1. November 2013

Bibi Blocksberg - Die Wahrsagerin

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Inhalt:

Bibi macht sich Sorgen, dass sie die Mathearbeit verhauen hat. Flori bringt sie auf Idee, ihre Note auf hexische Weise zu erfahren, um für den schlimmsten Fall vorbereitet zu sein. Tatsächlich findet sie einen passenden Spruch, um mit Hilfe der Hexenkugel in die Zukunft zu schauen. Dabei wird sie jedoch von ihrer Mutter ertappt, die ein ernstes Gespräch mit ihr über diese Hexerei spricht - in die Zukunft zu schauen ist gefährlich, da man zwangsläufig auch das Unglück sieht, das man vielleicht lieber nicht wissen möchte.

Später beim Essen erzählt Papa Blocksberg eine Neuigkeit: Der Bürgermeister befindet sich im Wahlkampf und hat extra das berühmte Glockenspiel am Rathaus angehalten, um jeder Figur ein kleines Wahlplakat in die Hand zu drücken. Auf der Rathausspitze befindet sich ein weiteres, riesiges Plakat - er will alle Register ziehen, damit sein Gegenkandidat Zwengelmann keine Chance hat. Sekretär Pichler verrät Bibi und Karla Kolumna, dass er sich sogar einen Thron bestellt hat.

Bibi und Flori finden heraus, dass der Bürgermeister seit Kurzem regelmäßig zu einer Wahrsagerin auf der Kirmes geht. Sie können nicht glauben, dass sie wirklich die Zukunft vorhersagen kann - und hat sie vielleicht etwas mit dem seltsamen Verhalten des Bürgermeisters zu tun ...?

Ein König für Neustadt


Wahrsagerei und Hexen hängen eng zusammen, und da bietet es sich an, diese Kunst einmal in einer Bibi-Folge zu thematisieren.

Die Lehren dieses Hörspiels sind eindeutig: Man sollte sein Schicksal selbst in die Hand nehmen und eigenständige Entscheidungen treffen, statt sich von dubiosen Hellsehern leiten zu lassen. Des Weiteren plädiert die Geschichte dafür, ein gesundes Misstrauen zu entwickeln und allgemein nicht blindlings zu vertrauen, sondern seinen Verstand einzusetzen. Es ist eine jener Folgen, in denen der Bürgermeister ein wenig mehr im Vordergrund steht als sonst. Dass er zu Überheblichkeit neigt und seine Bürger gerne mal als "Untertanen" bezeichnet, ist bekannt, dass er allerdings solch plakativen Wahlkampf betreibt und sich einen Thron bestellen lässt, ist selbst für ihn auffällig.

Die Handlung bietet eine gewisse Spannung, mehr Pluspunkte sammeln aber die humoristischen Aspekte. Witzig ist beispielsweise die Szene, in der sich Bibi im Kirmeszelt spontan als Wahrsagerin verkleidet und es ungeplanterweise mit zwei Kunden zu tun bekommt - dem Briefträger Herr Klappermann und Herrn Pichler, die Bibi beide nicht erkennen und erstaunt sind, wie viel die Wahrsagerin tatsächlich über sie weiß. Auch die übliche Verblendung des Bürgermeisters ("Wenn die Leute meinem Sekretär zujubeln, meinen sie ja eigentlich mich!") wird amüsant dargestellt. Ein bisschen Spannung ist durchaus gegeben, vor allem bezüglich der Frage, wie das überzogene Verhalten des Bürgermeisters endet und was sich hinter der Taktik der Wahrsagerin verbirgt - viele Bibi-Geschichten sind ein bisschen durchsichtig geraten, hier ist die Motivation vergleichsweise wenig offensichtlich.

Hervorzuheben sind zudem die Sprecherleistungen. Flori wird noch von Oliver Elias gesprochen, der zwar zugegeben älter als ein dreizehnjähriger Junge klingt, aber dennoch angenehmer zu hören ist als Gerrit Schmidt-Foß, der inzwischen Floris Rolle übernommen hat - was nichts gegen Gerrit Schmidt-Foß als Sprecher generell ist, denn in anderen Rollen ist er wiederum hervorragend, nur als Flori klingt seine verstellte Stimme viel zu künstlich.

Trotzdem hat die Folge auch ihre kleinen Schwächen, die sie eher in Richtung Mittelmaß rutschen lassen. So gelungen die Idee auch ist, dass Bibi und Karla dem Bürgermeister mal ausnahmsweise helfen, statt gegen ihn zu agieren, an der Umsetzung hapert es. Die Taktik der Gegner des Bürgermeisters ist eher albern, es hätte sicher interessantere Ideen gegeben, um ihm zu schaden. Das Ende ist auch ein bisschen zu belanglos und einfallslos für die zuvor aufgebaute Spannung und kann die Erwartungen nur sehr halbherzig erfüllen. Das Potenzial der originellen Grundidee wurde leider nicht wirklich ausgenutzt, sodass die Folge insgesamt doch hinter zahlreichen anderen zurückbleibt.

Die Folge hat zudem einen kleinen Logikfehler, denn zum Thema Hellsehen gab es bereits mal eine ganz andere Aussage bei Bibi Blocksberg: In der früheren Folge "Das Reitturnier" schaute Barbara selbst ganz ungeniert in ihre Hexenkugel - und das gleich zweimal: Einmal wollte sie sehen, ob Bernhard eine Gehaltserhöhung bekommt, und einmal sah sie nach, wie Bibis Turnier in Falkenstein verlaufen würde. Dort wird nur darauf verwiesen, dass man nicht in seine eigene Zukunft schauen könne, die anderen hier genannten Mahnungen entfallen.

Fazit:

Solide und teils witzige, teils spannende Folge mit einer guten Grundidee, welche leider am Ende ein bisschen enttäuschend und zu simpel aufgelöst wird. Recht unterhaltsam, aber reicht nicht über den Durchschnitt hinaus.

Sprechernamen:

Bibi Blocksberg - Susanna Bonaséwicz
Barbara Blocksberg - Hallgard Bruckhaus
Bernhard Blocksberg - Guido Weber
Karla Kolumna - Gisela Fritsch
Bürgermeister - Heinz Giese
Paul Pichler - Wilfried Herbst
Florian - Oliver Elias
Frau Zwengelmann - Kerstin Sanders-Dornseif
Herr Klappermann - Waldemar Leippil
Mann - Ulli Herzog
Erzähler - Joachim Nottke

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