10. Januar 2017

Das Spiel (Rache - Band 2) - Jeff Menapace

Produktinfos:

Ausgabe: 2016 bei Heyne Hardcore
Seiten: 432
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Der Autor:

Jeff Menapace (USA) erlangte gleich mit seinem Debütroman "Das Spiel - Opfer" den Durchbruch als Horrorautor; zwei weitere Bände folgten nach. 2011 erhielt er den Red Adept Reviews Indie Award. Ansonsten ist er Fan der Three Stooges, liebt den Originalfilm "The Texas Chainsaw Massacre" und hasst Spinnen.

Inhalt:


Ein paar Monate sind vergangen, seit das Ehepaar Amy und Patrick Lambert mitsamt den Kindern Carrie und Caleb das Martyrium durch die psychopathischen und sadistischen Brüder Arty und Jim Fannelli überlebt hat. Es gelang ihnen, Jim in Notwehr zu töten und Arty schwer zu verletzen; Arty sitzt seither im Gefängnis.

Die Lamberts versuchen derweil, ihr altes Leben wieder aufzunehmen und die erlebten Schrecken zu verarbeiten. Es gelingt ihnen gut, auch wenn vor allem die sechsjährige Carrie noch sehr darunter leidet. Sie ahnen nicht, dass unterdessen die gleichfalls sadistische Mörderin Monica herausgefunden hat, dass sie die leibliche Schwester der Fannelli-Brüder ist.

Die ebenso attraktive wie skrupellose Monica will gemeinsam mit ihrem ebenso perversen Vater John Rache an den Lamberts dafür nehmen, dass diese Jim töteten und Arty schwer verletzten. Kurz darauf erleben die Lamberts einige Unglücksfälle, die wie Zufälle wirken. Noch dämmert ihnen nicht, dass dies nur der Anfang der Rache sein soll ...

Bewertung:

Der zweite Teil der Spiel-Trilogie von Jeff Menapace knüpft eng an den ersten an und steht auch in Sachen Brutalität ganz in seinem Zeichen. Was seinerzeit als idyllischer Urlaub am Crescent Lake geplant war, endete für Familie Lambert in einer Katastrophe, die sie nur um Haaresbreite lebend überstanden. Einer der Fannelli-Brüder ist tot, der andere hinter Gittern - aber Monica und ihr Daddy John sind erpicht darauf, die Familientradition fortzusetzen.

Schon früh erfährt der Leser, dass Monica ihren Brüdern in Sachen Grausamkeit in nichts nachsteht. Wie ihre Brüder wurde sie adoptiert, fand jedoch im Gegensatz zu ihnen ihren leiblichen Vater - wie seine Kinder auch er ein Psychopath, dem jegliches Mitgefühl fehlt und der dafür mörderische Spiele liebt. Daddys little girl bezieht sexuelle Lust aus dem Quälen und Töten von Menschen, und man darf gespannt sein, ob und wie die Lamberts die erneute Attacke auf ihr Leben überstehen werden.

Die Lamberts sind eine amerikanische Durchschnittsfamilie, deren Leben vor der Begegnung mit den Fannelis in geordneten Bahnen verlief. Ein Fokus liegt auf der innigen Beziehung zwischen Amy und Patrick: Zwar gibt es durchaus immer wieder kleinere und größere Reibereien, aber es ist stets deutlich, dass sie sich nicht nur nach wie vor sehr lieben, sondern dass sie gleichzeitig auch beste Freunde sind. Der Überfall durch die Fannellis hat dies nur verstärkt, schließlich haben sich Amy und Patrick gegenseitig das Leben gerettet. Die beiden sind freilich keine sonderlich markanten oder einprägsamen Charaktere, aber sie sind sympathisch genug, dass man um sie bangt. Dass sie auch diesmal überleben, ist längst nicht gesichert; ein dritter Teil könnte auch mit anderen Figuren funktionieren. Recht interessant ist außerdem die Entwicklung der Kinder Carrie und Caleb. Carrie ist sichtlich traumatisiert durch das Geschehen und träumt beispielsweise schlecht; der erst vierjährige Caleb hat nach ärztlicher Meinung die Tragweite der Ereignisse glücklicherweise nicht begriffen. Allerdings hat Caleb neuerdings Spaß daran, seiner Mutter Reißnägel in die Schuhe zu legen - es bleibt abzuwarten, wie sich Caleb weiterhin verhält und welche Spuren die Zeit am Crescent Lake bei ihm hinterlassen haben.

