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2. August 2014

Sherlock Holmes - Das Geheimnis der Gloria Scott

Produktinfos:

Ausgabe: 2008
Label: Maritim-Verlag
Länge: ca. 60 Minuten
Amazon
* * * * *
Der Autor:

Sir Arthur Conan Doyle, geboren 1859 in Edinburgh und gestorben 1930 in Sussex, ist einer der erfolgreichsten und bekanntesten britischen Schriftsteller. Er studierte zunächst Medizin und praktizierte als Arzt, ehe ihm 1887 der literarische Durchbruch mit "Eine Studie in Scharlachrot" gelang. Seine Figur Sherlock Holmes wurde zum berühmtesten aller Detektive. Es folgten zahlreiche weitere Erzählungen und Romane wie "Der Hund von Baskerville" und "Das Tal der Angst". Daneben verfasste er auch noch andere, weniger populäre Erzählungen und befasste sich stark mit Okkultismus.

Inhalt:


Dr. Watson ärgert sich über Holmes' Unordnung und will Ordnung schaffen, als dabei ein Brief aus einem Buch fällt. Holmes erklärt, dass es sich dabei um einen besonderen Brief handele - er ermöglichte es Holmes nämlich, einst seinen ersten Fall zu lösen: Das Geheimnis der Gloria Scott. Neugierig lauscht Watson der Schilderung von Holmes' erstem Fall als Detektiv.

Im Sommer 1877 freundet sich der junge Sherlock Holmes auf dem College mit seinem Studienkollegen Victor Trevor an. In den Ferien lädt Victor seinen neuen Freund auf seinen Familiensitz ein, wo er ihm seinen Vater vorstellt. Friedensrichter Trevor ist sehr beeindruckt von Holmes' Kombinationsvermögen und rät ihm, seine Fähigkeiten als Detektiv einzusetzen.

Ein paar Tage später trifft überraschend Besuch für Richter Trevor ein. Es handelt sich um einen ungehobelten und frechen Mann namens Hudson, der dem Richter offenbar bereits vor dreißig Jahren begegnet ist. Obwohl sich Hudson ausgesprochen dreist benimmt, stellt der Richter ihn als Gärtnergehilfen ein. Nachdem Holmes abgereist ist, erreicht ihn einige Wochen später ein Telegramm von Victor, der ihn dringend um Hilfe bittet. Als Holmes bei ihm eintrifft, erfährt er die beunruhigenden Neuigkeiten: Richter Trevor erhielt einen Brief von einem alten Freund, der ihn so schockierte, dass er einen Schlaganfall erlitt. Kurz darauf stirbt er. Der Brief ist seltsamerweise völlig unverständlich. Holmes soll Victor helfen, die Umstände zu klären - und stößt dabei auf ein dunkles Geheimnis des Richters ...

Bewertung:

"Das Geheimnis der Gloria Scott" behandelt ausnahmsweise keinen aktuellen Fall des Meisterdetektivs, sondern präsentiert seinen ersten Fall, der Holmes überhaupt erst dazu inspirierte, sein Leben der Verbrechensaufklärung zu widmen. Wie bereits in der dritten Folge "Das Musgrave-Ritual" geraten Holmes und Watson in einen kleinen Konflikt über Holmes Unordnung und um davon abzulenken, erzählt der Detektiv einen alten Fall.

Es ist natürlich reizvoll, Sherlock Holmes einmal als jungen Collegestudenten zu erleben. Genau wie Dr. Watson ist auch der Hörer gespannt darauf, zu erfahren, wie sich jener erste Fall abspielte und als wie geschickt sich Holmes schon damals in jungen Jahren erwies. Tatsächlich nimmt bereits der junge Holmes viel von den Eigenheiten des Charakters vorweg, den man aus seinen aktuellen Fällen kennt: Er ist hochintelligent, beobachtet sorgfältig, kann erstaunlich schnell seine Schlüsse ziehen, ist ein Einzelgänger und bewahrt auch in dramatischen Situationen Ruhe. Recht amüsant wird der Beginn der Freundschaft zwischen Holmes und Victor geschildert: Victors sonst so verträglicher Bullterrier verbeißt sich in Holmes' Knöchel, woraufhin Victor sich in den nächsten Tagen um ihn kümmert. Anfangs ist es vor allem das schlechte Gewissen, das ihn dazu bringt, doch schon bald freunden sich die beiden an und so kommt selbst der unleidliche Sherlock Holmes zu einem Collegefreund, wie auch Watson neckend feststellt.

