflikt zwischen ihr und George wird tiefgehender thematisiert. Besonders gelungen ist dort etwa die Szene, in der Julian und Dick Henrietta zunächst tatsächlich für einen Jungen halten, was George sehr verletzt. Zu Viola Kirsten sei noch erwähnt, dass es sich bei ihr um die Tochter des ehemaligen EUROPA-Geschäftsführers handelte und dass sie leider bereits im Jahr 2000 sehr jung verstarb.

Ein bisschen zwiespältig ist hier, wie so häufig, die Darstellung der "Zigeuner" zu sehen, die wie auch in anderen Folgen als schmutzige und kriminelle Gesellen agieren. Dass es auch positive Zigeunergestalten bei Enid Blyton gibt, beweist die Figur der Jo aus "Fünf Freunde und das Zigeunermädchen" (aus political correctness inzwischen in "... und die wilde Jo" umbenannt") und letztlich verhalten sich die Fünf Freunde hier vorurteilsfrei und freunden sich mit dem kleinen Schnüffel an - ein fader Beigeschmack bleibt bei der Darstellung der erwachsenen "Zigeuner" aber dennoch zurück.

Fazit:


Recht spannende und unterhaltsame Folge, die durch ihr atmosphärisches Setting besticht. Leider reicht die Umsetzung nicht ganz an die sehr gute Buchvorlage heran, in der die gruselige Stimmung und die Nebenfigur Henrietta noch besser ausgearbeitet werden. Trotzdem insgesamt sehr hörenswert.

Sprechernamen:

Erzähler - Lutz Mackensy
Julian - Oliver Rohrbeck
Dick - Oliver Mink
Anne - Ute Rohrbeck
George - Maud Ackermann
Willi - Mathias Lorenz
Rittmeister - Horst Stark
Schnüffel - Jan Krause
Henrietta - Viola Kirsten
Zigeuner - Henry König
Ben - Franz Josef Steffens
Jim - Karl Ulrich Mewes
Frau Johnson - Marianne Kehlau

3. November 2013

Bibi Blocksberg - Der Geisterkater

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Inhalt:

Bibi und ihre Freundin Marita verbringen mit Bibis Papi ein Angelwochenende im Grünen. Gleich am See liegt eine verfallene Ziegelei, die Bibi wunderbar schaurig findet. Während sie die Zelte aufbauen, geschehen merkwürdige Dinge: Die Tür der Ruine fällt von alleine zu, die gerade eingeschlagenen Heringe werden wieder herausgezogen, ein leises Kichern ertönt. Papa Blocksberg verdächtigt Bibi zu hexen, doch sie beteuert ihre Unschuld.

Auch am See kommt es immer wieder zu seltsamen Vorfällen. Marita glaubt Bibi nicht, dass sie nichts damit zu tun hat, und bricht verärgert allein zu einem Spaziergang auf. Dabei trifft sie auf einen Kater, der zu ihrer Überraschung sprechen kann. Er stellt sich als Rudolpho Rauhbein vor und sagt, er sei ein Geisterkater - und er liebt es, Streiche zu spielen.

Aus Spaß lockt er Marita in den Sumpf. Doch aus dem Spaß wird Ernst, als plötzlich die Irrlichter und Moorgeister erscheinen, die Marita einkreisen. Rudolpho verspricht, Bibi zu holen - aber er kann es nicht lassen, erst etwas Schabernack mit Bibi zu treiben. Bibi aber lässt sich nicht einschüchtern - auch nicht, als es darum geht, es mit den Irrlichtern und Moorgeistern aufzunehmen. Und das wird höchste Zeit, denn nicht nur Marita, auch Bibis Papi schwebt bald in Gefahr ...

Von Irrlichtern und Sumpfgeistern

Schon der Titel verspricht eine gruselige und aufregende Folge, was die Handlung schließlich auch bestätigt. Dabei ist es durchaus auch eine gewöhnungsbedürftige Episode, die innerhalb der Reihe etwa aus dem Konzept fällt: Von Hexenkünsten abgesehen, gibt es in Bibis Welt normalerweise keine nennenswerten übernatürlichen Gegebenheiten. Geister gibt es normalerweise nur, wenn Bibi sie herbeihext; Bibis Hexenkünste sind gerade deswegen etwas so Besonderes, weil sie in einer ansonsten ganz rationalen Welt auftreten. Dass wie selbstverständlich hier ein echter Geisterkater mitmischt, kollidiert daher ein wenig mit dem grundsätzlichen Konzept der Serie - aber das ändert nichts am hohen Unterhaltungswert der Geschichte.