"Rache" ist kein Werk, das in die Tiefe geht, trotzdem bietet es gute Unterhaltung, wenn man etwas blutigere Thriller mag. Es ist kein Splatterroman, der Gewaltszenen aneinanderreiht. Monica und ihr Vater bauen ihre Rache an den Lamberts sehr langsam auf; die ersten bedrohlichen Ereignisse werden von ihren Opfern als Zufälle wahrgenommen. Erst spät realisieren Patrick und Amy, dass mehr hinter den Zwischenfällen steckt. Wer sich an detaillierten Metzeleien erfreuen will, findet dazu passendere Bücher, bei Richard Laymon beispielsweise gibt es im Schnitt mehr blutige Szenen.

Allerdings sind weder Arty noch Monica noch ihr Vater besonders komplexe Figuren. Ihre simple Bösartigkeit nutzt sich mit der Zeit etwas ab. Sie sind zwar intelligent in ihrer Vorgehensweise, aber keine charismatischen Charaktere. Natürlich ist es auch nicht gerade sehr glaubwürdig, dass gleich eine gesamte Familie von Geburt an böse ist und das ganze Leben aufs Töten ausrichtet. Zudem ist es erstaunlich, dass Monica mit einem technischen Equipment zur Überwachung ausgestattet ist, auf das FBI-Agenten neidisch werden würde.

Fazit:

"Rache" ist die gute Fortsetzung der Spiel-Reihe von Jeff Menapace, die direkt auf dem ersten Teil aufbaut. Wieder steht die Familie Lambert im Vordergrund, wieder werden sie von Psychopathen bedroht. Der Roman ist nicht sonderlich tiefgehend, aber unterhaltsam und nicht so blutig, wie man zunächst vermuten könnte. Die Gegenspieler sind allerdings keine komplexen oder besonders interessanten Charaktere.

2. Januar 2017

All die bösen Dinge - Mary-Jane Riley

Produktinfos:

Ausgabe: 2016 bei Goldmann
Seiten: 384
Buchhandel.de
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Die Autorin:

Mary-Jane Riley aus Suffolk arbeitete viele Jahre lang als Journalistin für die BBC und kam dabei immer wieder mit spektakulären Verbrechen in Berührung. Sie verfasste zunächst einige Kurzgeschichten, die in Zeitschriften erschienen, bevor sie mit "All die bösen Dinge" ihren ersten Roman veröffentlichte.

Inhalt:


Fünfzehn Jahre ist es her, dass im englischen Suffolk die vierjährigen Zwillinge Harry und Millie verschwanden, als sie ihre Tante Alex besuchten. Harrys Leiche wurde Wochen später gefunden, Millie bleibt verschwunden.

Schließlich werden ein Mann und eine Frau für die Tat zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Der Mann nimmt sich kurz darauf das Leben, die Frau wird nach fünfzehn Jahren wegen Zweifeln an einem Gutachter freigesprochen. Alex ist entsetzt darüber, denn sie ist nach wie vor überzeugt, dass die beiden Richtigen verurteilt wurden.

Kurzerhand nutzt Alex ihre journalistische Tätigkeit, um die freigesprochene Jackie Wood aufzusuchen und zu interviewen. Sie erhofft sich dadurch Informationen zu Millies Schicksal. Kurz darauf wird Jackie ermordet. Allmählich kommt Alex der Verdacht, dass damals vielleicht doch nicht die richtigen Täter verurteilt wurden, und stellt auf eigene Faust Nachforschungen an ...