Überhaupt ist hier das Zusammenspiel zwischen dem alten Fall und der Gegenwart gut gelungen. Nach dem im Gegensatz zur Vorlage leicht abgewandelten Vorgeplänkel, in dem sich Watson über Holmes' Unordnung ärgert, gibt es immer mal wieder kurze Zwischenspiele, in denen sich Watson über die gerade vernommenen Ereignisse äußert. Für Watsons Geschmack schreitet Holmes ein bisschen zu umständlich und zu langsam in seinem Bericht voran, denn es ist lange Zeit unklar, um wen oder was es sich bei "Gloria Scott" überhaupt handelt. Watson wagt immer wieder Spekulationen über den weiteren Verlauf der Geschichte, die Holmes nüchtern negiert. Holmes wiederum macht sich einen Spaß daraus, auf Watsons Überlegungen immer wieder mit einem rätselhaften "Ja ... und Nein" zu antworten, was Watson zunehmend entnervt, obgleich sich Holmes' zweideutige Antworten im Nachhinein tatsächlich als treffend erweist. Die Folge ist unterm Strich durchaus spannend, denn auch den Hörer drängt es, zu erfahren, warum der Brief den Richter so schockierte und was das seltsame Kauderwelsch darin zu bedeuten hat. Und schließlich ist da noch der ominöse Hudson, der sich laut Victor wochenlang arrogant und impertinent aufführte, ehe er ihn vor die Tür setzte - es ist offensichtlich, dass jener Hudson den Richter mit irgendeiner Sache erpresste, doch die genauen Hintergründe ergeben sich erst spät.

Sehr überzeugend sind die Sprecherleistungen, an denen es nichts zu bemängeln gibt. Christian Rode gibt wie üblich souverän und bedächtig den Meisterdetektiv, Peter Groeger den liebenswerten Watson. Holmes Collegefreund Victor Trevor wird durch Reent Reins sehr sympathisch dargestellt und es ist schade, dass sich Victor und Holmes mehr oder weniger aus den Augen verloren haben. Hervorzuheben ist noch Klaus Dittmann, dessen hämischer, rauer Tonfall ideal zum heruntergekommenen Seemann Hudson passt.

Zu den Schwächen des Hörspiels, die auch schon in der Vorlage verankert sind, gehören die wenig raffinierten Auflösungen und Zusammenhänge. Die Verschlüsselung des Briefs erweist sich als sehr unspektakulär und Holmes muss nicht wirklich viel von seinem Können einsetzen, um ihn zu dechiffrieren. Überhaupt entpuppt sich die Vergangenheit des Richters zwar als interessant, aber Holmes muss wenig dafür tun, um sie zu enthüllen. Stattdessen entdecken er und Victor ein Geheimfach mit einem Brief des verstorbenen Richters, in dem dieser die entscheidenden Ereignisse erzählt. Somit klären sich die Hintergründe fast von allein, kriminalistisches Gespür ist hier wenig gefragt. Holmes' erster Fall ist daher zwar aus nostalgischer Sicht interessant, aber in Sachen Ermittlungsarbeit gibt es weit ausgefeiltere Fälle.

Fazit:

Eine insgesamt recht unterhaltsame Folge um Holmes' allerersten Fall, der vor allem durch die gute Sprecherbesetzung und die amüsante Rahmenhandlung überzeugt. Der Fall selbst hat seinen Reiz, klärt sich aber in erster Linie von selbst, sodass Holmes weniger als sonst dazu beitragen muss.

Sprechernamen:


Sherlock Holmes - Christian Rode
Dr. Watson - Peter Groeger
Victor Trevor - Reent Reins
Henry Trevor - Gerd Baltus
Hudson, Seemann - Klaus Dittmann
Jack Prendergast - Raimond Krone
Francis Evans - Sascha Schiffbauer
Dienstmädchen - Pia Werfel
Arzt - Helmut Krauss

26. Dezember 2012

Sherlock Holmes - Der Vampir von Sussex

Produktinfos:

Ausgabe: 2005
Länge: ca. 60 Minuten
Amazon
* * * * *

Der Autor:

Sir Arthur Conan Doyle, geboren 1859 in Edinburgh und gestorben 1930 in Sussex, ist einer der erfolgreichsten und bekanntesten britischen Schriftsteller. Er studierte zunächst Medizin und praktizierte als Arzt, ehe ihm 1887 der literarische Durchbruch mit "Eine Studie in Scharlachrot" gelang. Seine Figur Sherlock Holmes wurde zum berühmtesten aller Detektive. Es folgten zahlreiche weitere Erzählungen und Romane wie "Der Hund von Baskerville" und "Das Tal der Angst". Daneben verfasste er auch noch andere, weniger populäre Erzählungen und befasste sich stark mit Okkultismus.

