23. Juni 2012

Bibi Blocksberg - Die Computerhexe

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Inhalt:

Bibi quält sich mit den Mathehausaufgaben. Nachdem sie mit Papis Hilfe endlich auf die Lösung gekommen ist, ruft sie Marita an, um die Ergebnisse zu vergleichen und ein wenig zu plaudern. Aber Marita hört gar nicht richtig hin, denn sie ist gerade mit ihrem neuen Computerspiel beschäftigt. Bibi legt wütend auf. Auch ihre anderen Klassenkameraden spielen am PC und haben keine Lust, sich zu treffen. Frustriert fliegt Bibi alleine mit Kartoffelbrei los.

Unterwegs kommt ihr die Idee, bei Florian vorbeizuschauen. Doch zu ihrer Enttäuschung sitzt auch er vor seinem Computer. Das Spiel heißt ausgerechnet "Hexenjagd". Es geht darum, als Jäger auf eine Computerhexe zu schießen. Bibi, erst empört über die Schießerei auf die Hexe, spielt mit und ist nach kurzer Zeit begeistert. Doch Flori ist besser als sie und steht kurz davor, die Hexe zum fünften Mal abzuschießen und zu gewinnen. Das will Bibi nicht zulassen. In letzter Sekunde befreit sie die Hexe per Hexspruch aus dem Computerspiel. Die Hexe entwischt tatsächlich aus dem Monitor. Sie lacht böse und droht, ihre Freiheit zu nutzen, um jede Menge Unsinn anzustellen.

Am nächsten Tag beginnt in Neustadt das Chaos. Alle verbliebenen "Hexenjagd"-Spiele wurden aus dem Computerladen gestohlen. Aber damit nicht genug: Die Computerhexe hat Zugriff auf alle PCs in der Stadt. Sie sabotiert und manipuliert die Geräte von Karla Kolumna, vom Bürgermeister, von der Sparkasse und allen anderen wichtigen Einrichtungen. Die Ampelanlagen spielen verrückt, der Schulcomputer baut unmögliche Stundenpläne. Bibi weiß, dass sie die übermütige Hexe wieder einfangen muss. Doch normale Hexsprüche scheinen nicht zu wirken. Gemeinsam mit Tante Amanda sucht sie nach einer Lösung ...

Bewertung:

"Die Computerhexe" gehört zu den Bibi-Folgen die deutlicher moderner als die meisten Episoden der Reihe gehalten sind. Normalerweise spielt Technik in Bibis Alltag keine große Rolle, hier allerdings dreht sich alles darum.

Kleine Lehre


Kinder erfahren durch dieses Hörspiel wie schon so oft, dass man lieber gut nachdenken soll, bevor man sich zu einer folgenreichen Handlung hinreißen lässt. Für Bibi gilt das ganz besonders, denn gerade eine Hexe muss achtgeben, was sie mit ihren Sprüchen anrichtet. Als Bibi kurz vor einer Niederlage gegen Flori in seinem Computerspiel steht, hext sie spontan die Hexe frei - ohne vorher zu ahnen, dass sie sich nicht einfach in Luft auflöst, sondern aus dem Bildschirm entfleucht und von nun an Unheil in der ganzen Stadt anrichtet. Es passiert Bibi häufig, dass sie vorschnell reagiert, nur die Folgen sind jedes Mal anders. Hier ist es also eine wild gewordene Computerhexe, die wieder eingefangen werden muss. Denn nur manche ihrer Schandtaten sind lustig und harmlos, andere sorgen für ein riesiges Chaos.

Des Weiteren erinnert das Hörspiel daran, dass man sich mit der fortschreitenden Modernität immer mehr zum Sklaven der Technik macht. Der Computerausfall durch die Hexe legt fast ganz Neustadt lahm. Etliche Informationen werden vertauscht, es gibt Fehlermeldungen, ganze Systeme, wie die Ampelanlagen, fallen aus. Auch den kleinen Hörern wird hier bewusst, dass Technik Segen und Fluch gleichermaßen sein kann.

Humorvolle Szenen


Das Chaos in Neustadt wird natürlich sehr humorvoll umgesetzt. Das beginnt schon bei Bibis verrückter Matheaufgabe, bei der sie die Prozentzahl von roten Unterhosen ausrechnen muss - eine völlig sinnlose Aufgabe, wie Bibi meint, denn schließlich kaufe sowieso kein Mensch rote Unterhosen. Dann ist da Karla Kolumnas Verzweiflung, als sie einen Artikel in den Computer tippt und auf dem Bildschirm nur irritierende Unsinns-Sätze über den "Traum der Bergfrösche auf Madagaskar" zu lesen bekommt. "Ja, hier Bergfrosch", meldet sie sich ganz verwirrt kurz darauf am Telefon.