Bewertung:


Man merkt es wahrlich nicht, dass es sich bei "All die bösen Dinge" um Mary-Jane Rileys ersten Roman handelt. Mag das Werk auch kein absolutes Highlight im Thrillergenre sein, so erzählt es doch kurzweilig, reizvoll und spannend eine souverän komponierte Geschichte.

Die Handlung fokussiert sich abwechselnd auf Alex Devlin und die Ermittlerin Kate Todd, die schon vor fünfzehn Jahren mit dem Fall in Berührung kam. Alex ist eine interessante Protagonistin, die mit einigen Problemen zu kämpfen hat. Sie ist alleinerziehende Mutter eines sechzehnjährigen Sohnes, zum Kindsvater, einem One Night Stand, besteht schon lange kein Kontakt mehr. Alex hält sich und ihren Sohn Gus als freiberufliche Journalistin mühevoll über Wasser, immer auf der Suche nach dem nächsten gewinnbringenden Artikel. In dem attraktiven Malone hat sie zwar gerade einen neuen Partner gefunden, doch der mysteriöse Malone - der auf einen Vornamen schlicht verzichtet - schleppt als Undercoverermittler auch eigene Lasten mit sich herum, und Alex ist noch nicht ganz sicher, ob er sich für eine enge Beziehung wirklich eignet.

Die Entlassung von Jackie Wood beschwört die ganze schmerzvolle Geschichte um Harry und Millie wieder herauf. Alex hat nie verwunden, dass die Zwillinge in ihrer Obhut aus dem Garten verschwanden. Mehr noch, im weiteren Verlauf erfährt man, dass es eine Verbindung zwischen Alex und dem verurteilen Mörder Martin Jessop gab, von der niemand außer ihr zu wissen scheint - bis jetzt, denn auch diese Geschichte droht nun ans Licht zu kommen. Da Alex Jackie Woods Leiche findet, ist sie für die Polizei zudem eine Verdächtige, zumal sie als Nichte der Opfer ein gutes Motiv hätte. Mit Alex lässt es sich gut mitfiebern, ihre Schuldgefühle berühren den Leser und ihre Handlungen sind fast immer nachvollziehbar - nur beim Auffinden von Jackie Woods Leiche verhält sie sich sehr ungünstig.

Ein zentraler Punkt ist außerdem das komplexe Verhältnis zwischen den Schwestern Alex und Sasha. Sasha, die Mutter die Zwillinge, ist seit fünfzehn Jahren eine gebrochene Frau, schleppt sich mit schweren Depressionen durch den Tag und verletzt sich immer wieder selbst. Die Ehe mit ihrem Mann Jez scheiterte bald nach der Tat, auch wenn sie und Jez sich immer noch zu lieben scheinen. Alex kümmert sich intensiv um ihre labile Schwester; andererseits erscheint das Verhältnis in einem etwas veränderten Licht mit der Enthüllung, dass Alex als Teenager mit Jez liiert war und Sasha ihn ihr bewusst ausspannte. Gerade an der Figur Sasha wird deutlich, dass es sich nicht nur um einen Thriller, sondern auch um eine dramatische Familiengeschichte handelt, die das Leben aller Beteiligten nachhaltig verändert hat.

Detektive Inspector Kate Todd ist gleichfalls eine gelungene Figur. Auch ihr Privatleben berührt, ist sie doch auch nach fünfzehn Jahren traumatisiert durch die Auffindung des toten Harry. Seit sie als junge, unerfahrene Polizistin die Kinderleiche fand, wehrt sich in ihr alles gegen den Gedanken, selbst Mutter zu werden; zu groß ist ihre Angst, selbst einmal ein Kind zu verlieren. Davon ahnt allerdings ihr Ehemann Chris nichts, der sich sehnlichst Kinder wünscht. Dieser Zwiespalt beschäftigt Kate Todd durchgehend, ist aber angenehmerweise auch nicht so präsent in der Handlung, dass er vom Kriminalfall ablenken würde.