Überzeugend sind vor allem die intensive Atmosphäre, der Spannungsfaktor sowie die vereinzelten amüsanten Szenen. Es dürfte kaum eine andere Bibi-Folge geben, die mit so wenigen Charakteren auskommt, was eine gelungene Abwechslung darstellt. Dazu ist das Setting ausnahmsweise nicht in Neustadt angelegt, sondern an einem abgelegenen See mit Sumpfgebiet. Der freche Geisterkater ist eine sehr reizvolle Figur - immer zu Streichen aufgelegt und übermäßig selbstbewusst, aber nie wirklich bösartig. Für Kinder ist es jedoch nicht auf Anhieb zu durchschauen, ob und inwieweit man dem Kater trauen darf; seine Rolle ist zu Beginn bewusst zwielichtig und undurchschaubar angelegt. Erst nach und nach kristallisiert sich heraus, dass er unter seiner rauen Schale einen liebenswerten Kern verbirgt. Es macht ihm zwar Spaß, Marita im Sumpf ein wenig in die Irre zu führen, doch in wirkliche Gefahr sollte sie dabei nie geraten - ebensowenig wie Bibis Papi, der Marita retten will und prompt gleichfalls von den Geister belagert wird. Geister sind für Bibi natürlich ein ungewohntes Terrain, und sie braucht daher Rudolphos Hilfe, um sie zu vertreiben. Die akustische Kulisse mit den quakenden Fröschen, den zirpenden Grillen und den schrillen Geistergeräuschen wird sehr souverän und authentisch in Szene gesetzt.

Dazu kommen die humorvollen Momente, vor allem, wenn Bernhard Blocksberg erst an Maritas und dann an Bibis Verstand zweifelt, als sie von einem Geisterkater sprechen, oder aber, wenn Rudolpho zu Marita das wenig erbauliche Kompliment macht, sie wäre ein hübsches Irrlicht geworden. Ein Wiedersehen mit Rudolpho Rauhbein wäre schön - dann aber leider ohne den 2009 verstorbenen Hans-Werner Bussinger als Sprecher. Seine facettenreiche Stimme kam häufig bei Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen zum Einsatz: Mal bei sympathischen Figuren wie Karla Kolumnas altem Schulfreund Eduard Blechmann in "Benjamin als Ritter" oder als Gruselhotelleiter Frank Frankenstein mit seinem markantem Lachen in "Bibi und die Vampire" und mal bei eher unangenehmen Figuren wie in der Bibi-und-Tina-Folge "Der Millionär".

Zu kritisieren gibt es an dieser Folge wahrlich wenig. Auf Dauer können vielleicht die eingestreuten "Miaus" Rudolphos ein wenig auf die Nerven gehen (allerdings kein Vergleich zum Plärren der Zwillinge in "Bibi als Babysitter" oder dem Entenschnattern in "Die weißen Enten"), zudem kommt Bibis Kampf gegen die Geister etwas zu kurz und hätte gern noch etwas ausgedehnt werden dürfen. Dazu gibt es einen kleine Inkonsistenz: Als Bibi Buletten hext, schmecken diese widerlich nach Schwefel, wie angeblich alles gehexte Essen - das kennt man etwa auch aus einer Bibi-und-Tina-Folge, als Tina ein scheinbar verdorbenes Ei erwischt, das gehext wurde. Allerdings gibt noch häufiger Szenen, in denen gehextes Essen wunderbar mundet, so etwa das Abendessen, das Bibi für sich und den kleinen Tommi in "Bibi reißt aus" hext oder der Nachschub in "Bibi hat Geburtstag", als das Essen ausgegangen ist. Das sind auch schon die einzigen Mankos, die insgesamt kaum ins Gewicht fallen.

Fazit:

Schaurig-schöne Bibi-Folge mit viel Atmosphäre und einer gelungenen Nebenfigur. Ideal für kleine Hörer, die sich gerne ein bisschen gruseln.

Sprechernamen:

Bibi Blocksberg: S. Bonasewicz
Bernhard Blocksberg: G. Weber
Rudolfo Rauhbein: H.-W. Bussinger
Erzähler: J. Nottke
Marita: T. Gessner

1. November 2013

Bibi Blocksberg - Die Wahrsagerin

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Inhalt:

Bibi macht sich Sorgen, dass sie die Mathearbeit verhauen hat. Flori bringt sie auf Idee, ihre Note auf hexische Weise zu erfahren, um für den schlimmsten Fall vorbereitet zu sein. Tatsächlich findet sie einen passenden Spruch, um mit Hilfe der Hexenkugel in die Zukunft zu schauen. Dabei wird sie jedoch von ihrer Mutter ertappt, die ein ernstes Gespräch mit ihr über diese Hexerei spricht - in die Zukunft zu schauen ist gefährlich, da man zwangsläufig auch das Unglück sieht, das man vielleicht lieber nicht wissen möchte.

Später beim Essen erzählt Papa Blocksberg eine Neuigkeit: Der Bürgermeister befindet sich im Wahlkampf und hat extra das berühmte Glockenspiel am Rathaus angehalten, um jeder Figur ein kleines Wahlplakat in die Hand zu drücken. Auf der Rathausspitze befindet sich ein weiteres, riesiges Plakat - er will alle Register ziehen, damit sein Gegenkandidat Zwengelmann keine Chance hat. Sekretär Pichler verrät Bibi und Karla Kolumna, dass er sich sogar einen Thron bestellt hat.