Noch schlimmer hat es den Bürgermeister erwischt, das meint er zumindest, denn er kann das aktuelle Ergebnis der Wählerumfrage nicht abrufen. "Haben die Bürger die Antwort verweigert?", fragt Karla ganz aufgeregt, aber Sekretär Pichler wiegelt ab, nur der Rathauscomputer sei defekt. An einem Tag sind 80 von 100 Wählern demnach gegen den Bürgermeister, 19 ist er egal, und nur einer mag ihn - nämlich er selber. Am anderen Tag sind 100 Prozent auf seiner Seite, wobei sich der Bürgermeister eingesteht, dass auch das ein Fehler sein muss: "So eingebildet bin selbst ich nicht." Weniger taktvoll ist er allerdings gegenüber Karla Kolumna, als er sie durch seinen Sekretär mitsamt den beiden Hexen Bibi und Amanda ins Rathaus bestellt: "Auf eine Hexe mehr oder weniger kommt es nicht an."

Einige Schwächen


Es ist keine von Bibis besten Folgen, so viel steht fest. Zum einen ist es eher störend, dass hier ein so modernes Thema aufgegriffen wird. Computer sind normalerweise nicht Bibis Welt, viel zu oft wird in ihren Geschichten dafür plädiert, sich nach draußen zu begeben und/oder die Phantasie anzuregen, anstatt sich von Fernseher oder Videospielen berieseln zu lassen. Daher wirkt es vielmehr, als habe man gezwungenermaßen eine moderne Computerfolge in die Serie einbauen wollen, um sich den Vorlieben der heutigen Kinder anzupassen. Das ist schade, denn die meisten Bibi-Fans schätzen gerade die etwas altmodische Welt, in der die kleine Hexe lebt. Zudem ist die Folge inhaltlich eher auf ältere Hörer zugeschnitten. Die offizielle Freigabe "ab 5 Jahren" trifft hier kaum zu, denn Vorschul- und Grundschulkinder können hoffentlich noch nicht viel mit Computerspielen  anfangen. Erschwerend hinzu kommt, dass die Computerhexe eine recht nervige Gestalt ist. Ihre krächzige Stimme, die an eine alte Märchenhexe erinnert, geht einem nach wenigen Minuten auf den Geist, ganz zu schweigen vom übertriebenen Kichern.

Gute Besetzung mit Einschränkung


Diese Folge gehört zu den wenigen Episoden, bei denen Barbara Blocksberg alias Hallgard Bruckhaus nicht mit von der Partie ist, genau wie in der Folge zuvor - offenbar stand die Sprecherin bei den Aufnahmen nicht zur Verfügung. Das Fehlen von Bibis Mutter wurde mit einem Kuraufenthalt erklärt, und an ihrer Stelle sorgt ihre Hexenfreundin Amanda für den Blocksberg'schen Haushalt. Barbara Ratthey, Amandas Stammsprecherin, ist eine Idealbesetzung. Die tiefe, heisere Stimme der populären Synchronsprecherin, die unter anderem für "Golden Girl" Estelle Getty zuständig ist, eignet sich hervorragend für eine Hexe, ohne dabei penetrant zu klingen. Tante Amanda ist für Bibi eine Art zweite Mutterfigur, dabei aber durchaus frech und bisweilen streng, und sie kompensiert Barbaras Fehlen gut.

Constanze Harper als Computerhexe allerdings übertreibt es ein wenig mit ihrer hexischen Stimme, ihr mag man nicht unbedingt lange zuhören, was aber vor allem daran liegt, dass sie so häufig lachen muss. Hexenstimmen zu sprechen ist Constanze Harper übrigens gewohnt, sie spricht in einer späteren Folge die böse Hexe Malizia und hat eine kurze Rolle in der Folge "Der Hexengeburtstag". Florian und Marita besitzen hier erfreulicherweise noch ihre Originalstimmen. Bei Maritas Sprecherin darf man sich nicht vom Nachnamen irritieren lassen, der durch eine Heirat von Buschenhagen zu Gessner gewandelt ist, natürlich handelt es sich um die gleiche Sprecherin wie früher.

Fazit:

Eine unterhaltsame, aber nicht überdurchschnittliche Bibi-Folge, die sich um Computerspiele und wild gewordene Hexen dreht. Im Gegensatz zu den allermeisten anderen Episoden ist sie recht modern gehalten, was eher ältere Bibi-Hörer anspricht. Die kindgerechte Lehre und genügend Humor sind vorhanden, andererseits beginnt die Stimme der Computerhexe schnell zu nerven. Hörenswert, aber kein Muss, außer für Bibi-Fans.

Sprechernamen:


Bibi Blocksberg: S. Bonasewicz
Bernhard Blocksberg: G. Weber
Amanda: B. Ratthey
Karla Kolumna: G. Fritsch
Florian: O. Elias
Marita: T. Gessner
Bürgermeister: H. Giese
Computerhexe: C. Harper
Erzähler: J. Nottke

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