Spannung bezieht der Roman aus den Fragen, ob die Verurteilten Jackie Wood und Martin Jessop tatsächlich unschuldig waren, was genau hinter der Entführung der Kinder steckte, wer Jackie Wood ermordete und wie weit Alex ins Visier der neuen Ermittlungen und Presse-Enthüllungen gerät. Ein kleiner Schwachpunkt liegt darin, dass es eine frühe Andeutung gibt, die man zwar aufgrund ihrer Beiläufigkeit überlesen kann, die aber - wenn man sie nicht überliest - viel von der Auflösung vorwegnimmt. Das Ende ist bewegend und durchaus schockierend, aber nicht völlig überraschend. Wer auf einen großen Überraschungseffekt setzt, dürfte in der Hinsicht enttäuscht werden.

Fazit:


"All die bösen Dinge" von Mary-Jane Riley ist ein überzeugender Debüt-Thriller mit interessanten Charakteren, der sich leicht und flüssig liest. Der Überraschungseffekt am Ende könnte ruhig etwas größer ausfallen, das ist eine kleine Schwäche des Werkes. Ansonsten empfehlenswert und man darf gespannt sein auf den nächsten Band mit Alex Devlin.

1. Januar 2017

Das Paket - Sebastian Fitzek

Produktinfos:

Ausgabe: 2016
Seiten: 368
Buchhandel.de
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Der Autor:

Sebastian Fitzek, Jahrgang 1971, zählt zu Deutschlands erfolgreichsten Thrillerautoren. Gleich mit seinem Erstling "Die Therapie" gelang ihm 2006 der Durchbruch. Weitere Werke sind u.a. "Der Seelenbrecher", "Der Augensammler", "Splitter", "Noah" und "Passagier 23".

Inhalt:

Emma Stein ist eine engagierte Psychiaterin und glücklich im Berufs- und Privatleben - erst recht, seit sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Philipp ihr erstes Kind erwartet. Doch das ändert sich alles schlagartig, als Emma eines Nachts im Hotelzimmer vergewaltigt wird und anschließend eine Fehlgeburt erleidet. Der maskierte Täter schert ihr die Haare, und für Emma steht fest, dass sie ein weiteres Opfer des "Friseurs" geworden ist, eines Serientäters, der Frauen überfällt und ihnen die Haare abrasiert.

Emma ist allerdings das einzige Opfer, das nicht getötet wurde. Daher zweifelt die Polizei auch daran, dass es sich um den gleichen Täter handelt. Schließlich kommt sogar der Verdacht auf, dass sich Emma alles nur eingebildet oder die Vergewaltigung inszeniert hat, zumal sie als Kind wegen Wahnvorstellungen behandelt wurde.

Nach der Tat zieht sich Emma völlig in ihr Haus am Berliner Stadtrand zurück. Sie kann aus Angst vor dem Täter nicht mehr auf die Straße gehen, reagiert hysterisch auf Geräusche und behält immer ihren wachsamen Husky Samson um sich herum, erst recht, wenn Philipp beruflich unterwegs ist. Eines Tages bittet sie der Postbote, ein Paket für einen Nachbarn anzunehmen. Emma ist misstrauisch, denn der Name des angeblichen Nachbarn ist ihr unbekannt. Plötzlich geschehen seltsame Dinge und Emma ist überzeugt davon, dass ihr Vergewaltiger ein perverses Spiel mit ihr treibt ...

Bewertung:

Die Grundidee von Sebastian Fitzeks Psychothriller "Das Paket" ist reizvoll, der gute Anfangseindruck wird aber zunehmend durch übertriebene Wendungen zunichte gemacht.

