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28. Juni 2012

Das Schloss des weißen Lindwurms - Bram Stoker

Produktinfos:

Ausgabe: 2009
Länge: 65 Minuten
Amazon
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Der Autor:

Bram Stoker wurde 1847 in Dublin geboren und starb 1912 in London. Außer als Schriftsteller arbeitete er u. a. als Journalist und Theaterkritiker. Sein mit großem Abstand bekanntestes Werk ist der Vampirroman "Dracula", der eines der berühmtesten Horrorwerke aller Zeiten ist. Daneben verfasste er noch eine Reihe weiterer Romane und Kurzgeschichten, ehe er frühzeitig starb und den großen Ruhm nicht mehr erlebte.

Inhalt:


England 1860: Der junge Australier Adam Stanton wird von seinem letzten lebenden Verwandten auf dessen Landsitz in Mittelengland eingeladen. Erfreut tritt er die weite Reise an mit dem Ziel, in England sein weiteres Leben zu verbringen. Der alte Mann und sein Großneffe verstehen sich auf Anhieb gut, Adam ist für Richard Salton der Sohn, den er nie gehabt hat. Der älteste Freund des Großonkels, Sir Nathaniel de Salis, führt Adam durch die Gegend und erzählt von der Geschichte der Region.

In der Nähe liegt das Anwesen von Arabella March, Herrin auf Diana's Grove, das auch als "Schloss des weißen Lindwurms" bekannt ist. Als die beiden ihr begegnen, ist Adam sofort von ihrer Schönheit fasziniert. Doch Sir Nathaniel warnt ihn, dass Arabella keinen guten Ruf genießt und er sich lieber von ihr fernhalten soll. Sie ist nicht nur hoch verschuldet, sondern auch noch unter mysteriösen Umständen verwitwet, nachdem ihr Mann wenige Wochen nach der Hochzeit von den Klippen stürzte.

Umso erfreulicher ist die Bekanntschaft mit der hübschen jungen Mimi Wetford, in die sich Adam rasch verliebt - und sie scheint seine Gefühle zu erwidern. Am gleichen Tag wie Adam hält auch Edgar Caswell nach langem Aufenthalt in Afrika Einkehr auf dem Nachbargut Casta Regis, dem größten Anwesen der Region. Alle Caswells waren bekannt für ihre düstere Art, sogar hypnotische Kräfte werden ihnen nachgesagt. Tatsächlich ist Edgar auch Adam sofort unsympathisch, erst recht, als er Mimi bedrängt. Sowohl Lady Arabella als auch Edgar Caswell sind Adam mehr als unheimlich. Was geht in dem abgelegenen Schloss vor ...?

Bewertung:

Nach "Das Amulett der Mumie", "Draculas Gast" und "Dracula" ist diese Folge das vierte Werk von Bram Stoker, dessen sich die Macher des Gruselkabinetts angenommen haben.

Atmosphäre und Spannung

Den Ich-Erzähler Adam Salton schließt der Hörer sehr schnell ins Herz. Er präsentiert sich sympathischer junger Mann, höflich und gebildet, ohne dabei ein Langweiler zu sein. Besonders charmant ist sein ungewöhnlicher Begleiter, ein zahmer Mungo namens Mr. Bagels, der geschickt jede Schlange erlegt. Adams Großonkel ist genauso liebenswert, ein netterer älterer Herr, der überglücklich ist, dass sein herbeigesehnter Neffe ganz dem Bild entspricht, das er sich von ihm gemacht hat. Nett inszeniert ist die etwas unbeholfene Art, in er sich Adam Mimi annähert und ihr den Hof macht. Mit Lady Arabella und Edgar Caswell gibt es gleich zwei düstere Charaktere, von denen Unheil ausgeht und die eine potenzielle Bedrohung bedeuten, besonders für das junge Paar Adam und Mimi. Es gibt zunächst keine handfesten Beweise gegen sie, weder dass in Arabellas Schloss unheimliche Dinge vorgehen noch dass Edgar Caswell wirklich hypnotisieren kann - aber Adam spürt, dass man keinem von beiden trauen darf und die vielen dunklen Gerüchte ihre Berechtigung haben. Im Schloss macht er dann eine dramatische Entdeckung, die gut inszeniert wird, ohne dabei plakativ zu wirken. Sir Nathaniels Beschreibungen lassen vor dem Auge des Hörers eine wild-romantische Landschaft entstehen, die nicht nur äußerlich reizvoll ist, sondern auch durch ihre bewegte Vergangenheit und die zahlreichen Mythen, die sich um die Gegend ranken, prädestiniert ist für Abenteuer. Dadurch wird auch die Bedeutung des Prologs klar, die zuvor im Dunkeln lag.

