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1. November 2012

Die Bilder der Ahnen - Johann August Apel

Produktinfos:

Erscheinungsjahr: 2007
Laufzeit: ca. 76 Minuten
Amazon
* * * * *
Der Autor:

Johann August Apel, 1771-1816, studierte zunächst Rechtswissenschaften und arbeitete als Anwalt, ehe er sich dem Schreiben widmetet. 1805 veröffentlichte er sein erstes Drama, später schrieb er vor allem Geistergeschichten. Große Berühmtheit erlangte er mit dem gemeinsam mit Friedrich Laun herausgegebenen "Gespensterbuch", das zahlreiche gruselige Volkssagen vereinigte.

Inhalt:


1811: Der junge adlige Ferdinand von Panner ist nach Auslandsreisen gerade in seine Heimat zurückgekehrt, nachdem er erfahren hat, dass sein Vater und seine Schwester verstorben sind. Als einziger Sohn ist er nun der Oberhaupt der Familie und soll bald heiraten - auf Wunsch der Mutter und des seligen Vaters soll es Klothilde von Hainthal sein, die er bislang nicht einmal kennt. Widerwillig bricht er auf, um Klothilde und ihre Familie in deren Residenz zu besuchen.

Auf der Reise will Ferdinand unterwegs in einem Gasthaus einkehren und wird zufällig in das Pfarrhaus gebeten. Er wird von einigen Gästen zu einem "Gespenstertee" eingeladen, wo jeder Gast eine gruselige Geschichte erzählt. Zunächst erzählt eine junge blonde Frau die Geschichte ihrer Freundin Juliane, die sich seit ihrer Kindheit vor einem Ahnenporträt gruselt - und am Tag ihrer Trauung tragischerweise von diesem Bild erschlagen wurde. Ferdinand registriert perplex, dass es die Geschichte seiner Schwester Juliane ist. Aus Vorsicht behält er dieses Wissen und seine Identität aber für sich.

Daraufhin erzählt er seine eigene Geschichte, gibt jedoch vor, es sei die Geschichte eines Freundes: Nach der Schulzeit verbrachte er die Ferien im Schloss seines Schulfreunds Allwill von Wartburg und wurde sehr freundlich in die Familie aufgenommen - vor allem Allwills Schwester Emilie fand schnell Gefallen an Ferdinand. Im Schloss ging das unheimliche Ahnenporträt eines Ritters, um das sich eine düstere Geschichte rankt. Vor allem Allwills kleine Brüder Felix und Philipp fürchteten sich immer vor dem Bild - und das zu Recht, wie sich leider herausstellt. Nach dem Gespenstertee erfährt Ferdinand, dass Emilie von Wartburg ihn nicht vergessen hat und er sie dringend sprechen muss - denn ihre Familiengeschichte ist mit seiner verbunden, und der jahrhundertealte Fluch betrifft auch ihn ...

Bewertung:


"Die Bilder der Ahnen" ist nach der "Totenbraut" und dem "Freischütz" eine weitere Gruselkabinettfolge, die sich einer Vorlage aus Johann August Apels und Friedrich Launs Geschichtensammlung "Das Gespensterbuch" bedient. "Die Bilder der Ahnen" ist eine insgesamt sehr überzeugende Folge, allerdings mit Sicherheit auch eine der komplexesten und damit kompliziertesten Geschichte der Reihe.

Man kennt es von den Gruselkabinettfolgen, dass die Geschichten meist eine Rahmen- und eine Haupthandlung haben. Diese Folge jedoch ist besonders verschachtelt und vereint die Geschehnissen aus mehreren Generationen. Der Hörer muss schon in der ersten Hälfte recht viele Informationen verarbeiten: die Reise zur Familie von Hainthal, die Geschichte von Ferdinands verstorbener Schwester Juliane und seine eigene Geschichte, die mit der Familie von Wartburg verknüpft ist. Danach kommt ein weiterer Rückblick, der Allwill von Wartburg thematisiert, und schließlich wird noch ausführlich die Geschichte des Ritters beleuchtet, dessen Bildnis für so viel Schrecken und Trauer sorgt. Es ist gewiss nicht leicht, beim ersten Hören alle Zusammenhänge zu verstehen, und zumindest leichte Verwirrung ist vorprogrammiert. Etwas seltsam ist vielleicht noch, dass Ferdinand nach dem Gespenstertee vermutet, dass die blonde junge Dame vielleicht Emilie sein könnte - auch wenn seit ihrem letzten Treffen Jahre vergangen sind, ist es doch etwas unglaubwürdig, dass er nicht eindeutig sagen kann, ob die Dame Emilie ist oder nicht, zumal er ja auch ihre Stimme gehört hat.