Zunächst einmal ist es spannend, auf zwei Zeitebenen Emmas Schicksal zu verfolgen. In einem Strang spricht sie nach offenbar sehr dramatischen Vorfällen mit ihrem väterlichen Freund Konrad, der zugleich Anwalt ist. Der andere Strang spielt drei Wochen zuvor und zeigt, wie die beunruhigenden Ereignisse in Emmas Leben nach und nach gesteigert haben. Emmas Schicksal erweckt Mitgefühl beim Leser. Seit ihrer Vergewaltigung ist sie ein körperliches und seelisches Wrack, kann nicht mehr arbeiten gehen, geschweige denn, dass sie bereit für ein neues Kind wäre. Ihre Vertrauenspersonen sind sehr rar gesät, und ausgerechnet ihr Ehemann hält nicht uneingeschränkt zu ihr - allmählich scheint er die Geduld mit ihr zu verlieren, und in ihr keimt der Verdacht auf, dass auch er ihr nicht mehr glaubt, was sie erlebt haben will.

Es wird lange Zeit offengehalten, ob Emma wirklich ein Opfer des Serienmörders war oder ob sie sich diese Verbindung zwischen ihr und den anderen Frauen einredet. Man ist durchaus gewillt ihr zu glauben, doch realistisch betrachtet sind Zweifel an ihrer Theorie verständlich. Immer wieder kommt es zu Situationen, in denen sich Emma bedroht fühlt, was aber auch an ihrer extremen Sensibilität liegen mag. Daraus ergibt sich ein zunächst recht unterhaltsames Verwirrspiel, in dem nicht klar ist, ob die Protagonistin tatsächlich noch in Gefahr schwebt oder nicht.

Allerdings war es das auch schon mit den positiven Aspekten. Schon früh fällt störend auf, dass manche Szenen, in denen Emma eine diffuse Bedrohung spürt, zu ausufernd erzählt werden. Des Weiteren ist Emmas Verhalten nicht immer nachvollziehbar; schon allein, wie es dazu kommt, dass sie das ominöse Paket trotz ihrer Angst vor Fremden überhaupt annimmt, ist wenig überzeugend und wirkt konstruiert. Mit der Zeit nerven auch die Cliffhanger, die sich im Nachhinein teilweise sehr banal auflösen. Größtes Manko sind aber die überdrehten Wendungen, die die Handlung auf den letzten Metern einnimmt. Ein Überraschungseffekt am Ende ist bei einem Psychothriller natürlich beinah verpflichtend, allerdings erfährt diese Wendung dann wieder eine Wendung, um erneut eine Wendung und schließlich noch eine Wendung einzuschlagen. So reiht sich am Ende eine Enthüllung an die andere, selbstverständlich jede noch ein wenig spektakulärer als die vorherige, was letztlich viel zu aufgesetzt, unglaubwürdig bis unfreiwillig komisch erscheint. Weniger wäre hier definitiv mehr gewesen; da rettet auch die nette Aufmachung der Hardcoverausgabe nicht viel, die das Titelbild passend zum Titel als Paket an den Verlag inszeniert.

An den Roman schließt sich noch ein Anhang von gut zwanzig Seiten an, in denen Sebastian Fitzek ein bisschen sein zehnjähriges Autorenleben Revue passieren lässt und sich vor allem bei seinen Lesern bedankt. Um einen Einblick in die zahlreichen Mails zu schenken, die er seit dem ersten Roman regelmäßig erhält, druckt er mehr als ein Dutzend davon ab. Das hätte es nun nicht unbedingt gebraucht, aber sicherlich interessiert es den einen oder anderen Leser.

Fazit:

"Das Paket" von Sebastian Fitzek ist ein in der ersten Hälfte recht kurzweiliger Psychothriller, der dann in der zweiten Hälfte zunehmend schwächelt. Das Ende ist sehr überzogen, da es gleich mehrere spektakuläre bis unglaubwürdige Wendungen gibt, die in der Fülle viel zu überfrachtet wirken.

27. Dezember 2016

Elanus - Ursula Poznanski

Produktinfos:

Ausgabe: 2016
Seiten: 416
Buchhandel.de
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Die Autorin:

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie begann verschiedenste Studiengänge zu belegen, ehe sie sich für einen Werdegang als Medizinjournalistin entschied. Seit 2003 schreibt sie Jugend- und Erwachsenenbücher, insbesondere Thriller. Werke von ihr sind beispielsweise "Erebos", "Saeculum", "Fünf", "Blinde Vögel" und gemeinsam mit Arno Strobel "Fremd" und "Anonym".