Sehr gute Sprecher

Die Besetzung wurde grundsätzlich wie üblich in der Reihe sehr gut gewählt. Markus Pfeiffer überzeugt als Adam und verleiht ihm den frischen, aufgeweckten und etwas unerfahrenen Charakter, der zu der Figur gehört. Im Synchronbereich hat er unter anderem bereits Adrien Brody und Colin Farrell seine Stimme geliehen. Sehr sympathisch klingt auch Hasso Zorn als sein Großonkel. Seine etwas raue Stimme ist die eines älteren, schon etwas gebrechlichen Mannes, dabei aber sehr warm und bedächtig, wie es zu Richard Saltons Wesen passt. Joachim Pukaß ist ohne Zweifel immer ein Highlight. In den Serien Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen sprach er immer wieder verschiedene Nebenfiguren, gerne auch die etwas abgedrehteren Charaktere. Als Sir Nathaniel de Salis überzeugt er wiederum durch souveränes, seriöses Auftreten und macht die Figur zu einem Sympathieträger, der sich ideal in das Dreiergespann mit Adam und Richard Salton einfügt. Melanie Hinze passt mit ihrer sehr jungen, unschuldig klingenden Stimme in die Rolle der harmlosen Mimi Wetford, während Katja Nottke ihrer Lady Arabella eine gelungene Mischung aus Verführung und Boshaftigkeit verleiht. David Nathan, Sprecher von Johnny Depp und Christian Bale, ist hier etwas unüblich eingesetzt als diabolischer Edgar Caswell, spricht er in der Reihe doch sonst eher heldenhafte Figuren.

Ein paar Schwächen

Auffallend ist vor allem, dass die Folge deutlich weniger unheimlich ist als manch andere aus der Reihe. Über weite Strecken hinweg ist die Geschichte eher romantisch, die Dramatik kommt erst ganz zum Schluss - und ganz zu Anfang, als man die Schreie einer gefangenen Frau hört. Doch anstatt daran anzuknüpfen und auf einen solchen Höhepunkt hinzusteuern, wird das Gruselpotenzial der Handlung verschenkt. Auch der Lindwurm spielt eine sehr viel geringere Rolle, als man vom Titel her vermutet - wer einen Drachenkampf à la Siegfried erwartet, wird auf jeden Fall enttäuscht werden. Zudem verläuft der Anfang etwas zu schnell. Es wird weder geklärt, wie lange Adam und sein Großonkel brieflich in Kontakt standen, ehe er zu ihm reiste, noch warum es Adam offenbar so leicht fiel, einfach ohne Zögern zu einem fremden Verwandten auf einen anderen Kontinent zu ziehen. Wenigstens ein paar Sätze zu dieser etwas unrealistischen Situation hätte Ich-Erzähler Adam verwenden können. Zu guter Letzt ist es auch schade, dass das Finale etwas konstruiert abläuft und von äußeren Begebenheiten abhängt. "Das kann kein Zufall sein", meint Adam dazu und sieht es als Schicksal an, den Hörer befriedigt dies aber natürlich nicht so sehr, wenn ein Plan nicht allein von den Beteiligten abhängt.

Fazit:

Eine gute, wenn auch nicht überragende Folge aus der Gruselkabinett-Reihe mit wild-romantischer Atmosphäre und sehr guten Sprechern. Kleine Abzüge gibt es für etwas zu kurz geratene Stellen und den geringen Gruselanteil. Damit unterm Strich keine der besten Folgen der Serie, aber auf alle Fälle einen Kauf wert.