Inhalt:

Dr. Watson erhält einen Brief von seinem alten Freund Robert Ferguson, der Hilfe von Sherlock Holmes benötigt. Zwar gibt Ferguson zunächst vor, dass das Problem wiederum einen Freund von ihm betrifft, doch Holmes erkennt schnell die Wahrheit. Tatsächlich dreht sich das Problem um Fergusons zweite Ehefrau, eine Peruanerin, mit der er gerade ein Baby bekommen hat. Zudem hat er noch einen älteren Sohn namens Jack aus erster Ehe.

Fergusons Frau wurde bereits mehrfach dabei beobachtet, wie sie anscheinend dem Baby Blut aus dem Hals saugen wollte. Ein anderes Mal hat sie ihren Stiefsohn heftig geschlagen. Zur Sicherheit wird das Baby seit ein paar Tagen von seiner Mutter ferngehalten. Mrs. Ferguson leidet derweil unter heftigem Fieber, verweigert die Nahrung und ruft nur noch ihrem Baby.

Robert Ferguson liebt seine Frau, doch er fürchtet, dass sie entweder eine Vampirin oder wahnsinnig ist. Holmes und Watson begleiten ihn zu seinem Haus und untersuchen den Fall. Sherlock Holmes hat nämlich erhebliche Zweifel daran, dass es sich bei der Frau um eine Vampirin handelt ...

Holmes auf Vampirjagd

Mit Vampiren sollte man einem Vertreter der Vernunft wie Sherlock Holmes besser nicht kommen - trotzdem ist das Verhalten von Mrs. Ferguson mehr als eigenartig und beunruhigend und Sherlock Holmes sieht sich einem nicht einfachen Fall gegenüber.

Robert Ferguson kann sich das Verhalten seiner Frau nicht erklären. Er vermutet zwar ein schlechtes Verhältnis zwischen ihr und ihrem Stiefsohn Jack, einem hochintelligenten, aber seit einem Kindheitsunfall leider verkrüppelten Jungen. Doch der Angriff auf das Baby ist absolut rätselhaft, schließlich beteuert Mrs. Ferguson, wie sehr sie ihr Kind liebt. Sie weigert sich allerdings andererseits, den Grund für die Bisse zu nennen, auch und erst recht gegenüber ihrem verzweifelten Mann. Watson, der anfangs Vampirismus für reinen Aberglauben hält, kommen allmählich Zweifel - auch der feurige Blick Mrs. Fergusons ist ihm ein wenig unheimlich und erinnert ihn ungut an das Vampirbild im Lexikon. Sherlock Holmes allerdings bleibt nüchtern wie eh und je und hat schnell einen Verdacht, den er aber erst am Ende offen legt, nachdem er ihn durch mehrere Punkte bestätigt sieht. Der Hörer kann dabei mitraten, sofern er die Erzählvorlage noch nicht kennt - das Hörspiel hält sich eng an die Kurzgeschichte und wartet nicht mit Überraschungen auf. Viele verschiedene Möglichkeiten gibt es nicht, vor allem ist der Kreis der beteiligten Personen sehr eng - da sind außer Mrs. und Mrs. Ferguson nur noch das Baby, die Amme und der Sohn aus erster Ehe. Es herrscht eine fast kammerspielartige Atmosphäre vor und Holmes ist klar, dass sich in diesen vier Wänden des Hauses etwas Grauenvolles abgespielt hat, das allerdings mit Vampirismus nichts zu tun hat.