Inhalt:

Der siebzehnjährige Jona ist hochbegabt und vor allem im mathematisch-technischen Bereich seinen Alterskollegen um einige Jahre voraus. Daher erhält er ein Vollstipendium an einer Elite-Universität und zieht dafür in eine Gastfamilie in der Universitätsstadt. In sozialen Belangen ist Jona allerdings umso unbeholfener; er hat Probleme damit, Freundschaften und Beziehungen einzugehen.

Niemand ahnt etwas von Jonas privatem Forschungsprojekt, einer äußerst leistungsfähigen, mit Mikrofon und Kamera ausgestatteten Drohne, die er "Elanus" getauft hat. Mit ihrer Hilfe spioniert Jona seine Mitmenschen aus: Über die Handynummer ortet die Drohne den Besitzer, fliegt leise und unauffällig zu ihm und macht Ton- und Filmaufnahmen, die Jona zuhause live am Computer verfolgt und abspeichert. Egal, ob Jona sich an jemandem rächen will oder Infos zu einem interessanten Mädchen sucht, die Drohne beschafft ihm intime Einblicke in die Privatsphäre anderer, die er für sich nutzen kann.

Doch kurz nach Jonas Ankunft an der Uni passieren merkwürdige und beunruhigende Dinge. Ein Dozent nimmt sich das Leben, eine Kommilitonin scheint mehr darüber zu wissen. Zudem hat Jona mehr und mehr das Gefühl, dass er selbst ausspioniert wird. Irgendjemand weiß offenbar von seiner Drohne und sieht in Jona eine Gefahr, die beseitigt werden muss ...

Bewertung:

Ursula Poznanski beweist nach Büchern wie "Saeculum" mit "Elanus" erneut, dass sie nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Jugendliche spannende Thriller schreiben kann. Das in routiniert-flüssigem Stil verfasste "Elanus" ist ein sehr zeitgemäßes Werk, das sich den technischen Möglichkeiten der Überwachung und Spionage widmet und das Gefahrenpotenzial zum Thema macht - freilich eingebettet in eine kurzweilige Handlung, die in erster Linie unterhält und nicht belehrt oder kritisiert. Protagonist Jona kommt einerseits in den Genuss dieser hochmodernen Techniken, schließlich erfährt er durch seine Drohne viele Probleme und Geheimnisse seiner Mitmenschen, die ihm sonst verschlossen blieben. Andererseits erfährt Jona auch, dass es lebensgefährlich ist, mit seiner Drohne den falschen Menschen zu nahe zu kommen. Sein "Elanus" ist eigentlich nur als private Spielerei gedacht, doch ehe er sich's versieht, ist Jona ist kriminelle Machenschaften verwickelt.

Die Handlung ist spannend, da sie genug Fragen aufwirft, die man als Leser gerne beantwortet sehen möchte und deren Antworten nicht zu vorhersehbar sind. Da ist die Frage, warum sich Jonas Dozent das Leben genommen hat - wenn es denn tatsächlich ein Selbstmord war. Da ist die Frage, was Jonas Kommilitonin Linda darüber weiß, denn sie ist ausgesprochen bestürzt über den Vorfall, obwohl er sie nicht einmal unterrichtete. Und da ist die Frage, was Dr. Schratter, der Rektor der Universität, möglicherweise mit diesen Dingen zu tun hat. Obwohl Jona einige Dinge zu seinem Studium mit ihm besprechen soll, scheint es unmöglich, ihn zu treffen; immer ist der Rektor gerade weg oder in einer Besprechung, selbst fest ausgemachte Termine lässt er ohne Absage ausfallen, fast als ginge er Jona bewusst aus dem Weg.