Sprechernamen:

Adam Salton: M. Pfeiffer
Richard Salton: H. Zorn
Sir Nathaniel de Salis: J. Pukaß
Mimi Wetford: M. Hinze
Arabella March: K. Nottke
Edgar Caswell: D. Nathan

25. Juni 2012

Das Amulett der Mumie - Bram Stoker

Produktinfos:

Ausgabe: 2004
Länge: ca. 65 Minuten
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Der Autor:

Bram Stoker wurde 1847 in Dublin geboren und starb 1912 in London. Außer als Schriftsteller arbeitete er u. a. als Journalist und Theaterkritiker. Sein mit großem Abstand bekanntestes Werk ist der Vampirroman "Dracula", der eines der berühmtesten Horrorwerke aller Zeiten ist. Daneben verfasste er noch eine Reihe weiterer Romane und Kurzgeschichten, ehe er frühzeitig starb und den großen Ruhm nicht mehr erlebte.

Inhalt:


London, Anfang des 20. Jahrhunderts: Der Archäologe Abel Trelawney ist ein geradezu besessener Ägyptenforscher. Seit Kurzem lebt seine Tochter Margaret bei ihm, die bis dahin in einem Internat wohnte. Trelawney widmet sich dieser Tage so intensiv seinen Forschungen, dass er das Arbeitszimmer nicht mehr verlässt. Seine ganze Aufmerksamkeit gilt der Mumie der Königin Tera, die er vor vielen Jahren bei einer Ausgrabung entdeckte - genau an jedem Tag, als seine Tochter geboren wurde und seine Frau dabei verstarb.

Eines Nachts erklingt aus dem Arbeitszimmer ein Schrei und ein Poltern. Kurz darauf findet Margaret ihren Vater bewusstlos am Boden, sein Handgelenk trägt schwere Wunden. Sofort werden der Arzt und Scotland Yard verständigt. Margaret lässt außerdem Malcolm Ross, den jungen Anwalt ihres Vaters, herbeirufen. Auch nachdem Mr. Trelawneys Wunden versorgt sind, bleibt er in einem Komazustand mit offenen Augen. Es findet sich ein Brief von ihm an Margaret, in dem er genaue Hinweise für einen solchen Zwischenfall schreibt. Er müsse unbedingt in seinem Arbeitszimmer bleiben und ständig bewacht werden.

Trotz aller Vorkehrungen kommt es in der nächsten Nacht erneut zu einem Zwischenfall. Die extra eingestellte Krankenschwester Miss Kennedy ist in ein ähnliches Koma gefallen, Mr. Trelawney wurde wieder angegriffen. Es gibt keine Hinweise auf ein Eindringen von außen. Ein Kollege des Professors fürchtet einen Zusammenhang mit der Mumie ...

Bewertung:

"Das Amulett der Mumie" ist eine der ersten Produktionen der Gruselkabinett-Reihe, doch bereits diese Folge zeigt alle Stärken der Serie.

Die Handlung verzichtet auf ein langes Vorgeplänkel und geht direkt in medias res: Gleich zu Beginn wird klar, dass Professor Trelawney geradezu besessen von seinen Forschungen um die Mumie der Königin Tera ist. Er verbittet sich jede Störung und weigert sich gar, die Fenster des stickigen Arbeitszimmers zu öffnen. Der Raum gleicht eher dem Bristish Museum mit all seinen ägyptischen Artefakten als einem normalen Arbeitszimmer, und der durchdringende Geruch der Einbalsamierungsflüssigkeiten der Mumie nehmen jedem den Atem außer ihm selbst. Kurz darauf geschieht das Dramatische, ein Unbekannter greift den Professor an, und er fällt in ein seltsames Koma, für das der Arzt keine Erklärung hat. Sein Handgelenk trägt starke Wunden, und offenbar hat ihn der Angreifer zum Tresor geschleift, um diesen mit dem Schlüssel, der um das Handgelenk hängt, zu öffnen, was nicht gelungen ist. Eine Reihe von Fragen werden aufgeworfen: Wer ist der Angreifer, der den Professor so stark verletzt hat, was wollte er damit erreichen, warum liegt der Professor in diesem unerklärlichen Komazustand - und warum schien er geahnt zu haben, dass so etwas passiert, denn sein Brief mit den Anweisungen zielt auf genau die eingetroffene Situation ab?