Sympathisch sind die üblichen kleinen Neckereien zwischen Holmes und Watson, die es hier gleich zu Anfang zu hören gibt: Als Holmes sich über den Briefestapel beschwert, bemerkt Watson spitz, dass der Stapel kleiner wäre, wenn er sich nur mal häufiger um seine Post kümmerte - als Watson wiederum bei einem Brief an ihn grübelt, wer der Absender wohl sein könnte, entgegnet Holmes trocken, dass dazu meist das Öffnen hilfreich sei. Wie in der literarischen Vorlage erwähnt Holmes hier außerdem anfangs den Fall der "Riesenratte von Sumatra", den er bearbeitete, bevor er mit Watson bekannt war. Watson ist sofort interessiert an diesem spannend klingenden Fall, aber Holmes winkt ab und sagt lachend, dass die Zeit noch nicht reif sei, diesen Fall zu erzählen - tatsächlich bleibt auch in den Sherlock-Holmes-Geschichten offen, um was für einen spektakulären Fall es sich damals handelte.

Die Schwächen halten sich in Grenzen. Der Anfang zieht sich ein bisschen, es dauert mehr als zehn Minuten, bis der Fall richtig geschildert wird und man überhaupt erst mal erfährt, wo das Problem liegt. Die Aufklärung geht vielleicht einen Hauch zu einfach vonstatten, selbst für einen genialen Detektiv wie Sherlock Holmes. Schon kurz nach Betreten des Hauses macht er gewisse Bemerkungen, die darauf hindeuten, dass er vielleicht schon einen Verdacht hat, was arg früh wäre. Grundsätzlich fällt auf, dass Holmes zwar mehrere Indizien für seine Theorie hat, diese aber nicht überprüfen kann. Zudem ist das ganze Geschehen ein bisschen konstruiert - wie bereits in der Erzählvorlage - und es hat unweigerlich den Anschein, als habe der Autor da einfach unbedingt den Vampirmythos unterbringen wollen - vermutlich als Anspielung auf den damals gerade erschienen Roman "Dracula".

Fazit:


Nicht der beste Fall von Sherlock Holmes, aber auch kein schlechter - ein unterhaltsames Hörspiel, das mit wenigen Charakteren auskommt und fast ausschließlich an einem Ort spielt. Die Sprecher sind sehr gut, die Schwächen fallen eher gering aus.

Sprechernamen:

Sherlock Holmes - Christian Rode
Dr. Watson - Peter Groeger
Mr. Robert Ferguson - Robert Missler
Mrs. Dolores Ferguson - Pia Werfel
Jack Ferguson - Marco Sand
Betty - Barbara Fenner
Mrs. Mason - Karin Eckhold

Sherlock Holmes - Die fünf Orangenkerne

Produktinfos:

Ausgabe: 2003
Länge: ca. 63 Minuten
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* * * * *

Der Autor:

Sir Arthur Conan Doyle, geboren 1859 in Edinburgh und gestorben 1930 in Sussex, ist einer der erfolgreichsten und bekanntesten britischen Schriftsteller. Er studierte zunächst Medizin und praktizierte als Arzt, ehe ihm 1887 der literarische Durchbruch mit "Eine Studie in Scharlachrot" gelang. Seine Figur Sherlock Holmes wurde zum berühmtesten aller Detektive. Es folgten zahlreiche weitere Erzählungen und Romane wie "Der Hund von Baskerville" und "Das Tal der Angst". Daneben verfasste er auch noch andere, weniger populäre Erzählungen und befasste sich stark mit Okkultismus.

Inhalt:

Der junge John Openshaw bittet Sherlock Holms um Hilfe. Es geht um seinen Onkel, Oberst Elias Openshaw. Vor rund zwei Wochen saßen sie beim Frühstückstisch, als ein Brief für Elias Openshaw eintraf. Seltsamerweise enthielt der Umschlag nur fünf getrocknete Orangenkerne.

Während John an einen schlechten Scherz dachte, reagierte sein Onkel völlig verstört. Er sprach davon, dass er bald sterben werde, verbrannte auf dem Dachboden einige Papiere, schloss sich bewaffnet in sein Zimmer ein und weigert sich seither, herauszukommen. Zu Johns Fragen sagt er lediglich, dass es besser sei, wenn er die Wahrheit nicht wüsste. Im Kuvert stehen außerdem noch folgende Worte: "Leg die Papiere an die Sonnenuhr" und "K K K" als Absender, der Brief stammt aus Indien.

John erhofft sich von Sherlock Holmes Rat und Hilfe. Der Detektiv ahnt, dass die Orangenkerne mit Openshaws Zeit als Pflanzer in den amerikanischen Südstaaten zusammenhängt. Um Näheres zu erfahren, machen sich Holmes, Watson und John auf zum Gut von Oberst Openshaw. Dort zeigt sich, dass sich die Befürchtungen des Obersts bewahrheiten - und dass offenbar auch John Openshaw in Gefahr schwebt ...