Auch andere Menschen in Jonas Umfeld verhalten sich zunehmend merkwürdig ihm gegenüber, er wird offenbar als unliebsamer Mitwisser beobachtet und verfolgt und weiß nicht einmal, was er so Brisantes erfahren haben soll, dass man ihn so fürchtet. Zu allem Überfluss wohnt Jona nicht mehr zuhause, sondern ist für das Studium zu einer Gastfamilie gezogen, hat also niemand Vertrauten um sich herum und weiß nicht, wer aus seinem neuen Umfeld Freund und wer Feind ist.

Die Schwäche des Romans liegt darin, dass ausgerechnet Protagonist Jona vor allem zu Beginn unsympathisch erscheint. Er verhält sich arrogant gegenüber seinen Mitmenschen, stellt sich beispielsweise gleich in seiner ersten Vorlesung als "so hochbegabt, dass es kaum noch auszuhalten ist" vor und reißt den Vortrag gegen den Willen des Dozenten an sich. Dass er seine Mitmenschen mithilfe seiner Drohne ausspioniert und ihnen aus Spaß sogar anonyme Drohzettel à la "Ich weiß, was du getan hast" zusteckt, macht ihn definitiv nicht liebenswerter. Gerade auf den ersten zwanzig, dreißig Seiten ist das Risiko recht hoch, dass man genervt das Buch zuklappt und auf die weitere Lektüre verzichtet.

Zumindest in diesem Anfangsstadium ist Jona auch kein typischer Antiheld, der gerade durch seine Schwächen zum Identifizieren einlädt, da man nur schwer Verständnis für sein Verhalten aufbringen kann. Glücklicherweise bessert sich das mit der Zeit. Jona schämt sich später mehrmals für sein Verhalten und bereut manche Dinge, er hält sich mit arroganten Bemerkungen zurück und zeigt Hilfsbereitschaft. Ungefähr nach dem ersten Drittel fühlt man sich ihm näher und er wird schließlich tatsächlich zu einer Figur, mit der man bangt und leidet - sofern man nicht vorher schon die Geduld mit ihm verliert.

Fazit:

"Elanus" von Ursula Poznanski ist insgesamt ein spannender und kurzweiliger Thriller für Leser ab etwa vierzehn Jahren mit einer interessanten Thematik. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings, dass ausgerechnet die Hauptfigur anfangs recht unsympathisch erscheint. Das bessert sich im Handlungsverlauf, ist aber zunächst abschreckend.

18. Dezember 2016

Niemand sieht mich kommen - Lisa Scottoline

Produktinfos:

Ausgabe: 2016
Seiten: 416
Buchhandel.de
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Die Autorin:

Lisa Scottoline aus den USA, eigentlich Lisa Scott, hat als Anwältin für das US-Berufungsgericht gearbeitet und baut ihre juristische Erfahrung gerne in ihre Romane ein. 1994 erschien ihr erster Roman "Die Katze war noch da", der erste Teil der Rosato & Partner-Reihe, die inzwischen mehr als zehn Bücher umfasst. Weitere Werke sind u.a. "Die Staatsanwältin", "Die Richterin" und "Rabenmutter".

Inhalt:

Eric Parish ist ein erfolgreicher Psychiater, der in Philadelphia die psychiatrische Abteilung eines Krankenhauses leitet und nebenbei noch eine eigene Praxis führt. Privat dagegen gerät sein Leben aus den Fugen, als sich seine Frau Caitlin von ihm trennt und ein erbitterter Sorgerechtsstreit um die siebenjährige Tochter Hannah entbrennt.

In diesen Tagen nimmt Eric den siebzehnjährigen Max als Privatpatienten an. Der intelligente, aber unsichere Max leidet unter einer Zwangsneurose, zudem liegt seine geliebte Großmutter im Sterben, während die Mutter Alkoholikerin ist, und Eric sorgt sich um den Jungen. In den Therapiestunden erfährt Eric, dass Max von einem Mädchen besessen ist und sie regelmäßig stalkt.