Besonders pikant wird die Situation, als seine Tochter Margaret ins Blickfeld des Ermittlers gerät: Margarets Kater Silvio könnte den Untersuchungen des Arztes nach für die Wunden verantwortlich sein, zudem gibt es keine Einbruchsspuren. Da Margaret bis vor Kurzem im Internat aufwuchs, hat sie auch noch keine so starke Bindung zu ihrem Vater und ist für Sergeant Daw durchaus eine plausible Verdächtige. Damit ist Margaret für den Hörer eine interessante Figur, denn ob ihr zu trauen ist, weiß man zu diesem Zeitpunkt nicht. Ein weiterer reizvoller Charakter ist der Anwalt Malcolm Ross. Schon früh wird angedeutet, dass er und Margaret sich zueinander hingezogen fühlen, und er ist auch gleich als vehementer Verteidiger ihrer Unschuld zur Stelle. Allerdings kann er gegenüber Sergeant Daw auch nicht abstreiten, dass Margaret als Verdächtige nicht ausgeschlossen werden kann - und es kommt auch zwischenzeitlich zu einer kurzen Abkühlung ihres Verhältnisses, als der Professor erneut angegriffen wird und Malcolm während der Nachtwache eingeschlafen ist, weshalb ihm Margaret die Schuld gibt. Neben der eigentlichen Handlung um die Angriffe und die Mumie ist es auch recht spannend, die Entwicklung der Beziehung der beiden zu verfolgen. Recht amüsant ist etwa die Stelle, an der Malcolm erfährt, dass er nicht gemeinsam mit Margaret, sondern mit Schwester Kennedy die Nachtwache halten wird, was ihm ein wenig auf die Laune schlägt. Stark ist auch das Ende, das sehr konsequent ist und beim Hörer noch einen leichten wohligen Schauer verursacht.

Die Sprecher sind gut besetzt und füllen ihre Rollen überzeugend aus. Janina Sachau spricht vielleicht in wenigen Momenten ein wenig übertrieben, vor allem als ihr Kater verdächtigt wird, aber das sind nur Nuancen, die vielleicht auch Geschmackssache sind. Herbert Schäfer gibt souverän den jungen Anwalt, der schnell zum Sympathieträger wird, zumal er auch als Erzähler fungiert. Der barsche Abel Trelawney wird von Christian Rode gesprochen, dessen raue, energische Stimme man beispielsweise als deutsche Synchronisation von Christopher Lee kennt. Regina Lemnitz hat mit ihrer volltönenden markanten Stimme einen kurzen Auftritt als Schwester Kennedy.

Was der Folge ein wenig schadet, ist der sehr ausführliche Rückblick auf den Tag, an dem Professor Trelawney und sein Kollege seinerzeit die Mumie der Königin Tera entdeckte. Natürlich ist diese Szene wichtig für die Handlung, aber sie nimmt einen etwas zu breiten Raum ein. Anfangs ist es noch interessant, diese Ausgrabungen mitzuerleben und auch hier bereits die Besessenheit des Professors zu bemerken. Dann aber wird es zu ausführlich, und man möchte doch gerne wieder zurück in die Gegenwart und erleben, was dort mit dem Professor geschieht und was es mit den Angriffen auf sich hat. Ein bisschen dick aufgetragen ist zwischendurch auch die pompöse Musik. Titania Medien gibt sich zwar große Mühe mit der Musikuntermalung, aber in manchen Szenen wird sie ein wenig zu laut und damit zu effektheischend, etwa zu Beginn, als es den ersten Zwischenfall im Arbeitszimmer gibt.

Fazit:


Eine überzeugende Hörspielumsetzung einer spannenden Mumienerzählung, die durch eine ansprechende Handlung, ein passendes Ende und gute Sprecher besticht. Es gibt nur kleine Schwächen, etwa der etwas zu lang geratene Rückblick, ansonsten ist die Folge voll und ganz empfehlenswert.

Sprechernamen:

Malcolm Ross: Herbert Schäfer
Margaret Trelawney: Janina Sachau
Abel Trelawney: Christian Rode
Dr. Corbeck: Jürg Löwe
Dr. Winchester: Lothar Didjurgis
Sergeant Daw: Jens Hajek
Mrs. Grant: Dagmar von Kurmin
Schwester Kennedy: Regina Lemnitz

15. Juni 2012

Die Squaw - Bram Stoker

Produktinfos:

Erscheinungsjahr: 2010
Laufzeit: 60 Minuten
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Der Autor:

Bram Stoker wurde 1847 in Dublin geboren und starb 1912 in London. Außer als Schriftsteller arbeitete er u. a. als Journalist und Theaterkritiker. Sein mit großem Abstand bekanntestes Werk ist der Vampirroman "Dracula", der eines der berühmtesten Horrorwerke aller Zeiten ist. Daneben verfasste er noch eine Reihe weiterer Romane und Kurzgeschichten, ehe er frühzeitig starb und den großen Ruhm nicht mehr erlebte.