Bibi und Flori finden heraus, dass der Bürgermeister seit Kurzem regelmäßig zu einer Wahrsagerin auf der Kirmes geht. Sie können nicht glauben, dass sie wirklich die Zukunft vorhersagen kann - und hat sie vielleicht etwas mit dem seltsamen Verhalten des Bürgermeisters zu tun ...?

Ein König für Neustadt


Wahrsagerei und Hexen hängen eng zusammen, und da bietet es sich an, diese Kunst einmal in einer Bibi-Folge zu thematisieren.

Die Lehren dieses Hörspiels sind eindeutig: Man sollte sein Schicksal selbst in die Hand nehmen und eigenständige Entscheidungen treffen, statt sich von dubiosen Hellsehern leiten zu lassen. Des Weiteren plädiert die Geschichte dafür, ein gesundes Misstrauen zu entwickeln und allgemein nicht blindlings zu vertrauen, sondern seinen Verstand einzusetzen. Es ist eine jener Folgen, in denen der Bürgermeister ein wenig mehr im Vordergrund steht als sonst. Dass er zu Überheblichkeit neigt und seine Bürger gerne mal als "Untertanen" bezeichnet, ist bekannt, dass er allerdings solch plakativen Wahlkampf betreibt und sich einen Thron bestellen lässt, ist selbst für ihn auffällig.

Die Handlung bietet eine gewisse Spannung, mehr Pluspunkte sammeln aber die humoristischen Aspekte. Witzig ist beispielsweise die Szene, in der sich Bibi im Kirmeszelt spontan als Wahrsagerin verkleidet und es ungeplanterweise mit zwei Kunden zu tun bekommt - dem Briefträger Herr Klappermann und Herrn Pichler, die Bibi beide nicht erkennen und erstaunt sind, wie viel die Wahrsagerin tatsächlich über sie weiß. Auch die übliche Verblendung des Bürgermeisters ("Wenn die Leute meinem Sekretär zujubeln, meinen sie ja eigentlich mich!") wird amüsant dargestellt. Ein bisschen Spannung ist durchaus gegeben, vor allem bezüglich der Frage, wie das überzogene Verhalten des Bürgermeisters endet und was sich hinter der Taktik der Wahrsagerin verbirgt - viele Bibi-Geschichten sind ein bisschen durchsichtig geraten, hier ist die Motivation vergleichsweise wenig offensichtlich.

Hervorzuheben sind zudem die Sprecherleistungen. Flori wird noch von Oliver Elias gesprochen, der zwar zugegeben älter als ein dreizehnjähriger Junge klingt, aber dennoch angenehmer zu hören ist als Gerrit Schmidt-Foß, der inzwischen Floris Rolle übernommen hat - was nichts gegen Gerrit Schmidt-Foß als Sprecher generell ist, denn in anderen Rollen ist er wiederum hervorragend, nur als Flori klingt seine verstellte Stimme viel zu künstlich.

Trotzdem hat die Folge auch ihre kleinen Schwächen, die sie eher in Richtung Mittelmaß rutschen lassen. So gelungen die Idee auch ist, dass Bibi und Karla dem Bürgermeister mal ausnahmsweise helfen, statt gegen ihn zu agieren, an der Umsetzung hapert es. Die Taktik der Gegner des Bürgermeisters ist eher albern, es hätte sicher interessantere Ideen gegeben, um ihm zu schaden. Das Ende ist auch ein bisschen zu belanglos und einfallslos für die zuvor aufgebaute Spannung und kann die Erwartungen nur sehr halbherzig erfüllen. Das Potenzial der originellen Grundidee wurde leider nicht wirklich ausgenutzt, sodass die Folge insgesamt doch hinter zahlreichen anderen zurückbleibt.

Die Folge hat zudem einen kleinen Logikfehler, denn zum Thema Hellsehen gab es bereits mal eine ganz andere Aussage bei Bibi Blocksberg: In der früheren Folge "Das Reitturnier" schaute Barbara selbst ganz ungeniert in ihre Hexenkugel - und das gleich zweimal: Einmal wollte sie sehen, ob Bernhard eine Gehaltserhöhung bekommt, und einmal sah sie nach, wie Bibis Turnier in Falkenstein verlaufen würde. Dort wird nur darauf verwiesen, dass man nicht in seine eigene Zukunft schauen könne, die anderen hier genannten Mahnungen entfallen.

Fazit:

Solide und teils witzige, teils spannende Folge mit einer guten Grundidee, welche leider am Ende ein bisschen enttäuschend und zu simpel aufgelöst wird. Recht unterhaltsam, aber reicht nicht über den Durchschnitt hinaus.

Sprechernamen:

Bibi Blocksberg - Susanna Bonaséwicz
Barbara Blocksberg - Hallgerd Bruckhaus
Bernhard Blocksberg - Guido Weber
Karla Kolumna - Gisela Fritsch
Bürgermeister - Heinz Giese
Paul Pichler - Wilfried Herbst
Florian - Oliver Elias
Frau Zwengelmann - Kerstin Sanders-Dornseif
Herr Klappermann - Waldemar Leippil
Mann - Ulli Herzog
Erzähler - Joachim Nottke