Ansonsten ist die Folge aber sehr empfehlenswert. Die Geschichte des Ritters, sein unruhiger Geist und sein Porträt sorgen für einige schauerliche Augenblicke. Ganz hervorragend ist die musikalische Untermalung - mal mit dramatischen Klängen, die mitreißen, und mal mit kurzen dezenten Einspielungen klassischer Stücke im Hintergrund, nämlich Mozarts Nachtmusik und Brahms' Wiegenlied, die wunderbar in die Atmosphäre passen. Die Handlung ist auf mehreren Ebenen spannend - zum einen möchte man wissen, was es mit diesem Familienfluch auf sich hat, womit er seinen Anfang nahm und wie er beendet werden kann. Für Dramatik ist gesorgt, denn es sterben auch Figuren, die man schnell lieb gewonnen hat. Reizvoll ist auch die Frage, wie es mit Ferdinands Zukunft aussehen wird - ob er tatsächlich wie von seinen Eltern gewünscht Klothilde von Hainthal heiraten wird oder ob sich aus dem Wiedersehen mit Emilie etwas ergibt.

Die Sprecher sind bis auf eine Ausnahme sehr überzeugend. Die Ausnahme bildet Ferdinands Mutter, gesprochen von Marianne Groß, die eigentlich eine sehr erfahrene Sprecherin ist und häufig Anjelica Houston synchronisiert. Ihre Sätze klingen trotzdem teilweise abgelesen und etwas unglücklich betont. Dafür ist der Rest der Besetzung umso besser: Dennis Schmidt-Foß verleiht dem jungenhaften Ferdinand eine sympathische Stimme, Melanie Hinze spricht sehr angenehm die junge Emilie, Lutz Riedels markante raue Stimme verleiht dem Baron von Hainthal viel Charakter. Bert Stevens spricht den Ritter Dietmar von Wartburg so intensiv und unheilvoll, dass einem bei seinem Monolog ein Schauer über den Rücken läuft. Auch die Rollen mit sehr wenig Text sind exzellent besetzt, etwa Wilfried Herbst mit seiner hohen Stimme als Pfarrer und die beiden Sprecher von Allwills kleinen Brüdern.

Fazit:

Eine spannende und sehr komplexe sowie unheimliche und bewegende Folge, die mit fast ausnahmslos sehr guten Sprechern besetzt ist. Auch Geräusche und Musikkulisse sind absolut überzeugend. Die Folge ist allerdings auch ein bisschen verwirrend, da sie mehrere Handlungsfäden zusammenfügt, und erfordert ein bisschen Konzentration.

Sprechernamen:


Ferdinand von Panner: Dennis Schmidt-Foß
Emilie von Wartburg: Melanie Hinze
Baron von Hainthal: Lutz Riedel
Ritter Dietmar von Wartburg: Bert Stevens
Pfarrer: Wilfried Herbst
Frau Pfarrer: Dagmar Biener
Graf Wartburg: Klaus-Dieter Klebsch
Gräfin Panner: Marianne Groß
Baronin von Hainthal: Viola Sauer
Allwill von Wartburg: Daniel Werner
Klotilde von Hainthal: Cathlen Gawlich
Philipp von Wartburg: Aljosha Fritzsche
Felix von Wartburg: Albert Werner

10. Juni 2012

Der Freischütz - Johann August Apel

Produktinfos:

Erscheinungsjahr: 2006
Laufzeit: 65 Minuten
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* * * * *
Der Autor:

Johann August Apel, 1771-1816, studierte zunächst Rechtswissenschaften und arbeitete als Anwalt, ehe er sich dem Schreiben widmete. 1805 veröffentlichte er sein erstes Drama, später schrieb er vor allem Geistergeschichten. Große Berühmtheit erlangte er mit dem gemeinsam mit Friedrich Laun herausgegebenen "Gespensterbuch", das zahlreiche gruselige Volkssagen vereinigte.

Inhalt:

Eine kurfürstliche Gegend um 1800: Der junge Amtsrat Wilhelm und die schöne Försterstochter Käthchen lieben sich und wünschen sich nichts sehnlicher als eine Hochzeit. Auch Käthchens Mutter sieht das Glück der beiden gern, doch der Förster will nichts davon wissen - nur ein Jäger soll seine Tochter heiraten, damit er ihn mangels Sohn mit der Försterei beerben kann. Die Freude ist groß, als sich Wilhelm gern bereit erklärt, wieder den früher schon erlernten Jägerberuf anzunehmen.

Der Brauch allerdings sieht es vor, dass unmittelbar vor der Hochzeit ein Probeschuss abgegeben wird, der Herzog bestimmt das Ziel. Erlegt der Jäger dabei das Wild, kann die Hochzeit vonstatten gehen. Wilhelm geht jeden Tag in den Wald zum Üben, doch seine Treffsicherheit lässt immer mehr nach. Die Familie bangt, dass er den Probeschuss nicht bestehen wird.

Bei einem seiner vergeblichen Versuche trifft Wilhelm im Wald einen Mann mit Holzbein, der sich "Stelzfuß" nennt. Stelzfuß gibt ihm wunderbare Kugeln, mit denen jeder Schuss trifft. Leider muss Wilhelm sie anderweitig verbrauchen, bevor es zum Probeschuss kommt. Nun ist er bereit, zum Freischützen zu werden. Der Sage nach muss man dafür nachts im Wald den Teufelsdiener Samiel anrufen und dabei die Kugeln herstellen. Mit ihnen wird man kein Ziel mehr verfehlen - außer mit den drei letzten, die Samiel persönlich lenkt. Wilhelm lässt sich auf dieses gefährliche Spiel ein ...