Holmes und Watson essen Orangen

Ein kryptischer Titel für eine Kriminalgeschichte - und auch für Sherlock Holmes ist dieser Fall anfangs sehr undurchsichtig. An getrockneten Orangenkernen ist schließlich nichts Bedrohliches und leider kann auch John Openshaw kaum Hinweise liefern, was seinen Onkel mit diesen Kernen wohl verbindet. Zu Indien, wo der Brief aufgegeben wurde, hat er nach Wissen seines Neffen keinerlei Beziehung und über seine Zeit in Amerika spracht er stets nur sehr ungern. Noch ehe Holmes den Oberst selbst befragen kann, ist dieser tot - ertrunken in seinem kaum zwei Fuß umfassenden Gartenteich. Der zuständige Sergeant hat für Holmes' Ermittlungen nicht viel übrig und verdächtigt eher den Neffen, der nun das Gut erben wird.

John Openshaw ist eine gelungene Nebenfigur. Die Handlung beginnt nicht bei Holmes und Watson, sondern am Frühstückstisch der Openshaws, wo der Hörer dann gleich ein gewisses Bild von Onkel und Neffe erhält: Oberst Openshaw erscheint als unsympathischer und strenger Zeitgenosse, der das Dienstmädchen einschüchtert und seinen Neffen nachdrücklich darauf hinweist, wie wichtig harte Arbeit im Leben ist. John Openshaw erscheint dagegen als sympathischer junger Mann. Nach dem Ruin seines Vaters und dem Tod seiner Mutter hat ihn sein Onkel aufgenommen, wofür er ihm noch heute sehr dankbar ist. John stellt seinen Onkel offenbar zufrieden und kommt gut mit ihm aus, er sieht allerdings auch, dass sonst niemand den Onkel leiden kann. Als klar wird, dass auch sein Leben in Gefahr ist, entwickelt sich eine knisternde Spannung - denn ob Holmes und Watson den jungen Mann retten können, ist alles andere als gewiss.

Daneben ist in der Handlung immer wieder Platz für die kleinen augenzwinkernden Dispute zwischen Holmes und Watson - Watson beschwert sich, dass Holmes trotz des miserablen Wetters sofort die Reise antreten will und dass seine Aussagen ein ums andere Mal sehr rätselhaft sind, Holmes hingegen drängt seinen Freund und Kollegen zu mehr Dynamik. Diese kleinen Geplänkel zwischen den beiden sind sehr amüsant - nur Watsons Unverständnis, warum Holmes trotz des Wetters sofort aufbricht, ist etwas überflüssig; immerhin deutet das Verhalten des Obersts an, dass wirklich Gefahr droht und daher Eule geboten ist. Natürlich kann Sherlock Holmes in dieser Folge wieder einmal seine brillanten und blitzschnellen Schlussfolgerungen darbieten und über Lehmspuren und amerikanische und indische Orangenkerne dozieren - Watson erinnert sich da gerne an eine Begebenheit, als sein Freund aus einem importierten arabischen Pantoffel die halbe Geschichte des Morgenlands herauslas. Angenehmerweise muss aber auch ein Sherlock Holmes hier mal eine Nacht lang gründlich recherchieren und Bücher wälzen und sogar den Satz "Ich habe mich geirrt" bekommt man in dieser Folge von ihm zu hören - auch der große Meisterdetektiv ist nicht perfekt.

Der Anfang der Geschichte verläuft ein bisschen anders als in der Buchvorlage; diese Veränderung trägt aber durchaus zur Spannungssteigerung bei. Ganz zum Schluss erhält Holmes ein wenig Unterstützung durch den Zufall, um den Fall aufzuklären und generell ist kein besonders atmosphärischer Fall, sondern eher nüchtern. Zudem ist der Fehler, den Holmes begeht, sehr unnötig und der Hörer selbst wundert sich ein bisschen, als er ihn begeht, weil er recht offensichtlich ist. Bei den Sprechern sticht neben den souveränen Hauptsprechern vor allem Charles Rettinghaus als John Openshaw heraus. Rettinghaus, der jahrelang Holger Martin in "Bibi und Tina" sprach und im Synchronbereich vor allem als deutsche Stimme von Geordi La Forge als "Star Trek - Next Generation" bekannt ist, ist zwar mittlerweile in den mittleren Jahren - aber er spricht trotzdem noch überzeugend einen jungen Mann mit seiner recht jungenhaft, leicht kratzigen Stimme.