Inhalt:


Frankfurt, Ende des 19. Jahrhunderts: Das junge britische Ehepaar Amelia und George Price reist in seinen Flitterwochen durch das romantische Deutschland. Nach dem Rheinland reisen sie zum Main. Im Zug machen sie Bekanntschaft mit dem charmanten Elias P. Hutcheson, einem Abenteurer aus Nebraska. Das Paar ist neugierig und würde sich zu gern einer spontanen Abenteuerreise anschließen, zumal ihnen der Amerikaner auf Anhieb sympathisch ist.

Hutcheson erzählt, dass er auf der Durchreise nach Böhmen ist und bis dahin einige reizvolle Sehenswürdigkeiten als Zwischenstation besuchen will. Als nächste Station nach Frankfurt hat er die Burg zu Nürnberg im Visier. Sein Ziel ist die berühmte "Eiserne Jungfrau", das spektakuläre Folterinstrument. Zufällig übernachten Hutcheson und die Prices im gleichen Gasthof und vertiefen ihre Bekanntschaft. Amelia und George beschließen, den Amerikaner auf der Reise nach Nürnberg zu begleiten.

In Nürnberg machen die drei eine ausgiebige Stadtbesichtigung und steigen am zweiten Tag zur Burg hinauf. Die Eiserne Jungfrau und andere schauerliche Instrumente liegen im Folterturm. Kurz bevor sie die Ausstellung betreten, tötet Hutcheson versehentlich ein Katzenjunges. Der Anblick der blutbefleckten Katzenmutter erinnert den Abenteurer an sein grausiges Erlebnis mit einer Squaw ...

Bewertung:

Qualvolle Schreie eröffnen das Hörspiel und machen Gruselfreunden gleich Lust auf mehr. Bram Stokers Geschichte, die wie andere seiner Werke heute im Schatten des viel berühmteren "Dracula" steht, verspricht Grusel und Atmosphäre vom Feinsten in einer gelungenen Umsetzung. Um die schauerliche Eiserne Jungfrau ranken sich auch heute noch zahlreiche Mythen, unsicher ist es, ob sie wirklich jemals zum Einsatz als Folterwerkzeug kam - aber grauenvoll ist allein schon die Vorstellung. Ab dem Augenblick, in dem die drei Reisenden den Folterturm betreten, ist tatsächlich eine wunderbar schaurige Atmosphäre angesagt.

Die Eiserne Jungfrau und auch andere Folterwerkzeuge werden vorgestellt und lassen vor den Augen des Hörers grausige Bilder entstehen. Zu verdanken ist das dem Museums-Führer, ein knorriges Faktotum, das mit krächzender Stimme genüsslich von der blutigen Vergangenheit der Instrumente erzählt. Höhepunkt ist die Schilderung des Lebens der Gefangenen im Kerker - auf Nachfrage bezüglich der Andeutung, was sie zu essen bekamen, antwortet der Führer lakonisch mit einem gedehnten "Mitgefangene ..." und hat sichtlich Spaß daran, seine Besucher ein wenig zu schockieren. Ohne den Hörer mit bloßen Ekelschilderungen zu verstören, gelingt es der Umsetzung, subtilen Horror zu erzeugen.

Die Sprecher sind gut ausgewählt und liefern eine fast bravouröse Leistung ab. Da ist einmal Viktor Neumann als George Price, der zwar keine markante Figur abgibt, aber sehr sympathisch wirkt, ein junger Ehemann, der noch ein bisschen unsicher ist mit seiner frisch Angetrauten. Frank Gustavus passt gut zur Rolle des gewieften Abenteurers, der sich gern ein wenig in den Vordergrund spielt, gerade noch, ohne dabei überheblich zu erscheinen. Ein Highlight ist Axel Lutter als Museumsführer mit krächzender Stimme, irgendwo zwischen skurril und irre, der den Charakter fast selbst als Kuriosum seiner Sammlung darstellt.