Kurz darauf beschuldigt eine Medizinstudentin Eric der sexuellen Belästigung, nachdem er sie abgewiesen hat. Sein Job steht auf dem Spiel, ebenso sein Kontakt zu Hannah. Doch es kommt noch schlimmer, als Max' Angebetete ermordet aufgefunden wird. Plötzlich steht Eric unter Mordverdacht und alles spricht gegen ihn. Irgendjemand will offenbar sein Leben zerstören - doch wer und warum ...?

Bewertung:

Von ganz oben nach ganz unten geht es für Eric Parish, den Protagonisten in Lisa Scottolines Thriller "Niemand sieht mich kommen".

Nach der schmerzlichen Trennung von seiner Frau und den Sorgerechtsproblemen findet er zunächst Halt in seiner Arbeit, ist er doch ein überaus erfolgreicher und geschätzter Psychiater, dem seine Patienten sehr am Herzen liegen. Eric ist grundsätzlich eine sympathische Figur und man kann sein Handeln in der ersten Hälfte des Romans gut nachvollziehen. Er hängt an seiner Exfrau und leidet darunter, dass sie schnell einen neuen Partner findet, er vermisst seine Tochter und registriert besorgt, dass Hannahs Mutter das introvertierte Mädchen zu Hobbys drängt, die Hannah gar nicht gefallen. Man kann sich schnell in Eric und seine Probleme einfühlen, sodass man mit ihm leidet, als sein Leben nach und nach aus den Fugen gerät. Ein paar unglückliche Umstände machen Eric plötzlich zum Mordverdächtigen, und es ist recht spannend zu verfolgen, wie sich diese Lage immer weiter zuspitzt. Man weiß als Leser um Erics Unschuld, dementsprechend möchte man auch erfahren, wie er aus dieser scheinbar hoffnungslosen Lage wieder herauskommt - und natürlich ebenso, wer hinter diesen Taten steckt und warum es derjenige gerade auf Eric abgesehen hat.

Recht gelungen ist zudem die Nebenfigur Paul, Pauls unkonventioneller Anwalt. Paul wirkt dank seiner flotten Sprüche und seinem ausgeprägten Humor anfangs alles andere als seriös, stellt sich dann aber als ausgesprochen fähig heraus. Obendrein ist er der Bruder von Erics platonischer Freundin Laurie und möchte die beiden gerne verkuppeln, zu Erics Leidwesen geht er dabei nicht gerade subtil vor und stürzt die beiden immer wieder in Verlegenheit.

Aber auch wenn sich der Thriller weitgehend sehr flüssig liest, offenbart er doch gerade in der zweiten Hälfte einige Schwächen. Erics Verhalten ist hier nicht mehr in allen Belangen plausibel, sein extremer Einsatz für Max, den er ja erst seit Kurzem kennt, erscheint übertrieben. Das Motiv des Täters ist enttäuschend, weil sehr banal. Da sich der Täter immer wieder in kurzen Kapiteln zur Wort meldet und geheimnisvoll gibt, war an dieser Stelle mehr zu erwarten; stattdessen sind die Hintergründe zu den Taten sehr simpel und mitnichten raffiniert oder komplex. Das Ende kommt vergleichsweise zu plötzlich daher, wird zu schnell abgehandelt und wirkt etwas plump. Während man in der Handlung zuvor durchaus hätte Straffungen vornehmen können, spielt sich das Finale überhastet ab. Kurz vor Schluss gibt es noch einen weiteren Twist in der Handlung, der zwar unerwartet sein mag, aber doch konstruiert und weit hergeholt erscheint, gerade so, habe man hier zwanghaft noch einen nachhaltigen Überraschungseffekt einbauen wollen, der jedoch nicht wirklich überzeugt.

Fazit:

Lisa Scottolines "Niemand sieht mich kommen" ist ein grundsätzlich solider Thriller, wenn man leichte Unterhaltung sucht und Spannungsromane mag, die im psychiatrischen Milieu spielen. Allerdings ist das Ende in mehrfacher Hinsicht nicht sehr überzeugend, eine Wendung ist eher lasch und die andere dafür umso übertriebener. Kann man lesen, aber man verpasst auch nicht viel, wenn man das Werk auslässt.