Fazit:


Ein sehr unterhaltsames Krimi-Hörspiel mit Spannung und guten Sprechern. Es ist nicht die beste Folge der Reihe, da gibt es noch interessantere Fälle, aber definitiv hörenswert.

Sprechernamen:

Sherlock Holmes - Christian Rode
Dr. Watson - Peter Groeger
John Openshaw - Charles Rettinghaus
Oberst Openshaw - Eckart Dux
Mabel - Marina Erdmann
Sergeant Pimbelton - Udo Schenk

17. November 2012

Sherlock Holmes - Das Haus bei den Blutbuchen

Produktinfos:

Ausgabe: 2003
Label: Maritim-Verlag
Länge: ca. 63 Minuten
Amazon
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Der Autor:

Sir Arthur Conan Doyle, geboren 1859 in Edinburgh und gestorben 1930 in Sussex, ist einer der erfolgreichsten und bekanntesten britischen Schriftsteller. Er studierte zunächst Medizin und praktizierte als Arzt, ehe ihm 1887 der literarische Durchbruch mit "Eine Studie in Scharlachrot" gelang. Seine Figur Sherlock Holmes wurde zum berühmtesten aller Detektive. Es folgten zahlreiche weitere Erzählungen und Romane wie "Der Hund von Baskerville" und "Das Tal der Angst". Daneben verfasste er auch noch andere, weniger populäre Erzählungen und befasste sich stark mit Okkultismus.

Inhalt:


Holmes ist unzufrieden, weil ihm schon länger kein anspruchsvoller Fall angeboten wurde. Auch der Besuch der neuen Klientin Miss Violett Hunter verbessert seine Laune nicht: Miss Hunter hat ein ungewöhnliches Angebot als Gouvernante bekommen und sucht Rat bei Holmes, ob sie es annehmen soll.

Der wohlhabende Mr. Rucastle will sie für die hohe Summe von 100 Pfund im Jahr als Gouvernante für seinen kleinen Sohn Philipp einstellen. Miss Hunter irritiert nicht nur die Bezahlung, sondern auch, dass Mr. Rucastle sie offenbar allein nach ihrem Bild in der Kartei der Agentur einstellte und keine weiteren Auskünfte einholte. Vor allem aber muss sie für die Anstellung ihr langes, wunderschönes Haar radikal abschneiden - ohne dass eine Begründung genannt wird.

Holmes sieht keinen Grund für Misstrauen und rät Miss Hunter, die Stelle anzutreten. Dr. Watson versichert ihr, dass sie sich bei Problemen jederzeit an Holmes wenden kann. Die junge Dame schert ihre Haare und fährt zum Anwesen Villa Blutbuchen. Kurz darauf trifft ein Telegramm bei Holmes und Watson ein - Miss Hunter bittet sie dringend um Hilfe, da sich merkwürdige Dinge in der Villa ereignen. Wer ist der Fremde, der Miss Hunter vom Anwesen aus zu beobachten scheint? Was stimmt nicht mit dem Jungen, der so gerne Tiere quält? Warum ist Mr Rucastle so erpicht darauf, dass Miss Hunter keine Neugierde zeigt und was verbirgt der schweigsame Diener Toller ...?

Bewertung:


Hörspielumsetzungen zu Sherlock Holmes gibt es auch im deutschen Raum viele - die Maritim-Produktionen gehören dabei sicherlich zu den besten. Mehr als 60 Folgen umfasst mittlerweile die Serie um den berühmten englischen Meisterdetektiv. Die Adaption der Erzählung "Das Haus bei den Blutbuchen" liefert direkt einen sehr gelungenen Einstieg in die Reihe.

Der Fall mag harmlos beginnen, aber das macht ihn umso interessanter. Die Forderung des Arbeitgebers, dass sich Miss Hutton ihre üppige Haarpracht abschneiden lässt, ist natürlich sehr eigenartig und man kann sich lange Zeit keinen Reim darauf machen. Miss Hunter macht einen recht sympathischen Eindruck und man kann den Zwiespalt der jungen Dame gut verstehen - einerseits ist sie als mittellose Waise dringend auf eine gute Arbeit angewiesen und die Agentur will sie nicht weiter vermitteln, wenn sie Mr. Rucastles Angebot ausschlägt. Andererseits ist nachvollziehbar, dass sie die Forderung nach dem Haarschnitt befremdet und dass sie ungern zu einem Arbeitgeber zieht, der so seltsame, unbegründete Bedingungen stellt.