Weitgehend überzeugend ist auch Reinhilt Schneider - seit Jahrzehnten aus zahlreichen Europa-Märchenhörspielen oder auch als Hexe Schrumpeldei bekannt - als Amelia Price, allerdings übertreibt sie es mit der Theatralik ein wenig, als die kleine Katze umkommt und Hutcheson kurz darauf von seinem Erlebnis mit der Squaw erzählt. Anfangs sind Schock und Ekel gut dargestellt, dann aber wirkt ihr Keuchen und Beinah-Zusammenbruch aufgesetzt und etwas übers Ziel hinausgeschossen. Ein bisschen zu hölzern für ihren dramatischen Part wiederum wirkt Bettina Weiß als Squaw, kommt aber nur sehr kurz vor.

Schwächen gibt es nur wenige zu verzeichnen. Allerdings dauert es ein wenig lange, bis sich endlich der Grusel einstellt, die erste Hälfte ist es einfach eine unterhaltsame Erzählung dreier Reisender mit einer Menge Geplänkel und ein paar Flirtereien. Vor allem nach dem schockierenden Einstieg macht es den Hörer etwas ungeduldig, dass es nun lange Zeit allzu harmlos zugeht. Zudem gibt es wohl niemanden, der das Ende nicht schon sehr früh erahnt, die Hinweise sind etwas zu deutlich ausgelegt, und man muss wahrlich kein Genie sein, um alles so zu erahnen, wie es schließlich kommt. Das tut dem Grusel wenig Abbruch, aber mindert ein wenig den Gesamteindruck.

Fazit:

Ein gutes Hörspiel mit überzeugenden Sprechern, das in der zweiten Hälfte und am Ende sehr gruselig ist und eine schaurige Atmosphäre verbreitet. Die Handlung ist ein bisschen zu vorhersehbar und zieht sich anfangs etwas, was aber nicht zu sehr ins Gewicht fällt.

Sprechernamen:

George Price: V. Neumann
Amelia Price: R. Schneider
Elias P. Hutcheson: F. Gustavus
Museums-Führer: A. Lutter
Squaw: B. Weiß
Schächter: B. Tessmann

Das Haus des Richters - Bram Stoker

Produktinfos:

Erscheinungsjahr: 2010
Laufzeit: 60 Minuten
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Der Autor:

Bram Stoker wurde 1847 in Dublin geboren und starb 1912 in London. Außer als Schriftsteller arbeitete er u. a. als Journalist und Theaterkritiker. Sein mit großem Abstand bekanntestes Werk ist der Vampirroman "Dracula", der eines der berühmtesten Horrorwerke aller Zeiten ist. Daneben verfasste er noch eine Reihe weiterer Romane und Kurzgeschichten, ehe er frühzeitig starb und den großen Ruhm nicht mehr erlebte.

Inhalt:

England, Ende des 19. Jahrhunderts: Der Mathematikstudent Malcolm Malcolmson steht kurz vor dem Examen und sucht zum Lernen ein abgeschiedenes Haus, das er für eine Weile mieten kann. In Benchurch entdeckt er ein eindrucksvolles, leer stehendes Haus, das beinah wie eine Festung wirkt. Zu seiner Freude bietet der Makler ihm an, das ganze Haus mietfrei zu bewohnen. Da das "Haus des Richters", wie es nach seinem frühen Besitzer genannt wird, einen schlechten Ruf hat, ist ein neuer Bewohner gern gesehen.

Malcoms Pensionswirtin Mrs. Witham reagiert mit einem Schaudern, denn in dem Haus soll es angeblich spuken. Malcolm aber hält nichts von Aberglaube und zieht erwartungsvoll ein. Mrs. Witham beschafft ihm Vorräte, die Haushälterin Mrs. Dempster kümmert sich um die Ordnung, aber nach Einbruch der Dunkelheit möchte keine im Haus sein.

Anfangs genießt Malcolm die Ruhe, die ihm eine ideale Lernatmosphäre verschafft. Nur die Ratten hinter den Dielen machen kratzende Geräusche. Besonders eine scheint ihn sogar zu fixieren. Zudem bekommt Malcolm unheimliche Alpträume, in denen der Richter vorkommt ...