Bewertung:

Carl Maria von Webers romantische Oper hat die Sage vom Freischütz weithin bekannt gemacht - aber mit dieser Umsetzung hat das Hörspiel inhaltlich nicht zu viel gemein, sodass auch Kenner der Oper hier eine spannende Handlung erwartet.

Romantik und Grauen sind in dieser Hörspielfolge eng miteinander verwoben. Die Rahmenhandlung, in der Wilhelm rückblickend sein Schicksal berichtet, verrät schon viel vom traurigen Ausgang der Geschichte, doch wie es dazu gekommen ist, fesselt den Hörer unweigerlich. Alles beginnt fröhlich und romantisch mit einem glücklichen Pärchen. Nach kurzen Hinderungen gibt Käthchens Vater Bertram schließlich den Segen für die Verbindung.

Der nötige Probeschuss schwebt aber immer mehr wie ein Damoklesschwert über Wilhelms Kopf. Die Schüsse misslingen, statt ansehnlicher Beute erlegt er nur Krähen oder gar Nachbars Katze. Der Hörer fühlt mit ihnen, ist einem doch vor allem Wilhelm auf Anhieb sympathisch, und zu gern gönnt man den beiden ein glückliches Leben. Umso verständlicher ist es, dass Wilhelm sich tatsächlich auf den teuflischen Handel mit Stelzfuß und Samiel einlässt. Ganz allmählich zieht sich die Schlinge zu, wird Wilhelms Lage immer aussichtsloser und wird er zu dem Pakt mit dem Bösen gedrängt. Den Gruselhöhepunkt bildet die Nacht vor dem Probeschuss, in der Wilhelm sich mit allerlei unheimlichen Gestalten auseinandersetzen muss, die sich an den von ihm gezogenen Blutkreis drängen.

Die Sprecherleistungen sind allesamt großartig, jeder Darsteller wird seiner Rolle absolut gerecht. Da ist einmal Marius Clarén, der den Protagonisten Wilhelm spricht. Seine sehr jungenhafte, ausdrucksstarke Stimme kennt man vor allem aus der Synchronisation von Tobey "Spiderman" Maguire, auch in der Folge "Der Sandmann" übernahm er die Hauptrolle. Herausragend ist auch die Leistung von Jürgen Thormann. Seine aristokratische Stimme kennt man vor allem als deutsche Version von Michael Caine, hier spricht er aber so hoch und ein bisschen verzerrt, dass man sie gar nicht unbedingt sofort als seine erkennt. Lustigerweise klingt er in dieser Rolle als diabolischer Stelzfuß sehr wie damals als Grummel Griesgram in "Regina Regenbogen".

Jochen Schröder spricht mit heiserer Stimme überzeugend den Förster Bertram, Luise Helm passt gut auf die Rolle des gefühlsbetonten jungen Käthchens, und Dagmar von Kurmin nimmt man die Rolle der ältlichen Mutter von Käthchen, die sehr um das junge Glück besorgt ist, vollends ab. Großartig wie immer auch die Geräuschkulisse und die musikalische Untermalung. Die zarten Musikklänge mit einem immer wiederkehrenden Thema gehen direkt ins Herz, vor allem wenn Wilhelm über Käthchen spricht. Die Geräusche klingen allesamt sehr realistisch, sei es das unaufdringliche Knistern des Kaminfeuers oder die Tiergeräusche am nächtlichen Kreuzweg.

Zu bemängeln gibt es in dieser Folge nur sehr wenig. Allerdings ist es definitiv eine der weniger unheimlichen Folgen. Sieht man von der nächtlichen Samiel-Szene im Wald ab, ist es vor allem eine tragische und bewegende Liebesgeschichte. Etwas schade ist es, dass die Rahmenhandlung schon viel vom Ende verrät und der Hörer kaum mehr überrascht werden kann. Zudem sind streng betrachtet die Episoden um Ahnherr Kuno, die Bertram Wilhelm erzählt, ein bisschen zu ausführlich geraten und hätten auch etwas kompakter gefasst werden können.

Fazit:

Ein insgesamt sehr gelungenes Hörspiel, das vor allem durch hervorragende Sprecher, dichte Atmosphäre und eine bewegende Handlung besticht. Die Geschichte, die nicht viel mit der Oper-Version gemeinsam hat, bietet nicht so viel Grusel wie andere Folgen, ist aber dennoch unterm Strich sehr empfehlenswert.

Sprechernamen:

Wilhelm: M. Clarén
Käthchen: L. Helm
Bertram: J. Schröder
Anna: D. von Kurmin
Rudolf: T. Kluckert
Stelzfuß: J. Thormann
Samiel: N. Matt