Die Atmosphäre in der Villa wird gut eingefangen: Es passiert zwar nichts Dramatisches zunächst, aber die vielen Kleinigkeiten summieren sich zu einem unangenehmen Gefühl. Auf die Frage nach dem Grund für den Haarschnitt gibt es keine Antwort, der Junge beachtet die neue Gouvernante überhaupt nicht, sondern ist ganz darin vertieft, einen Käfer zu töten, der Diener Toller lässt nachts einen scharfen Bluthund über das Anwesen laufen, der nur ihm gehorcht, mit dem Ehepaar Rucastle kann Miss Hunter nicht wirklich warm werden und ein Unbekannter starrt aus dem Garten zum Fenster hinauf. Alles keine Gründe, um sofort zu verschwinden, aber um Miss Hunter zu verunsichern und Holmes erneut um Beistand zu bitten. Die Auflösung ist logisch, der Hörer erahnt sie vielleicht auch bereits schon vor Holmes' Erläuterungen, aber zu offensichtlich ist sie nicht. Schade ist allerdings, dass Mrs. Rucastle und ihr Sohn eine weitaus kleinere Rolle im Hörspiel einnehmen als es anfangs den Anschein hat.

Bei der Darstellung von Sherlock Holmes fällt auf, dass er anfangs durchaus ein bisschen arrogant erscheint. Es stört ihn sehr, dass ihn die Leute mit seiner Meinung nach zu simplen Problemen belästigen, etwa verschwundenen Juwelen oder Erbschaftsstreitigkeiten - Holmes will herausfordernde, mysteriöse Fälle. Auch Miss Hunter bekommt zunächst zu spüren, dass ihre Bedenken dem großen Detektiv überflüssig vorkommen und Dr. Watson bemerkt hinterher vorwurfsvoll, dass er ruhig etwas sensibler hätte auftreten können. Watson, der auch als Erzähler fungiert, erwähnt auch, dass sein Freund und Mitbewohner einen schwierigen Charakter hat - und das merkt man in diesem Hörspiel. Beim Eintreffen von Miss Hunters Brief fürchtet Holmes auch, dass er langweilige Dinge zu lesen bekommt - doch stattdessen wird nun endlich sein Interesse geweckt. Holmes wird aktiv und das manchmal ein bisschen mehr als Dr. Watson lieb ist - statt sich nach der Ankunft im Hotel ein bisschen auszuruhen oder abends das Essen zu genießen, ist Holmes ständig auf dem Sprung und umso besorgter um Miss Hunters Sicherheit. Am Ende gesteht Holmes schließlich ein, dass er sich in seiner Einschätzung zum Fall geirrt hat und das macht ihn dann umso sympathischer.

Christian Rode, bekannt aus zahlreichen Auftritten in Serien wie Die Drei Fragezeichen oder Masters of the Universe und als Sprecher für Christopher Lee, lässt Holmes zwar bereits ein bisschen älter klingen, trotzdem ist Holmes hier ein durchaus agiler Mann, der Dr. Watson reichlich auf Trab hält. Watson wird überzeugend von Peter Groeger gesprochen. Überzeugend ist auch Kerstin Draeger als Miss Hunter, die etwa bei Regina Regenbogen, den Drei Fragezeichen, TKKG und Tom und Locke sprach und nicht zu vergessen Wolf Rahtjen als Mr. Rucastle in seiner letzten Rolle.

Fazit:


Von einer Kleinigkeit abgesehen ein sehr überzeugendes Hörspiel, das neugierig auf die weiteren Folgen dieser Holmes-Reihe macht. Gute Sprecher, eine kurzweilige Handlung und eine gelungene Darstellung der beiden Hauptcharaktere zeichnen das Hörspiel aus.

Sprechernamen:

Sherlock Holmes - Christian Rode
Dr. Watson - Peter Groeger
Miss Violett Hunter - Kerstin Draeger
Mr. Charles Rucastle - Wolf Rathjen
Mrs. Henriette Rucastle - Hannelore Minkus
Alice - Karin Eckhold
Alex Fowler - Nicolas Böll
Mr. Toller - Claus Wilcke
Wirtin - Sabine Hahn
Kutscher - Frank Straass