Bewertung:

Zu Unrecht ist Bram Stoker bei vielen nur für seinen Roman "Dracula" bekannt, denn auch eine große Zahl an feinen unheimlichen Erzählungen zählen zu seinem Repertoire. Zu den großen Stärken des Hörspiels gehört die behutsame Spannung, die sich ganz allmählich aufbaut und den Hörer für sich einnimmt. Der Anfang ist harmonisch, der Student mit dem markanten Namen Malcolm Malcomson eine sehr sympathische Gestalt, und es braucht lange, bis das Haus sein gruseliges Wesen offenbart. Es steht seit Jahrzehnten unbewohnt, und Ratten treiben sich darin herum, aber das ist kein Grund, um den alles andere als abergläubischen Malcolm davon abzuhalten, einzuziehen. Auch die schlechten Träume scheinen noch nichts mit übernatürlichen Ereignissen zu tun zu haben.

Die langsame Entwicklung macht es sehr realistisch, dass Malcolm sich von den guten Ratschlägen nicht abbringen lässt. Der Hörer verfolgt gebannt, was das Haus alles für ihn bereithält und welches Schicksal den jungen Studenten schließlich ereilt. Wer andere Folgen der Gruselkabinett-Reihe kennt, der weiß, dass hier sowohl Vorlagen verwendet werden, in denen es zu einem Happy End kommt und das Böse besiegt wird, als auch solche, in denen die Hauptfigur ihr Leben lassen muss - Spannung ist also bis kurz vor Schluss garantiert.

Hauptfigur Malcolm macht es dem Hörer leicht, mit ihm zu fühlen, denn er präsentiert sich als überzeugender Charakter, der stets nachvollziehbar handelt. Der Erzähler erwähnt zu Beginn, dass er etwas zur Verschrobenheit neigt und keine Freunde hat, was erstaunt, denn Malcolm wirkt durchaus offen und ist sehr freundlich, wenn er auch zum Lernen unbedingt eine Behausung ohne Ablenkung sucht.

Zwei sehr liebenswerte Charaktere sind die alten Damen Mrs. Witham und Mrs. Dempster. Die Pensionswirtin Mrs. Witham, bei der sich Malcolm vorläufig eingemietet hat, um in Ruhe nach einem passenden Mietshaus zu suchen, ist eine sensible, sehr mütterliche Gestalt, die mehrfach darauf drängt, dass Malcolm doch lieber nicht in das ominöse Haus ziehen soll. Mrs. Dempster ist da schon ein energischerer Charakter, der allen Aberglauben von sich weist - witzigerweise rutscht ihr dann aber, auch zu Malcolms Vergnügen, doch heraus, dass sie keinesfalls nach Einbruch der Dunkelheit im Haus des Henkers sein will. Eine echte Schwäche gibt es in diesem Hörspiel nicht, allerdings verläuft das Ende ein wenig zu rasch, nachdem die unheimliche Situation so lange behutsam aufgebaut wurde.

Die Sprecher leisten allesamt hervorragende Arbeit und sind ideal besetzt. Timmo Niesners Stimme kennt man vor allem als deutsche Standardstimme von Elijah Wood und aus der Hörspielserie "Gabriel Burns"; den jungen, unbekümmerten Malcolm Malcomson spricht er sehr überzeugend. Ursula Sieg alias Mrs. Witham ist vor allem als deutsche Stimme von Rue McClanahan ("Golden Girls") populär, bei den jüngeren Hörern zudem als Tante Fanny bei den Fünf Freunden. Christel Merian wiederum als Sprecherin von Wilma Feuerstein sehr bekannt. Wilfried Herbst hat wieder einmal eine markante kleine Nebenrolle wie schon oft in der Serie, hier als jovialer Makler, der allerdings bei aller Freundlichkeit darauf bedacht ist, seinem potenziellen Mieter alle Bedenken auszureden. Den bedächtigen Erzähler spricht Hasso Zorn, wie auch schon im Zweiteiler "Das Bildnis des Dorian Gray".

Fazit:

Ein fast makelloses Gruselhörspiel, das subtil Spannung und Atmosphäre aufbaut. Die Sprecher sind erstklassig besetzt, die Handlung weist keine Längen auf. Sieht man davon ab, dass das Ende etwas rasch daherkommt, ist das Hörspiel rundum zu empfehlen.

Sprechernamen:

Erzähler: H. Zorn
Malcolm Malcolmson: T. Niesner
Mrs. Witham: U. Sieg
Mrs. Dempster: C. Merian
Mr. Carnford: W. Herbst
Dr. Thornhill: N. Langer
Richter: O. Mellies